Filmkritik: DON (1978) (8/10)

21. February 2006

doncover.jpg

Nach der letzten Filmpause geht´s jetzt also wieder weiter mit neuen Reviews, den Start macht Don. Hauptsächlicher Kaufgrund war zwar, dass ich mich beim anstehenden Remake mit Shahrukh Khan auskennen will, aber Don lohnt sich ja auch so. Gut, vielleicht ist die Bewertung etwas zu gut ausgefallen – aber momentan bin ich halt noch so euphorisch und in 70er-Laune. Ich brauch langsam aber wirklich solche Schlaghosen…
Achja, mein Cover (das ich übrigens toll finde, passt super zum Film) sieht übrigens ein bisschen anders aus (mit Rahmen), aber da gibt´s zuwenig gute Bilder im Netz.

Regisseur: Chandra Barot
Musik: Kalyanji, Anandji
Darsteller: Amitabh Bachchan, Zeenat Aman, Pran, Iftekhar, Om Shivpuri, Helen
Crew: Narima Irani (cinematography, producer)
Erscheinungsjahr: 1978

STORY
Don (Amitabh Bachchan) ist ein kaltblütiger Gangster, der die Polizei von Bombay in Atem hält. Als er bei einem Polizeieinsatz getötet wird, hält dies der DSP D´Silva (Iftekhar) geheim und schleust stattdessen den etwas simplen Straßenmusiker Vijay (Amitabh Bachchan) in die Gangstergruppe ein, um an die Hintermänner ihrer Coups zu kommen. Dort bändelt Vijay mit Roma (Zeenat Aman) an, die jedoch ihre eigenen Ziele verfolgt: Don töten, um ihren von ihm ermordeten Bruder zu rächen.

REVIEW
Was man von Don zu erwarten hat, machen gleich die ersten Minuten klar: wir sehen in einer kurze Szene wie kaltblütig-lässig Don mit seinen Gegnern umgeht und dann kommt der Vorspann in psychedelischer Rot-Grün-Färbung unterlegt mit grooviger 70er-Musik. à„hnlich wie bei Sholay hab ich also gleich schon am Anfang gewusst, dass mir der Film nur gefallen kann.
don-don.jpg Leider hat Don aber gegenüber Sholay einen Nachteil: ich kenn mich mit 70er- Blaxploitation- Filmen nichtmal halb so gut aus wie mit Italowestern. Jegliche Anspielungen gehen hier also unerkannt an mir vorüber. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich an der tollen Atmosphäre, der kultigen Musik (die mir erstaunlich bekannt vorkommt), den spaßigen Kämpfen, der genialen Mode, den coolen Charakteren und der teils recht wirren Kamera zu erfreuen. Da wird man nämlich reichlich bedient. Alles zusammen wirkt teils ziemlich trashig, teils ziemlich kultig – aber wirklich zu jedem Zeitpunkt unglaublich spaßig und unterhaltsam. Ich glaub, ich hab mich keine Minute von Don gelangweilt.

Meine Begeisterung lässt sich wohl zu gleichen Teilen auf das Ambiente und auf die Schauspieler und ihre Charaktere verteilen. Der ganze 70er-Ramsch und damit die gesamte Ausstattung haben bei mir eh gewonnen, weil ich das generell wunderbar finde. Die Farben, die Autos, die Frisuren – und vor allem die Kleidung. Als Hobbyschneiderin achtet man da eh immer besonders drauf, in 70er-Filmen lohnt es sich auch mal: die Klamotten sind durchwegs kultig. Warum gibt´s solche Hosen denn bei uns nicht mehr?
Die Karate-Kämpfe, die Verfolgungsjagden und die allgemeine Coolness sprechen auch alle eine deutliche 70er-Sprache – wie schon angesprochen immer auf einem angenehmen, unterhaltsamen Mittelweg zwischen Kult und Trash.

à„ußerst wichtig in Don aber natürlich auch die Figuren, als erstes hier Amitabh Bachchan als Don und Vijay. In der ersten Szene vor dem Vorspann hatte ich noch Bedenken, aber der weitere Verlauf des Films hat mich eines besseren belehrt: Amitabh ist hier wieder einmal extrem lässig und cool und das auch ganz ohne zu übertreiben. don-auto.jpgInteressanterweise war sein Don eigentlich überhaupt nicht böse. Zwar wird von der Polizei drauf hingewiesen, wie bös er doch wär und wir sehen auch, wie er seine Gegner umlegt – aber er wirkt zu keinem Moment unsympathisch, selbst in dem Moment in dem er Romas Bruder tötet muss man eher grinsen. Das macht im Filmkonzept durchaus seinen Sinn, schließlich wird Vijay ja zu Don und ist damit die Identifikationsfigur, wo es nicht schaden kann, dass er nett ist – aber ich glaub, ein böserer Don wär effektiver gewesen.
Der Vijay-Charakter ist dann weniger mein Ding – zu übertrieben, zu durchgedreht, zu albern, zu viele Drogen. Als Don gestorben ist und dann dieser Spinner eingeführt wird, hab ich für den weiteren Film schon Schwarz gesehen. Doch das war dann im Endeffekt kein Problem, denn es gibt ja diese tolle Wandlung, eine weitere Ungereimtheit in Don: Vijay wird anfangs mehr als Trottelchen von der Straße dargestellt, dann schaut er sich ein paar Videos von Don an – und plötzlich spielt er diese Rolle perfekt, ohne je irgendwann mal Fehler zu machen. Für Zuschauer wie mich nicht übel, das bedeutet schließlich mehr cooler Don und weniger durchgedrehter Vijay, aber es bleibt seltsam. Ein guter Vergleich wie das besser geht wär Shahrukh Khan in Duplicate, wo´s ja auch einen Rollentausch vom bösen Manu und dem liebenswerten Bablu gibt, dieser Tausch aber etwas realistischer ist, weil Manu einige seiner Gepflogenheiten behält und Bablu sich auch schwer tut in der Rolle des bösen Gangsters.
Diese Unstimmigkeit will ich Amitabh Bachchan jetzt aber nicht bös anrechnen, in einem Film in dem sich Haarlängen nach Belieben ändern können, darf man schon mal ein wenig unlogisch sein.
Die schwankenden Haarlängen gehören zu Zeenat Aman. Von ihr hab ich schon viel gehört, da wird ja von Marco und MissionBAS um die Wette geschwärmt, und Don war jetzt also mein erster Zeenat-Film. don-roma.jpgUnd jetzt bin ich schon versucht in das allgemeine Geschwärme einzufallen: die Frau ist klasse. Wunderschön ist sie sowieso, dazu ist sie aber in manchen Szenen noch cooler als Amitabh und ihre Rolle ist eh erstklassig: endlich mal eine Frau in Bollywood die auch mal mitboxen darf, und das auch noch ziemlich stylish. Ihre Schauspielleistung war größtenteils toll, bloß in ein paar kleineren Momenten (“Thank you, Don!”) fand ich sie etwas übertrieben.
Dann hätten wir noch Pran, der ja anscheinend auch irgendwie Kult ist, der mich in Don jetzt aber nicht wirklich überzeugen konnte. Er spielt nicht schlecht, passt aber zum Teil nicht so recht in den Film. Könnte auch an meiner Abneigung zu seiner Frisur liegen.
Desweiteren gibt´s noch eine ganze Reihe von Bösewichten und Polizeimenschen, die ich alle nicht kenne, und die alle ganz ordentliche Arbeit leisten. Die müssen ja nicht unbedingt gut sein, laufen ja nur im Hintergrund herum. Unbedingt erwähnenswert ist bei den Polizisten aber noch ihr niedliches Pistolen-Halt-Bändchen, mit dem sie bei mir automatisch einen Pluspunkt bekommen: zur Polizeiausstattung gehört da nämlich eine Schnur, die an der Pistole und der Uniform befestigt ist, und die anscheinend verhindert, dass man seine Pistole verliert. Sieht äußerst albern aus, wenn da so eine Reihe wild entschlossener Polizisten da steht und von ihren Revolvern immer so ein kleines Bändchen runterhängt. Erinnert mich an die kleinen Fünftklässler, denen von der Mama eine Emilflasche umgehängt wurde…

Eigentlich kann man für Don eine klare Regel aufstellen: Wer die etwas trashigen Seiten der 70er mag und wer Amitabh Bachchan mag, der wird auch diesen Film mögen. Aber mit diesen beiden Komponenten steht und fällt der Film auch, also Vorsicht.
Vergesst die Story, vergesst euer Logikgefühl, dann kann man sich auf diesen äußerst spaßigen und angenehm trashigen Film einlassen. Großes Kino ist Don zwar nicht – aber ganz großartige Unterhaltung.

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3 Antworten zu “Filmkritik: DON (1978) (8/10)”

  1. mirie sagt:

    Ich bin zwar kein 70ies-Fan, aber ich mag “großartige Unterhaltung” *g* Und natürlich gute Musik. Danke für die Review!

  2. Maria sagt:

    Ja, ich denk auch, dass du Don mögen wirst. Vielleicht nicht so wie ich, aber irgendwo gefallen tut er dir sicher. Und die Musik ist tatsächlich klasse – entweder ich hab mich inzwischen an diesen 70er-Sound gewöhnt, oder es sind wirklich recht zeitlose Lieder…

  3. darr1165 sagt:

    Mir gefällt das Original mir Amithabh hier viel besser ,als das mit SRK. Das Ende ist viel besser und logischer. Die Musik ist aber von SRK`s Film wieder viel besser.

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