Filmkritik: KASHMIR KI KALI (7/10)

24. March 2007

kashmirkikali-cover.jpgShammi-Reihe Teil 3, es geht wieder zum flirten nach Kashmir. Shammi-Filme wollen uns ja irgendwie glauben machen, dass man sich nur im Himalaya verlieben kann…
Die Spark-DVD ist, wie bei Spark üblich, nicht wirklich das Gelbe vom Ei: das Bild ist natürlich viel zu unscharf und leider auch deutlich zu dunkel. Das ist bei einem Shammi-Film besonders schade, denn hier wollen wir doch von leuchtenden Farben erschlagen werden und nicht in Schwarz ertrinken…

Regisseur: Shakti Samanta
Musik: O.P. Nayyar
Darsteller: Shammi Kapoor, Sharmila Tagore, Pran, Anoop Kumar
Crew: Shanti Das (art direction)
Erscheinungsjahr: 1964

STORY
Weil Rajiv (Shammi Kapoor) noch nicht ganz den Ernst des Lebens erfasst hat (er tut bspw so fürchterliche Dinge wie den Arbeitern seiner Fabrik 5 Lakh zu schenken), will ihm seine Mutter eine Braut suchen. Rajiv will aber nicht mit irgendjemand verheiratet werden und flieht nach Kashmir um sich dort zu verlieben. Tut er auch prompt, und zwar in das schöne Blumenmädchen Champa (Sharmila Tagore). Doch die misstraut nicht nur reichen Leuten, weshalb sich Rajiv als Chauffeur ausgibt, ihr Vater hat auch ein dunkles Geheimnis zu verbergen. Und dann ist da noch der schmierige Mohan (Pran), der selbst ein Auge auf Champa geworfen hat…

REVIEW
Einer der größten Schwachpunkte von Kashmir Ki Kali ist leider die Story. Gut, natürlich erwartet man von einem typischen Shammi-Film keine umwerfend originelle und noch nie dagewesene Handlung. Aber hier ist alles doch etwas zu sehr vorhersehbar. Ein Storytwist versucht uns im letzten Drittel nochmal zu überraschen, aber da auch da sofort der weitere Handlungsverlauf klar ist, reißt das auch nicht viel heraus. Und davor passiert halt wirklich praktisch nichts. Shammi geht nach Kashmir und vekashmirkikali-blume.jpgrliebt sich. Hm.

Das Finale bietet ein wenig schicke Lost-and- Found-Dramatik, aber leider auch einen vieeeeel zu langen Kampf zwischen Shammi und Pran, der sehr schnell ermüdend wird und den Film damit ziemlich schwach abschließt. Da hätte wirklich mehr drin sein müssen.

Shammi ist – wie nicht anders zu erwarten war – klasse und flirtet sich sehr charmant durch den Film. Da gibt´s nichts zu beklagen. Naja, gut, eins vielleicht: Rajiv hat aus einem nicht bekannten Grund die Eigenschaft, alle Situationen in denen er Leute abwimmeln will dadurch zu lösen, dass er verrückt spielt. Das ist einerseits toll, weil es teilweise zum wegschmeißen lustig ist, wie Shammi durchgedreht über die Sets stolpert und turnt, alberne Quietschtöne von sich gibt und in hysterisches Lachen ausbricht. Wenn man in der richtigen Laune dafür ist, funktionieren diese Comic-Szenen überraschend gut. Andererseits ist es auch etwas unheimlich unsere Hauptfigur so spontan durchdrehen zu sehen, so ein Mensch wär mir persönlich doch etwas suspekt…

Sharmila absolviert hier ihr Hindi-Debüt und ist wirklich ein Segen fkashmirkikali-sharmila.jpgür den Film, sie ist unglaublich niedlich und lässt die Leinwand jedes Mal erstrahlen wenn sie auftritt. Das ist schon ein Vorteil, wenn man nicht nur den Hauptdarsteller, sondern auch die Hauptdarstellerin anschmachten kann – Sharmila ist schon eine andere Klasse als irgendwelche unerfahrenen neuen Darstellerinnen mit denen Shammi gern zusammengestellt wird.
Anschmachten kann man hier in gewisser Weise auch den Fiesling, zumindest auf der Kultfigurbasis: Pran ist wunderbar schmierig und eklig, genau so will man seinen Filmbösewicht haben.

Zwei Momente möchte ich noch ansprechen:
Erstens: Anfangs meint der versoffene Colonel in der Bar mit einer bekräftigenden Handgeste: “No life without wife” – ob die Wiedergabe dieses Zitats in “Bride and Prejudice” wohl ein direktes Zitat dieses Films ist oder ob das ein allgemeingültiger Ausspruch ist?
Zweitens: Später ist man versucht verzweifelt den Bildschirm anzuschreien, als Shammi und Sharmila bei einem Unwetter in eine Berghütte flüchtenkashmirkali-shammisharmila.jpg: “Sharmila, TU´S NICHT!!! Wir wissen doch wie es bisher jedes Mal ausgegangen ist, wenn du in eine Berghütte geflüchtet bist (siehe Aa Gale Lag Jaa und Aradhana) – du wurdest schwanger! Pass auf.” Zum Glück befindet sich in der Berghütte ein nettes altes Mütterlein, das verhindert dass Shammi auf seltsame Gedanken kommt ;-)

Kashmir Ki Kali ist nette Shammi-Unterhaltung, die prinzipiell alles bietet was man erwartet, aber etwas unter der ereignislosen Handlung leidet. Das kann auch der schicke Soundtrack nicht ganz ausbügeln. Empfehlenswert als hübscher Spaß für zwischendurch ist der Film aber allemal.

MUSIK

Mein erster Soundtrack vom kürzlich verstorbenen Komponisten O.P. Nayyar. Ich hoffe, demnächst mehr von ihm zu hören, seine Songs hier gefallen mir nämlich ziemlich gut. Sie sind zwar eher selten komplett genial, haben aber jedes Mal brillante Teile. Ungewöhnlich: Alle Songs werden nur von Asha Bhosle und Mohammed Rafi gesungen – normalerweise kommen ja mehrere Playbacksänger zum Einsatz

Kisi Na Kisi Se – etwas uninspirierter Rajiv-fährt-nach-Kashmir-Song. Das Lied ist jetzt zwar nicht schlecht, aber auch nichts besonderes, und die Bilder sind halt ziemlich typisch…

Ye Chand Sa Roshan – stylishes Schmachtständchen, das Rajiv seiner Champa auf einem dieser Kashmir-typischen Boote bietet. Schick gesungen, Shammi darf unkontrolliert in seinem Boot herumzucken und wir bekommen Hawaii-mäßige Einflüsse.

kashmirkikali-isharon.jpgIsharon Isharon Mein – ich liebe den “Isharon…”-Teil des Songs, Asha singt hier göttlich. Leider sind die Zwischenpassagen des Lieds etwas lahm – dafür können wir hier dann ausgiebig Sharmila in diesem wunderbaren Pelzmäntelchen anschmachten, während sie mit Shammi durch dieses verdammt neblige Wäldchen hüpft.

Subhaan Allah – wollten wir Shammi nicht schon immer mal als Frau verkleidet in einer pinken Burka sehen? Irgendwie absurd, aber lustig – und der Song macht auch gute Laune, vor allem dieses “Haiii”.

Yeh Mera Haath Mein Tera – kurz darauf bekommen wir diesen schicken und unterhaltsamen Bhangra-Song mit jeder Menge Panjabi-Tänzer, Shammi mit Bart und einem umwerfenden “Hoihoihoihoihoihoi” von Asha *schmacht*

Ye Dekh Ke Dil Jhuma – noch ein nettes Boot-Liebeslied. Gefälliger Song und Sharmila sieht hinreißend aus

Hai Duniya Usiki – wenige Klagejammersongs sind so stylish. Shammi zuckt besoffen durch eine Bar und jammert, verfolgt von einem lässigen Saxophonspieler. Klasse.

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