Filmkritik: PYAASA (8/10)

7. August 2006

SPOLER-TEIL
Hach…der Schluss. Irgendwie isser ja inkonsequent, nach so einer schweren Tragödie sollte ja eigentlich ein noch tragischerer, trauriger Schluss folgen. Und doch bekommen wir genau das geliefert, was wir uns den ganzen Film über gewünscht haben: Vijay marschiert Hand in Hand mit Gulabo in ein neues Leben, alle Sorgen dieser grausamen Welt hinter sich lassen. Hach. Danke. *schnüff*

MUSIK
Mein erster Film mit Musik von S.D. Burman. Mit den Songs von Pyaasa ist das so eine Sache…erst einmal sinds wirklich sehr, sehr viele. Zu den zehn aufgelisteten hier kommt nämlich noch die ein oder andere Gedichtrezitation – und pyaasa-tor.jpgGedichte werden schließlich nicht aufgesagt, sondern gesungen. Über manche Teile des Films hat man also das Gefühl, es werde mehr gesungen als gesprochen. Dann gibt es auch ein paar Songs in Pyaasa, die ein wenig unnötig erscheinen und nicht unbedingt ohrwurmverdächtig klingen. Aber dann gibt es eben auch einige Songs, die ich schlicht genial finde.

Jaane Kya Toone Kahi – mich wenig beeindruckender Einführungssong von Gulabo, die eins von Vijays Gedichten singt. Etwas zu lahm und unnötig für meinen Geschmack…

Ho Laakh Musibat – fröhlicher Vijay-Meena-Flirtsong in einer Rückblende, aber nichts besonders und ziemlich kurz.

Sar Jo Tera Chakraye I – Johnny Walkers Einführungssong und damit als Comic Relief einzustufen. Da funktioniert der Song auch gut, irgendwie muss man bei der Melodie automatisch grinsen. Und Johnny Walker ist auch irgendwie lustig. Kein großartiger Song, aber einer der gute Laune macht.

Hum Aapki Aankhon – der Song ist hübsch, melodiös, romantisch und hat mit seiner Traumwelt mit vieeeeel Nebel eine nette Umsetzung bekommen (Awaara lässt grüßen). Bei der Einbettung in den Film musste ich aber schmunzeln: Vijay und Meena sitzen auf einer Bank, Vijay schaut verträumt in die Ferne – Song – Vijay schaut zurück zu Meena, die inzwischen aber verschwunden ist und nur einen Abschiedsbrief zurückgelassen hat. Man kann sich das richtig vorstellen, wie Meena während dem Song versucht hat mit Vijay zu reden, der aber nur abwesend von viel Nebel geträumt hat…

Jaane Woh Kaise – zurück zu den tragischen Liedern: Vijay singt eines seiner Gedichte über diese beneidenswerten Menschen, die die ihnen zustehende Liebe erhalten. *seufz* Allerdings hat der Song das Problem so einiger Lieder von Pyaasa: er ist einfach etwas träge und lahm…

Aaj Sajan Mohe – nicht so mein Ding, zu quietschig und uninteressant für meinen Geschmack. Die Bilder dazu sind ja ganz nett, aber braucht man wirklich diesen Song?

Jinhe Naaz Hai Hind – desillusionierte Anklage, die Vijay an die Welt stellt als er mit dem Elend im Rotlichtviertel konfrontiert wird: pyaasa-yehmehlon.jpgWhere are those who claim to be proud of this land?” Ruhiger, aber sehr hypnotischer Song, der mich sehr ergriffen hat – definitiv eins meiner Highlights im Soundtrack.

Sar Jo Tera Chakraye II – sehr kurze Reprise des Johnny-Walker-Songs, nicht der Rede wert

Yeh Mehlon Yeh Takhto I – ah, was für ein Song. Die ultimative Anklage an die geldgierige Welt, bewegend und bestürzend, das sich vom anfänglichen Flüstern stetig steigert und gerade gegen Ende einen unglaublichen Sog entwickelt : “Burn this world, blow it asunder” Geniales Lied, großartig umgesetzt.

Yeh Mehlon Yeh Takhto II – die Endsequenz des letzten Songs wird nochmal aufgespielt, natürlich genauso genial und bewegend wie schon beim ersten Mal. Klasse Sequenz.

[tags]Filmkritik, Review, Pyaasa, Guru Dutt, Waheeda Rehman, S.D. Burman[/tags]

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10 Antworten zu “Filmkritik: PYAASA (8/10)”

  1. Mirie sagt:

    Danke für die Review! Der Film interessiert mich schon länger, und 8 Punkte klingen ja sehr gut. Nur die 10 Songs und die “Zuneigung zu Poesie”, die man haben sollte, schrecken mich etwas ab…

  2. Maria sagt:

    Die Zuneigung zur Poesie ist nicht so eng zu sehen, wie gesagt bin ich auch kein großer Gedicht-Fan. Man muss für den Film nicht unbedingt von Gedichten beeindruckt sein, bei dieser Warnung gings mir mehr darum, dass man als Zuschauer eben fähig sein muss, mit so einem Poeten mitfühlen zu können und sich in seine Lage hinversetzen zu können. Aber ich kenn eben Leute, die das absolut nicht könnten, weil sie Gedichte generell dämlich finden.

    Die 10 Songs sind allerdings nicht zu unterschätzen *g* Es wird wirklich sehr viel gesungen, und die meisten Lieder sind eben auch tragisch-langsam. Aber dann sind da eben auch noch Jine Naaz Hai Hind und Yeh Mehlon Yeh Takhto, die bei mir seit Samstag Abend in Dauerschleife laufen (passen auch wunderbar zum tristen Wetter draußen)…

    Ich denke, du kannst den Film ruhig kaufen, ist bei nehaflix auch schön billig. Babasko hat letztens gemeint, sie würde auch gern mal was zu Pyaasa schreiben, vielleicht taucht sie demnächst auf und gibt eine weitere Meinung ab…

  3. mirie sagt:

    Okay, dämlich find ich Gedichte nicht – aber ich versteh auch nicht viel davon. Ich denk auch, ich werd mir den Film trotzdem angucken. Ich muss mich doch auch mal ins ganz frühe Bollywoodkino vorwagen, und Marco bewertet den Film ja auch ganz gut. Allerdings wirds wohl noch eine Weile dauern, ehe ich ihn gucke, z.Z. gibts einfach zu viele neue Filme die mich interessieren…

  4. Maria sagt:

    Man muss Gedichte nicht verstehen, es reicht schon wenn man sie nicht hasst *g* Und die Pyaasa-Poesie ist ja auch nichts abgehobenes, kryptisches was man erst nach 5 Begleitlektüren verstehen würde, sondern einfach schöne Sprache.

    Ich hab auch vor, noch unbedingt mehr Filme aus den 50ern zu sehen, da gibts noch so viele Klassiker zu entdecken… aber eben: da kommt man kaum nach…

  5. bollywoodista sagt:

    Ich hatte auch gestern Guru-Dutt-Tag mit “Aar Par” *seufz*. Der Mann sieht ja sogar mit seinem Schnurrbart ganz fesch aus. Pyaasa hab ich noch nicht gesehen, ist aber ganz weit oben auf meiner “Guru-Dutt-Fangirl”-Liste. Meine “Aar Par” DVD hatte außerdem als Special noch eine nette Doku zu Guru Dutt, die hat mich dann natürlich mehr mitgenommen als der Film selber.

    @ mirie: Guru Dutt hat auf jedenfall drauf geachtet, die Songs gut einzuflechten, die kommen ganz plötzlich, kein langes Intro und sind dann auch recht schnell wieder vorbei (da spricht mein neugewonnenes Doku-Wissen).

  6. Maria sagt:

    Ja, fesch ist Guru Dutt wirklich und er hat das gewisse Charisma, das es braucht um mich wirklich zu begeistern. Ich muss zwar erstmal noch Dilip Kumar und Dev Anand kennenlernen, aber dann würd ich schon gern mehr von Guru Dutt sehen…

    Irgendwann gabs doch mal Gerüchte über eine Verfilmung von seinem Leben, oder? Das wär sicher auch sehr interessant… muss mal nachforschen, was da draus geworden ist…

  7. thursday sagt:

    ja, dieses gerücht mit amitabh bachchan (*graus*…. er ist einfach zu alt und zu streng…) kam allerdings von radiosargam und die waren in letzter zeit ja nicht gerade die glaubwürdigste quelle… *g*

  8. Maria sagt:

    Oh. Radioargam. Dann ist ja alles klar…

    Amitabh wär in der Tat DIE Fehlbesetzung schlechthin für die Rolle *g* Allerdings fällt mir spontan auch niemand ein, den ich als Guru Dutt gern sehen würde…hm. Shahrukh könnten wir aber als Dilip Kumar casten, falls der in unserem Film auftaucht…

  9. Filmtipp: Bollywood-Film “Pyaasa” (1957) « www.Sozialgeschnatter.de sagt:

    [...] Mariakäfer: >> Durchzogen von Melancholie und Desillusion, bleibt der Film aber trotzdem gut anzusehen, da Guru Dutt seine Geschichte sehr feinfühlig und bewegend erzählt und vor allem einen technisch hervorragend gemachten Film liefert. Die Kamera ist beeindruckend und einige Szenen schlicht genial in ihrer Intensität. << [...]

  10. ramakrishna sagt:

    its sheer poetry on celluloid,lyrics,music,acting ;everything about the film is unforgettable even after my first watching during 1960 and last watching during1976.
    ramakrishna

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