Filmkritik: SHARMILEE (7/10)
6. June 2007
Auch bekannt unter Sharmeelee, aber die Variante mit dem i gefällt mir besser *g* Endlich mal wieder Shashi, erneut von Jaman gesponsort. Der Jaman-Player hat übrigens die hübsche Funktion, dass man zum Film Kommentare schreiben kann und die spätere Seher dann lesen – wodurch ich Sharmilee mit ständigen Anmerkungen von Beth und Carla genießen durfte! Sehr schön – ohne Beth würden mir die ganzen modischen Ausrutscher der Nebendarsteller gar nie auffallen, und zu dritt ist Shashi-Schmachten ja doch schöner als allein *g*
Regisseur: Samir Ganguly
Musik: S.D. Burman
Darsteller: Rakhee, Shashi Kapoor, Nasir Hussain, Ifthekar, Ranjeet
Crew: Shanti Das (art direction)
Erscheinungsjahr: 1971
STORY
Kanchan (Raakhee) und Kamini (Raakhee) sind zwei ungleiche Zwillingsschwestern: während Kanchan äußerst schüchtern und in sich gekehrt ist, ist Kamini ein fröhliches, aufgewecktes, modernes Mädchen. Als Kamini mit Freundinnen in Kashmir Ferien macht, gelangen sie in einen Schneesturm und Kamini versucht in einem Soldatenquartier Essen zu klauen – wobei sie den schmucken Captain Ajit (Shashi Kapoor) kennen lernt. Die beiden verlieben sich, doch am nächsten Tag ist Kamini schon wieder verschwunden. Derweil beschließt Ajits Ziehvater ihn mit Kanchan zu verheiraten – die Ajit spontan für Kamini hält…
REVIEW
Bollywood liebt Doppelrollen, dies ist mein 13. Film in dem ein Schauspieler mehr Figuren spielt – und Doppelrollen bieten auch eine wunderbare Gelegenheit verschiedene Wertesysteme gegenüberzustellen. Wie hier in Sharmilee: wir haben zwei Schwestern, die eine in modernen Klamotten, die andere im traditionellen Sari – mit ein bisschen Bollywooderfahrung ist natürlich sofort klar, welche der beiden das Rennen gewinnen wird. Aber genau das
empfand ich gerade Anfangs als irritierend: denn während die moderne Kamini als sympathisches, aufgewecktes, nettes Mädchen eingeführt wird, an der man keine negativen Seiten erkennen kann, ist Kanchan die Personifikation des Filmtitels: schüchtern. Eingeführt wird sie, wie sie im Wald mit Tieren spricht und ein kleines weißes Häschen knuddelt, doch gegenüber Menschen ist sie eben unglaublich schüchtern. Nicht das gut erzogene, traditionelle, indische Schüchtern-Sein, sondern wirklich krankhaft schüchtern und verängstigt: sie bringt kein Wort heraus und zittert am ganzen Körper wenn Fremde in ihre Nähe kommen. Und selbst mit ihrer ihr gegenüber sehr warmen Schwester redet sie kaum.
Da rätselt man als Zuschauer schon, wohin der Film jetzt unsere Sympathien lenken will. Prinzipiell ist es ja geschickt, die Erwartungshaltung nicht mit stereotypen zu erfüllen sondern zu überraschen – aber so ganz richtig funktioniert das nicht. Vor allem auch, weil das Konzept (wie man sich denken kann) nicht den ganzen Film über durchgezogen wird und uns, damit doch letztlich alles aufgeht, zwei völlig unglaubwürdige Charakterwandel präsentiert werden. Die man wirklich nur akzeptieren kann, wenn man alle Augen zudrückt und jegliches Logikverständnis rechtzeitig ausschaltet.
Wenn man die fragwürdige Moral und Denkmuster ausblendet, bekommt man allerdings einen sehr unterhaltsamen Masalafilm zu sehen, komplett mit Doppelrolle, jede Menge Verwechslungen, Action, Bösewichtern, melodramatischen Szenen und
einer Reihe WTF-Momente. Vieles davon macht der Film auch wirklich gut, beispielsweise war ich sehr erfreut zu sehen, dass die Verwechslungen nie unangenehm und unglaubwürdig lang ausgewälzt wurden, wie das manche Filme gern tun, sondern ihr dramatisches Potential ausgenützt und dann die Verwechslung schnell aufgedeckt wurde. So zieht sich der Film nicht, sondern schreitet die meiste zeit in einem angenehmen Tempo voran.
Etwas problematischer sind die WTF-Momente, da sind doch einige dabei, die einen lang rätseln lassen was das jetzt soll und wie das sein kann – ohne, dass man zu einem Schluss kommen würde.
Raakhee, die ich sonst ja eher langweilig finde, spielt hier ihre Doppelrolle ganz souverän und lässt uns mit ihren beiden Charakteren mitfühlen. Besonders als moderne Kamini ist sie gut, da man sie normalerweise eher aus typisch zurückhaltenden Heimchen-Rollen kennt tut es gut sie hier mal aufgedreht zu erleben – und auch freizügiger als man von ihr erwartet, eine ausgiebige Badeanzug-Szene oder ein Schaumbad sind da schon drin. Die Szenen in denen eine der Schwestern so tut als ob sie die andere wäre sind auch ganz ok, und zeigen deutlich eins der moralischen Prinzipien des Films: wenn man sich mit indisch-traditioneller Grundlage an de
n Westen anpasst, funktioniert das, wenn man versucht mit westlich-modernem Inneren indisch zu sein, klappt das nicht.
Shashi hat eine ganz schöne Rolle, in der er nicht nur langweiliger strahlender Held sein darf, sondern auch mal ein bisschen lästiger, aggressiver und genervter sein darf – das macht die Sache doch gleich interessanter. So schön Shashi ja auch in Uniform ist, auf den versifften Shashi mit Kippe im Mundwinkel wollen wir ja auch nicht verzichten, oder?
Einen kleinen Kommentar hätt ich noch anzubringen was eine à„hnlichkeit von Sharmilee und Satyam Shivam Sundaram angeht – nachdem das aber ziemlich spoilerisch für beide Filme ist, probier ich da lieber meine neue Spoiler-Funktion aus. Also bitte jetzt nur anklicken, wer BEIDE Filme gesehen hat!
SPOILER: show
Fazit: Sharmilee ist recht kurzweiliger Doppelrollen-Masalaspaß mit etwas unglücklicher Sympathieführung und daraus resultierender seltsamer Moral, aber sonst mit solider Unterhaltung. Raakhee und Shashi spielen charmant und damit kommt der Film grad noch auf 7 Punkte.
MUSIK
Für S.D. Burman ist dieser Soundtrack fast ein bisschen enttäuschend – aber was heißt das schon? Wir bekommen zwar kein Meisterwerk ala Aradhana oder Kaagaz Ke Phool, aber Burman liefert trotzdem ein paar schöne Songs, von denen sicher keiner den Film stört, und dazwischen ein paar kleine Ohrwürmer.
Kilte Hai Gul Yahan I – Shashi singt ein Gedicht für Kamini und eine Gruppe Damen – und das praktisch alle davon schmachtend an seinen Lippen hängen liegt nicht nur daran, dass Shashi echt schick aussieht, sondern auch daran, dass das Lied wirklich hübsch ist
O meri Sharmilee – klassisches im Wald herumhüpf Lied, das Shashi allerdings ziemlich allein bestreiten darf, weil Kanchan natürlich ständig vor ihm
davonläuft und sich versteckt. Hübsch, aber letztlich recht unspektakulär
Megha Chhaye Aadhi Raat – interessantes Lied, das tragische Teile in denen Kanchan traurig durch den Wald wandelt mit fröhlichen Passagen in denen Kamini mit Ajit turtelt unterbricht. Typisch Klagelied ist es aber musikalisch nicht wirklich umwerfend…
Aaj Madhosh Hua Jaye – und noch ein durch-den-Wald-turtel-Lied von Kanchan, sehr süß und diesmal flüchtet sie auch nimmer vor Shashi. Typisch, aber hübsch
Kaise Kahen Hum – tragisch-klagendes Gedicht-Lied-Vortragen von Shashi, schön melancholisch. Armer Shashi…
Kilte Hai Gul Yahan II – Shashis Gedicht hier nochmal von Raakhee vorgetragen. Das Lied ist nach wie vor sehr schön, die Umstände hier machen es sowieso zu was besonderem…
Reshmi Ujala Hai – Carlas Kommentar dazu sagt eigentlich alles “There´s only one Helen – and this ain´t her.” Item-Song in einem Nachtclub mit einem recht blassen Item-Girl, aber der Song ist eigentlich ganz schick
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Tags: Rakhee, S.D. Burman, Shashi Kapoor


02. December 2007 um 15:25
[...] Mariakaefer (7/10) – zur Review [...]
16. November 2009 um 14:26
Das madchen welches performt auf der song in die nachtclub ist Super!
Ihr naam ist Jaishree T. Check auf Youtube.