Filmkritik: AA GALE LAG JAA (8/10)
5. April 2006
Achtung jetzt kommt wieder eine 70er-Film-Reihe mit viel Shashi (und einigem von Amitabh und Zeenat), alle die damit nichts anfangen können, müssen wohl auf Rang de Basanti warten. Anfang der Reihe macht dieser herzallerliebste Lost-and-Found-Film aus der guten alten Zeit, als Manmohan Desai noch Filme ohne Amitabh Bachchan machen konnte.
Übrigens finde ich hier das Cover sehr gelungen. Es ist zwar auch kaum innovativ, aber es springt mir ständig beim nehaflix-surfen ins Auge. Sind wohl die frühlingshaften Farben.
Regisseur: Manmohan Desai
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Shashi Kapoor, Sharmila Tagore, Shatrughan Sinha, Master Tito, Om Prakash
Crew: J.M. Desai (story)
Erscheinungsjahr: 1973
STORY
Der arme Prem (Shashi Kapoor) und die reiche Preeti (Sharmila Tagore) haben sich ineinander verliebt und wollen heiraten – doch Preetis Vater (Om Prakash) stellt sich in ihren Weg, bringt die beiden durch gefälschte Briefe auseinander und will Preeti mit dem Arzt Amar (Shatrughan Sinha) verheiraten. Doch während dieser nach der Verlobung mit Preeti einige Jahre nach Deutschlang muss, merkt Preeti, dass sie schwanger ist – von Prem. Sie gebärt das Kind in einem Sanatorium und ihr Vater will es eigentlich in ein Waisenheim geben, doch zufällig taucht Prem auf und nimmt seinen Sohn Rahul (Master Tito) zu sich und zieht ihn selbst groß – unter der Bedingung, Preeti nichts davon zu erzählen. Doch wie der Zufall es so will, war das nicht ihre letzte Begegnung…
REVIEW
Die ersten Szenen von Aa Gale Lag Jaa kommen einem noch ein wenig seltsam und Klischeebeladen vor: wir bekommen
Liebe auf den ersten Blick und nachdem Prem Preeti einmal mit seiner Körperwärme vorm erfrieren gerettet hat, ist diese erstens in ihn verliebt und bereit ihn zu heiraten und zweitens schwanger. Bollywood- Filmlogik eben. Aber nachdem wir es hier ja mit einem Lost-and- Found-Film zu tun haben und Manmohan Desai selbst diese ersten Minuten so liebenswürdig präsentiert, vergibt man so etwas doch gern.
Auch die späteren Verwicklungen, Zufälle und Zusammenführungen sind selten logisch, aber immer nett anzusehen. Desais Handlungsaufbau ist vielleicht noch nicht so perfekt konstruiert und dramatisch wie später in Filmen wie Amar Akbar Anthony, doch darüber trösten die sympathischen Charaktere und die beschwingte Inszenierung schon hinweg – und Spaß machen solche Szenen ja sowieso auf jeden Fall. Man kann wohl generell sagen, dass AGLJ zwar kein großartiger Meilenstein der Filmgeschichte ist, aber in jeder Minute so unglaublich liebenswert und niedlich, dass man ihn einfach gern haben muss.
Das liegt natürlich auch an den Schauspielern, gerade Shashi-Fans wie ich werden von diesem Film begeistert sein. Shashi steht jede Facette seiner Figur: der romantische
Schwärmer, der sorgende Vater und der verlassene, sehnsuchts- volle Liebhaber. Und gegen Ende auch mal als Actionheld. Actionheld auf Rollschuhen genauer gesagt. Rollschuhe spielen ja sowieso eine große Rolle in AGLJ, na ja, was heißt große Rolle – eigentlich sind die für die Handlung herzlich unwichtig. Aber trotzdem wird soviel wie möglich auf Rollschuhen erledigt. Hat ja auch was.
Aber zurück zu Shashi: der ist natürlich wie erwartet wunderbar. Und ich bin auch zum ersten Mal den berühmten psychedelischen Hemden begegnet, zwar noch etwas zurückhaltend, aber doch zumindest existent. Und vor allem bunt. Zudem hab ich momentan wirklich Lust auf so ein Schal-Mützen-Teil. Das eigentlich nur ein normaler Strickschal ist, der zur Mütze umfunktioniert wird. Schade, dass der Winter grad vorbei ist, sonst hätt ich diese Mode jetzt in meinem Niederbayern eingeführt…;-)
Sharmila Tagore ist natürlich sowieso oberniedlich. Anfangs hab ich noch versucht, auf à„hnlichkeiten zu ihrem Sohn Saif Ali Khan Acht zu geben – was ich aber schnell aufgeben musste, weil Sharmila so wunderbar ist, dass man eh an nichts anderes denken will.
Sei es als etwas schnippisches Mädchen am Anfang oder als Mutter, die ihre Liebe nicht vergessen kann. Ihr Filmsohn Master Tito steht ihr übrigens in Sachen Niedlichkeit in nichts nach, er hat zwar in manchen Szenen kleine Probleme mit dem Schauspielern, aber dieser unschuldige, liebenswürdige Blick entschuldigt wirklich alles.
Der Rest ist auch ordentlich – Om Prakash meistert den Wandel vom intriganten Vater zum bereuenden Opa, Shatrughan Sinha komplettiert das Liebesdreieck und spielt souverän und seine kleine Filmschwester ist mit ihrem Shashi-Geschwärme auch ganz nett.
Aa Gale Lag Jaa ist also ein netter kleiner Film in bester Lost-and-Found-Manier, zwar noch nicht perfektioniert, aber durch und durch liebenswürdig. Dazu gibt´s äußerst sympathische und gut aufgelegte Stars, vielen niedlichen Szenen und erstaunlich wenigen Prügeleien für einen Masala-Film. Viel zu Lachen, viel zum Mitseufzen und auch ein bisschen was zum Weinen. Was will man denn mehr.
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Tags: Lost and Found, Manmohan Desai, R.D. Burman, Sharmila Tagore, Shashi Kapoor, Shatrughan Sinha

