Filmkritik: BAAZ (7.5/10)

3. August 2007

baaz-cover.jpgIndiens Beitrag zu meiner kleinen Piratenfilmreihe, aus den 50ern und von Guru Dutt (und, obwohl es der jüngste Film meiner Reihe ist, der Film der am ältesten aussieht…)
Die DVD ist, wie für Sky wohl üblich, ziemlich mies: Bild- und Tonqualität schlecht, und die Untertitel sind zwar die meiste Zeit vorhanden (das muss man bei Sky schon loben), aber stellenweise in einem absurden Englisch gehalten, so dass man schon mal raten muss was hier gesprochen wird…

Regisseur: Guru Dutt
Musik: O.P. Nayyar
Darsteller: Geeta Bali, Guru Dutt, N.N. Singh, Johnny Walker
Crew: V.K. Murthy (cinematography), Guru Dutt (screenplay)
Erscheinungsjahr: 1953

STORY
16. Jhd, Malabar: Die Portugiesen haben einen Teil der Küste unterworfen, planen den ganzen Kontinent zu erobern und regieren mit grausamer Hand. Die indische Bevölkerung ist genauso machtlos gegen die Unterdrücker wie das Königin und ihr Sohn (Guru Dutt), die dem Willen des General (N.N. Singh) folgen müssen. Als Gefangene des Generals, unter anderem die mutige Nisha (Geeta Bali), als Sklaven auf ein Schiff verkauft werden, rebellieren diese, übernehmen das Schiff und beginnen unter Nishas Führung den Kampf gegen die Besatzer. Dabei versenken sie auch ein Schiff, auf dem sich der Prinz befindet, den der General nach Portugal schicken wollte. Der Prinz verheimlicht seine Identität und nähert sich langsam an Nisha an…

REVIEW
Nach seinem Debüt als Regisseur 1951 debütierte Guru Dutt mit Baaz auch als Schauspieler. Gingen seine ersten Filme noch Richtung film noir, drehte Dutt hier einen kurzweiligen Abenteuerfilm.
Im Grunde bietet Baaz eine ganz typische Story: Volk wird von grausamen Kolonialherren unterdrückt, baaz-armdrucken.jpgVolk lehnt sich unter der Führung eines Helden dagegen auf. Und nebenbei wird verhindert, dass intrigante, kollaborierende Verwandte auf den Thron kommen. Was Baaz besonders macht ist, dass der Film dieses Schema mit dem Piratenfilm kreuzt, indem er die Helden für etwa die Hälfte der Laufzeit auf ein Schiff setzt.

Groß piratig ist Baaz eigentlich nicht, es kommt nie wirklich begeisternde Schiffsatmosphäre auf – im Grunde könnte man das alles auch an Land spielen lassen. Allerdings ist Nisha als Captain durchaus skrupellos genug um etwas Piratenflair zu verbreiten – zwar nicht aus “piratigen” Gründen, sondern weil sie natürlich gegen Unterdrücker kämpft. Egal.

Die Mittel für Effekte waren wohl stark beschränkt, hier darf man also von Aufnahmen des Schiffs wirklich nicht mehr erwarten als ein wackeliges Spielzeugboot mit süßen kleinen Taschentuchsegeln – und natürlich keine irgendwie überzeugenden Seeschlachten. Immerhin sehen die eigentlichen Schiffsets ganz ordentlich aus, und wenn an Deck gekämpft wird, ist das auch ganz spaßig. Dutts Stammkameramann V.K. Murthy zeigt hier noch nicht die geniale Kameraarbeit, die er später in Pyaasa oder Kaagaz Ke Phool präsentieren wird, doch auch hier liefert er schon einige schöne baaz-nisha.jpgEinstellungen und atmosphärische Aufnahmen.

Was Baaz neben dem Piratenaspekt noch von anderen Filmen abhebt, ist die Besetzung der Hauptrolle. Nämlich kein gerissener Haudegen, sondern Nisha, eine Frau. Es ist fast ein bisschen paradox, dass gerade Bollywood den Piratenfilm mit der stärksten Frauenrolle liefert, doch es zeigt schön, dass Vorurteile halt eben nur Vorurteile sind.
Geeta Bali als Nisha ist wirklich eine tolle Heldin – stark, stolz, mutig, gegen Unterdrückung kämpfend, keine Widerrede duldend, mit festem Ziel vor Augen und nicht gewillt, sich davon durch irgendetwas abbringen zu lassen. Dabei verkommt sie jedoch nie zum Mannsweib, sondern ist gerade auch durch ihre feminine Seite charakterisiert – andererseits gehört sie aber auch nicht zu denen Heldinnen, die anfangs noch starke Rollen spielen und im Verlauf des Films zum unbedeutenden Frauchen verkommen, das sich hinter Männern zu verstecken hat. Nein, Nisha ist einfach eine richtig gute Frauenrolle – modern, stark und doch realistisch menschlich. Eine solche Figur findet man selbst heute im indischen Kino nur selten.

Guru Dutts Prinz hat wenig à„hnlichkeit mit Dutts späterer unverstandener-Künstler- Persona, hier darf er noch frech sein und ziemlich offensiv flirten. baaz-guru.jpgDas ist vielleicht nicht ganz so eindrucksvoll wie Dutts spätere Darstellungen, doch es ist schön ihn mal nicht leidend zu sehen – und man ist ihm sehr dankbar, dass er sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern Nisha immer den Vortritt lässt. Außerdem darf er natürlich im Piratenoutfit herumlaufen, was ihm wirklich steht…

Baaz ist ein kurzweiliger, spaßiger Abenteuerfilm mit einer Ladung Rebellion und Romantik – genau das, was ein guter Unterhaltungsfilm braucht. Dazu gibt´s noch eine starke Heldin und einen tollen Soundtrack und einen ungewohnt frechen Guru Dutt. Baaz fehlt natürlich der Tiefgang den Dutts spätere Filme aufweisen, doch wer nur einen netten kleinen Unterhaltungsfilm sehen will, wird hier bestens bedient.

MUSIK
Wie gerade erwähnt ist die Musik sehr gut gelungen, O.P. Nayyar liefert hier sowohl stimmige Backgroundmusik als auch eingängige Songs ab. Diejenigen von Nisha werden alle von Guru Dutts Frau Geeta Dutt gesungen – eine gute Wahl. Ich mag Geeta Dutts Stimme sehr, sie hat eine ganz eigene Qualität – so wurde ich während Baaz desöfteren an ihre Lieder aus Kaagaz Ke Phool erinnert, insbesondere “Ek Do Teen”, die ganz typisch nach ihr klingen.

Zara Saamne Aa – hübscher, flotter Song in dem Nisha spöttisch mit Ravi flirtet und hier schon gleich mal festlegt, dass sie kein typisches Mädchen ist. Geeta Dutt singt schön verführerisch

Taari Chandni Afsane – verträumtes Lied der Tochter des Generals. Ganz nett, aber eigentlich muss man diesem Charakter kein Lied geben..

baaz-harzabaan.jpgHar Zabaan Ruki – großartiges Aufstandslied, das es schafft bewegend, ergreifend und aufrüttelnd zu sein in dem es melodiös und verführerisch ist, und die Tempowechsel und der Antwortgesang der Mannschaft bestechen. Diese ganze Sequenz ist auch toll in ihrer Abstimmung von Bild auf Ton – sicher eine der besten Stellen im Film

Majhi Albele – neckisches Liedchen in dem Nishas Freundin die Annährung von Nisha und Ravi kommentiert. Hübsch, aber eher unnötig

Jo Dil Ki Baat – hier darf auch mal Ravi singen, ein schwungvolles Liebeslied, und nebenbei natürlich ungeniert flirten

Ae Dil Ae Dilwale – sehr schönes und melodiöses Klagelied, bei dem Nisha trotzdem nicht ihre trotzige, starke Haltung aufgibt. Allerdings, Spinnennetzsymbolik in allen Ehren – mich macht der Gedanke an die Größe der Spinnen die solche Netze produzieren ziemlich nervös…

Mujhe Dekho Hasrat – und noch ein Klagelied für den Prinzen, von der Melodie her eigentlich ganz hübsch, allerdings ein wenig zu selbstbemitleidend…

Cham Cham Ghungar – sehr schickes Lied kurz vorm Finale, ein Motivations-Aufstandslied das mit einem fröhlichen Festtanzsong gemischt wird. à„ußerst faszinierend – und das Falkenkostüm ist natürlich sowieso großartig

Ae Watan – kurze Reprise von “Har Zabaan Ruki” zum Filmende


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7 Antworten zu “Filmkritik: BAAZ (7.5/10)”

  1. Julia sagt:

    Das wäre mal ein Film, bei dem sich ein Remake lohnen würde, da das Original an mangelnder Action krankt, sicher auch kostenbedingt. Geeta hat aber echt Feuer und liefert auch die glaubwürdigste weibliche Kampfszene ab in Bollywood ünerhaupt, was ich so gesehen habe.
    Ja, gefiel mir auch gut, dass sie beim Kräftemessen nie den kürzeren ziehen muss und sich dann doch irgendwann unterordnet wie so oft.
    Und Guru Dutt ist eh der Mann der mich überzeugt hat, dass Schnurrbärte irgendwie nicht zwangsläufig fies sind (in Sahib Biwi aur Ghulam sieht er “oben ohne” auch irgendwie gar nicht mehr so gut aus. Was ist los mit mir? Bollywood wäscht mein Gehirn!).
    Überhaupt ich will ‘nen neuen Bollywood-Piratenfilm. Kommt da was?

  2. Maria sagt:

    Joah, hier kann ich mir wirklich ein aufwändig produziertes Remake vorstellen, so mit großen Seeschlachten und echten Schiffen! Das wär ein Film, der auch heute noch gut funktionieren würde – wobei, ich wär mir nicht sicher, ob das indische Publikum auf Piraten-Abenteuerfilme anspringen würde…
    Und wen besetzt man denn da als Nisha und Ravi?

    Ich hatte am Schluss ja wirklich darauf gewartet, dass sie jetzt doch noch von Ravi gerettet werden muss – und war dann schon froh, als das nicht passiert ist. Ich hab zwar absolut keine Ahnung, wie sie sich gerettet hat, aber irgendwie hat sie es wohl von allein geschafft *g*

    Guru Dutt, Ajay Devgan und mein neuer Schmachtkandidat Errol Flynn gehören zu den ganz seltenen Männern, die mit Schnurrbart deutlich besser aussehen als ohne. Ohne fehlt ihnen einfach was… Allerdings dürfen nach wie vor nur ein paar ausgewählte Männer Schnurrbärte haben, für den Rest bleibt das absolut Tabu!

    Ich fürchte, Bollywood wird in nächster Zeit keinen Piratenfilm angehen…. allerdings hätten sie eigentlich schon verfilmbare eigene Piratengeschichte: http://de.wikipedia.org/wiki/Piraterie#Im_Indik_und_seinen_Nebenmeeren
    Mir gefällt die Khambat-Sache, so ein Piratenstaat der mit den Engländern kämpft gäb doch einen guten Film ab.

  3. Julia sagt:

    War nicht Fluch der Karibik auch in Indien erfolgreich? Also dürften Piraten da schon ziehen. Und, hey, wer bitte findet denn Piraten nicht cool?!
    Und Apropos Ajay: Komm gerade aus dem Kino und Gott ist der Mann cool. Man darf ihn nur nicht zum Tanzen zwingen. Die Story von Cash ist außerdem ganz originell, nix mit Remake, war total positiv überrascht.

    Geeta, wen würd ich da nehmen. Nach heute abend, kann ich Esha da irgendwie sehen, oder ganz klassisch Madhuri. Aber Baaz mit Esha und Ajay, das hätte was. Oder Konkona, da seh ich auch piratiges Potential. Und Vivek als Sidekick.
    Errol Flynn war außerdem immer das große Vorbild von “meinem” Shammi Kapoor, der aber nicht in die Kategorie mit Schnurrbart besser gehört. Aber Atul Kulkarni, besser mit.

  4. Maria sagt:

    Madhuri kann ich mir auch vorstellen, bei Esha würd mir wohl der Niedlichkeitsfaktor fehlen – Geeta Bali hat so einen schnuffigen Schmollmund, den brauchen wir auch im Remake *g*

    Ich muss mal schaun, ob ich Ähnlichkeiten im Schauspielstil von Errol Flynn und Shammi erkenn – ich glaub eher nicht. Vielleicht hat Shammi aber auch nur Flynn in seinem Privatleben als Vorbild gesehen, DA scheinen sich eher Ähnlichkeiten zu zeigen (wenn man Madhu Jain glauben darf) *g*

  5. patrick sagt:

    singt latha mangeshka uns shamshad begum im film?

  6. Maria sagt:

    Nein – die weiblichen Gesangsparts singt alle Geeta Dutt

  7. Julia sagt:

    Ja, da singt Geeta Dutt, Frau von Guru Dutt.

    Ich glaub bei Shammi und Errol war das so ‘ne Mischung aus Privatleben und Screen-Image, worin sie sich ähneln. Sagt man. Shammi würde das heute wohl eher bestreiten und wenn man Flynns Bio so liest, möchte ich mit dem auch nicht wirklich in einen Topf geschmissen werden.

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