Filmkritik: ZAMEER (6/10)

19. April 2006

zameer.jpgHui – gleich zwei moderne Filme hintereinander, da musste ich ja gleich wieder zurück in die 70er zu meinen geliebten Schlaghosen. Die Vorraussetzungen für diesen Film klangen eigentlich wunderbar: Jahrgang 1975, drei Chopras hinter der Kamera, Amitabh und Shammi vor der Kamera, eine Landschaft, die aussieht als ob der Film in den Drehpausen von Sholay entstanden wäre, die nötige Dosis Lost-and-Found und mindestens ein psychedelisches Hemd. Leider hat das Endprodukt nicht sein ganzes Potential ausgenützt…

Regisseur: Ravi Chopra
Musik: Sapan Chakraborty
Darsteller: Amitabh Bachchan, Shammi Kapoor, Saira Banu, Madan Puri, Vinod Khanna
Crew: Dharam Chopra (cinematography), B.R. Chopra (producer)
Erscheinungsjahr: 1975

STORY
Der reiche Pferdezüchter Maharaj Singh (Shammi Kapoor) und seine Frau sind glücklich mit ihrem Leben – bis Maharaj bei einem Überfall den Sohn des Banditen Maan Singh (Madan Puri) tötet und dieser als Rache den kleinen Sohn von Maharaj entführt.
20 Jahre später haben die Eltern diesen Schock noch immer nicht überwunden – was der Kleinganove Badal (Amitabh Bachchan) ausnutzen will, indem er sich als ihren verlorenen Sohn ausgibt. Dumm nur, dass er sich auf dem Weg zu Maharaj in dessen Tochter (Saira Banu) verliebt hat, die ja dann seine Schwester sein soll – und dumm, dass sich dann auch noch Badals Gewissen meldet, als er merkt welch nette Menschen Maharaj und seine Frau sind…

REVIEW
Dafür, dass so viele Mitglieder der Chopra-Familie am Film beteiligt haben, ist er eigentlich sehr enttäuschend. Aber wen wunderts, Yash Chopra war in diesem Jahr ja auch mit Deewaar beschäftigt und hatte wohl keine Zeit beim Film den seine Brüder mit seinem Neffen da zusammenschusterten zameer-ass.jpgmitzuhelfen. Und so merkt man bei Zameer eher wenig von der gewohnten Chopra-Qualität – allerdings sollte man das Ravi Chopra, dem Sohn von B.R. Chopra, vergeben, schließlich ist das sein erster Film.

Und schlecht ist Zameer ja auch keineswegs – nur etwas zu durchschnittlich um wirklich gut zu sein. Durchschnittlich in eigentlich alles Aspekten: die Handlung ist vorhersehbar und dadurch so gut wie nie spannend, die Charaktere zu wenig ausgefeilt um wirklich sympathisch zu sein, die Inszenierung solide, aber unspektakulär und die Schauspieler können das auch eigentlich alle besser.

Somit ist das natürlich ein denkbar schlechter Film für meine erste Begegnung mit Shammi Kapoor – er spielt hier nur die Vaterfigur und das auch noch versteckt in einem Grummelbart und mit doch ziemlich rundem Hüftumfang. Overacten tut er auch, aber das passt seltsamerweise irgendwie zu ihm.

Amitabh Bachchan kommt wie zu erwarten war noch am besten weg, er spielt souverän und man fiebert natürlich auch mit ihm mit – aber das hat er eigentlich besser drauf, zameer-badal.jpgAmitabh läuft hier ein wenig im Leerlauf.
Saira Banu bleibt blass, die Bösewichte ebenso. Die sind ja eigentlich gar nicht so böse. Vinod Khanna taucht gegen Ende auf und absolviert einen etwas größeren Gastauftritt – ich hab ja nach AAA gemeint, ich geb ihm eine zweite Chance, aber das zähl ich da jetzt lieber nicht mit: der Arme hüpft mit seltsamen Schnurrbart und fragwürdigen Wildlederklamotten herum (sieht besonders dämlich aus, wenn neben ihm Amitabh in lässiger weißer Schlaghose und cooler Lederjacke steht…) und hat eigentlich nichts zum schauspielern.

Für Pferdefreunde sei noch erwähnt, dass es ganz, ganz viel Pferde in Zameer gibt, vielleicht freut das ja irgendwen. Da ich mit Pferden nur wenig anfangen kann, gibt´s bei mir dafür natürlich keine Pluspunkte – eher noch Minuspunkte, weil dieses Pferdegetue zu ein paar seltsamen Szenen führt.
Beispielsweise als Badal auf dem Weg zu Maharaj Singh auf diese Gruppe Hippies (sie selbst meinen, sie wären Sozialarbeiter – aber wer solche psychedelischen Hemden trägt, muss Hippie sein) trifft, dort versucht ein Lied zu singen – und dann wird das Zeltlager von einem Pferd angegriffen. Verzeiht mir Pferdeunwissenden diese Ignoranz gegenüber der Gefährlichkeit von so einem durchdrehenden Pferd, aber es war einfach unfreiwillig komisch, wie dieses Pferd da jedes einzelne Zelt zertrampelt hat und ständig auf die armen Hippies losgegangen ist. Sollte so ein erschrockenes Pferd (wir lernen später, dass es von einem Kaninchen aufgeschreckt wurde) nicht einfach weiterlaufen? Hmmm…na ja, aber es gibt ja Badal, der nur mal kurz “Shusch!” sagen muss und Pferd ist ruhig. Schön.

zameer-hemd.jpgWo ich grad bei Badal bin – es gibt in dem Film auch ganz, ganz viele Wolkenaufnahmen. Anfangs hab ich mich echt gewundert, warum der Kameramann stääändig auf die Wolken filmt – bis sich dann mein Hindi-Grundwissen gemeldet hat und mir eingefallen ist, dass “Badal” ja Wolke heißt. Aber ist es deswegen nötig, ständig so dramatische Wolkenaufnahmen zu machen?

Das klingt jetzt alles ziemlich negativ – und ich würd auch klar sagen, dass ich den Film nicht weiterempfehlen würde. Denn von allen Beteiligten gibt es Besseres.
Andererseits ist Zameer auch wirklich kein schlechter Film, es gibt quasi keine Aspekte, über die man sich wirklich aufregen müsste oder die ernsthaft stören würden. Es gibt einige ganz gute Szenen, es wird nicht richtig langweilig und der Film ist kurz genug um noch ganz unterhaltend zu sein. Außerdem gibt´s einen Bonuspunkt für Amitabh.

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