Filmkritik: MANGAL PANDEY – The Rising (7/10)
5. February 2006
Die Mangal Pandey-Review gibts also doch schon heute. Das ist übrigens erst mein dritter Aamir Khan-Film, irgendwie macht er einfach nicht die Filme, die ich sehen will. Oder er macht einfach zu wenig Filme, ich hab ja jetzt schon alle Filme bis auf 2 aus diesem Jahrhundert mit ihm gesehen – bei Shahrukh fehlt da noch deutlich mehr.
Apropos Shahrukh: ich kann beruhigt abhaken, dass er auch dreckig und in Ringkampfwindeln besser aussieht als Aamir in selbigen. *g*
Regisseur: Ketan Mehta
Musik: A.R. Rahman
Darsteller: Aamir Khan, Toby Stephens, Rani Mukherjee, Amisha Patel, Om Puri (Erzähler)
Crew: Himman Dhamija (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2005
STORY
Der britische Offizier William Gordon (Toby Stephens) schließt Freundschaft mit dem Sepoy (indische Soldaten der Armee der East India Company) Mangal Pandey, nachdem ihm dieser das Leben gerettet hat. Als es unter den Sepoys zu Unruhen kommt, weil die Company neue Munition eingeführt hat, die angeblich mit Schweine- und Kuhfett hergestellt wird, was gegen die religiösen Regeln der hinduistischen und muslimischen Soldaten verstößt, vertraut Mangal den Versprechungen von Gordon und benützt die Munition. Als sich die Gerüchte als wahr herausstellen führt dies zu einem Aufstand der indischen Soldaten, der sich bald zu einem Unabhängigkeitskrieg entwickelt.
REVIEW
Mangal Pandey hätte ein Meisterwerk werden können und eigentlich auch müssen: der erste Film nach Aamir Khans 4-jähriger Pause, storytechnisch die besten Vorraussetzungen (Aufstände von Unterdrückten gegen die böse Obrigkeit, vorzugsweise natürlich die Engländer, haben immer Potential) und dahinter eine fähige Crew. Ansatzweise ist dieses Denkmal für einen indischen Nationalhelden dann auch geglückt – aber gleichzeitig geht auch so einiges schief, worüber man sich dann gleich doppelt ärgert.
Schauen wir mal die Story an, natürlich musste die größtenteils erfunden werden, über den echten Mangal Pandey ist nicht allzu viel bekannt. Die Geschichte von Mangal und seiner Freundschaft zu Gordon funktioniert eigentlich auch ganz gut, man kann beide Entwicklungen recht gut nachvollziehen und diese Ausgangssituation hätte man schön in den Aufstand überleiten können.
Dummerweise zerfällt der Film durch seine vielen Nebenhandlungen – die alle völlig unnötig sind. Ich bin Subplots in Bollywoodfilmen natürlich gewöhnt und mag sie auch meistens, doch hier nehmen sie einfach nur den Schwung aus der Geschichte und dehnen sie aus. Es ist ja irgendwo verständlich, dass die Filmmacher versuchen wollten, ein paar Frauen in den Film einzubauen, aber dieses Vorhaben missglückt halt vollends. Die Handlungen um die zur Prostitution gezwungene Heera (Rani Mukherjee), die dann ein wenig mit Mangal anbandelt, um die der Witwenverbrennung entkommene Jwala (Amisha Patel) oder um die Frau, die das Kind einer englischen Adligen stillt und keine Milch mehr für ihr eigenes Baby hat – die sind alle gut gemeint, aber einfach völlig deplatziert. Wäre der Fokus allein auf Mangal und Gordon geblieben, wäre der Film wohl um einiges energiereicher und mitreißender geworden. Schade drum.
Ein weiterer böser Patzer ist die Art, wie die englischen Dialogpassagen den Zuschauern erklärt werden, die kein Englisch können: Om Puri fasst diese aus dem Off zusammen. Oh mein Gott, ist das schrecklich und ermüdend. Das reißt einen jedesmal dermaßen aus der Geschichte raus, dass es wirklich schon ärgerlich ist.
Am allerschlimmsten ist eine Szene gegen Ende, in der Gordon eine flammende Rede vor Gericht hält – und Om Puri dann in recht gelangweiltem Tonfall meint, dass Gordon da grad Mangal verteidigt, die andern ihm aber nicht zuhören. Diese Szene hätte vielleicht bewegend werden können, aber dieses miese Stilmittel macht alles kaputt. Schrecklich – wer die internationale Fassung kennt, darf sich also glücklich schätzen, denn dort ist das anscheinend nicht so gemacht worden und die Engländer dürfen auch ausreden.
Da sind aber auch die gröbsten Schnitzer, ansonsten kann Mangal Pandey schon überzeugen. Technisch ist der Film schon klar auf der Höhe unserer westlichen Filme, da gibt es sicherlich nichts auszusetzen. Besonders die Bilder sind mal wieder wunderschön mit tollen Farben und eleganten Kameraeinstellungen.
Überzeugen tun auch die Schauspieler, Aamir Khan sowieso – er hat auch nach vier Jahren Pause nichts verlernt. Zwar ist seine Leistung in Mangal Pandey jetzt nicht unvergesslich-grandios und Award-würdig (wird wohl trotzdem ein paar bekommen), aber er ist halt trotzdem einer der besseren Schauspieler Bollywoods.
Toby Stephens hab ich bisher noch nie gesehen, aber auch er macht seine Sache ganz gut und macht in manchen Szenen durchaus einen bleibenden Eindruck. Beeindruckend auch, wie gut er seine Hindi-Sätze meistert, klingt schon glaubwürdig nach einem Offizier, der schon einige Jahre in Indien lebt.
Der Rest hat nicht allzu viel zu tun, Rani spielt souverän wie immer, aber sie hat halt in dem Film nichts verloren, Amisha Patel nervt ein wenig und die britische Truppe spielt auch ganz ordentlich, wenn auch sonst keine Leistung im Gedächtnis bleibt.
Damit ist Mangal Pandey ein ganz guter Film, der schon allein wegen Aamir Khans Comeback zum Pflichtprogramm 2005 gehört, aber leider nicht das Meisterwerk, das er hätte werden können. Aber es bleibt ein interessanter Film über Indiens Aufbegehrung gegen die englische Herrschaft, mit einigen Längen aber durchaus unterhaltsam.
Noch zwei Kleinigkeiten zum Schluss: Der Tempel am Anfang – täusch ich mich da, oder ist das der selbe Tempel wie in Swades? Sieht zumindest sehr danach aus. Das ist übrigens keine gute Idee, mich am Anfang eines Films daran zu erinnern, wie toll doch ein anderer Film war…
Und nachdem ich mich heute ein wenig über den Sepoy-Aufstand informiert habe, weiß ich jetzt, dass die am Ende kurz gezeigte Rani von Jhansi anscheinend später noch eine wichtige Rolle spielt – und das hat mich dann ein wenig an Troy erinnert, wo gegen Ende auch noch in letzter Minute Aeneas das Schwert Trojas in die Hand gedrückt wurde… Hauptsache, die wichtigen Leute wurden kurz erwähnt…
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Tags: A.R. Rahman, Aamir Khan, Mangal Pandey, Toby Stephens

05. February 2006 um 18:28
Danke für die Review – ich will den Film auch endlich sehen *ungeduldigwerd*…! Allerdings krieg ich immer mehr Angst vor Om Puris “Zusammenfassung” – ist das echt so schlimm?
Das mit dem “Shahrukh sieht besser aus als Aamir” lass ich übrigens nur ungern auf mir sitzen, aber als schön kann man Aamir in dieser Aufmachung ja leider wirklich nicht bezeichnen, also bleib ich mal ganz ruhig *g*.
Ach ja, und das “einer der besseren Schauspieler” klingt ja auch nicht gerade begeistert – ich behaupte mal ganz einfach, dass es neben ihm und Saif keinen besseren gibt (die alten Stars und das Parallel Cinema mal außen vor gelassen, davon hab ich ja keine Ahung)
Aber schon klar, das ist Ansichtssache.
05. February 2006 um 18:38
Om Puri ist tatsächlich nervig. Ich denke, man kann ihn auch irgendwie ignorieren und dann stört es wohl weniger, aber ich fand das so albern, dass ich mich da wohl ein wenig hineingesteigert hab – und dann eben gegen Ende bei besagter Gerichtsszene richtig sauer war. Fies ist auch, dass ja Platz für den Voiceover da sein muss und deswegen bei allen englisch gesprochenen Szenen die letzten Minuten nicht zu hören sind, weil da eben Om Puri brabbelt…
Ach, und das mit Aamir Khan ist mein altes Problem, irgendwie ist er mir einfach nicht sympathisch. Auch nicht richtig unsympathisch, er lässt mich einfach irgendwie kalt. Deshalb kann ich mich da einfach nicht begeistern – aber ich erkenn schon an, dass er ein guter Schauspieler ist. Saifs Leistung in Parineeta fand ich da aber um einiges besser – wobei er aber auch nicht gegen einen Riesenschnauzer und buschige Haare ankämpfen muss.
Darüber, ob jetzt Aamir oder Shahrukh schöner ist, kann man sicherlich streiten, und wir beide finden da sowieso nie auf einen Nenner. Aber im Ringkampfhöschen ist Shahrukh eindeutig niedlicher (soll ich vergleichende Screenshots machen?). Und von meinem extrem subjektiven Standort aus würd ich auch behaupten, dass Aamir das Älterwerden nicht sehr gut tut, Shahrukh aber immer besser aussieht, je älter er wird…. aber ich denk, wir lassen es lieber, uns darüber zu streiten, oder? *g*
Achja, hast du eigentlich vor, dir den Film demnächst noch zu kaufen oder wartest du, bis ihn RTL II ausstrahlt (die haben das ja wohl für den Herbst oder so vor)
05. February 2006 um 19:15
bei den voiceovers stört ja vorallem, dass man den originalton nicht ganz ausblendet. also ein richtiges stimmmasalla
aber zu dem subplot witwenverbrennung: den würde ich ungern weghaben wollen. weil das doch zeigt, dass captain gordon eben nicht nur der nette indienliebhaber ist… sondern sich auch nimmt, was er will, weil er es für richtig hält— die tränen der dame in der einen liebesnacht sind da schon sehr deutlich…
05. February 2006 um 19:22
Du sagst es, Aamir hat in MP einfach nicht diesen Gutausseh-Bonus wie Saif in Parineeta (und auch sonst). Aber was seine schauspielerische Leistung im Film angeht kann ich natürlich noch nicht mitreden.
Nein, streiten will ich mich auch nicht, aber wir können ja ganz sittsam diskutieren *g*:
Was deine “nicht wirkliche Sympathie” angeht, dass kann ich schon vertstehen, Aamir wirkt eben immer eher ernst. Aber ich finde in letzter Zeit wird er immer knuffiger, man schaue sich nur mal dieses Foto an: http://nowrunning.com/photoFeature/RDB-Party/Rang%20De%20Basanti%20Party%204.jpg *schmelz*
Ähm nein, ich brauch keine Screenshots, ich glaube dir
Aber, dabei bleib ich, ein DCH-Aamir stünde Shahrukh in nichts nach, auch nicht in irgendwelchen Höschen
Zum Älterwerden: Was Shahrukh angeht geb ich dir recht, aber Aamir wird meiner Meinung nach auch schöner. Er ist eigentlich die selbe Entwicklung durchlaufen wie Shahrukh, in Raja Hindustani wirkte er noch eher spitzbübig und in DCH dagegen schon deutlich männlicher.
Okay, so viel zu diesem äußerst tiefsinnigen Thema
Was die DVD angeht – ich weiß es nicht… Eigentlich wollte ich ja auf die deutsche Disk warten, aber bis Herbst? Ich glaube, sobald sie bei nehaflix etwas günstiger wird, schlag ich zu
05. February 2006 um 22:24
@Michael/Jwalas Träne: nun, diese Tränen kann man aber auch deuten wie man will, können ja auch Glückstränen sein, weil endlich jemand da ist, der sie wirklich liebt (so ein 60-jähriger Knacker wird wohl nicht der Ideale Ehemann sein). Das Witwenverbrennungszeugs ist natürlich ganz interessant, zeigt ja auch, das auch die Inder nicht die perfekten Menschen sind – aber es hält halt den Hauptplot auf und stört eigentlich nur.
@Aamir vs. Saif: Ich hab jetzt ja eh versucht, den Gutaussehbonus wegzustreichen, ich meinte schon schauspielerisch. Saif hat mich da einfach mehr überzeugt, seine Figure hat mehr Facetten – Aamir bleibt da ein wenig dahinter zurück.
@Aamirs fehlende Sympathiewirkung: Ich denke nicht, dass es mir was ausmacht, dass Aamir öfters ernst ist, und bspw in DHC ist er das ja eh nicht, da albert er schon gut herum. Aber irgendwas anderes fehlt mir da, er ist einfach zu glatt, zu… ähh…keine Ahnung. Irgendwas halt. Ich kanns nicht so recht erklären…
@Aamir vs. Shahrukh: Äußerst tiefsinnige Themen sind ja meine Spezialität – Aber selbst das sittsam diskutieren wird uns da nicht weiterbringen *g* Das ist so ein unglaublich subjektives Thema, da können wir uns nie gegenseitig erklären, was wir eigentlich meinen. Aber ich versteh durchaus, was du an Aamir findest..
Was das älterwerden angeht: Ich hab halt immer noch diese gruseligen Fotos von der Locarno-Pressekonferenz im Kopf, wo Aamir so aufgedunsen aussieht. Aber in Rang de Basanti scheint er ja wieder gut auszusehen, also war das wohl nur so eine Phase. *g*
@DVD: Ich denk auch, dass du die DVD so schnell wie möglich kaufen solltest, wer weiß, was REM sonst wieder mit den Farben und dem Kontrast anstellt. Andererseits – weiß man, ob REM vielleicht die internationale Fassung ohne Om Puri rausbringt? Wär ja eigentlich naheliegend…und das wäre dann wohl doch besser…
06. February 2006 um 08:01
Ich habe die internationale Fassung im Kino gesehen, die war toll. Wenn ich mir eure Bemerkungen zum Voice Over anschauen, ich glaub ich ware noch mit der DVD. Hoffentlich bring REM die internationale Fassung raus.
27. November 2006 um 18:00
ooohhhh!!!!! ICH LIEBE BOLLYWOOD ÜBER ALLES UND DER FILM IST SO GEIL ICH GRÜ?E ALLE MEINE FREUNDINEN USCHI DAJANA NUDEL
04. December 2006 um 15:26
Aamir Khan hat eben ein bissle stereotypes Schauspiel. Das mag manchmal etwas nerven. Aber in dem Film fand ich ihn super!
10. November 2007 um 17:26
[...] Mariakaefer (7/10) – zur Review [...]