Filmkritik: ARADHANA (7.5/10)
19. November 2006
Wieder ein bisschen Nachschub für die erschreckend spärlich besetzten 60er, wieder einer der großen Klassiker Bollywoods und zweiterfolgreichster Film der 60er. Und mal wieder mit Sharmila Tagore, die damit in ¾ meiner 60er-Filme mitspielt (was bei vier Filmen nicht soo unglaublich ist, aber trotzdem).
Meine EVP-DVD bietet ein recht gutes Bild, nervt aber mit zum Teil unvollständigen und vor allem in einem miserablen Englisch verfassten Untertiteln…
Regisseur: Shakti Samanta
Musik: S.D. Burman, R.D. Burman
Darsteller: Sharmila Tagore, Rajesh Khanna, Madan Puri, Farida Jalal, Ashok Kumar, Subhash Ghai
Crew: Aloke Dasgupta (cinematography), Shakti Samanta (producer)
Erscheinungsjahr: 1969
STORY
Vandhana (Sharmila Tagore) ist grad aus dem College in ihr Heimatdorf zurückgekehrt, als sie den schmucken Air-Force-Piloten Arun (Rajesh Khanna) kennen lernt. Die beiden verlieben sich ineinander, heiraten bei einem Ausflug allein in einem Tempel und verbringen eine stürmische Nacht in einer Berghütte. Doch bevor die Beiden ihre Hochzeit offiziell machen können, muss Arun zu einem Einsatz – und stirbt dabei. So ist die schwangere Vandhana nun auf sich allein gestellt und muss wegen den Vorgaben der Gesellschaft viel Leid ertragen, doch sie setzt alles daran, den letzten Wunsch von Arun zu erfüllen: seinen Sohn zu einem Piloten zu machen.
REVIEW
Nachdem die großen Stars der 50er und 60er langsam abtraten und bevor Amitabh Bachchan 1973 die Spitze übernommen hat, war Bollywood fest in der Hand eines Mannes: Rajesh Khanna, der große Romantiker des indischen Kinos schlechthin. Mit diesem Film (und dem kurz darauf erschienenen Do Raaste) hatte Rajesh seinen Durchbruch zum Superstar.
Die erste Hälfte von Aradhana liefert uns typisches Geflirte in den Bergen und langsames Verlieben, mit erstaunlich wenigen Hindernissen sogar, da ja niemand etwas gegen die Beziehung
hat. Das haben wir schon oft gesehen und Aradhana bietet da wenig Neues, aber es ist doch immer wieder schön – vor allem bei diesen beiden Stars. Etwas lästiger sind da dann die Comedy-Szenen mit Diener Sitaram, die absolut nicht lustig sind und nur nerven…
Die zweite Hälfte bietet dann deutlich mehr Drama und tragische Schicksalsschläge mit einem Schluss Lost-and-Found, was bei mir einen immensen Taschentuchverbrauch erfordert hat. Klar, eigentlich ist die Handlung in dieser zweiten Hälfte schon ziemlich forciert, aber das stört überhaupt nicht, man kann trotzdem aus vollem Herzen mitfühlen, mitleiden und mitweinen. Und somit hat mir diese zweite Hälfte (trotz Rajesh-Mangels) doch besser gefallen.
Es ist nicht schwer zu verstehen, warum dieser Film Rajesh Khanna zum Star gemacht hat – er verschwindet zwar nach der Intermission (vorläufig) aus dem Film und hat somit eine kleinere Rolle als Sharmila, doch sein Charme und seine Ausstrahlung überzeugen schnell. In meinem ersten Rajesh-Khanna-Film, Namak Haraam,
hat er mich ja noch nicht soo beeindruckt, hier hat er mich dank seinem sympathischen und frischen Spiel schnell gewonnen. Einziger Wehmutstropfen: die Kostümdesigner meinen es ihm hier nicht immer gut und so sieht Rajesh desöfteren eher weniger schick aus (und besonders den Schnurrbart muss er wirklich überdenken…). Schade, weil er ja so umwerfend aussehen kann…Jedenfalls hat Rajesh eine sehr gute Chance, in der nächsten nehaflix-Bestellung berücksichtigt zu werden.
Auch wenn Aradhana Rajesh zum Startum verholfen hat, gehört der Film doch eigentlich ganz Sharmila Tagore. Sharmila trägt den Film leicht selbst, in der ersten Hälfte mit Anmut, Lebensfreude und viel Charme, später mit Kraft, Würde und einer warmen Mutter-Ausstrahlung. Sie spielt ihre Rolle wirklich wunderbar und man muss einfach mit ihr mitfühlen. Vielleicht übertreibt Sharmila ihre Darstellung der leidenen Mutter ein klein wenig (kann man sich mit 45 tatsächlich nur noch in Zeitlupe bewegen?), aber ihre Wirkung verfehlt sie ganz sicher nicht.
Außerdem sieht sie den ganzen Film über einfach umwerfend aus, als fröhliches Mädchen mit niedlichen Grübchen ja sowieso, aber auch noch mit verheultem Gesicht oder später als alte Vandhana.
Nach zwei Stunden kommt dann Farida Jalal in den Film und erleuchtet die Leinwand mit äußerster
Schnuckeligkeit. Mei, ist die niedlich. Die junge Farida hat mich ja schon in Bobby als geistig leicht angeknackste Möchtegern-Verlobte begeistert, hier ist sie ebenfalls einfach umwerfend. Auch die restlichen Darsteller können überzeugen – nur diese Diener nervt eben ziemlich. Aber der kommt zum Glück nicht soo oft vor…
Um noch einen kleinen Bogen zu meinem momentanen Mahabharata-Projekt zu schlagen, Philip sieht in Sharmilas Geschichte Parallelen zu einerseits der Geschichte von Shakuntala (beide leben in den Bergen, wo sie von einem schicken König/Piloten verführt, geheiratet und geschwängert werden, dieser König/Pilot sie aber dann verlässt und die Gesellschaft Shakuntala ausstößt) und andererseits zu Draupadi, und zwar ihrem letzten Exiljahr in Virata (beide arbeiten als Dienerinnen um unerkannt zu bleiben). Ah ja. Ich muss zugeben, dass mir beides nie aufgefallen wäre (was zum Teil auch daran liegt, dass sie Shakuntala-Geschichte aus meiner Fassung gekürzt wurde), aber es zeigt doch ganz schön das, was indische Filmemacher eh ständig behaupten: Alle Geschichten beruhen irgendwie auf dem Mahabharata.
Oh, und ganz nett zum Schluss, falls wir irgendwie verpasst hätten, dass der Film jetzt vorbei ist kommt dieser hilfreiche Hinweis: Aradhana is complete. Tihi. Klar
, es ist nicht im “Aradhana (der Film) is complete”-Sinn gemeint, sondern wohl eher im “Aradhana (zu deutsch: Verehrung) is complete”-Sinn. Etwas seltsam wirkt es aber trotzdem
Weil die erste Hälfte doch recht typisch ist und auch die zweite Hälfte kaum Überraschungen bieten kann, reichts nicht ganz für mehr Punkte. Aber dank bezaubernden Darstellern und vielen niedlichen und bewegenden Momenten ist Aradhana doch ein sehr unterhaltsamer Film, bei dem man den Klassiker-Status gut nachvollziehen kann. Kann ich wirklich wärmstens weiterempfehlen, für… eigentlich alle. Frauen können Rajesh Khanna anschmachten, Männer Sharmila Tagore und Farida Jalal, und die Liebesdramastory sollte eigentlich jedem gefallen, wer so was nicht mag bleibt ja eh nicht bei Bollywood hängen. Also: Anschauen! Oder zumindest gleich zu youtube sausen und Roop Tera Mastana anschmachten *g*
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Tags: Lost and Found, R.D. Burman, Rajesh Khanna, S.D. Burman, Shakti Samanta, Sharmila Tagore


19. November 2006 um 15:45
Was für eine Rolle spielt Subhash Ghai denn? Und ist es d e r Subhash Ghai?
19. November 2006 um 15:56
Ja, es ist der Subhash Ghai, sonst hätt ich ihn gar nicht aufgeführt, weil er bloß eine ganz kleine Rolle hat, als einer der Pilotenfreunde von Rajesh Khanna. Screenshot:
http://www.mariakaefer.de/wp-content/uploads/2006/11/aradhana-subhash.jpg
19. November 2006 um 16:23
Die Bildqualität scheint, nach den Screenshots zu urteilen, ja wirklich klasse zu sein. Schade, dass die Untertitel nicht so doll sind – aber das ist doch eigentlich immer eine ganz nette Möglichkeit um die eigenen Hindikenntnisse zu überprüfen, oder? Ging mir jedenfalls neulich mit Kachche Dhaage so *g*
Oh, und Farida sieht wirklich furchtbar goldig aus – allein deswegen verführt dieser Film schon dazu, gekauft zu werden. Wobei er eh schon auf meiner to-buy-Liste steht.
19. November 2006 um 16:32
An den Screenshots hab ich zwar ein ganz klein wenig herumgespielt (bloß am letzten, dem Subhash-Foto nicht), aber die Bildqualität ist wirklich toll. Das ist sehr angenehm, wenn man sonst so anschaut, die DVDs von älteren Filmen aussehen *seufz*
Bei den Untertiteln ist neben den eigenen Hindikenntnissen dann auch noch logisches Satzzusammenbaudenken gefragt. Da bekommt man einen Haufen englische Wörter hingeschmissen und muss dann blitzschnell alles so umstellen und austauschen, damit es den richtigen Sinn ergibt *g* Ich hab die DVD jetzt schon eingepackt (die muss mit nach Passau, ich komm doch keine 4 Tage ohne Roop Tera Mastana aus), sonst würd ich ein paar Beispiele suchen..
Farida ist wirklich umwerfend, ich könnt konstant herumquietschen, wenn sie auf der Leinwand auftaucht. Da gäbs sooo eine niedliche Szene am Auto, von der ich jetzt leider keinen Screenshot machen kann, weil da eine spoilerische Person danebensteht. Als Ausgleich ein Bildchen aus Bobby:
http://www.mariakaefer.de/wp-content/uploads/2006/11/faridajalal_bobby03.jpg
*squee*
19. November 2006 um 16:40
Ach Gottchen, war der Subhash da noch jung! Aber doch schon zu erkennen!
Etwas off topic jetzt: wie ich festgestellt habe, hast du Shaan schon längst gesehen und reviewed; als ich eben bei einem meiner Lieblingsreviewer (The Gorilla’s Lament) eine Review las, musste ich nämlich sofort an dich denken. Falls du Lust hast, es zu lesen:
http://gorilla.coldfusionvideo.com/
19. November 2006 um 16:48
Naja, wenn ich nicht gewusst hätt, dass das Subhash ist, hätt ich ihn sich nicht erkannt *g* – aber wenn mans weiß, dann sieht man es natürlich schon.
Die Review von Gorilla’s Lament ist ziemlich schick – deckt sich recht genau mit meinem Eindruck vom Film…
19. November 2006 um 19:49
Ich kann das Bobby-Bild von Farida leider nicht sehen… Aber ich glaube dir mal, dass sie darauf genau so putzig ist wie in Aradhana
Übrigens habe ich “Mayya” jetzt noch ein paar mal gehört und finde langsam Gefallen daran…
20. November 2006 um 11:51
Ai, das ist die Strafe fürs hotlinking, ich lads gleich selber hoch und besser den Link aus, dann sollte es funktionieren *g*
Schön, dass dir Mayya jetzt langsam doch gefällt – ich denke spätestens nach der Inszenierung im Film hast du nichts mehr gegen den Song einzuwenden.
20. November 2006 um 15:12
Ah, jetzt kann ichs sehen. Hihi, niedlich. Und im Gegensatz zu dem Aradhana-Bild hab ich sie da sogar erkannt *g*
Ich denke auch, im Film wird Mayya nochmal besser. Ich stell mir grad vor, wie Abhi Mallika dauergrinsend anschmachtet, schließlich hat er bei KwK so von ihr geschwärmt
20. November 2006 um 17:06
Farida ist eine der Leute, die man auch in früheren Rolle sofort erkennt, auch in Aradhana, die hat sich nicht so viel verändert. Mir gehts inzwischen ja auch bei Sharmila ständig so, dass ich bemerke wie sehr ihre Tochter ihr ähnelt…
Ah, ich seh schon, ich sollte mehr KwK gucken *g* Aber ich denk auch, dass dieser Song klasse wird, ich kann mir das so richtig schön vorstellen…
28. November 2006 um 22:11
du bis doof
29. November 2006 um 12:53
Hm. Ich will das gar nicht abstreiten, unter so einigen Blickwinkeln betrachtet bin ich sicher doof – aber ich hätt doch gern eine Erklärung? Warum bin ich doof? *selbstzweifel*
18. April 2007 um 18:51
ich heiße auch so
24. January 2008 um 13:38
ich finde der film ist so eine schöne geschichte da vergisst man alles um sich herum
24. January 2008 um 13:39
ich finde der film ist so eine schöne geschichte da vergisst man alles um sich
24. January 2008 um 13:40
ja du hast recht