Filmkritik: MOHABBATEIN (7/10)
11. October 2005
Heute hat Amazon mit etwas Verspätung (aber dafür passend zu Amitabh Bachchans Geburtstag) endlich meine Mohabbatein-DVD geliefert, und nachdem heute netterweise alle meine Schulstunden ausgefallen sind, hatte ich auch genügend Zeit mir den Film in ungeschnittener Fassung und im Originalton anzusehen.
Mein Eindruck von der TV-Ausstrahlung hat sich mehr oder weniger bestätigt, natürlich ist diese Version um einiges besser als die Synchro – aber meine Hauptkritikpunkte sind geblieben.
Regisseur: Aditya Chopra
Musik: Jatin-Lalit
Darsteller: Shahrukh Khan, Amitabh Bachchan, Aishwarya Rai, Uday Chopra, Anupam Kher
Crew: Yash Chopra (producer), Farah Khan (choreography), Karan Johar und Manish Malhotra (costumes), Sharmishta Roy (Art Direction)
Erscheinungsjahr: 2000
Titel: lovestories
STORY
Narayan Shankar (Amitabh Bachchan) leitet sein Elitecollege Gurukul mit eiserner Hand – bis der junge Musiklehrer Raj Aryan (Shahrukh Khan) auftaucht, der seine Studenten die Macht der Liebe lehrt und damit Shankars Grundpfeiler Tradition, Ehre und Disziplin zum Einstürzen bringen will. Denn Raj hat noch eine offene Rechnung mit Narayan Shankar…
REVIEW
Aditya Chopra stand nach seinem Riesenerfolg mit Dilwale Dulhania Le Jayenge vor dem großen Problem, wie er mit einem neuen Film seine selbst durch seinen Debütfilm gesetzte Latte erreichen sollte. Er entschied sich, ein bombastisches, überlebensgroßes Plädoyer für die Liebe zu drehen, ein Epos, in das er alles mögliche integrieren wollte.
Leider schafft er es nur bedingt, mit diesem Anspruch einen tollen Film zu schaffen. Die drei Liebesgeschichten mit ihren vielen nebenbei mitschwingenden Moralbotschaften (Selbstbestimmung von Mädchen, dass man sich nicht verstellen soll, weil eine solche Liebe nur ein Kompromiss ist, dass knappe Kleidung keine inneren Werte ersetzen können…usw) plus die alles überragende Liebe zwischen Raj und Megha plus den Konflikt Raj-Shankar, Liebe-Angst, Veränderung-Tradition – all das ist einfach zu viel für einen Film, letztendlich wirkt die ganze Handlung etwas arg konstruiert. Das ist eigentlich das, was mich am meisten stört, irgendwie wird man mit der ganzen Story nicht warm, weil alles so konstruiert ist. Natürlich trifft das auch viele Bollywoodfilme zu, doch nirgends war es für mich bisher so nervig offensichtlich wie bei Mohabbatein. Aditya Chopra wollte einfach zu viel, und so bleibt vieles auch sehr oberflächlich – vor allem natürlich die drei Liebesgeschichten der jungen Helden. So arg sich Chopra auch bemüht da Abwechslung zu schaffen, irgendwie gleichen sie sich halt doch und bewegen den Zuschauer bei weitem nicht so, wie wir es von Bollywood-Liebesgeschichten gewohnt sind. Aber so langweilig, wie das jetzt vielleicht klingt, ist es aber gottseidank nicht, im Grunde sind die 6 Newcomer ganz sympathisch – zumindest die Paare Karan-Kiran und Sameer-Sanjana. Mit Vicky und seiner Ishika kann ich nun einfach nichts anfangen; ich kann beide Charaktere nicht ausstehen und die Darsteller machen das Ganze auch nicht unbedingt besser. Vor allem Uday Chopra als Vicky nervt, wobei er im Originalton etwas besser wegkommt, seine Synchronstimme war schrecklich. Und wer bitte hat einer Person mit so wenig Sexappeal erlaubt, ständig mit offenem Shirt herumzulaufen? Dämliche Vetternwirtschaft in Bollywood, reicht es nicht, jeden dahergelaufenen Kapoor ins Filmbusiness zu lassen, müssen auch alle Chopras mitmischen? Nun ja, da kann man nichts machen, scheint wohl sowieso Geschmacksache zu sein…
Zurück zu den positiven Aspekten des Films: Shahrukh Kahn und Amitabh Bachchan und ihr gesamter Handlungsstrang.
Grob könnte man sagen, jede Szene mit diesen Beiden im Bild ist toll – und alle anderen fallen gegen dieses Niveau stark ab. Der Kampf zwischen diesen Ikonen des Hindifilms ist grandios und diese Spannung hält den ganzen Film am Laufen. Im Vorfeld hatte ich eigentlich gedacht, es gäbe nur ein paar wenige Konfrontationen der Beiden und der Film würde sich auf die jungen Liebespaare konzentrieren – zum Glück ist das nicht so und ich wurde angenehm überrascht als ich gesehen hab, dass wirklich jede Gelegenheit wahrgenommen wurde sie aufeinandertreffen zu lassen. Und diese vielen Szenen werden noch nicht mal auf Dauer langweilig, im Gegenteil, ab der Intermission, als Shankar erkennt, wer Raj Aryan wirklich ist, werden diese Begegnungen nur noch emotionaler und intensiver. Wie erwartet gewinnen vor allem diese Szenen stark mit dem Originalton, Shahrukhs viele Untertöne in seinen Sätzen kann Pascal Breuer nun mal nicht rüberbringen, und Gandalfs deutsche Synchronstimme für Mr. Bachchan hat mich zwar immer wieder zum lächeln gebracht, aber sein eigener tiefer Bass ist halt doch noch am besten.
Man kann eigentlich überhaupt sagen, dass Mohabbatein ein eher mittelmäßiger Film mit einigen wirklich genialen Szenen ist. Das gesamte Endprodukt mag enttäuschen – aber manche Teile davon sind überragend, und dürften bei mir demnächst in Dauerschleife abgespult werden. An erster Stelle steht hier für mich die Szene, als Narayan Shankar die frisch vereinigten Paare auf einem Fest ertappt und Raj Aryan ihn aber einfach trotzig wegtrommelt. Diese ganze Sequenz ist grandios – von den Schauspielleistungen über den Szenenaufbau und die Kamera bis hin zum perfekt passenden Lied und den dramatischen Lyrics stimmt hier einfach alles. Vor allem, weil davor im Film fast jede Konfrontation Raj-Shankar mit einem von Bhangra-Trommeln begeleiteten dramatischen Abgang geendet hat, und nun nimmt Raj die Sache halt einfach selbst in die Hand und trommelt Shankar vom Fest fort.
Überhaupt ist die Inszenierung des gesamten Films wirklich toll, und obwohl ich keinerlei Ahnung von Filmtechnik hab, scheinen mir hier doch lauter sehr fähige Leute am Werk gewesen zu sein. Schon allein wie die beiden Kontrahenten Raj und Shankar jeweils in Szene gesetzt werden – immer ein Genuss zuzusehen.
Zu den tollen Szenen sollte man auch alle zählen, in denen Aishwarya Rai auftaucht, hier ist sie mal so natürlich wie selten und es steht ihr ausgezeichnet. Sie spielt ihr kleine Rolle ohne jegliche Anstrengung – und bei ihren Szenen mit
Shahrukh Khan hat man mal wirklich das Gefühl “Liebe” zu sehen, im Gegensatz zu den Szenen der drei jungen Pärchen. Eine Erwähnung ist auch noch Anupam Kher wert, der hier leider den Clown spielen muss…aber im Grunde mit “Miss Briganza” Archana Puran Singh ein paar ganz nette Szenen hat. Zumindest der Anfang mit Songs aus Taal und KKHH ist nett…
Hach, man könnte zu Mohabbatein noch vieles schreiben, aber eigentlich reicht ein kleines Fazit: Shahrukh Kahn und Amitabh Bachchan in Bestform mit guter Handlung plus 6 Newcomer, die nur teilweise überzeugen in eher durchschnittlichen Nebenstorys: das ergibt einen konstruierten Möchtegern-Epos, der nur bedingt bewegt, aber einige wirklich famose Szenen hat. Wie bewertet man sowas? Hmm…schüttet man alles zusammen, so wiegen die guten Szene die langweiligen Handlungsstränge wieder auf, damit wäre ich bei 8 Punkten, aber dann gibt´s noch einen Punkt Abzug, weil man von dem Film kaum berührt wird, also endgültige 7 Punkte von 10. Meiner Meinung nach hat der Film weder die schlechten Bewertungen, die er teilweise bekommt, noch die Erfolge beim Kinopublikum verdient…mal schauen, ob Aditya mal wieder auf den Regiestuhl klettern will. Würde mich freuen – aber von mir aus darf er auch weiterhin Drehbücher schreiben, solang so nette Filme wie Veer-Zaara und Bunty aur Babli dabei rauskommen…
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12. October 2005 um 14:00
Hm, komische Bewertung: Mittelmäßig mit ein paar guten Szenen -> fast 8 Punkte… Ich sag ja, du bewertest zu gut
!
Was machen die Devdas-Extras? Hast du da schonmal reingeschaut?
12. October 2005 um 15:12
Ich weiß, meine Bewertungen sind wirklich meistens zu gut…vor allem, wenn es sich um SRK-Filme handelt…nun ja, siehs so: Ich finde, der Filmrahmen, sprich die generelle Handlung, ist eher mittelmäßig, aber viele Szenen (wirklich viele) sind grandios, sowohl von der Idee als auch von der Inszenierung her – und diese tollen Szenen reißen den Rest wieder heraus. Mohabbatein ist ganz klar ein Film, den ich wohl selten nochmals komplett von vorne bis hinten sehen werde, aber einige Szenen davon werd ich immer und immer wieder sehen können. Sowas kann ich nur schwer bewerten…
Hast du ihn eigentlich angeschaut? Was hältst du davon?
Die Devdas-Extras hab ich immer noch nicht gesehen…wahrscheinlich am Wochenende. Ich weiß immer noch nicht, wan ich Devdas besprechen soll, ich würd schon gern bald was schreiben, aber dazu muss ich ihn vorher nochmal komplett anschauen…
12. October 2005 um 16:21
Ja, hab ihn auch gesehen. Die Amitabh-SRK-Geschichte gefiel mir auch am besten. Ansonsten war mir der Film viel zu vorhersehbar und schmalzig, diese permanenten “Liebe ist…”-Reden gingen mir mächtig auf die Nerven. Besonders gegen Ende wurde es grausam, als man sich die ausufernden Liebesschwüre gleich 3mal anhören musste… Naja, aber er war insgesamt doch besser als erwartet. Habe allerdings die DVD noch nicht und bevor ich ihn nicht im Original gesehn hab, kann ich ihn ja gar nicht bewerten. Aber auch wenn er im Original ein Stück besser sein sollte, denke ich nicht, dass es mehr als 6 Punkte werden… Mal schaun.
Was denn, du scheust dich Devdas nochmal zu sehen? Ich denke dir gefiel er so gut?
12. October 2005 um 16:36
Na, da scheinst du eh ähnliche Eindrücke von dem Film zu haben wie ich…aber du musst doch zugeben, dass Bollywoodfilme generell oft vorhersehbar, schmalzig und vollgestopft mit Liebesschwüren sind – selten so schlimm wie hier, aber ich hab mich da schon sehr daran gewöhnt. Wenn ich Mohabbatein vor ein paar Monaten gesehen hätte, dann hätte meine Bewertung sicherlich anders ausgesehen…
Das Original verbessert leider nur die Leistungen der Schauspieler, SRK Synchronstimme schafft nun einmal keine emotionalen Szenen, Pascal Breuer klingt immer sofort weinerlich, wenn SRK gleichzeitig nur intensiver klingt…oh, und einige neue Szenen sind halt auch toll, beispielsweise die Einführungsszene von Raj Aryan, in der man nur seine Hand sieht, die Blumen verteilt – toll gemacht. Aber der gesamte Film wird dadurch kaum besser, die Schwächen im Drehbuch bleiben nun mal…
Oh, und ich scheue mich keinesfalls Devdas nochmal zu sehen *g* – ich seh den ausschnittsweise eh andauernd. Ich brauch bloß Zeit, und eventuell wollte ich den Film einem Freund vorführen…mal schaun, was daraus wird.
12. October 2005 um 17:38
Ja, du hast natürlich recht, schmalzig und vorhersehbar sind viele Bollywoodfilme, aber wie du selbst schon sagst, einen so “schlimmen” habe ich noch nicht gesehen. K3G z.B. war zwar auch dick aufgetragen, aber mit Ausnahme des “schließe deine Augen und denk an deine Eltern”-Spruchs war er auszuhalten.
12. October 2005 um 21:22
Hm…K3G ist da aber auch schon ganz nah an Mohabbatein dran, der ist auch sehr, sehr konstruiert…egal, ist wohl Geschmackssache. Beide Filme tragen zeitweise schon sehr dick auf.
Weil du mich eh grad an K3G erinnerst: ich fand Amitabh Bachchan in Mohabbatein sehr viel besser als in K3G. Ich wollte das nur mal betonen, weil ich meistens hör, dass seine Mohabbatein-Rolle zu eindimensional ist, und er in K3G besser spielt…ich empfinde das irgendwie anders. In K3G ist er nur streng und stur, in Mohabbatein hat er dafür eine gewisse Erhabenheit…gefällt mir viel besser. Das nur mal so am Rande…
13. October 2005 um 17:55
Was Amitabhs Rolle angeht muss ich dir recht geben. In Mohabbatein ist er irgendwie auch facettenreicher. Seine Leistung kann ich jedoch noch nicht beurteiln, weil ich wie gesagt das Original noch nicht kenne.
Mal was anderes: Du sagtest gerade, dein Blog würde mit dem IE komisch aussehen – ich surfe mit dem IE und ich finde es sieht alles normal aus… Hier mal ein Pic: http://img300.imageshack.us/img300/4315/17yr.png
13. October 2005 um 18:06
Schön, dass du mir da zustimmst. Amitabh war mir nach K3G komplett unsympathisch, ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum ihn alle so toll finden – inzwischen hat sich meine Meinung natürlich geändert, K3G ist wirklich seine schlechteste Rolle…
Wegen dem IE, freut mich, dass dir noch gar nichts aufgefallen ist. *g* Was ich gemeint habe, sieht man erst, wenn man auf einen bestimmten Eintrag klickt, dann verschiebt sich nämlich die gesamte Sidebar ans Ende der Seite – wo sie natürlich nicht hin soll. Ich versteh nicht, warum der IE immer wieder da rumspinnen muss, warum kann der nicht wie jeder andere vernünftige Browser funktionieren? Firefox ist da so viel angenehmer…
13. October 2005 um 18:29
Ah, jetzt seh ich erst was du meinst. Ist mir nie aufgefallen. Aber da unten macht sie tatsächlich keinen Sinn… Ansonsten muss ich sagen hatte ich mit dem IE noch nie Probleme (okay, er stürzt manchmal ab…), was natürlich auch daran liegen kann, dass ich die Pages nicht mit anderen Browsern kenne.
13. October 2005 um 18:45
Normalerweise funktionieren auch die meisten Seiten mit dem IE, aber er verweigert halt gern einige Befehle und Programmierungen die andere Browser ohne Probleme umsetzen. Ich selber versteh da sowieso wenig davon, ist mir nur aufgefallen als ich zusammen mit meinem Bruder das Layout gemacht hab, da mussten wir desöfteren irgendwas umschreiben, weil der IE gestreikt hat.
Was den Firefox dagegen so toll macht, ist halt, dass er einwandfrei ohne Murren funktioniert und es für ihn auch wahnsinnig viele geniale Erweiterungen gibt – surfen macht wirklich mehr Spaß mit diesem Browser und ich grieg jedesmal die Krise wenn ich in der Schule mit dem IE arbeiten muss.
12. March 2006 um 23:25
Ich sehe ihr habt eine super Deutschbegabung, also verschwendet sie doch nicht hier.
13. March 2006 um 05:46
waaaaah, Amitji in Mohabbatein gut? Na ja, Maria, wir haben ja schonmal drüber gestritten *gg
13. March 2006 um 09:33
@michael: Oh ja, sehr gut. Gut genug für je einen IIFA- und Filmfare-Award. Ha, ich hab die indischen Massen hinter mir! *g*
@hmmmm: Wohin sollten wir sie denn dann verschwenden?
13. March 2006 um 18:26
Vielleicht an die Zeitung, ist eine Möglichkeit. Aber dir wird bestimmt etwas einfallen davon bin ich überzeugt.
25. August 2007 um 12:49
dieser film ist einfach wunderschön
17. November 2007 um 10:53
[...] Mariakaefer (7.5/10) – zur Review [...]