Gedanken zu Verfilmungen des Mahabharata

24. November 2006

Verfilmungen des Mahabharata liegen in Bollywood natürlich recht nahe, und tatsächlich begann genau damit die indische Filmgeschichte – mit sogenannten “mythologicals”, religiös-mythologischen Filmen. Der erste indische Spielfilm erzählt so eine Geschichte aus dem Ramayana und dem Mahabharata: “Raja Harishchandra” von Dadasaheb Phalke. Durchaus ein Thema also, mit dem man sich eine Weile beschäftigen kann – und ein Thema, mit dem man sich auch gut gerade jetzt beschäftigen kann, wo überall heiß über neue Verfilmungs-Projekte des Stoffes diskutiert wird.

Gerüchte über eine neue Mahabharata-Verfilmung halten sich inzwischen schon ziemlich lange, anfangs hieß es noch, Produzent Bobby Bedi würd mit Mani Ratnam den Film machen, das scheint aber alles sehr, sehr unsicher zu sein. Etwas wahrscheinlicher scheinen neue Berichte über eine Verfilmung von Ravi Chopra (der hat zusammen mit Vater B.R. Chopra ja auch schon die beliebte Mahabharata-Serie in den 80ern inszeniert), in zwei Filmen mit bisher noch keinen Infos zur Cast. Das letzte was ich mitbekommen hab war, dass doch Bobby Bedi aktiv wird, aber nicht mit einem Kinofilm, sondern mit einer Fernsehserie und mit Newcomern besetzt anstatt vielen Stars.
Egal, was oder ob überhaupt etwas davon realisiert wird, man kann sich ja mal generelle Gedanken über Mahabharata-Verfilmungen machen, und schließlich gibts davon auch schon so einige. Gesehen hab ich davon bisher noch keine (zum Zeitpunkt des Schreibens, wenn ich den Artikel online stelle sollte ich die erste schon gesehen haben), ich schreib hier also erstmal gemütlich ohne Vorwissen herum, einige der Verfilmungen stehen aber in Aussicht: Shyam Benegals Mahabharata-inspirierter “Kalyug”, Peter Brooks 5-Stunden-Filmversion und irgendwann mal die Verfilmung von 1965. Wenn das Fernleihsystem meiner Uni in die Gänge kommt, sollte ich auch demnächst in “Filming the Gods” von Rachel Dwyer schmökern können, da sollte sich auch das ein oder andere zu diesem Thema finden.

Grundlegendes
Wenn man sich vorgenommen hat solch einen Epos zu verfilmen, hat man verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann man die Grundlagen der ganzen Geschichte nehmen und diese in einen modernen Kontext verpflanzen. Damit hat man wohl die wenigsten Probleme, weil man die Handlung so sehr ändern muss um sie an die heutige Welt anzupassen, dass man auch gleichzeitig die meisten Freiheiten hat, bei solch einer Umsetzung kann man sich praktisch alles erlauben. Wie das funktionieren kann, werden wir demnächst an Shyam Benegals “Kalyug” sehen.

Allerdings hat so eine Adaption dann natürlich nur noch wenig mit dem originalen Epos zu tun, also konzentrier ich mich hier lieber mal auf eine getreure Verfilmung, die auch im 12 Jhdt v.Ch. spielt.

Hat man sich für so eine werkgetreue Verfilmung entschieden, stellt sich die Frage, ob mit religiösem-spirituellem Einfluss oder auf realistische Welt getrimmt. Da kann man jetzt Homers Ilias und die 2004rer Verfilmung davon, “Troy”, als Vergleich nehmen, in der Ilias greifen ja auch immer wieder Götter ins Geschehen ein – die in der Verfilmung komplett rausgestrichen wurden und der Krieg nur als Krieg zwischen Menschen dargestellt wurde. Das macht durchaus Sinn, weil Götter in Filmen ja schwer angemessen dargestellt werden können und leicht lächerlich wirken, und weil eine “realistische” Version der Geschichte sehr reizvoll ist. Bei dem Mahabharata schauts aber etwas anders aus, weil dieser göttliche, religiöse Anteil deutlich wichtiger ist, Krishna ist doch einfach essentiell für die Story, und natürlich, weil viele Inder den Epos als religiöses Werk sehen, aus dem man nicht einfach die Religion kürzen darf. Bei uns würd ja auch kaum jemand eine Bibelverfilmung ohne religiösen Aspekt drehen, oder? Also doch eher mit Krishna. Aber bitte nicht in blau, sondern in einer natürlichen Farbe ;-)
Und was macht man dann mit den ganzen spirituellen Anweisungen? Man kann in einem Film der noch halbwegs spannend sein will, ja nicht wirklich direkt vor der großen Schlacht zwei Charaktere lange auf dem Schlachtfeld über Tugend und Religion philosophieren lassen, oder? Das will auf der Kinoleinwand wahrscheinlich niemand sehen, in der heutigen modernen Welt (wir sind ja schließlich im kali-yuga) sowieso nicht.

Zur Schlacht
Hier haben wir jetzt wirklich einige Probleme. Einerseits ist das natürlich einfach eine riesige Schlacht, die man vielleicht am besten mit Hilfe von CGI inszeniert – und ist die indische Filmindustrie da schon fit genug um das glaubhaft machen zu können? Naja, da kann man ja WETA zur Unterstützung dazuholen.
Problematisch wird dann aber die Kampftechnik. Ich hab ja schon erwähnt, dass da hauptsächlich mit Pfeil und Bogen gekämpft wird, dazu kommen noch die ganzen göttlichen Waffen. Einen Zweikampf mit Schwert packend zu inszenieren ist kein Problem, die Filmgeschichte liefert uns da auch massig gute Beispiele. Aber ein Zweikampf mit Distanzwaffen wie Pfeil und Bogen? Wirkt sowas auf der Leinwand richtig? Da muss die Kamera ja ständig hin und her fetzen oder schneiden oder, wenn beide Kämpfer ins Bild sollen, kann nur mit einer Panorama-Einstellung dienen. Stell ich mir filmisch etwas unglücklich vor. Dazu kommt, dass die ja nicht brav einen Pfeil nach dem anderen abschießen, sondern in der Regel gleich mal tausend auf einmal. Wie stellt man das dar (und darstellen muss man es irgendwie, denn sonst wären die Kämpfe wohl zu unspektakulär). Wenn ich an “Pfeilhagel” und “Film” denke, fällt mir spontan Hero ein, der Angriff auf die Kaligraphieschule. Da muss man halt bloß die große Armee auf einen Mann reduzieren, dann sollte das so ähnlich aussehen wie im Mahabharata. Auch dieses Pfeil-Abwehren in Hero find ich genial, aber das passt dann leider weniger in eine Mahabharata-Verfilmung – aber auch dafür muss man sich was einfallen lassen, wie wehr man denn tausende von Pfeilen ab, wenn man selbst nur mit einem Bogen ausgestattet ist?
Ebenso kompliziert sind die göttlichen Waffen, die gefährlich schnell nach Jahrmarktsbudenzauber aussehen können. Überhaupt muss man aufpassen, dass die ganzen göttlichen Kräfte nicht nach Zaubern aussehen, sonst wird das billig.
Effektiver werden die Streitkolbensachen, der Kampf Bhima-Duryodhana sollte ganz mitreißend zu inszenieren sein, da gibt´s wohl keine Schwierigkeiten.

Szenen, die ich verfilmt sehen will und welche, auf die ich verzichten kann
Das Mahabharata strotzt ja nur so vor filmreifen Szenen und so einige Male denkt man während dem Lesen “hach, ich will das als Film sehen!”. Vieles davon fällt mir inzwischen leider nicht mehr ein, und ich hab wenig Lust das Buch jetzt nochmal durchzugehen (könnt ich auch gar nicht, ich schreib hier nämlich grad während einer langweiligen Vorlesung und hab das Mahabharata natürlich nicht in die Uni mitgeschleppt).

Gespannt wäre ich auf eine (gute) Umsetzung des Kampfes Arjuna/Krishna gegen die gesamten Götter bei der Verbrennung des Khandava-Waldes. Weil das, richtig und glaubhaft inszeniert, sicherlich bombastisch wirkt. Das Würfelspiel und Draupadis Demütigung muss natürlich auch unbedingt sein, das lässt sich auch sicher recht einfach ganz toll umsetzen. Sehen will ich auch die Berg-Szene ganz am Schluss, bei dem die Pandavas nacheinander fallen, Hanuman hätt ich auch gern drin, weil der so schön cool ist. Bezüglich des Krieges will ich unbedingt die zur Schau Stellung der universalen Form Krishnas, Film wär ein Medium mit dem man diese Szene wenigstens halbwegs passend darstellen könnte. Die Bluttrink-Szene hätt ich auch gern gesehen, und bitte auch das Ende der Yadavas, weil ich die Konsequenz dieser Szene sehr mag. Und ganz generell: soviel Karna wie möglich und bitte dazu auch noch etwas mehr davon zeigen, wie die Pandavas darauf reagieren, ihren Bruder getötet zu haben (das fällt mir da ein wenig zu sehr unter den Tisch).

Nicht sehen will ich die übertrieben grausamen Szenen – ich will weder das Zerreißen von Jarasandha sehen, noch das Zerdrücken der Köpfe der Söhne der Pandavas. Nein danke. Und prinzipiell könnt ich auf das ganze letzte Exiljahr verzichten, das wirkt mit dem Eunuchen-Zeugs doch ein bisschen gar albern (btw, es gibt einen Telugu-Film über genau dieses letzte Exiljahr…und der wiederum reizt mich fast doch ein bisschen…)

Starcast
Seit es Gerüchte über eine eventuelle Neuverfilmung des Mahabharata gibt, gibt es natürlich auch Gerüchte über die Besetzung, die sind zum großen Teil einfach unglaubwürdig, haben aber oft gemeinsam, dass Shahrukh Khan und Aamir Khan endlich mal zusammen spielen dürfen – in den antagonistischen Rollen von Arjuna und Karna. Das wär in der Tat sehr interessant, und beide würden auch in diese Rollen passen, aber ich erwarte nicht, dass dies tatsächlich passieren könnte. Wahrscheinlicher wäre eine Besetzung mit unbekannten oder zumindest weniger berühmten Stars – vielleicht nicht gerade in den ganz Bedeutenden Rollen wie eben Arjun und Karna, aber doch für die restlichen Figuren. Denn es kann sich eh keiner leisten, das gesamte Mahabharata-Figurenarsenal mit Superstars zu besetzen. Lustig wär das Ganze aber trotzdem, also hab ich mal kurz zusammengeschrieben, wen ich besetzen würde, bitte das Ganze nicht allzu ernst nehmen:

Bhishma - haben wir 90-jährige Bollywoodstars? 90-jährige Bollywoodstars, die fähig sind, auf dem Schlachtfeld wild herumzutoben? Hm. Amitabh wär wahrscheinlich meine erste Wahl, wenn der körperlich zu angeschlagen ist, könnten wir auf Naseeruddin Shah ausweichen.
Dhritarastra - Derjenige, der von den oben genannten übrig bleibt. Prinzipiell eigentlich jeder Altstar, hauptsächlich er hat eine grundlegende positive Ausstrahlung, sonst wird diese Rolle nämlich zu nervig und ärgerlich, und wir wollen ja ein ausgeglichenes Bild zeichnen, oder?
Pandu - hm, ich würd die Vorgeschichte eh nicht verfilmen, damit würd Pandu rausfallen.
Vidura - Om Puri oder Kulbushan Kharbanda.
Kunti - Nirupa Roy ist inzwischen schon zu alt, hm? Was macht Rakhee zur Zeit? Rekha wär auch möglich, dann würden wir der beschriebenen Schönheit von Kunti gerecht werden.
Yudhisthira - ich glaub, Ajay Devgan wär hier nicht übel, der sollte das mit der ruhigen, aber kraftvollen Ausstrahlung gut hinbekommen
Bhima - vom Typ her wär ja eigentlich Sunny Deol perfekt. Den mag ich aber nicht in meinem Film haben. So von wegen Muskelberg würd sich Hrithik anbieten, aber der scheint mir zu jung und zu lieb für die Rolle. Können wir Arnie aus Kaliforniern importieren? Wenn Salman Khan fähig ist, seinen Kasperl-Charmeur-Modus abzustellen und konsequent griesgrämig/brutal bleibt, kann ich mir den auch vorstellen. Oder einen der Actionstars aus dem südindischen Kino – Michael, haben wir da jemand passendes?
Arjuna - obvious choice: Shahrukh Khan. Muss ich das weiter erklären? Nein, ich denk nicht.
Nakula und Sahadeva - nachdem die beiden eh so unwichtig sind, kann man hier vielleicht Newcomer besetzen. Oder quengelnde Zweite-Reihe-Stars, die auch einen Platz wollen, bspw Zayed Khan oder so. Nachdem beide immer also so schön beschrieben werden, wär auch noch einer der Bollywod-Schönlinge denkbar, Arjun Rampal vielleicht?
Draupadi - bei diversen Besetzungsgerüchten hört man hier öfters Rani, ich denke aber, dass Aishwarya Rai hier besser besetzt wäre. Rani ist zu niedlich, für Draupadi brauchts mehr ätherische Schönheit und gleichzeitig die Option zur grausamen Rachsucht. Ash wär da ziemlich perfekt. Ash im Paro-Stil bitte.
Duryodhana - hmm…Abhishek. Abhi ist gut, wenn er böse sein darf, und er würde die nötige menschliche Facette für die Figur bringen, damit das kein langweiliger nur-schwarz-Bösewicht wird.
Dushashana - *g* welchen Star wünsche ich dieses Ende? Ne, Schmarrn, das wünsch ich wirklich niemanden. Aber diese Rolle könnt eigentlich jeder spielen (oha. Beim Korrekturlesen hab ich grad gesehen, dass ich hier statt “spielen” unterbewusst “sterben” geschrieben hab…tja, das ist wohl das, was mir von Dushashana am meisten im Gedächtnis geblieben ist)
98 andere Söhne - Newcomer und Statisten, notfalls Handpuppen.
Karna - Aamir will Karna spielen? Joah, kann ich mir gut vorstellen. Liegt vielleicht daran, dass ich mir seit Mangal Panday Aamir in jeder Schnauzer-erfordernden Rolle vorstellen kann. Aber Aamir würd die Tragik dieser Figur angemessen darstellen können, doch. Auch möglich: Saif Ali Khan, auch wenn der zu jung wär.
Krishna - wie besetzt man einen blauen Gott? Hm. In meinem Buch ist eine Abbildung, in der Krishna mich sehr an Ritesh Deshmukh erinnert…äh nein, das passt vielleicht doch nicht. Rein optisch könnt ich mir Siddharth vorstellen.
Irgendein Rakshasa - kann ich diesen riesigen Wrestler aus Rang de Basanti als Rakshasa haben? Bitte bitte? Der ist perfekt!

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4 Antworten zu “Gedanken zu Verfilmungen des Mahabharata”

  1. Maria sagt:

    Diese Theaterstück-Verfilmung die auf arte gelaufen ist, müsste die Peter-Brook-Mahabharata-Verfilmung sein, die hab ich inzwischen auch auf DVD da, aber noch nicht angesehen. Das was ich bisher reingesehen habe war mir ein wenig zu theaterhaft, zu kühl und distanziert und noch seltsamer als die Vorlage eh schon. Aber ich muss das ja erstmal ganz ansehen.

    Der “Herr der Ringe”-Stil wär mir auch der liebste für das Mahabharata, da passt dieses Epische, Gigantische am besten. Wenn man den Gerüchten trauen kann, soll diese neue große Mahabharata-Verfilmung ja auch in diese Richtung gehen, also können wir mal hoffen…
    Gegen Newcomer hätt ich auch nichts, die Charaktere des Mahabharata sind eh schon so groß, dass es keine Stars dahinter braucht um sie eindrucksvoll rüberzubringen, das müsste auch so gehen – und lieber dann eben mehr Geld in die Inszenierung, ja.

    Hat dieser Bhima-Film denn was mit dem Mahabharata zu tun, oder trägt der den Namen bloß so symbolisch?

  2. Maria sagt:

    Naja, das Mahabharata umsetzen ist noch ein Stück heikler als der Herr der Ringe, weil recht viel übernatürliches und göttliches vorkommt, das auf der Leinwand schnell seltsam bis lächerlich wirken kann. Und eben: ob die indische Technik und auch die indischen Filmemacher da schon so weit sind solch ein Projekt in Angriff zu nehmen ist fraglich…

    Aber selbst wenn der Film jetzt gemacht wird und völlig versagt ist es doch ein Grund sich darauf zu freuen – so ein Mahabharata-Trash-Spektakel ist ja auch lustig ;-)

  3. babasko sagt:

    ich bin ja ein grosser fan der peter-brook version. ich find die grandios hypnotisierend weils halt auch grandiose schaupieler sind und man sich durch die fast nicht vorhandenen kulissen einfach nur auf dialog und gestiken reinfallen lassen kann. ach besonders der arjuna. aber eigentlich auch yudishthira. und karna und überhaupt..ich glaub ich muss in den ferien da echt wieder mal reinschauen :D

  4. Maria sagt:

    Aber Dialog und Gestik sind soo…theatralisch. Und bspw die Szene, in der die Pandavas geboren werden ist ziemlich seltsam – Kunti sitzt sich kurz in eine Ecke, murmelt und plötzlich stehen ihre ausgewachsenen Söhne vor ihr? Ich mein, die Mahabharata-Version ist eh schon schwer gung zu schlucken, aber da gabs wenigstens noch Schwangerschaften, Geburten und Kindheiten… hmja. Gut, das ist Theater, da geht das zum Teil nicht anders, aber etwas befremdlich wirkt es schon. Ich muss mich da wohl erstmal einfinden.
    Und von deinen aufgezählten Favoriten hab ich bisher noch kaum was gesehen – ich glaub also einfach mal, dass es noch besser wird. Beziehungsweise ich da noch mehr Zugang finde. ;-)

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