Filmkritik: SWADES – We, the People (10/10)
23. November 2005
So, endlich ist es soweit, die Swades-Kritik ist da. Hoffentlich rechtzeitig, damit möglichst jeder, der die Möglichkeit hat, den Film am 2.12. im Fernsehen zu sehen, den auch unbedingt ansieht. Denn Swades steht im Moment unangefochten an der Spitze meiner liebsten Bollywoodfilme – und ich kann nur jedem Menschen wünschen, in den Genuss dieses Filmes zu kommen.
Ich weiß zwar, dass wohl nur wenige meine absolute Begeisterung für diesen Film teilen werden, aber die zum Teil wirklich schlechten Kritiken, die Swades in Indien bekommen hat, hat er sicher nicht verdient.
Regisseur: Ashutosh Gowariker
Musik: A.R. Rahman
Darsteller: Shahrukh Khan, Gayatri Joshi, Kishori Ballal
Crew: Ashutosh Gowariker (producer)
Erscheinungsjahr: 2004
Titel: Our Land
STORY
Mohan (Shahrukh Khan) arbeitet bei der NASA und lebt nun schon 12 Jahre in den USA – bis ihn auf einmal Schuldgefühle überkommen und er sein früheres Kindermädchen Kaveriamma (Kishori Ballal) aus Indien zu sich holen will. Doch in dem kleinen Dorf in dem diese nun lebt findet Mohan neben der schönen Lehrerin Gita (Gayatri Joshi) auch eine Menge soziale Probleme – und seine eigene Verbundenheit zu Indien.
REVIEW
Gleich mal vorweg für alle Erstaunten: 10 von 10 Punkten? Ist das bei Swades tatsächlich angebracht? Hat der Film wirklich alles, was man davon erwartet? Vielleicht nicht, die meisten Kritiker würden ihm weniger geben – und doch liebe ich diesen Film von ganzem Herzen, von vorne bis hinten, jede einzelne Szene. Selbst bei wirklich guten Filmen hab ich oft das Gefühl, das noch irgendetwas fehlt – hier nicht. Das geht mir sehr selten so, und allein für dieses Gefühl hat sich Swades seine 10 Punkte verdient. Meine Kritiken sind ja sowieso alle sehr subjektiv – aber hier gibt´s nur reines Bauchgefühl. Denn erklären kann ich diese Faszination nicht.
Nachdem wir das geklärt hätten, kann ich ja mit der normalen Review weitermachen…
Ashutosh Gowariker hat mit seinem letzten Film Lagaan die Massen begeistert und sich eine Oscarnominierung geholt – da waren die Erwartungen an sein Nachfolgewerk natürlich hoch. Und in den Kritiken zu Swades liest man dann auch oft genug, er wäre kein zweiter Lagaan geworden. Stimmt, ist er tatsächlich nicht – Swades ist besser. Ich hoffe, alle Lagaan-Fans können mir diesen Frevel vergeben, doch während Lagaan nur ein recht oberflächlicher, netter Film war, hat mich Swades tief berührt, und tut dies immer noch bei jedem Sehen.
Swades ist unglaublich ruhig und leise, doch durch die angesprochenen sozialen Probleme und die dargestellte Realität entwickelt er eine
enorme Kraft, die mich jedes Mal wieder fasziniert.
Gowariker kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, er geht die Kritik an seinem Land eher vorsichtig an und schildert uns weniger herausragende, schockierende Umstände als einfach nur die wirkliche Situation in einem kleinen indischen Dorf – ohne Action, Katastrophen oder ähnlichem. Es gibt hier keinen Schuldigen, es gibt hier noch nichtmal Charaktere, die man hassen könnte, oder deren Handlungen man nicht verstehen würde. Nein, Swades übertreibt nicht, sondern ist durchwegs ehrlich und leise – und gerade dadurch wirkt er so überwältigend.
Schön dabei: der kritische Patriotismus. Meine Generation in Deutschland ist ja so gut wie komplett ohne patriotische Gefühle für unser Land aufgewachsen – doch dabei ist das prinzipiell nichts Schlechtes. Und im Gegensatz zu vielen hurra-patriotischen Bollywoodfilmen arbeitet Gowariker mit viel Kritik – doch man merkt jederzeit, dass er sein Heimatland wirklich liebt und achtet und daran glaubt. Mohan fasst das eh irgendwann wunderbar zusammen: Indien ist nicht das größte Land – aber es hat das Potential, groß zu werden.
Apropos Mohan: Man könnte befürchten, dass Swades zu einer Shahrukh-Khan-One-Man-Show verkommt – schließlich ist Mohan fast in jeder Szene, und wenn er mal nicht auf der Leinwand zu sehen ist, dann wird über ihn geredet. Doch seltsamerweise, obwohl King Khan normalerweise jeden Film an sich reißt und dominiert, ist dies hier nicht der Fall. Denn er spielt sehr zurückhaltend, lässt seinen Nebendarstellern genauso viel Platz wie sie brauchen, kommt nicht mal in die Nähe von Overacting – und liefert schlicht und einfach die beste Darstellung seiner Karriere. Es ist wirklich ein Traum ihm beim spielen zuzusehen, für SRK-Fangirls wie mich sowieso, aber auch für andere. Denn nur weil er unaufdringlich spielt, bedeutet das nicht, dass man nichts von seinem typischen Charisma zu spüren bekommt. Shahrukh hat in Swades eine anziehend Ausstrahlung wie selten – und dadurch, dass er sich so perfekt an den Film anpasst, überträgt sich diese Magie auch auf seine Umgebung. Man muss das Swades-Dorf und seine Einwohner einfach lieben.
Das gilt zuallererst natürlich für die größeren Rollen, Karveriamma und Gita. Kishori Ballal ist sicherlich die sympathischste (Ersatz-)Filmmutter, die ich in Bollywoodfilmen bisher kennengelernt habe, man würde sie am liebsten knuddeln. Gayatri Joshi spielt in ihrem Debütfilm großartig, anfangs rollenbedingt noch etwas reserviert, aber dabei sehr charismatisch und mit starkem Charakter. Schade, dass sie kürzlich
verlauten lies, in Zukunft keine Filmrollen mehr anzunehmen. Dayashanker Pandey als Melaram mag zwar streckenweise etwas nerven, spielt aber auch ganz ordentlich, genauso wie Rajesh Vivek als Postmeister.
Faszinierend jedoch auch, wie unglaublich liebenswert all die kleineren Nebenrollen und sogar die Statisten sind – in jeder Szene kann man ein paar Figuren entdecken, die so real und aus dem Leben gegriffen wirken, dass es eine Freude ist. Das kommt in Filmen ja eher selten vor – aber hier wirkt wirklich das gesamte Dorf, als ob es genauso so existieren würde und zufällig läuft da eben grade Shahrukh Khan durch, und fällt noch nichtmal auf, weil er so natürlich wirkt.
Und wo ich hier schon mal schreibe, muss ich auch auf ein Element des Films hinweisen, in das ich schon richtig verliebt bin, weil man dazu immer wieder neues entdecken kann: Wasser. Ich glaube, ich hab selten gesehen, dass ein Regisseur es so schön hinbekommen hat, die Charakterentwicklung einer seiner Figuren so perfekt in irgendeinem Motiv wiederzuspiegeln. Hier ist es eben Mohans Umgang mit Wasser, insbesondere dem Wasser seiner Heimat. Ich will das ganze hier gar nicht so ausführlich darstellen (das wär mal ein Thema für einen eigenen Artikel), aber achtet da einfach mal drauf – wie Mohan anfangs nur mit seinen Plastikmineralwasserflaschen anzutreffen ist, den angebotenen Becher von Kaveriamma stillschweigend auf die Seite stellt, über diesen rührenden, hochemotionalen Augenblick nach seiner Reise zu Haridas, als er dem kleinen Jungen sein Wasser abkauft, den ersten Schritt auf seine Heimat zu macht und bis zu seiner Vollständigen Identifikation mit seinem Land und dem Bad im Wassertank…dieses Thema wird ständig aufgegriffen. Aber niemals so, dass man mit dem Kopf daraufgestoßen wird – nein, hier gibt´s subtilen Einsatz von solchen Stilmitteln, so was gibt´s in Bollywood nur selten und das darf man schon mal würdigen.
Mir fallen dabei gerade eine Menge wunderbarer kleiner Szenen ein, die ich gerne ansprechen und lobhudeln würde – aber da werd ich ja nie fertig, und ihr sollt den Film ja auch noch selbst entdecken können. Nur eine Sequenz sei erwähnt: Mohan verdeutlicht den Dorflern anhand der Sterne, dass man nur gemeinsam etwas erreichen kann, allein für sich kann niemand etwas ausrichten. Diese Szene nun ist wohl kaum noch subtil zu nennen – aber so was von traumhaft schön und herzerweichend, dass ich sie immer wieder sehen könnte.
Ich sollte so langsam zu einem Ende kommen – ich schreib ja doch nichts Vernünftiges mehr. Solch unrationalen Begeisterungen in angemessene und passende Worte zu fassen, ist mir schon immer schwer gefallen. Swades ist einfach ein wunderbarer, genialer Film, an dem für mich alles stimmt. Das beste Schlusswort für eine Review wie diese, die wirklich nicht erklären kann, was ich eigentlich meine, kommt aus dem Film selbst, also erteilen wir Mohan das Wort:
“If you can´t understand after hearing all this…then it´s pointless telling you anything. You´ll have to come there and see things. Otherwise you´ll never understand.â€
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23. November 2005 um 22:13
Ich hab mir zwar bislang nur den Musikteil durchgelesen (der Rest kommt erst, wenn ich den Film kenne), aber wow – 10 von 10 Punkten, klingt vielversprechend!
Btw: Diese neue Leiste mit den letzten Kommentaren etc. gefällt mir super! Ach ja, und ich hab die Trackback-URL gefunden, wirklich sehr versteckt.
Ist DCH eigentlich schon angekommen? Ich weiß ja nicht wie lange so eine UK-Importbestellung bei amazon dauert…
23. November 2005 um 22:19
Ach, erwarte nicht, dass dir der Film genauso gut gefallen wird – ich will hier keine zu hohen Erwartungshaltungen produzieren. Aber zumindest hab ich Hoffnungen, dass dieser Film dein Shahrukh-Bild ein wenig ändert *g*
Freut mich, dass dir die Kommentarleiste gefällt…bloß bisher hab ich immer noch ein paar Problemchen mit der Sidebar, die macht immer noch nicht genau das, was sie soll. Aber fürs erste reichts so..
DCH ist immer noch nicht da, nein… aber ich geh davon aus, dass der in den nächsten Tagen eintrudelt, und dann gibt so bald wie möglich auch die Kritik dazu, versprochen!
24. November 2005 um 06:05
absolute begeisterung? durchaus nachvollziehbar, gerade weil srk brilliant spielt in swades. weniger ist mehr mag ausgeleiert sein, aber es passt vorliegend eben auch. shahrukhs leises spiel ist einfach gut. und deshalb gehen auch 10 punkte in ordnung
gute kritik übrigens.
24. November 2005 um 20:10
Schön, dass man meine Begeisterung nachvollziehen kann – wirklich erklären kann ich sie ja eigentlich nicht. Bauchgefühl halt (ihr kennt das ja…). Oh, und danke für das Lob für die Kritik, Michael!
28. November 2005 um 00:55
Ich stimme dir 100% zu. Ich habe den Film bestimmt schon 20mal gesehen und trotzdem nicht genug. SRK ist wirklich absolut brilliant, läßt seinen Mitspielern jedoch genug Platz. Die Musik ist auch klasse. Das mit dem Wasser habe ich noch nie so betrachtet, aber es stimmt. Ich hoffe nur, dass die Begeisterung für diese Filme weiter anhält und noch wächst. So then Bye-Bye
29. November 2005 um 17:41
ich möchte ein sport von ein lied
03. December 2005 um 10:12
Film gestern gesehen, war definitiv der beste Bollywood-Fiulm, den ich je gesehen habe. Und auch der definitv beste Soundtrack von meinen bisher gesehen Bollywood-Filmen.
14. March 2006 um 16:06
ich liebe den film dewdas
14. May 2006 um 16:30
ich kenne yeh taara yoh taara kenne ich ausswendig und ich finde alle bollywood filme tool ich finde sharukh und kajol sind die besten . namaste
11. September 2006 um 09:20
Habe am Wochenende mal in deinen ganzen Reviews gestöbert. Daraufhin habe ich mir nach 6 Monaten mal wieder die DVD von Swades angesehen. Das hat mir einen wunderschönen entspannten Samstagnachmittag gebracht.
Danke!
11. September 2006 um 16:34
Gern geschehen – es freut mich natürlich, wenn ich mit meinen Kritiken Leute dazu bringen kann, Swades zu gucken! *g*
24. November 2006 um 11:39
Swades ist leider der einzige Film, den ich mir aus Geldmangel nur in der Videothek ausgeliehen und nicht selbst gekauft habe. Nach dem Anschauen, war mir bewußt, dass ich so dekadent sein muss und diesen Film doch noch anschaffen muss (Der Typ im Verleih guckt schon ganz komisch, weil ich immer denselben Film ausleihe).
DIESER FILM IST DER ABSOLUTE OBERHAMMER.
Selten so (zu recht) geflennt und eine dermaßene Lust zu tanzen bekommen. Der Soundtrack ist abartig gut und gefällt sogar Leuten. die normalerweise bei dem Wort Bollywood die Augen verdrehen.
Könnte den Film zusammen mit Main Hoon Na in Endlosschleife schauen. Das der 10 Punkte bekommen hat, wundert mich nicht…
Gott sei Dank ist gleich Wochenende und der Videoverleih gleich um die Ecke…
30. April 2007 um 20:52
ich finde diesen film echt schön,ich würde ihn gerne 10/10 sternen geben,aber wegen gayatri joshi ziehe ich einen stern ab.
ich hasse sie.
02. July 2007 um 18:58
Ich stimme auch zu.
Swades ist mein absolut lieblingsfilm! Ich habe der Film bestimmt 20 Mal gesehen.Und SRK ist einfach klasse und sieht da auch super aus!!Einfach großartig!
Trotz Probleme in Indien werden die Themen ganz gut behandelt! Ich war im Dezember in Indien (auch in der Gegend: Uttar-Pradesh und Delhi) und der Film beschreibt die Situation wirklich ganz gut.
Extreme Gastfreundlichkeit und positives Denken der Indern, Ihr Stolz anber auch die “nicht so schöne Seite” Stromausfall z.B, Armut, Kinderhochzeiten etc..
Aber…trotzdem Indien ist wunderschön!
15. November 2007 um 20:01
[...] Mariakaefer (10/10) – zur Review [...]
20. May 2008 um 18:09
bä bä bä