Filmkritik: KAANTE (4/10)

31. January 2006

kaante.jpgAbschluss der Gangsterfilmreihe: Kaante. Überraschenderweise fand ich den gar nicht toll – über einige Sachen hab ich mich sogar richtig geärgert.
Das hat mich übrigens auch wieder daran erinnert, warum ich Filme meistens gleich nach dem Sehen rezensiere: Ich hab mich heut die ganze Nacht über Kaante aufregen müssen und bin dem Film nun schon fast persönlich beleidigt. Was natürlich nichts an der Bewertung ändert, die stand schon gestern fest.

Regisseur: Sanjay Gupta
Musik: Anand Raj Andand, Vishal, Shekar
Darsteller: Amitabh Bachchan, Sanjay Dutt, Sunil Shetty, Lucky Ali, Kumar Gaurav, Mahesh Manjrekar
Crew: Kurt Brabbee (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2002

STORY
Grundlos verdächtigt treffen sich 6 Gauner in einer Gefängniszelle, Major (Amitabh Bachchan), Ajju (Sanjay Dutt), Marc (Sunil Shetty), Baali (Mahesh Manjrekar), Mac (Lucky Ali) und Andy (Kumar Gaurav). Wo sie schon mal so schön beisammensitzen, schmieden sie gleich einen Plan eine Bank auszurauben. Das tun sie dann auch, doch plötzlich taucht die Polzei auf – anscheinend hat einer der 6 sie verpfiffen. Doch wer?

REVIEW
Gleich mal vorweg: Meine Kritik zu Kaante ist weniger eine Kritik geworden, als ein Frustablassen. Ich bin ja wirklich recht enttäuscht, was bei diesem Projekt herausgekommen ist. So schlecht wie sich das jetzt anhören mag, ist der Film gar nicht – aber ich muss jetzt trotzdem erstmal meinen à„rger loswerden. Ein paar kleinere Usual Suspects- und Reservoir Dogs-Spoiler könnten folgen.

Kaante ist wieder einmal ein netter Mix aus Hollywoodfilmelementen, diesmal triffts The Usual Suspects und Reservoir Dogs, beides Filme die ich sehr gerne mag. Es ist aber schon eine Weile her, dass ich letzteren gesehen hab, ich werde hier also von einem genauerem Vergleich absehen.
Ich hab ja auch nichts dagegen, wenn bei Hollywood geklaut wird, man muss es halt nur richtig machen. Und wenn man sich bei so Klassikern wie The Usual Suspects und Reservoir Dogs kaante-draußen.jpgbedient, dann sollte man halt auch drauf achten, dass es irgendwie zusammenpasst. Tuts aber nicht. In The Usual Suspects haben wir einen Gangsterboss, der ein Treffen von Gangstern arrangiert um sie zu seinen Zwecken zu missbrauchen. In Reservoir Dogs haben wir einen Undercoverpolizisten, der sich bei einer Gangstergruppe einschleicht. In Kaante haben wir jetzt also die Polizei, die ein Treffen zwischen Gangstern arrangiert damit sie zusammen einen Raubüberfall planen können und die dann einen Undercovercop einschleust um alle festzunehmen. Das ist ungefähr so, als ob man jemanden eine Waffe in die Hand drückt und ihn dann wegen unerlaubten Waffenbesitzes festnimmt. Sowas macht noch nichtmal die Polizei von L.A., egal wie morallos die Inder unsere westliche Gesellschaft sehen…das ist einfach Blödsinn. Und wenn so eine dumme Aktion gleich am Anfang von einem Film steht, muss ich mich den ganzen restlichen Film drüber aufregen.
Ich war ja sowieso versucht, noch einen Punkt für Vorlagenvergewaltigung abzuziehen, aber ich lass es, Kaante hat mir auch schon so, ohne Vergleich mit den Originalen, nicht besonders gefallen. Btw, bei imdb meinte ein Rezensent, dass Kaante ein Abklatsch von Heat wäre…ähhh, ist das nur mir nicht aufgefallen oder hat der Mensch eine blühende Fantasie?

Inzwischen dürfte klar sein, dass ich stylische Filme sehr gerne mag – aber wenn es in reine, inhaltslose Stilwichserei ausartet, dann machts mir auch keinen Spaß. Aber genau das tut Kaante. Kaum eine Einstellung, in der keine ach-so-coolen Stilmittel zelebriert werden, und so gut wie keine davon macht den Film irgendwie interessanter oder besser. Die Jump-Cuts und schrägen Perspektiven funktionieren bei Filmen wie Company, die penetrante Gelbfärbung klappt bei Traffic – aber hier hats mich eigentlich kaante-zwei.jpgständig nur genervt. Besonders schlimm empfand ich die eine längere Actionszene nach dem Banküberfall, die ja so was von übertrieben gekünstelt und dazu auch noch extrem langweilig war, dass ich echt nur noch gewartet hab, bis das endlich vorbei geht. Auch schrecklich war die Sequenz nachdem die Truppe ihre Waffen bekommen, endloses Waffenherumwedeln und Herumgeballere – aber kein bisschen Witz dahinter. Wenn Tarantino so was machen würde, wäre es zugleich cool und lustig, hier ist es dumm.

Ein weiterer Punkt, der mich sehr gestört hat, war die unglaubliche Unlogik. Ich bin inzwischen ja schon sehr gut darin, über Logiklöcher gekonnt hinwegzusehen und diese auch nicht als besonders negativ zu werten. Aber wenn man von Logiklöchern geradezu aggressiv angesprungen wird, dann fällt das halt doch schon sehr schwer. Hier wird einem manchmal so ein Blödsinn serviert, dass man den selbst mit zwei zugedrückten Augen nicht übersehen kann. Eine meiner Lieblingsstellen mal wieder die Actionszene nach dem Banküberfall – die gesamte versammelte Polizei von LA, mit kugelsicheren Westen ausgerüstet und hinter ihren Autos verschanzt, gegen 6 ungeschützte Gauner. Es sterben einige Polizisten, aber von den Gaunern natürlich keiner – aber das schönste (Achtung, Spoiler): derjenige, den die Polizisten auf keinen Fall treffen sollten, weil er ja zu ihnen gehört, DEN schießen sie natürlich an. Ich hab gedacht ich werd nicht mehr – Polizisten, die nichts treffen aber dazu noch auf ihre eigenen Männer schießen. ARGH!
(Spoiler-Ende)

kaante-auto.jpgGenerell hat mich der Film wenig angesprochen, abgesehen davon, dass ich mich ärgen musste natürlich. Er war nur mäßig spannend (besonders natürlich, wenn man Reservoir Dogs kennt), man konnte mit den Figuren nur halbwegs sympathisieren, die Hintergrundgeschichten, die manche der Charaktere bekommen haben, waren auch alle einfallslos und brachten dem Film nichts – und natürlich fehlte Kaante jegliche Coolness und der Witz, den Tarantino in seinem Reservoir Dogs hatte. Die Gewalt die hier zelebriert wird, wird niemals durch absurde oder ironische Szenen relativiert, und so wirkt das alles einfach nur anstrengend.

Kaante ist aber trotzdem kein richtig schlechter Film – man muss ihm zugute rechnen, dass er durchaus handwerklich gut inszeniert ist, er eine angemessene Länge hat und vor allem: dass sein Schauspielerensemble ziemlich klasse ist. Natürlich sind sowohl die original Reservoir Dogs als auch die Usual Suspects deutlich überlegen, aber gut sind die Kaante-Gauner doch auch. Besonders Sanjay Dutt überzeugt, Amitabh Bachchan ist natürlich auch souverän wie immer – allein Mahesh Manjrekar in seiner ersten Rolle ist grottenschlecht und nervt den gesamten Film über. Doch der Rest ist wirklich ganz gut.

Kaante ist jedenfalls ein Film, den ich nicht unbedingt weiterempfehlen würde. Man kann ich schaun wegen den Schauspielern, oder wenn man extrem gelackte und penetrante Stilwichserei mag, oder wenn man einfach mal schaun will, wie Bollywood einen Stoff wie Reservoir Dogs verarbeitet. Aber wer einen wirklich guten Film sehen will, der sollte vielleicht doch zu den Hollywoodvorbildern greifen, die sind nämlich richtig klasse.

Seiten: 1 2

Andere Artikel zum Thema:

Tags: , , , ,

2 Antworten zu “Filmkritik: KAANTE (4/10)”

  1. Vista sagt:

    Kannst du mal auch deine eigene Meinung bilden oder hast du überhaupt sowas. Der Film ist besser als alle Kartoffel Filme

  2. Vista sagt:

    Schau dir mal deine deutsche Filme mit Otto und Till Schweiger an. Käse Gesicht du schreibst nur Müll

Hinterlasse eine Antwort