Filmkritik: NAMAK HARAAM (7.5/10)

17. May 2006

namak_haram_f.jpgAuf Wunsch von mirie war heute Namak Haraam dran, sicherlich nicht die schlechteste Möglichkeit die lernfreien Tage zu genießen. Und auch sehr geeignet, um mein Filmwissen auszuweiten – jetzt hab ich auch Hrishikesh Mukherjee, Rekha und Rajesh Khanna kennengelernt.
Namak Haraam ist übrigens einer der bei Zee TV aufgenommenen Filme, was wie immer eher miese Bildqualität und fragwürdige Untertitel bedeutet. Aber das soll euch ja nicht stören.

Regisseur: Hrishikesh Mukherjee
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Rajesh Khanna, Amitabh Bachchan, Om Shivpuri, Rekha, Simi Garewal
Crew: Gulzar (screenplay)
Erscheinungsjahr: 1973

STORY
Der reiche Vicky (Amitabh Bachchan) und der der Mittelschicht angehörende Somu (Rajesh Khanna) sind trotz den sozialen Unterschieden die dicksten Freunde. Nach einem Streit mit dem Gewerkschaftsführer Bipinlal in der Fabrik seines Vaters (Om Shivpuri) zwingt sein dieser Vicky, sich bei Bipinlal zu entschuldigen. Nach dieser Demütigung plant Vicky mit Somu seine Rache: Somu wird als Arbeiter in die Fabrik geschleust und soll dort in der Gunst der Arbeiter höher aufsteigen als Bipinlal. Dies geschieht auch schnell – doch mit dem Leben bei den Arbeitern lernt Somu auch sein soziales Gewissen kennen…

REVIEW
Indien musste in der ersten Hälfte der 70er-Jahre einige Krisen überstehen – Krieg mit Pakistan, Flüchtlinge, Dürreperioden und die Energiekrise zehrten an den Ressourcen des Landes und setzten vor allem den unteren Bevölkerungsschichten sehr zu. Nur verständlich also, dass diese Probleme der Arbeiter in das Zentrum von Filmen gerückt wird, sozialistische Ideen propagiert werden und als Feindbild der skrupellose Kapitalist herhalten muss. Solche Filme können dann anstrengend und langweilig-belehrend werden – oder so unterhaltsam wie Namak Haraam.

Namak Haraam beginnt leider ziemlich schleppend und wenig unterhaltsam, was vor allem daran liegt, dass sich Vicky und Somu anfangs wie zwei Idioten benehmen und man als Zuschauer kaum daran interessiert ist, diesen beiden Freunden bei ihren nächtlichen Streiftouren zuzusehen. Spannung, sowohl für den Zuschauer als auch zwischen den namak-freunde.jpgBeiden, kommt erst dann auf, als Somu beginnt mit den Arbeitern zu fühlen – doch ab da wird der Film dann auch wirklich klasse. Die Impressionen vom harten und traurigen Arbeiterleben, die kontrastierenden kapitalistischen Machenschaften von Vickys Vater, die Auseinandersetzungen zwischen den Protagonisten – da ist man als Zuschauer bald ergriffen und ins Geschehen involviert. Und dadurch, dass Vicky und Somu nicht mehr so unsympathisch sind wie zu Beginn, kann man auch vollsten Herzens mitfühlen.

Rajesh Khanna spielt die Hauptfigur souverän und durchläuft den Wandel sehr glaubhaft, doch für diese Rolle kommt er mir etwas zu weich vor, eine kraftvollere Darstellung von Somu wäre vielleicht wirksamer gewesen. Gerade in den Szenen mit Amitabh Bachchan, in denen ein Kräftegleichgewicht wünschenswert gewesen wäre, geht Rajesh neben dem energievollen Amitabh ziemlich unter. Dieser hat hier zwar die undankbarere Rolle, ist aber auch als Oberschicht-Sprössling die meiste Zeit so sauer wie in seinen angry-young-man-Rollen und beherrscht jede Szene in der er auftaucht. Kein Wunder, dass Rajesh nach diesem Film erkannt hat, dass er seine Spitzenposition als Publikumsliebling nun wohl für Amitabh räumen muss.

Neben diesen beiden Schauspielgrößen bekommen die anderen Figuren nur wenig Platz sich zu entfalten. Die paar Arbeiter die man kennen lernt, wachsen einem zwar schnell ans Herz, doch überragende Schauspielleistungen findet man nicht. Om Shivpuri bekommt als Vickys Vater noch am meisten Raum, und lang hab ich mich über seine Rolle gefreut und gedacht, dass wir hier mal endlich einen namak-rekha.jpgguten Bösewicht haben, dem man auch Verständnis entgegenbringen kann – bis das dann gegen Ende abrupt umschlägt und er den bösen, fiesen und skrupellosen Kapitalisten mimen muss. Schade.
Die Damen im Ensemble triffts noch schlimmer, die bekommen so wenig Raum, dass man sie glatt vergessen könnte wenn´s nicht bekannte Namen wären. Rekha darf noch am meisten tun und hat auch ein paar nette Szenen, kann aber keinen echten Eindruck hinterlassen, Simi Garewal kann in ihren wenigen, kurzen Szenen nur Sätze wie “no one can be honest and become a millionaire” anbringen, darf aber sonst nichts tun.

Interessant und unterhaltsam ist Namak Haraam aber auf jeden Fall – durch die eingestreuten witzigen Szenen nicht zu schwer, wegen den hervorragenden Schauspielern immer mitreißend und filmhistorisch wichtig wegen dem Wechsel von der Rajesh-Khanna- zur Amitabh-Bachchan-à„ra.

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3 Antworten zu “Filmkritik: NAMAK HARAAM (7.5/10)”

  1. mirie sagt:

    Och man, Rekha hat nur eine kleine Rolle? Dann ist der Film für relativ uninteressant. Ich wollte sie doch mal in jungen Jahren sehen…

    7.5 Punkte sind ja eigentlich ganz gut, aber deine Review klingt nicht unbedingt so, als ob mir der Film viel Freude bereiten würde – da gibts wohl von allen Beteiligten besseres… Trotzdem danke für die Review! :)

  2. Maria sagt:

    Ja, Rekha kommt wirklich etwas zu kurz. Zum nachgucken, wie sie damals ausgesehen hat reichts zwar schon, aber es rentiert sich wohl nicht, nur wegen ihr den Film zu kaufen.
    Und ich denke auch, dass es von allen Beteiligten Besseres gibt – Namak Haraam ist zwar gut, aber man kann ihn wohl auch auslassen. Wobei, die 6 $ die er momentan bei nehaflix kostet wäre er sicherlich wert…aber wie gesagt, er muss nicht sein.

  3. sbansban sagt:

    Hi Maria,

    Deine Rezensionen sind so gut, Ich kann kaum glauben dass Du kein Profi bist!!

    Kennst Du zufaellig diese Site mit mehr als 100 Rezensionen von Bollywood Filmen, von einem Amerikanischen Professor an der Uni von Iowa erstellt, die er bei seinem Hindi-Film Kurs einsetzt – die Hauptseite ist http://www.uiowa.edu/~incinema/.

    Die Rezension von Namak Halal ist zwar nicht auf dieser Liste, aber es gibt schon Rezensionen von anderen Hrishikesh Mukherjee Filmen.

    Weil ich weiss dass Du sehr gut Englisch kannst, hier noch ain Paar Links zu Hrishikesh Mukherjees Nachruf:

    http://specials.rediff.com/movies/2006/aug/28slide1.htm

    http://in.rediff.com/entertai/hrishida06.html?zcc=rl

    http://www.rediff.com/movies/2006/aug/30raja.htm

    http://news.independent.co.uk/people/obituaries/article1222381.ece

    http://www.timesonline.co.uk/article/0,,60-2333819,00.html

    Tschuess!!

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