Filmkritik: JUNOON (7/10)

19. January 2007

junoon-cover.jpgÜber 2 Wochen Bollywoodfilmabstinenz, jessas. Böse drohende Klausuren. Aber jetzt geht´s endlich weiter, und zwar mit Shashi Kapoor und Shyam Benegal. Die Kombination war schon in Kalyug ziemlich toll und auch hier führt sie zu einem tollen Film.
Bloß der Klappentext auf der DVD ist mal wieder ganz besonders intelligent – der erzählt den Film bis zur letzten Texteinblendung, die erklärt was weiter mit den Charakteren geschehen wird. Tja. Da braucht man den Film dann echt nicht mehr ansehen…

Regisseur: Shyam Benegal
Musik: Vanraj Bhatia
Darsteller: Shashi Kapoor, Jennifer Kendal, Nafisa Ali, Shabana Azmi, Naseeruddin Shah, Kulbhushan Kharbanda
Crew: Shashi Kapoor (producer), Ruskin Bond (novel), Jennifer Kendal (costume design), Govind Nihalani (cinematography)
Erscheinungsjahr: 1978

STORY
24. März 1857, kurz nach dem Tod von Mangal Pandey: in einem kleinen Dorf in Nordindien überfallen Inder die britischen Bürger in der Kirche und metzeln sie grausam nieder. Die junge Ruth (Nafisa Ali) muss mitansehen wie ihr Vater ermordet wird, sie selbst kann entkommen. Zusammen mit ihrer Mutter Mariam (Jennifer Kendal) und ihrer Großmutter findet sie Unterschlupf beim hilfsbereiten Ramjilal (Kulbhushan Kharbanda), bis sie schließlich von Javed Khan (Shashi Kapoor) in dessen Haus geholt werden: Javed ist Ruth verfallen und will sie heiraten, sehr zum Ungemach von seiner ersten Frau Firdaus (Shabana Azmi) und Ruths Mutter….

REVIEW
Best Film, Best Director, Best Dialoque, Best Cinematography, Best Editor, Best Sound Recordist – Junoon hat bei den Filmfare Awards ganz schön abgeräumt. Verdient? Ja, durchaus. Shyam Benegal inszeniert sjunoon-nafisa.jpgein Drama vor dem Hintergrund der Aufstände von 1857 eindringlich, die Wortgefechte sind auch noch mit Untertiteln noch treffend und die Bilder bestechen durch Schönheit trotz Realismus (dafür, dass man bei den häufigen Nachtaufnahmen kaum etwas sieht kann der Kameramann wohl nichts, das dürfte Schuld der DVD sein. Die ist überhaupt eher schwach ausgefallen: das Bild sieht aus als ob ein Sandkasten über den Negativen geleert worden wär, es fehlen immer wieder kleine Szenenteile und der Ton scheppert etwas). Faszinierend ist auch der Einblick in die muslimische Gesellschaft dieser Zeit und wie die Engländer langsam dieser fremden Welt näher kommen.
Allerdings hat der Film auch ein paar Schwächen. Die Verwebung von persönlichem Drama und historischem Geschehen ist nicht immer ganz geglückt und letztendlich lässt einen die Geschichte doch kälter als bei so einem Film eigentlich angebracht.

Was Junoon so richtig sehenswert macht, sind für mich die Schauspieler. Beim hier zusammenkommende Ensemble leuchten einem sowieso erst mal die junoon-shashijennifer.jpgAugen – Shashi, Jennifer, Shabana, Naseeruddin, Kulbhushan; lauter Darsteller die ihre Kunst beherrschen und die ich sehr gerne sehe. Und selbstverständlich werden wir auch in Junoon nicht von ihnen enttäuscht.
Am meisten hat mich hier Shashi begeistert, der seine schwache und wenig positive Figur mit fantastischem Mimik- und Körpereinsatz sehr differenziert darstellt. Er versucht nie sich und in den Vordergrund zu drängen oder seinen Charakter sympathischer darzustellen als er ist, doch seine Zerrissenheit zwischen seiner Obsession mit Ruth und seiner Ehre und Würde wird trotzdem greifbar und geht zu Herzen. Shashis wirkliche Ehefrau Jennifer Kendal steht ihm in Sachen stille Leinwandpräsenz aber in nichts nach und der Konflikt zwischen ihrer starken Frauenrolle und Shashis schwachem Patriarchen ist faszinierend anzusehen. Ich will mehr Shashi-Jeniffer-Filme, bitte.

Shabana Azmi kann sich hier leider nicht richtig entfalten, weil sie als Javeds Frau oft nur quengelnd und beleidigt herummotzen darf, doch durch die freundschaftliche Beziehung zu den Engländern bleibt ihre Figur trotzdem interessant – und Shabana spielt natürlich auch diese eher undankbare Rolle herrlijunoon-bett.jpgch, gerade gegen Schluss hat sie einen sehr ergreifenden Moment.
Naseeruddin Shah erkennt man unter seinem rießigen Bart kaum, aber er spielt voller Energie, Kulbhushan Kharbanda ist wie immer eine Freude zu sehen, allerdings verschwindet er nach einer Stunde aus dem Film. Bleibt noch Debütantin Nafisa Ali – diese bleibt meist sehr still und im Hintergrund, drückt aber doch durch ihre Blicke sehr viel aus.
Laut der imdb sind neben Shashi und Jennifer auch ihre Kinder Karan, Kunal und Sanjana in diesem Film zu sehen, ich konnte sie aber leider nirgends sehen, ich denke die tauchen bloß in einer Massenszene auf, denn eigentlich gibt´s in Junoon sonst keine Szenen in denen Kinder auftreten würden…

Die Schlacht- bzw. Kampfszenen sind nicht immer ganz überzeugend – teilweise sind sie zu lang geraten und das blecherne Säbelklappern klang irgendwie zu oft nach billiger B-Film-Produktion. Allerdings sind die Pferdegaloppszenen gegen Ende ziemlich schick geworden, da verzeihen wir dann einfach mal, dass da Leute auch sterben wenn meilenweit daneben vorbei geschlagen wird…

Einen typischen Bollywoodfilm darf man hier natürlich nicht erwarten, aber der Name Shyam Benegal schreit eh laut genug “New Indian Cinema”, so das man eh nicht auf die Idee kommt das zu tun. Jedenfalls kann ich Junoon weiterempfehlenjunoon-shashi.jpg an alle, die Shyam Benegals Filme mögen, die Shashi neben Masalagaudirollen auch gern mal in ernsteren, negativeren, Rollen sehen, die gern einen der eher seltenen Historienfilme Bollywoods sehen wollen und die beim Blick auf das Schauspielerensemble ebenso verzückt seufzen wie ich.

MUSIK
Der Score des Films ist ganz hübsch, mit Songs siehts aber nicht allzu gut aus, die passen in so einen Film ja auch nicht. Das, was wir haben sind nur handlungsbegleitende Songs:

Aaj Rang Hai – ein religiöser Sufisong, der zu den Credits gespielt wird. Ein schöner Einstieg, aber sonst nicht weiter bemerkenswert.

Zweiter Song (wird im Menü nicht namentlich genannt) – immer wieder kurz angespieltes Stück in dem die Konflikte kurz besungen werden. Passt jeweils ganz gut in den Film, bleibt aber ebenfalls nicht im Gedächtnis

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Eine Antwort zu “Filmkritik: JUNOON (7/10)”

  1. bollyaddict sagt:

    Klingt sehr vielversprechend und kommt jetzt auf meine “must see” – Liste!

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