Vier Filme von Michael Curtiz
19. August 2007
Da die meisten meiner Leser wohl nicht soo interessiert in alte Hollywoodfilme sind, pack ich die Kurzkritiken zu den letzten vier gesehenen Filmen hier zusammen – zumal die passenderweise auch alle von Michael Curtiz gedreht wurden. An der Errol-Flynn-Fanfront haben wir da “The Adventures of Robin Hood”,“Dodge City” und “The Private Lives of Elizabeth and Essex”, Humphrey Bogart steuert noch “We´re no Angels“ bei.
Dafür, dass ich vor einem halben Jahr noch nie was von Michael Curtiz gehört hab und die Filme in letzter Zeit auch nicht nach Regisseur sondern nach Schauspieler ausgesucht hab, ist es schon etwas erstaunlich, wie viel Michael-Curtiz-Filme da dabei waren. Mit diesen vier (alle in Farbe), Casablanca, Captain Blood und Sea Hawk (alle schwarz-weiß) macht das sieben Filme – und gerade mal 4% des Werkes von Curtiz. Ein vielbeschäftigter Regisseur also. Und einer, der mir ziemlich gefällt -diese sieben Filme waren alle herrlich kurzweilige Unterhaltungsfilme, mit tollen Stars, Bollywoodschem Comic Relief und schicken Schatteneinsätzen.
The Adventures of Robin Hood (Die Abenteuer des Robin Hood)
Regie: Michael Curtiz
Darsteller: Errol Flynn, Olivia de Havilland, Basil Rathbone
Erscheinungsjahr: 1938
STORY: Während König Richard I. auf Kreuzzug ist, versucht sein Bruder Prince John mithilfe von Sir Guy of Gisbourne (Basil Rathbone) England in seine Hand zu bringen und unterdrückt die Sachsen wo es nur geht. Robin of Locksley (Errol Flynn) verschanzt sich mit einer Schar von Ausgestoßenen im Wald und leistet Widerstand…
Dies dürfte wohl Errol Flynns bekanntester Film sein, und wohl auch eine der beliebtesten Robin-Hood-Verfilmungen – da kann man schon davon ausgehen, dass man mit diesem Film wenig falsch machen kann.
Mein Liebster Robin Hood ist die Disney-Verfilmung von 1973, die ich in meiner Kindheit unzählige Male gesehen habe und mein Bild von Robin Hood wohl für alle Ewigkeiten geprägt hat. Da hilft es durchaus, dass der Disney-Film so einiges von diesem Film übernommen hat und mir hier also vieles vertraut vorkommt.
Anders als die typischen Robin-Hood-Geschichten hat dieser Film nicht den Sheriff of Nottingham als direkten Gegenspieler von Robin, sondern an dessen Stelle Guy of Gisbourne. Ich weiß nicht ganz warum, Gisbourne macht auch nichts anderes als was der Sheriff tun würde, aber es stört immerhin auch nicht – und das Duell zwischen Flynn und Rathbone am Ende des Films ist eh legendär.
Ein kleinerer Negativpunkt ist die wenig realistischen und Technicolor-bunten Kostüme – selbst ein Errol Flynn tut sich halt schwer, in knallgrünen Leggins und einer knallgrünen mit Glitzersteinchen besetzten Samttunika männlich und heldenhaft auszusehen. Immerhin gibt er die Samttunika schnell auf, aber die Leggins bleiben. Aber was solls, der Film will eh nicht wirklich ernst genommen werden, sondern einfach nur gut unterhalten – und irgendwo haben diese Leggins ja auch Vorteile *pfeif* Abgesehen von dem etwas an Peter Pan erinnernden Outfit ist Flynn aber so charmant, frech, romantisch und anschmachtenswert wie immer.
Fazit: Dieser Robin Hood ist witzig, temporeich, romantisch, bunt, mit schicken Wortwitzen (“Why, you speak treason!” – “Fluently.”), mit einem sympathischen Arsenal an altbekannten Charakteren und natürlich dem klassischen Kampf gegen die Bösen und Unterdrückung und für Gleichheit, Gerechtigkeit und den König. Das ultimative Popcornkino halt – und wer irgendwas für Robin Hood und/oder Errol Flynn übrig hat, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen!
Dodge City (Der Herr des Wilden Westens)
Regie: Michael Curtiz
Darsteller: Errol Flynn, Olivia de Havilland, Bruce Cabot
Erscheinungsjahr: 1939
STORY: Cowboy Wade Hatton (Errol Flynn) wird in der vom korrupten Viehhändler Surrett (Bruce Cabot) terrorisierten Stadt Dodge City zum Sheriff ernannt – und räumt dann gleich ordentlich auf.
Dodge City ist Flynns erster Western, und gleich mal einer nach absolutem Standard-Muster: Cowboy-Held sorgt für Recht und Ordnung in einer kleinen, von Fieslingen regierten Stadt. Und findet zwischen dem ganzen Stress sogar noch Zeit, mit einem hübschen Mädchen zu flirten. Sicher nichts, was nicht John Wayne davor schon ausgiebig zelebriert hat, doch wenn Errol Flynn den Cowboy gibt, ist ja doch gleich alles doppelt unterhaltsam. Das hübsche Mädchen wird, wenig überraschend, von Olivia de Havilland gespielt – typisch erst zickig und dann soooo verliebt. Hach.
Dodge City selbst ist, vor allem bevor Flynn aufräumt, eine herrliche Comic-Westernstadt, in der ununterbrochen Leute aus Fenstern geworfen werden, sich auf der Straße Leute prügeln, in den Saloons gepokert wird während ein paar fesche Mädls auf der Bühne ihre Beine herumwirbeln, und zwischendurch immer mal wieder eine Schießerei ausbricht, ohne, dass sich jemand groß darüber wundert. Richtig spaßig halt *g* Zum Schluss gibt´s noch ein etwas konfuses, aber durchaus temporeiches Finale in einem fahrenden, brennenden Zug, auch schick.
Nun, ein großer Film ist Dodge City nicht gerade, aber wenn man grad Lust auf Errol Flynn und ein bisschen klassischen Western hat, kann man hier schon seinen Spaß haben.
The Private Lives of Elizabeth and Essex (Günstling einer Königin)
Regie: Michael Curtiz
Darsteller: Bette Davis, Errol Flynn, Olivia de Havilland
Erscheinungsjahr: 1939
STORY: Elizabeth I. (Bette Davis) liebt den jüngeren und ambitionierten Earl of Essex Robert Devereux (Errol Flynn), doch viele Adlige an ihrem Hof intrigieren gegen Essex. Wär fast nicht nötig, denn Elizabeth und Essex stehen sich selbst am allermeisten im Weg…
Der Titel wär einem Groschenroman würdig, aber davon sollte man sich nicht unbedingt beeindrucken lassen. Der Zugang zu diesem Film ist nicht ganz einfach, bzw es ist vor allem nicht einfach mit den Hauptfiguren zu sympathisieren. Sowohl Elizabeth als auch Essex sind krankhaft stolz und fühlen sich äußerst schnell in ihrer Ehre gekränkt, zudem sind beide absolut nicht dazu in der Lage sich gegenseitig zu vertrauen und haben konstant Angst um ihre Machtpositionen. Sie schaffen es nicht länger als 2 Minuten friedlich sich gegenseitig in den Armen zu liegen, sondern beginnen bei jedem noch so kleinen Anlass zu streiten. Und zwischen diesen aufgeblasenen Egos hat der Film keinen Platz zu verdeutlichen, warum die beiden sich eigentlich lieben, so dass die ganze Beziehung etwas gar künstlich wirkt.
Dem zum Trotz ist der Film aber trotzdem ziemlich unterhaltsam, einerseits weil so eine Geschichte natürlich einiges Potential an Dramatik bietet und der Film das schon auch ausnützt (so ein Ende sieht man eher selten…), aber vor allem weil die Schauspieler einfach klasse sind – und beide wie ihre Charaktere ständig um die Oberhand im Film kämpfen. Bette Davis versucht den Film durch ihr beeindruckendes Spiel an sich zu reißen, sie geht wirklich fantastisch in dieser Rolle auf – Errol Flynn setzt dagegen ganz auf seinen Charme und ist damit auch äußerst erfolgreich. Beide haben sich hinter der Kamera übrigens ständig gestritten – bzw auch vor der Kamera, Davis gibt Flynn einmal eine Ohrfeige, bei der sie wohl wirklich fest zugeschlagen hat… Flynns Dauerpartnerin Olivia de Havilland hat übrigens eine kleinere Rolle als Hofdame von Elizabeth, die selbst in Essex verliebt ist.
We´re No Angels (Wir sind keine Engel)
Regie: Michael Curtiz
Darsteller: Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Aldo Ray, Basil Rathbone
Erscheinungsjahr: 1955
STORY: Devil´s Island, vor der Küste Französisch-Guianas: Joseph (Humphrey Bogart), Albert (Aldo Ray) und Jules (Peter Ustinov) sind aus dem Gefängnis ausgebrochen und planen, irgendwie auf ein Schiff nach Europa zu kommen. Doch als sie versuchen Kleidung zu stehlen, lernen sie die Familie des Geschäftes kennen, haben Mitleid mit deren Situation und bringen das ein oder andere Problem ins Lot. Ist ja schließlich Weihnachten.
We´re No Angels ist Humphrey Bogarts viertletzter Film und auch einer der letzten Curtiz-Filme (der Mann drehte ja auch schon seit 1912). Hier mit ihrem letzten gemeinsamen Film liefern sie kein bewegendes Drama, sondern einen charmanten, witzigen und herzerwärmenden Weihnachtsfilm. Allerdings absolut unkitschig, sondern doch mit deutlichem Schwerpunkt auf “Humor” – unsere drei “Engel” sind ein klasse Team und haben ein tolles komödiantisches Timing. Und da wir ja doch drei Gauner als Protagonisten haben, werden Probleme auch gern auf eine Weise gelöst, die wohl nicht wirklich als “weihnachtlich” durchgeht
Dieser Film ist sicherlich kein Must-See, doch ein rundum unterhaltsamer, kurzweiliger Spaß mit sympathischen Stars (ich brauch mehr Peter Ustinov hab ich festgestellt…) – durchaus zu empfehlen – zu Weihnachten, aber auch im Sommer, schließlich ist das Klima auf Devil´s Island auch ziemlich unweihnachtlich.
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Tags: Basil Rathbone, Errol Flynn, Klassisches Hollywood, Michael Curtiz

19. August 2007 um 20:38
Nur ein Satz: “ich brauch mehr Peter Ustinov hab ich festgestellt” … wer nicht?
Hab gerade kürzlich eine Doku über die Ermordung von Indira Gandhi gesehen, wo er drin auftauchte, weil er an dem Tag ein Interview mit ihr hätte machen dürfen, und dabei gemerkt, dass ich unbedingt mal wieder einen Film mit ihm sehen möchte. “Topkapi”, “Spartacus”, “Death on the Nile”. Hach. Alleine schon das Interview mit ihm auf der Criterion-DVD von Spartacus werd ich nie vergessen, da macht er seine Co-Stars Charles Laughton und Laurence Olivier so herrlich nach, dass es eine Freude ist.
PS: Danke fürs Round-up. Zwei der Filme hab ich tatsächlich noch nie gesehen, tsts.
20. August 2007 um 17:59
Topkapi, Spartacus, Death on the Nile. Ist notiert. Es ist erschreckend wie wenig Filmklassiker ich kenn und was für eine riesige Menge ich aufzuholen habe…
Ich glaub nicht, dass du dir Gedanken machen musst, wenn du von diesen vier Filmen zwei nicht kennst – wirklich gesehen haben muss man da sicher nur Robin Hood. Der Rest ist das, was für mich grad so an Errol-Flynn-Filmen zu haben war und was die Stadtbücherei bei “Humphrey Bogart” ausgespuckt hat
21. August 2007 um 19:02
Och, komm, die anderen sind doch auch ganz nett … ich hatte mal diese ganz starke Errol-Flynn-Phase und merke gerade, dass ich zumindest den Robin Hood mal wieder abstauben sollte. Und mehr Ustinov ist immer gut!
21. August 2007 um 19:15
Natürlich sind die anderen nett – ich hab mich prächtig unterhalten und Errol Flynn lässt sich wohl sowieso in jedem Film anschmachten *g* Bloß, unbedingt gesehen haben muss man die Filme wohl nicht gerade…
Und auf meiner DVD-Ausleihliste stehen momentan auch schon wieder zwei Flynn-Filme ganz oben – allerdings ist das dann alles, was Amazon hergibt…
btw: Hema Malini gibt einen klasse Errol Flynn ab!
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