Filmkritik: SHAKTI (8/10)
20. August 2007
Mein letzter Amitabh-Film liegt schon wieder erschreckend lange 4 Monate zurück, ich muss da besser aufpassen – so lange Zeit ohne Amitabh ist nicht gut. Allerdings ist für Nachschub gesorgt, zumindest für die nächsten Tage/Wochen.
Die Shemaroo-DVD von Shakti bietet übrigens tatsächlich deutsche Untertitel (neben französischen, holländischen, spanischen…) – allerdings natürlich eher unleserlich computergeneriert. Trotzdem ganz nett, ist das ein Einzelfall, oder fängt Shemaroo generell damit an, auch in anderen Sprachen zu untertiteln?
Regisseur: Ramesh Sippy
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Dilip Kumar, Amitabh Bachchan, Raakhee, Smita Patil, Kulbhushan Kharbanda, Amrish Puri, Ashok Kumar, Anil Kapoor
Crew: Salim-Javed (screenplay)
Erscheinungsjahr: 1982
STORY
Ashwini Kumar (Dilip Kumar) ist ein prinzipientreuer Polizist, dem das Gesetz über alles geht – so sehr, dass, als sein einziger Sohn von einem Schmuggler (Amrish Puri) gekidnappt wird um einen Gefangenen freizupressen, Ashwini sich weigert diesen Forderungen nachzukommen und den Entführern an den Kopf wirft, sie können seinen Sohn ruhig töten, er wird nicht nachgeben. Sein Sohn kann sich selbst befreien, doch dieses Erlebnis prägt ihn stark, und als Vijay (Amitabh Bachchan) erwachsen ist, hat er nicht vergessen, dass seinem Vater seine Pflicht wichtiger ist als sein Sohn. Ashwini und Vijay entzweien sich immer mehr – und als Vijay anfängt bei einem Schmuggler zu arbeiten werden die beiden gar zu Gegenspielern…
REVIEW
Ramesh Sippy, Salim-Javed, Amitabh Bachchan, R.D. Burman – bei diesem Team, das uns so tolle Filme wie Sholay und Shaan gebracht hat, ist natürlich klar, dass da nichts schiefgehen kann, sondern sich die Frage der Bewertung um verschiedene Grade von “großartig” dreht. Und hier passt einma
l mehr alles perfekt zusammen: die starke Handlung mit den kraftvollen Dialogen, die mitreißende Inszenierung, die atmosphärische Musik und energievolle Schauspielleistungen – nicht nur von Amitabh, sondern vor allem auch von Dilip Kumar, aber dazu später. In gewisser Weise hat Shakti viele à„hnlichkeiten mit Yash Chopras Deewaar, nur dass sich hier eben nicht zwei Brüder gegenüberstehen, sondern Vater und Sohn.
Eigentlich ist es schon fast verwunderlich, dass der Film so gut funktioniert – die Handlung arbeitet mit unglaubwürdigen Zufällen und praktisch keinen Charakter mit dem man sich völlig identifizieren könnte, weil alle durch ihre Sturheit alles noch komplizierter machen anstatt anfangs harmlose Probleme einfach zu lösen, noch dazu ist der Ausgang der Geschichte durch die Rückblendenstruktur von Anfang an klar. Doch für so geniale Drehbuchautoren wie Salim-Javed sind solche Kleinigkeiten kein Hindernis eine absolut fesselnde und ergreifende Handlung zu schreiben, mit Figuren mit denen man trotz potentiell nervender Sturheit absolut mitfühlen kann.
Die Schwächen der Figuren machen diese nämlich nur realistischer und damit auch tragischer und sympathischer – vor allem die Männer:
Ashwini ist besessen von seiner Pflicht, seinem Ruf und seiner Ehre und es ist ihm unmöglich seinem Sohn zuliebe diese Ideale ein wenig hinten nach zu stellen, während Vijay auf alles mit Trotz reagiert und nie versucht seinen Vater zu verstehen und letztlich sogar anfängt illegalen Schmuggel zu verteidigen. Die Frauen haben in dieser Geschichte in erster Linie ihren Männern beizustehen, doch es irritiert, dass sie viel zu oft einfach zusehen anstatt einzuschreiten.
Es ist äußerst selten, dass der junge Amitabh in einem Film von einem anderen Schauspieler überragt wird, Amitabh hat, gerade in seiner Paraderolle als angry young man, eine solche Strahlkraft, dass er selbst in kleineren Rollen den größten Eindruck hinterlässt. Da ist es schon etwas Besonderes, dass das hier nicht so ist: Amitabh, so energisch wie er auch spielt und so eindrucksvoll er dabei ist, steht hier doch ständig im Schatten von Dilip Kumar. Kumar nimmt alles mit, was ihn früher zu einem der besten und Maßstab-Setzenden Schauspieler gemacht hat und passt sich perfekt an die Zeit an, so dass er ganz sicher nie altmodisch wirkt – und liefert so eine schlicht grandiose Darstellung, für die er seinen achten Filmfare “Best Actor”-Award mehr als verdient hat.
Während der Film als ganzes eh schon fesselnd und bewegend ist, gibt es dazwischen immer wieder Szenen, die als besonders stark hängen bleiben und bei denen mein Taschentuch- verbrauch immer rasant anstieg. Meistens gehen diese Szenen auf Dilip Kumars Konto, wenn Ashwini immer wieder mal hinter seiner Schutzhülle von Pflicht und Prinzipien hervorkommt und einfach nur Vater oder Ehemann ist, dem sein geregeltes Leben immer mehr aus den Fingern gleitet.
Aber natürlich liefern auch die anderen Darsteller tolle Leistungen ab – Smita Patil, eine der gefragtesten Schauspielerinnen des Parallel Cinema, hat ein paar tolle Szenen, sonst aber leider zu wenig Screentime. Raakhee ist zu dieser Zeit eigentlich in der Regel an Amitabhs Seite zu finden, schließlich ist sie fünf Jahre jünger als dieser, doch in Shakti glänzt sie in der Mutterrolle und wirkt dagegen in ihren jüngeren Szenen fast zu alt.
Mein sehr geschätzter Kulbhushan Kharbanda ist gut, hat aber leider nicht allzu viel zu tun, während Amrish Puri als Bösewicht nicht ganz so charchiergen darf wie er es in den Masalaspektakeln darf, in denen er am besten ist, doch auch er gibt eine solide Leistung ab.
Wer das Angry-Young-Man-Kino und epische, tragische Familienkonflikte mag, darf sich Shakti auf keinen Fall entgehen lassen – hier bekommt man großes Kino mit ganz großen Schauspielern.
MUSIK
à„hnlich wie Deewaar wäre Shakti eigentlich ein Film, der keine Songs nötig hat, und dem halt doch ein paar Songs hinzugefügt wurden um keine Zuschauer zu verschrecken. Trotzdem sind die drei Lieder ziemlicher Durchschnitt – R.D. Burman hat sich bei Shakti offensichtlich ganz auf den Backgroundscore konzentriert, denn der ist so klasse wie man es von ihm gewohnt ist.
Maangi Thi Ek – nettes Heile-Welt-Familienlied mit ein paar niedlichen Szenen, aber wenig Besonderem
Hum Ne Sanamko – beschwingter Song, den Smita im Hotel singt, über einen Liebesbrief…
Jaane Kaise Kab – hübsche Liebesballade zu der Amtiabh und Smita in Urlaub flirten, die man aber doch recht schnell wieder vergisst. Weniger schnell vergisst man da eher den doch ziemlich gewagten Schluss des Lieds am Lagerfeuer…
Andere Artikel zum Thema:
Tags: Amitabh Bachchan, Dilip Kumar, Kulbhushan Kharbanda, R.D. Burman, Rakhee, Ramesh Sippy, Salim-Javed, Smita Patil

