Mahabharata-Zwischenbericht, Nummer 6
20. November 2006
So, ich bin durch mit dem Mahabharata, und bevor ich mich jetzt an die “richtigen”, zusammenfassenden Artikel dazu setze, gibts der Vollständigkeit halber noch den letzen Zwischenbericht für die letzten 130 Seiten – auf denen noch mit ein paar blutigen Massakern alles sauber gemacht wird und am Schluss überhaupt niemand mehr lebt. Also, was passiert:
Wir waren grad bei Karnas Tod, mit dem der Krieg für die Pandavas so gut wie gewonnen ist. Auf Seiten der Kauravas lebt an Helden nur noch Duryodhana (und drei Männer zu denen wir später kommen), der jetzt (zurecht) um sein Leben fürchten darf – aber er ist durch den Tod seines Freundes eh so verzweifelt, dass er dem Tod eh ruhig entgegenblickt. Relativ zumindest. Duryodhanas Mama versucht ihn noch zu retten, indem sie ihn mit einem Blick durch ihre asketischen Kräfte (die hat da quasi jeder) unverwunderbar macht, aber da der Depp sich nicht völlig nackt vor seine Mutter getraut hat bleiben seine Lenden verwundbar (Siegfried-Flashback, anyone? Das mit dem unverwundbar-werden klappt ja doch irgendwie nie). Es kommt zum Kampf zwischen Bhima und Duryodhana, in dem Bhima seinen Cousin durch einen unfairen Schlag unter die Gürtellinie tödlich verwundet und die Pandavas ihn dann im Wald liegen lassen. Wie nett.
Soweit, so erwartet. Was dann kam, hat mich doch fast schockiert – ich hatte eigentlich erwartet, dass der Krieg jetzt aus wäre. Tja, aber es gibt ja so tolle Helden bei den Kauravas, die denken es wäre eine sehr gute Idee, die restliche Armee der Pandavas nachts im Schlaf zu überfallen und zu töten. Sehr fair. Ashvatthama zieht diesen Plan durch und metzelt alles nieder, was noch überlebt hat, inklusive die 5 Söhne der Draupadi. Und als ob es nicht gereicht hätte die armen Jungen zu erschlagen, werden sie auch noch geköpft und ihre Köpfe zum dahinsiechenden Duryodhana gebracht, der die Köpfe dann mit bloßen Händen zerquetscht. Oi.
Aber damit ist der große Krieg dann wirklich vorbei, Duryodhana stirbt, Ashvatthama wird bestraft, Yudhistira wird nach einigen Bedenken und Zweifeln seinerseits endlich wieder König. “König von was?”, möcht man fragen, denn in der Schlacht wurden ja alle Freunde, Verwandten und potentiellen Untertanen ausgerottet (auf Kuru-Seite gibt es keinen Nachfahren mehr, die Pandavas haben noch EINEN ungeborenen Enkel vorzuweisen). Das ist den Protagonisten durchaus bewusst, und Yudhisthira würd jetzt auch gern das tun, was Asoka an dieser Stelle getan hat: König-sein aufgeben und als Asket im Wald leben. Blöd halt, dass alle sagen es wär seine Pflicht die Erde zu regieren… Toll wiederum, dass es ja noch jemanden gibt, den Yudhisthira fragen kann, wie man wirklich gut regiert: Bhishma. Der lebt nämlich noch. Oi. Der wartet darauf, dass die Sonne nach Norden wandert, dann wärs nämlich besonders segensreich zu sterben. Und da sind noch 50 Tage hin…hui. Der Arme. Liegt da aufgespießt auf einem Bett aus Pfeilen und kann noch nicht sterben…
Nachdem alles geregelt ist, läuft alles erstmal ruhig weiter. Yudhisthira will ein großes Opfer ausführen, Arjuna kämpft mit seinem Sohn und stirbt dabei und wird dann wieder zum Leben erweckt (ja, einfach so. Seeehr “WTF”…), und die Jahre vergehen. Dann isses soweit, das Ende der Yadus ist gekommen. Yadus, das sind Krishna, Balarama und alle ihre Nachfahren und Untertanen. Durch ein Zusammenspiel von diversen Flüchen kommt es dazu, dass sich alle Yadus, also alle Männer der Stadt Dwaraka, gegenseitig erschlagen – da werden schnell mal Millionen dahingemetzelt. Krishna und Balarama geben ebenfalls ihr Leben auf – also, besser gesagt, ihren Körper. Die Frauen werden von Arjuna aus der Stadt geführt, die Stadt wird vom Meer verschlungen. Unser Supreme Lord wollte wohl wirklich keine Spuren hinterlassen (das ganze ist selbstverständlich Teil seines Plans).
Gut, wer lebt noch immer ? Ah, die Pandavas. Die sind am Boden zerstört weil ihr ein und alles, Krishna, die Welt verlassen hat und folgen ihm – zusammen mit Draupadi ziehen sie los ins Himalaya wo sie alle nacheinander ebenfalls sterben (schöne Szene übrigens, wie Bhima immer verständnislos fragt, warum Draupadi, Sahadeva, Nakula, Arjuna und er selbst fallen und Yudhisthira trocken antwortet und weitermarschiert…und der HUND!!! Hach.). Weil solch ein Ende noch zu nett wäre blicken wir noch schnell in den Himmel: Duryodhana sitzt auf einem goldenen Thron in allem Komfort, während die Pandavas in die Hölle kommen. Ja, ehrlich! Doch, Entwarnung, die Pandavas kommen nach ein paar Minuten Hölle (völlig tugendhaft kann nämlich niemand sein) doch in den Himmel, wo Krishna ist und alle sind glücklich denn: nur da wo Krishna ist, kann wahres Glück sein. Hach. The End. *schnüff*
Doch: Obwohl das ganze auf eine optimistischen Note endet, ist das Ende des Mahabharata doch recht düster und wenig “Yippieh, wir haben gewonnen! Party!”-Stimmung. Am Ende lebt von den großen Helden nur noch dieser eine Pandava-Enkel, der jetzt die Welt regiert, und Kripa. Der Rest ist tot. Und wir wissen: das Kali-yuga ist am beginnen, das dunkle Zeitalter ohne Religion und Tugend. Aber hey, alles Krishnas Plan. Der wirds schon wissen.
Vielleicht ist das nicht sinnvoll das Mahabharata mit Fantasy zu vergleichen, aber ich komm nicht drumrum, bei diesem Ende an den Lord of the Rings zu denken. Bei dem bleiben zwar deutlich mehr Helden am Leben, doch das Prinzip ist ähnlich: in einem großen Krieg wird die Erde vom Bösen befreit und gerettet, doch nicht für unsern Helden Frodo, der diese Welt nun verlassen muss und Abschied nimmt um bei den Göttern zu leben. In Mittelerde bricht dabei ein neues Zeitalter an, das Zeitalter der Menschen – nicht direkt ohne Tugend, aber doch nun eine Welt ohne Elben. Wenn man weitersucht, könnte man da wohl noch ein paar Parallelen finden (König im Exil…). Ich frag mich, ob Tolkien das Mahabharata gekannt hat – möglich wärs ja.
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Tags: Mahabharata


20. November 2006 um 13:42
da du die magischen blicke von duryodhanas mutter erwähnst, fällt mir ein, dass es in der ersten hälfte des mahabharatas eine ähnliche szene gibt, die mich an siegfried bzw. achillis erinnerte
irgendeiner der kauravas (mein buch ist immer noch bei maini) wurde von seinem lehrer/ausbilder zu einem fluss oder einer quelle geführt, wo er bei mondschein (?) drin badete
dieses sollte ihn unverwundbar machen – blöd nur, dass mal wieder ein blatt auf die haut gefallen war, dass das wasser nicht die ganze haut benetzen konnte
leider kann ich mich nicht daran erinnern, dass in meinem buch der große kampf erwähnt wird, wo dieser kauravas durch einen stich oder schlag auf die entsprechende hautstelle getötet wird (ich bin mir absolut sicher, dass dies kommen muss)
toll fand ich auch die begründung, warum draupadi in den abgrund stürzt: sie hat ihre fünf ehemänner nicht gleich intensiv geliebt *hmpf*
20. November 2006 um 17:10
An die Mondschein-Badeszene kann ich mich momentan gar nicht erinnern… muss mal nachschaun ob die vielleicht bei mir gekürzt ist. Im Kampf wurde bei mir das auch nicht erwähnt, daran könnt ich mich normalerweise noch daran erinnern… aber das klingt schon seeehr nach Siegfried, ja *g*
Naja, die Erklärungen waren alle etwas… dürftig. Aber konsequent, irgendwie. Und die Szene ist einfach *zu* schön…
20. November 2006 um 18:46
ja, bitte schau mal bei dir nach
die badeszene spielt zu der zeit, in der die söhne der beiden familien zur ausbildung weggeschickt wurden
einer der kauravas war darüber traurig, dass die pandavas so viel besser waren und hatte angst, dass seine familie in einem eventuellen kampf unterliegen würde
deshalb das bad
20. November 2006 um 22:24
Was den Herrn der Ringe angeht: es würd mich schon fast mehr wundern, wenn Tolkien das Mahabharata nicht gekannt hätte. Insgesamt solche Heldensagen passen als Inspirationsquelle zu gut.
Man sollte auch noch mal nur so zum Spaß Elbisch lernen. Ob man da wohl Hindi-Einflüsse finden würde?
21. November 2006 um 10:18
@bastet: Ich hab gestern bloß kurz geschaut und da nichts gefunden, und bei einer kurzen Suche in dieser Online-version hab ich auch nichts gesehen:
http://home.att.net/~gitaprasad/mahabharata.htm
Aber ich schau mal weiter.
@eva-e: Hmja, als Inspirationsquelle ist das Mahabharata sicherlich geeignet, aber Tolkien war ja generell eher an “nördlichen” Kulturen interessiert…
Hindi-Einflüsse findet man in elbischen Sprachen aber nicht, Sindarin ist eher am Walisischen orientiert, Quenya am Finnischen. Hindi konnte der Professor meines Wissens nach nicht.
(man glaubt ja immer kaum, wozu man solche früher mal völlig unnötig gelernten Sachen mal braucht. Ich war in meinen Phonetik/Phonologie-Vorlesungen bisher immer ganz glücklich, weil ich vieles vom Stoff schon mal gehört hab, als ich Tengwar gelernt hab (das elbische Schriftsystem und eben auch eine Lautschrift, für die man so Sachen wie das Schwa braucht, wenn man Deutsch oder Englisch schreiben will…)
21. November 2006 um 16:18
OK, schon gut…. Dann überlass ich das Thema mal ganz schnell wieder den echten Experten.
Und bleib selbst noch ne Weile dem Hindi treu. Da lernt man ja auch generell was über Sprachen.
Ist aber schon komisch, wie sehr sich irgendwie alle Heldensagen ähneln. Ob da wohl doch ein wahrer Kern drin steckt??? *mystisch*
21. November 2006 um 19:06
hmpf, das wurmt mich jetzt, dass “mein” mahabharata scheinbar abweicht
in der zusammenfassung habe ich nämlich auch nichts von dem nächtlichen bad gefunden
ob es wohl daran liegt, dass der verfasser meines buchs das mahabharata, das in indonesien erzählt wird (wie er im vorwort erwähnt), zusammenfasst?
eigentlich wäre es schon komisch, wenn in dem epos gleich 2x ein wundersamer schutz a la siegfried auftauchen würde
22. November 2006 um 08:06
@eva-e: So war das natürlich nicht gemeint
Aber Tolkien ist halt einfach ein Gebiet, auf dem ich schwafeln kann… Hindi lernen ist jedenfalls sicher sinnvoller als Sindarin oder Qenya.
Die Ähnlichkeit von vieler Heldensagen (und Religionen) ist schon irgendwie verdächtig, aber da hab ich zuwenig Hintergrundwissen um das genauer zu verfolgen…
@bastet: Ich kann ja mal in den Mahabharata-Ausgaben der Uni-Bib schaun, ob man da irgendwas finden könnte… vielleicht gibts da ja auch eine indonesische Mahabharata. Warum hat dein Auor eigentlich diese Fassung gewählt, erklärt er das?
Dass irgendwas zweimal vorkommt, würd mich erstmal noch nicht wundern, so einige Sachen tauchen ja öfters auf….