Filmkritik: JAMES (3/10)
2. September 2006
Oha. Ich hab zwar die miesen Kritiken gelesen, aber dass James tatsächlich so schlecht ist, aber ich aus unerfindlichen Gründen nicht erwartet. Ich glaub ich verdanke es einzig und allein meinem hartnäckigen Jet-Lag, dass ich gestern Nacht nicht bei diesem Blödsinn eingeschlafen bin. Naja, jedenfalls haben wir jetzt einen neuen Negativrekord. Ist doch auch was.
Gesehen wurde die deutsche Synchro im TV, eventuell leicht gekürzt. Aber beides dürfte keinen Einfluss auf die Bewertung gehabt haben.
Regisseur: Rohit Jugraj
Musik: Bapi-Tutul, Amar Mohile, Nitin Raikwar, Prasanna Shekhar
Darsteller: Mohit Ahlawat, Nisha Kothari, Sheereveer, Zakir Hussain, Mohan Agashe, Rajpal Yadav
Crew: Ram Gopal Varma (producer)
Erscheinungsjahr: 2005
STORY
James (Mohit Ahlawat) ist eine unbesiegbare Kampfmaschine und gerade erst nach Bombay gekommen. Dort findet er einen Job in einem Club, wo er sich jedoch mit Radhey Narayan (Sheereveer) anlegt, der die hübsche Nisha (Nisha Kothari) angemacht hat. Radhey ist aber der Bruder des mächtigen Shankar Narayan (Zakir Hussain) und gar nicht glücklich über Widerstand: und so setzt er alles daran, sich an James zu rächen. James und Nisha fliehen, doch die Gangster bleiben ihnen auf den Fersen.
REVIEW
Man sieht´s auf den ersten Blick: die arg dünne Story ist nicht grad etwas, mit dem James punkten kann. Wer hier Überraschungen erwartet, muss schon ein unverbesserlicher Optimist sein – und wird natürlich gnadenlos enttäuscht. Aber auch so eine Story kann funktionieren, wenn sie spannend inszeniert und mit interessanten Charakteren bevölkert wird. Klappt das? Nein, nicht mal annähernd.
James wirkt durch seine erschreckend lahme Inszenierung wie eine überlange Schlaftablette, selbst Szenen die eigentlich aus Prinzip spannend sein müssten werden durch die stümperhafte Montage gnadenlos kaputtgemacht. Das tut schon richtig weh, dabei zuzusehen.
Und dazu kommen die katastrophal eindimensionalen
Charaktere, die noch nichtmal so was wie einen Hintergrund erhalten damit man als Zuschauer versteht was sie eigentlich antreibt. Am schlimmsten erwischt es hier den Hauptcharakter: James ist ein weltverbessernder Kampfroboter, der Sätze wie “Es geht nicht nur darum am Leben zu bleiben – auch Selbstachtung ist wichtig” oder “Wer nichts falsch macht, muss keine Angst haben” von sich gibt und dessen ehrenwertes Verhalten so einigen Unschuldigen das Leben kostet. Wir erfahren bloß nie, welchen Grund es dafür gibt. Wer soll sich bitte mit so einem Charakter identifizieren können?
Für den ärmlichen Plot ist James auch viel zu lang geraten. Vieles hätte man einfach streichen können, aber unnötige Szenen sind nichtmal das primäre Problem: die gezeigten Szenen werden nur so lang wie möglich ausgedehnt. Indem etwa 70% des Films in Zeitlupe abläuft. Wer Kritiken zu Actionfilmen von mir kennt weiß: Ich kann unmotiviert und inflationär eingesetzte Zeitlupen auf den Tod nicht ausstehen. Und was James hier bietet hat mich gestern Nacht fast zur Weißglut getrieben: kaum eine Einstellung, die wir nicht mit dramatischer Verlangsamung erleben müssen. Argh.
Wobei, ich weiß gar nicht, was mich mehr gestört hat: die nervraubende Zeitlupe oder die scheußliche Musikuntermalung. Vielleicht würden die Zeitlupenaufnahmen noch ein bisschen wirken, wenn sie nicht so schrecklich unpassend begleitet werden würden. Ich achte eher selten auf die Hintergrundmusik, aber hier war
sie so penetrant mies, dass ich mir zeitweise überlegt hab, den Ton einfach auszuschalten. Die Dialoge würde man kaum vermissen. Aber ich bin ja tapfer und hab den Musikbrei komplett durchgestanden.
Das Drehbuch ist sowieso schon ziemlich dürftig, man wundert sich während des Films dann aber doch immer wieder wie schlecht es wirklich war – so einige Dialoge werden uns nämlich vorenthalten. Da sieht man dann, dass die Charaktere miteinander sprechen, hört aber nur höchst-dramatischen Musikbrei. Ich hätte eigentlich gern erfahren, warum James nach Bombay gekommen ist – aber wir dürfen ihm leider nicht zuhören. Und nachdem der Musikbrei wie schon angesprochen einfach grausig ist, sind diese Szenen mehr als nervtötend…
Die Hauptdarsteller bieten wenigstens einen Grund, den Film nicht nach den ersten Minuten auszumachen, die sind beide recht hübsch anzusehen. Mohit Ahlawat fand ich anfangs sogar noch ziemlich schick, leider hat man sich dann aber doch bald an den drei Gesichtsausdrücken die er bietet satt gesehen und er langweilt dann doch langsam. Nisha Kothari ist niedlich, wenn auch keine viel versprechende Schauspielerin – und das Sexsymbol nimmt man ihr auch nicht so ganz ab. Und wie oft sich die arme, schwache Nisha hinter den Muskelbergen von Mohit verstecken
muss ist ärgerlich. Aber wie gesagt, die beiden machen sich ganz gut auf der Leinwand. Daneben gibt´s noch ein paar bekanntere Gesichter: Mohan Agashe als Nishas Vater, und Zakir Hussain, den ich immer gern sehe, als krimineller Politiker. Dessen Filmbruder, Sheereveer, nervt nach ein paar Minuten nur noch, seine Gang sowieso. Etwas Spaß bringt die Einführungsszene von Rajpal Yadav. Snehal Dabi als James´ Freund würd ich gern so schnell wie möglich verdrängen – was für eine Nervensäge.
Ach, genug gelästert. James ist einfach kein guter Film. Vielleicht keine reine Zeitverschwendung, aber trotzdem in der Kategorie der deutschen DVDs, die man ohne schlechtes Gewissen ignorieren kann. Lieber die Finger davon lassen.
MUSIK
Ach, da waren Songs drin? Die vergisst man so schnell sie geendet haben. Laut imdb und IndiaFM stecken hinter den lahmen Songs mehrere Komponisten, das entschuldigt das aber auch nicht gerade.
Woh Hero Hai – na ja, es beginnt nicht gerade überragend aber doch mit einem der besseren Song: zu den Credits bekommen wir diese Item-Nummer, die zumindest mit einer gar nicht so üblen Inszenierung aufwarten kann.
Zindagi Jeene Ka Naam – Einführungssong für Nisha.
Musikalisch Durchschnitt, die männliche Zuschauerschaft dürfte von der sich in knappen Kostümen räkelnden Nisha aber ganz angetan sein.
Suraj Ki Kirano – Jetzt wird´s langweilig. Lahmes Liebeslied, zu dem sich Nisha und Mohit am Strand herumkugeln. Tut manchmal so, als ob es Naach nachmachen wolle – versagt aber kläglich. Mohit bekommt das mit den Actionszenen zwar ganz gut hin, Songs sind aber echt nicht sein Ding…
Sindori Aasmaan Hai – etwa genauso lahm wie das vorhergegangene Lied, bloß diesmal mit weniger Sand und mehr Wasser (in Form von Seen, Regen und Badewannen). Und Mohit schaut immer noch ziemlich unwohl aus.


02. September 2006 um 18:41
Bravo fürs Aufbleiben *g*
Schön, bin ich nicht der einzige, der sich so über die Zeitlupe ärgert. Eigentlich mag ich die sonst – ein Michael-Bay-Film ohne slow motion wäre nicht halb so cool
– aber wirklich jede noch so unbedeutende Bewegung in Verlangsamung zu zeigen. Wäk. Der Hauptdarsteller hätte ja eigentlich die Power für ein paar fetzige Schlägereien gehabt, Muckis, cooler Blick und so, aber ihn bewegungstechnisch derart zu kastrieren, ist in meinen Augen die grösste Sünde des ganzen Films. Weit hinten kommen dann Routinestory und mässige Schauspieler.
02. September 2006 um 19:58
Gut eingesetzte Zeitlupe mag ich ja auch, an der richtigen Stelle kann das die schicksten Szenen bewirken – aber bei James wird es praktisch nie richtig gemacht. Bei ein, zwei Szenen passt es (bspw bei derjenigen, wo James auf der Straße bei der Flucht dem ersten Gegner so einen schönen Kinnhaken verpasst dass das Blut nur so spritzt – da wirkt das ganz gut), aber ansonsten – ARGH!
Ich hab nach ungefähr einer Stunde auf die Uhr geschaut, mit dem Gefühl, dass der Film jetzt dann bald aus sein müsste – und ab dem Zeitpunkt war ich eigentlich nur noch genervt von dem ganzen zähen Actionbrei…
02. September 2006 um 20:22
ich bin bei James bis jetzt noch nicht über die erste 3/4 stunde gekommen. mich nerven im moment die factory filme ganz gewaltig. und trotzdem bin ich auf shiva gespannt. erstens RGV wieder mal selbst hinter der kamera und zweitens würd ich gern wissen ob mohit und nisha was können…
02. September 2006 um 20:29
babasko, keine Sorge, nach der ersten 3/4 Stunde kommt auch nichts mehr anderes, da hast du nichts verpasst.
Das Remake von James brauch ich aber echt nicht sehen. Ja gut, es wird sicherlich besser, soviel Vertrauen hab ich in Ramu noch – aber die Story ist ja jetzt wahrlich keine, die man unbedingt nochmal sehen muss und so scharf bin ich auch nicht drauf, Mohit und Nisha nochmal zu sehen. Aber ich bin gespannt drauf, was ihr dann vom Remake halten werdet *g*
03. September 2006 um 07:53
erstaunlich. ich hätte schwören können, dass der film bei mir mehr gewürznelken bekommen hat als bei dir. hat er aber nicht. man vergisst also die qualen der vergangenheit irgendwann. hm.
17. February 2008 um 15:06
Also ich weis nich, hab den Film einmal gesehen und der hat mir eigentlich ziemlich gut gefallen, würde den gern nochmal sehen.