Filmkritik: JEWEL THIEF (8.5/10)
28. October 2006
Mit etwas Verspätung gibt´s jetzt die Jewel-Thief-Kritik – die ist auch dringend nötig, damit sich Waqt da in der Filmliste in den sonst noch seeehr leeren 60ern nicht so allein fühlt.
Dann brauch ich aber doch wieder eine (zumindest kurze) Rückkehr ins heutige Kino, ich bin jetzt über einen Monat nicht über 1992 hinausgekommen – da taten die 2006er-Filme von gestern und heute wirklich gut. Aber dazu später. Jetzt sind wir erstmal noch in den schicken 60ern. Screenshots gibt´s leider nur aus der ersten Hälfte, weil die zweite Hälfte auf meinem PC spinnt…
Regisseur: Vijay Anand
Musik: S.D. Burman
Darsteller: Dev Anand, Ashok Kumar, Vyjayanthimala, Tanuja, Helen, Faryal
Crew: Vijay Anand (screenplay, editing), Dev Anand (producer), T.K. Desai (art direction)
Erscheinungsjahr: 1967
STORY
Vinay (Dev Anand) arbeitet als Gutachter für Edelsteine und hat ein Problem: ständig halten ihn Leute für einen gewissen Amar, sogar dessen Ex-Verlobte Shalu (Vyjayanthimala) kann Vinay nicht von ihrem Liebsten unterscheiden. Bald erhärtet sich der Verdacht, dass eben dieser Amar der gerissene Juwelendieb ist, der die Juweliere der Stadt in Schrecken versetzt. Vinay entschließt sich, dem Dieb auf die Schliche zu kommen indem er sich als Amar ausgiebt und sich in dessen Kreise einschleicht…
REVIEW
Als der wichtige Vijay und Dev Anand Film wird zwar meistens erst Guide genannt, aber auch dieses zwei Jahre später entstandene “classic suspense drama” (so meint die DVD-Hülle), gilt längst als Kultfilm. Sicherlich zu Recht, es ist nämlich eine wahre Freude bei diesem Film zuzusehen – von der
Ausstattung über die Darsteller bis zur Handlung und der Inszenierung gibt es soviel an Jewel Thief zu lieben, dass man den Film unweigerlich in bester Erinnerung behält.
Da wär eben das Design des Films: Yash Chopra hat in Waqt den westlichen, teuren Sixties-Pop-Art-Look in Mode gebracht, Jewel Thief perfektioniert das Ganze jetzt. Meine Güte, sieht dieser Film geil aus. Die Sets sind schlichtweg irrsinnig mit ihrem Zusammenbasteln aller Pop-Art-Elemente, die man nur irgendwie unterbringen kann. Jeder Wandabschnitt hat sein eigenes Design, den Raum dazwischen teilen sich todschicke 60ies-Möbel mit barocken Figuren, jede Wohnung hat ein aufwändiges Beleuchtungssystem und alles glänzt in den kitschigsten Farben die die Coloration hergibt. Es lohnt sich wirklich, Jewel Thief mindestens zweimal zu sehen: einmal um normal auf die Handlung zu achten und ein weiters Mal nur um die Sets und die Ausstattung zu bestaunen.
Aber auch die Schauspieler beeindrucken und verlieren sich nicht in den herrlich durchgedrehten Sets.
Dev Anand ist…faszinierend. Anfangs war er mir
ein wenig zu seltsam, und auch jetzt gehört er noch nicht zu meinen Lieblingen, aber je öfter ich mir seine Szenen ansehe, desto interessanter find ich ihn. Teilweise kommt er unendlich lässig herüber, teilweise aber auch ein wenig linkisch – was letztendlich dann ebenfalls wieder ziemlich schick wirkt. In jedem Fall ist es ein Leichtes führ ihn, den ganzen Film mit seinem Ego zu tragen und ständig charmant und anziehend zu wirken. Sehr faszinierend eben.
Und er hat eine unbeschreibliche Art, eine Waffe zu halten. Das macht er wirklich den ganzen Film über so – wie gut, dass es nie soweit kommt, dass er wirklich schießen müsste. Sonst würd er wohl alles und jeden treffen, bloß sein Ziel garantiert nicht.
Und weil Dev so toll ist, bekommt er auch eine ganze Ladung an weiblichen Mitstreiterinnen. Allen voran natürlich Vyjayanthimala, die zwar die größte Rolle hat, aber die meiste Zeit etwas blass bleibt. Als Heldin funktioniert sie aber dann trotzdem, weil Dev den Film eh alleine trägt. Noch vor ihr treffen wir auf Tanuja, die die Tochter eines Juweliers spielt und mit einer großen Portion Niedlichkeit überzeugt. Die Szene, in der sie auf Vinay sauer ist und ihm dann Wasser bringt ist dank ihrer herrlichen Darstellung zum kugeln. Zur Filmmitte hin tritt dann Helen
auf, die natürlich göttlich wie immer ist und sowohl beim tanzen als auch beim schauspielern beeindruckt. Ich brauch mehr Helen. Eine weitere Rolle hat dann noch Faryal, die jedoch keinen großen Eindruck hinterlassen kann. Ich glaub, damit haben wir alle Damen, oder? Gut.
Bleibt noch Ashok Kumar als Shalus Bruder, der ebenfalls eine faszinierende Performance abliefert – es macht wirklich Spaß diesem Ensemble zuzusehen.
Die Story bietet uns viel spaßigen Irrsinn mit Flirten, Verwechslungen, jeder Menge Humor und einigen romantischen Verwicklungen. Neben dem unterhaltsamen Teil des Films wird aber auch nie die Spannung vergessen. Klar, so richtig Fingernägel-kauend-spannend wird´s natürlich nie, aber man fiebert doch immer auf die Lösung des Rätsels hin und die Szenen, in denen Vinay Amar dicht auf den Fersen ist und ihn immer fast entdeckt sind doch ziemlich dramatisch gemacht. Erst die letzte halbe Stunde hat der Film dann ein paar Längen, davor hält er sein flottes Tempo konstant.
Gegen Ende überrascht uns der Film dann noch mit einem netten Twist, nach dem man sich dann zwar schon
mal kurz fragen muss: Ist das diesen unglaublichen Aufwand wirklich wert? Aber das ist wohl wie mit den Bond-Bösewichten, es ginge zwar wohl schon einfacher, aber dann wär die Sache ja langweilig. Und es ist schließlich wirklich seeeehr spaßig dieser etwas unlogischen Geschichte zu folgen (und auch dafür lohnt sich dann ein zweites Ansehen des Films, wo man dann mit einem wissenden Grinsen die Handlungen der Figuren verfolgen kann und einiges dann doch plötzlich mehr Sinn macht).
Über diesen Film gäb es noch viel zu schreiben, eigentlich reicht aber ein kurzes Fazit: Unbedingt anschauen! Ich versteh sehr wenig bis gar nichts von den 60ern Bollywoods, doch dieser Film ist so ansteckend spaßig, dass man ihn lieben muss. Und natürlich Lust auf mehr Sixties-Schick bekommt.
Seiten: 1 2
Andere Artikel zum Thema:
Tags: Ashok Kumar, Dev Anand, R.D. Burman, Vijay Anand, Vyjayanthimala

08. September 2007 um 18:21
[...] Mariakaefer (8,5/10) – zur Review [...]