Filmkritik: TUMSA NAHIN DEKHA (7/10)
1. September 2007
Ich muss mich ranhalten mit meinen Filmkritiken, sonst komm ich gar nicht mehr nach – es geht also weiter mit sehr frühem Shammi Kapoor. In dünn, jung und schwarz-weiß. Und auch wenn es das DVD-Cover anders vermuten lässt mit tollen Haaren *g*
Die Ultra-DVD ist übrigens gar nicht schlecht, sondern hat ungefähr den Standart der üblichen DVDs der 50er, und das Ultra-Logo nervt hier mal gar nicht, weil das bei schwarz-weiß Filmen durchsichtig gemacht wurde – sehr nett.
Regisseur: Nasir Husain
Musik: O.P. Nayyar
Darsteller: Shammi Kapoor, Ameeta, Pran, B.M. Vyas
Crew: K.C. Sharma (producer)
Erscheinungsjahr: 1983
STORY
Vor Jahren musste Sardar Rajpal (B.M. Vyas) seine Familie verlassen, weil ihm die Polizei nach einem Mord auf den Fersen war. Nun schlägt ihm seine Adoptivtochter Meena (Ameeta) vor, doch seine Frau und seinen Sohn durch eine Zeitungsannonce zu finden. Das funktioniert auch – allerdings hasst Sohnemann Shankar (Shammi Kapoor) seinen Vater weil dieser ihn verlassen hat und so schickt ihn seine Mutter zu seinem Vater zum arbeiten, ohne dass Shankar ahnt, dass er vor seinem Vater steht. Doch auch Rajpals Gegner haben die Annonce gelesen und Sohan (Pran) gibt sich vor Rajpal als Shankar aus, um an dessen Geld zu kommen!
REVIEW
Nasir Hussain ist für eine Reihe schicker Filme verantwortlich, doch sein größter Verdienst dürfte Tumsa Nahin Dekha sein mit dem er Shammi Kapoors Image neu definierte und damit den Grundstein f
ür Shammis grandiose Glanzzeit in den Swinging Sixties legte.
Ein bisschen seltsam fühlt sich Tumsa Nahin Dekha ja schon an: er ist zwar ein waschechter Shammi-Film was dazugehört, doch er sieht aus wie ein typischer Film der 50er – es würd nicht groß wundern, wenn plötzlich Guru Dutt um die Ecke biegen würde. Es ist natürlich unfair einem Film vorzuhalten, dass er im falschen Jahrzehnt gedreht wurde, aber ein bisschen irritierend wirkt das Fehlen von Farbe und die doch noch eher nach 50ern klingende Musik doch.
Sonst ist aber alles da, was man braucht: Shammi, ein hübsches Mädchen, das erst ziemlich zickig ist und unsern Helden abweist, bald aber doch von seinen Qualitäten überzeugt ist, Pran als fieser Bösewicht der hinter dem Geld der Guten her ist, irgendein Familienproblem um etwas Drama zu produzieren, Verkleidungen, zum Finale eine Portion Action und sogar ein Prototyp des Yahoo-Schreis. Bloß Kashmir fehlt, aber immerhin zieht der Held zum Sich-Verlieben von der Stadt aufs Land, also es geht schon in die Richtung.
Vielleicht die größte Überraschung des Films: Shammi hat richtig t
olle Haare, und zwar konstant den ganzen Film hindurch! Gut, es gibt diese winzige Szene in der mal unglücklich der Wind reinfährt, aber die ist zu kurz um zu zählen. Während Shammi später eben aus Prinzip völlig konfuse Haare hat, ist hier in den 50ern noch alles in Ordnung, und zwar in allerbester Elvis-Schmalztollen- Ordnung – echt schick! Überhaupt ist Shammi in Tumsa Nahin Dekha in bester Desi-Elvis-Laune, gerade am Anfang, wo er mit aufgestelltem Lederjacken-Kragen und lässigem Schritt durch die Straßen schlendert…
Ameeta tut das, was man als Shammi-Heldin halt so tun muss (also vor allem schnippisch sein, und irgendwann doch einsehen dass Widerstand zwecklos ist), ist dabei auch ganz ordentlich, aber auch nicht mehr – da bekommt Shammi später passendere Heldinnen zur Seite gestellt. Filmpapa B.M. Vyas irritert vor allem durch seinen schrecklich falschen angeklebten Bart. Dafür ist aber Pran wirklich sehr schön mies und gemein!
Von Nasir Hussains Filmen kennt man sonst noch vor allem den Lost-and-Found-Film Yaadon Ki Baaraat, und auch Tumsa Nahin
Dekha bietet dieses Thema schon in Grundzügen und liefert den Grundkonflikt. Die meiste Zeit sehen wir zwar Shammi beim Flirten zu, aber die Vater-Sohn- Sache sorgt für das nötige Drama und in Form von Pran für die Spannung. Faszinierend hier vor allem, wie unglaublich einfach der Vater seine verlorenen Familie findet: durch eine simple Zeitungsannonce! Darauf sind die vielen verlorenen Väter, Mütter und Söhne der 70er und 80er nie gekommen *g*
Für Shammi-Fans ist Tumsa Nahin Dekha jedenfalls absolut empfehlenswertes Pflichtprogramm – anfangen sollte man mit Shammi aber schon mit einem 60er-Film, denn in Farbe funktioniert das alles einfach deutlich besser…
MUSIK
O.P. Nayyars Songs klingen zwar noch etwas nach 50er (was 1957 ja auch wirklich zulässig ist *g*), doch sie haben schon den Schmiss den Shammi-Songs brauchen
Jawani Yeh Mast – Shammis Einführungssong ist eine toll funktionierende Mischung aus Elvis-Stil mit Mädls in verdächtig kurzen Höschen und 50er-Musik. Sehr schick!
Yu To Humne (Tumsa Nahin Dekha) – Flirten ala Shammi, Teil 1: Unser Held fängt gleich mal an seinem Mädl auf die Nerven zu gehen – hübscher Song, aber nichts weltbewegendes
Aai Hai Dur Se – Flirten ala Shammi, Teil 2: Unser Held lie
fert sich in Verkleidung ein Dichtduell mit seiner Liebsten: tolle Melodie und hübsch von Asha Bhosle gesungen
Chupnewale Samne – Flirten ala Shammi, Teil 3: Unser Held macht seine Liebste eifersüchtig. Nett, und wieder schön mit Shammi im Elvis-Stil
Dekho Kasamse – Flirten ala Shammi, Teil 4: Unser Held ist beleidigt und reagiert auf Avancen seiner Liebsten abweisend. Hübscher, beschwingter Song, und Shammi sieht mit diesem Hut richtig großartig aus und ist sooo niedlich, wenn er sauer ist!
Sar Par Topi – Flirten ala Shammi, Teil 5: Unser Held und unsere Heldin haben endlich eingesehen was gut für sie ist und singen jetzt zusammen das beste Lied des Films! Wenn ich bloß wüsste, woher ich diesen Song kenne – in irgendeinem neueren Film muss mir der schon mal untergekommen sein, denn ich konnte gleich mitsingen! Na ja, mehr oder weniger
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Tags: Lost and Found, Nasir Husain, Pran, Shammi Kapoor


02. September 2007 um 11:55
ui, schön! Ich hoffe ja, dass jetzt da alte Filme nachcolorisiert werden mal ein Shammi-Film dabei ist, weil es sich da doch so anbietet!
Und dir ist auch aufgefallen, wie extrem stylisch der Mann in dem Film ist! Sein Outfit wird sogar noch durch Converse komplettiert, da war ich ja schon etwas stolz auf das Modebewusstsein meines “lover of beauty”.
02. September 2007 um 13:50
Als ich den Titelnamen (noch nicht das Filmplakat) gesehen habe, hatte ich zuerst tatsächlich gedacht, dass du dir diesen Sleaze-Film “Tumsa Nahin Dekha” von 2004 mit Emran Hashmi und Dia Mirza bestellt hast.
Der Trailer dazu geistert ja auf beinahe allen Shemraoo-DVDs herum und deswegen kam mir die Assoziation. Handelt es sich dabei um ein Remake oder wurde dort einfach nur der gleiche Titel verwendet?
02. September 2007 um 14:01
@Julia: Ich würd mal eher nicht darauf hoffen, dass wir einen der alten Shammi-Filme mal in Farbe sehen dürfen – so wirklich rentabel sind die Colorierungen nicht, oder? Mughal-e-Azam war erfolgreich weil der halt sowieso ein Klassiker ist, aber Naya Daur hat glaub ich nicht soo abgeräumt…
Und jepp, Shammi ist hier seehr stylisch – bloß diese Handtuch-Notlösung ist übel, aber das ist ja auch eine Notlösung. Sonst immer wirklich richtig fesch, der Herr *g*
@mike: Nein, die beiden Filme haben rein gar nichts miteinander zu tun – man würd sich wohl schwer tun den Shammi-”Tumsa Nahin Dekha” so neu zu verfilmen, dass er als Emraan-Hashmi-Film taugt *g*
02. September 2007 um 14:30
@ maria: ja, stimmt schon. Gerade Inder können oft mit den von uns Deutschen so heiß geliebten, weil für uns total neuen “alten Schinken” gar nichts anfangen. Aber vielleicht so als DVD-Release…*träumt weiter*
@ mike: man nimmt ganz oft alte Titel wieder auf, ohne dass es inhaltliche Parallelen gibt. Die Sperrfrist liegt, glaub ich, so ungefähr bei 10 Jahren und dann sind sie Freiwild.
02. September 2007 um 14:42
Vor allem wollen die alte Filme wohl nicht im Kino sehen, wenn man da doch auch neue Filme sehen könnte und die “alten Schinken” ja eh im TV laufen… und nur für einen DVD-Release ist eine Colorierung wohl zu aufwendig.
Wobei ich ja bei den meisten andern, Nicht-Shammi-Filmen der Meinung bin, dass schwarz-weiß ruhig so bleiben soll. Stell dir bloß mal Pyaasa in Farbe vor! *eek*
02. September 2007 um 18:28
offtopic: Maria bitte schau mal auf dein Handy…
03. September 2007 um 15:50
Ja, neeeee, schwarz-weiß hat total seine Berechtigung! Haben gestern nochmal in die Songs von Shree420 reingeschaut und Raj Kapoor in Farbe brauch ich nicht. Das ist so schön stylisch und künstlerisch. Ich kann mir auch nicht nur die Filme nicht in Farbe vorstellen, wenn ich eine Zeitreise in die Ära machen würde, wäre ich ja total überrascht, dass die Menschen damals schon ganz normale Farben hatten.
Aber vor allem Shammis Bluffmaster in Farbe, das wär was!
Liebe indische Filmindustrie, biete notfalls an, kostenlos alle einzelnen Frames eigenhändig mit Buntstiften auszumalen!
03. September 2007 um 18:54
Ja, Farbe würd bei vielen Filmen einfach nur die Atmosphäre kaputt machen – und bspw bei Guru Dutt die großartigen Bilder komplett zerstören. Das kann nur in schwarz-weiß funktionieren…
Aber mir gehts da auch so, wenn ich an diese Zeit denk, denk ich meist gleich in schwarz-weiß *g* Eigentlich seltsam, weil man bei früheren Zeiten (Mittelalter oder Antike oder so) ja die Farbe schon mittdenkt… aber die erste Hälfte dieses Jahrhunderts ist halt schwarz-weiß.
Lol – auf deine Buntstiftcolorierung bin ich dann schon mal gespannt. Hat sicher was ganz einzigartig-künstlerisches *g*