Filmkritik: 1942 – A LOVE STORY (8/10)
5. July 2007
Mal wieder ein bisschen Anil Kapoor, nachdem ich meine Antipathie ihm gegenüber nun ja überwunden hab, kann ich endlich diejenigen seiner Filme nachholen, die sich wirklich lohnen. Beispielsweise dieser tolle Vidhu Vinod Chopra Film.
Hier bitte auch unbedingt alle Cover-Designer hersehen: Schaut, man kann auch schöne Cover machen, auch zu Filmen aus den 90ern, man muss nicht immer bloß eine langweilige Kopf-Collage machen! Nehmt euch ein Beispiel.
Regisseur: Vidhu Vinod Chopra
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Anil Kapoor, Manisha Koirala, Anupam Kher, Jackie Shroff, Pran, Danny Denzongpa, Raghuvir Yadav, Sushma Seth
Crew: Vidhu Vinod Chopra (producer, screenplay), Sanjay Leela Bhansali (screenplay), Binod Pradhan (cinematography), Nitin Desai (art direction)
Erscheinungsjahr: 1993
STORY
1942 in Indien: Um die unruhige Bevölkerung im Griff zu behalten, müsen die Briten immer härter durchgreifen. Besonders grausam geht General Douglas (Brian Glover) vor. Eine kleine Gruppe von Aufständischen um Raghuvir Pathak (Anupam Kher) plant, Douglas bei einem Empfang für ihn zu ermorden. Dazu ziehen Raghuvir und seine Tochter Rajjo (Manisha Koirala) in die kleine Bergstadt Kasauni wo Douglas erwartet wird. Dort verliebt sich Rajjo jedoch in Nandu (Anil Kapoor), den Sohn eines Armeeoffiziers.
REVIEW
Nach dem von mir sehr geschätzten Parinda drehte Vidhu Vinod Chopra dieses Historienepos über eine Liebe vor demm Hintergrund der indischen Unabhängigkeitskämpfe. Neben vielen gleichen Gesichtern in der Cast und einigen anderen Paralellen ähnelt 1942
Parinda auch in der Qualität, Vidhu Vinod Chopra hat hier erneut einen beeindruckend guten Film geschaffen.
1942 beginnt zwar mit einer durchaus dramatischen Galgen-Szene die gleich am Anfang klar macht, wo der Film hin will, doch dann springen wir etwas zurück in der Zeit und verbringen die erste Hälfte des Films damit, Nandu und Rajjo dabei zuzusehen wie sie sich langsam annähern. Das ist nichts weltbewegendes, aber ist charmant, es gibt jede Menge Songs, die Darsteller sind sympathisch und man sieht dem sorgenfreien Ereignissen gern zu – man hat ja bereits im Hinterkopf, dass alles ins Dramatische umschlagen wird und freut sich dabei, solang alles noch friedlich ist.
Wenn die Wende dann kommt, zeigt der Film so wirklich was in ihm steckt. General Douglas wird zum hassenswerten Monster aufgebaut, das ganze Volk steht auf und rebelliert, bis dahin passive Charaktere werden zu Helden. Als Zuschauer sitzt man gebannt vorm Bildschirm, fiebert mit den Aufständischen mit, lässt sich von den wallenden Emotionen mitreißen und jubelt, wenn Gegner auf der indischen Fahne aufgespießt werden. Solch Patriotisch-Gewalttätige Dinge ärgern mich manchmal sehr, Chopra inszeniert
jedoch so mitreißend, dass es tatsächlich funktioniert. Das alles ist höchst manipulativ, aber dabei äußerst wirkungsvoll (und wenn einem am nächsten Tag in der Uni die “Rule Britannia” vorgespielt wird, muss man sich schon zusammenreißen um nicht “Jai Hind” schreiend noch vorn zu stürmen…)
Anil Kapoor spielt einen ähnlichen Charakter wie schon in Parinda: einen anfangs fröhlichen, sorglosen, lebenslustigen Mann, der durch ein tragisches Erlebnis in das jeweils Anupam Kher verwickelt ist, den Ernst der Lage erkennt und zum entschlossenen Kämpfer wird. Und wie auch in Parinda ist er anfangs etwas anstrengend in seiner Überschwänglichkeit, wird aber wenn der Film ernster wird wirklich gut. Und ich frag mich langsam, welchen großen Gefallen Anil Vidhu Vinod Chopra gemacht haben muss, damit dieser ihm ständig zu beneidenswerte Szenen schenkt: in Parinda hatte er eine Sexszene mit Madhuri Dixit, und hier darf er Manisha Koirala küssen…
Manisha zeigt mal wieder, dass sie eine tolle Schauspielerin ist, und gerade für solche Rollen wie gemacht ist, in denen sie zwischen niedlichem, verträumten Mädchen und überzeugter Kämpferin für ihre Ideale spielend wechseln kann. Anupam Kher spielt souverän, wird aber wenig gefordert, Pran hat ebenfalls eher wenig zu tun, doch es ist auf jeden Fall ein
e Freude ihn zu sehen. Jackie Shroff kommt erst recht spät in den Film, wächst einem aber schnell ans Herz.
Wer gern Filme mit historischem Setting mag, in denen Inder um ihre Unabhängigkeit kämpfen und sich gegen die Briten auflehnen und wer trotzdem nicht auf eine Dosis Romantik verzichten will, der ist bei 1942 bestens aufgehoben. Der Film ist toll inszeniert, mit guten Schauspielern gespickt, hat schöne Kameraarbeit von Binod Pradhan (Rang de Basanti, Devdas, Parinda…) und ist äußerst manipulativ, aber auf eine gut funktionierende Art. Absolut empfehlenswert.
MUSIK
Die Musik von 1942 hat besonderen Status dadurch erlangt, dass es das letzte Werk von Maestro R.D. Burman war, er starb vier Tage nach Filmstart. Der Soundtrack ist wie von Burman gewohnt gut und passt wunderbar zum Film, auch wenn sich in der ersten Hälfte etwas gar viele Songs tummeln.
Ek Ladki Ko Dekha To – man braucht eine Weile um dieses Lied als normales Lied wahrnehmen zu können, zuerst muss man da an die Persiflage dieses Songs in MHN denken… hat man diese Assoziation aber überwunden, ist dies ein wunderschön romantischer, verträumter Song mit niedlicher Melodie und schönen Heile-Welt-Bildern.
Ruth Na Jana Tum Se – netter Song während dem
Nandu Rajjo ärgert und mit ihr flirtet – süß und spaßig, wenn auch nichts Besonderes.
Dil Ne Kaha – wunderschöner Traumsong zu dem Manisha glücklich durch die Berge tanzen darf.
Rimjhim Rimjhim – ebenfalls sehr schöner Liebessong im Regen in einer verlassenen Hütte… und mit spürbarem Knistern. Eines meiner Highlights im Soundtrack.
Kuch Na Kaho – langsamer Song im unwirklich wirkenden Bühnensetting, aber jeder Menge Knistern – und Küssen. Mir ist der Song (im Walzertakt!) fast in bisschen zu langsam, aber schön ist er trotzdem..
Yeh Safar Kathin Magar – trauriges Klagelied, wenn auch mit Hoffnung-Machenden Lyrics und schönen Lyrics. Als Lied allein nicht so spektakulär, im Film aber sehr effektiv.
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Tags: Anil Kapoor, Anupam Kher, Jackie Shroff, Manisha Koirala, Pran, R.D. Burman, Unanbhängikeitskampf, Vidhu Vinod Chopra


15. January 2009 um 13:35
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