Filmkritik: APNA DESH (7/10)

16. October 2007

Noch ein Film, den ich nur wegen eines einzigen Songs gekauft hab – ich kannte “Duniya Mein” von einer Oldies-CD und seit ich den Clip dazu gesehen hab war klar, dass ich diesen Film brauch. Der Song ist zu geil. Außerdem sollt ich vor OSO ja noch etwas Rajesh Khanna aufholen.
Die DVD von Shemaroo ist ganz ordentlich, das Bild hat zwar einige Störungen (großzügig verteilte, kleine gelbe Flecken), aber erwartet ja nicht wirklich, dass Shemaroo den Film restaurieren würde, und er macht auch so wirklich Spaß.

Regisseur: Jambu
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Rajesh Khanna, Mumtaz, Om Prakash, Jagdeep, Madan Puri, Kanhaiya Lal
Crew
: Sudhendu Roy (art direction)
Erscheinungsjahr: 1972

STORY
Aakash (Rajesh Khanna) lebt für die Gerechtigkeit. Als er gefeuert wird, weil er gegen den korrupten, aber beim Volk beliebten Dharamdas (Om Prakash) vorgegangen ist, stellen ihn die Bewohner eines kleinen Stadtteiles zur Wahl gegen Dharamdas auf. Aakash gewinnt durch die Unterstützung des Volks, doch es dauert nicht lang bis Dharamdas einen Weg gefunden hat ihn wieder seines Amtes zu entledigen. Aakash und seine Freundin Chanda (Mumtaz) beschließen, die korrupten Mächtigen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen…

REVIEW
Es kann durchaus schief gehen, wenn man einen Hindi-Film namens Apna Desh (“Euer Land”) kauft, ohne über die Handlung bescheid zu wissen. Aber hier bestand kein Grund zur Sorge: Apna Desh bietet keinen überschwänglichen Patriotismus und keine Herabwürdigungen des ach-so-verdorbenen Westens, nein, dieser Film hält sich in solchen Dingen absolut zurück und bietet dagegen sogar ein klein bisschen echte Kritik an Indien. Aber in erster Linie ist Apna Desh sicher kein gesellschaftlich relevantes Drama, sondern einfach ein unterhaltsamer Masala-Film. Und das ist gut so.

Ich liebe ja die Moral von Apna Desh: Es ist gut, wenn du dich auf den üblichen politischen Wegen gegen die Korruption einsetzt – aber du wirst so nicht viel erreichen können. Besiegen kannst du die Korruption nur, wenn du dir ein irres Täuschungsmanöver mit Kostümen, Perücken, Songs und versteckten Kameras überlegst. Das mag nicht viel Sinn ergeben, aber es ist eine wunderbare Grundlage für einen schicken Film.

Die erste Hälfte schwächelt noch etwas: Eingeführt wird Akash als strahlender Gutmensch, der sich gegen jede Ungerechtigkeit stellt – und das bleibt auch so. Akash kämpft gegen das Böse, erstmal mit erstaunlich wenig Problemen und soliden Erfolgen. Viele Szenen also, in denen Rajesh heroische “Vor dem Gesetzt sind alle gleich” ect Reden schwingen und Bestechungsgelder ablehnen darf. So weit, so unspektakulär: solche Sachen kennen wir und hier wird das nicht besonders innovativ und schwungvoll vorgetragen. Interessant wird´s dann erst, wenn Rajesh schließlich an der Korruption und der Macht des Geldes scheitert – und erkennt, dass man Falschheit nur mit Falschheit, Betrug nur mit Betrug bekämpfen kann. Eine fragwürdige Erkenntnis, aber das ist hier egal, denn diese Erkenntnis beschert uns eine herrlich großartige zweite Filmhälfte.
In der reiht sich dann eine genial durchgedrehte Szene an die nächste – ich war ganz ehrlich nur noch am Dauergrinsen. Diese Kombination von irren Kostümen und Perücken, Über-Glamour, Pseudo-Elite-Gehabe von Rajesh und Mumtaz und dichten Ideen (die ganze Sequenz in der Rajesh seine “Frau” wachküsst ist sooo schick – vom Schalter im Busen einer Statue bis zum durch den Pool gleitenden Bett…) – für genau so was schaut man 70er-Filme.
Sehr zugute halten muss man dem Film das Fehlen einer sinnlosen Comic-Relief-Nebenhandlung. Es gibt zwar den klassischen Sidekick-Freund des Helden, der macht auch von Zeit zu Zeit lustige Sachen (beispielsweise Om Prakash küssen – siehe dazu den Musikteil) – ist aber absolut in die Haupthandlung integriert und geht wirklich nicht auf die Nerven. Sehr schön.

Rajesh Khanna macht sich ganz gut als Held – den Gutmenschen der ersten Hälfte hat er sowieso bestens drauf, hier darf er dann auch ein bisschen romantisch sein, was bei Rajesh ja irgendwo Pflicht ist. Wirklich spaßig ist er dann aber natürlich erst später mit ihm wirklich gut stehendem Bart und herrlich arroganter Attitüde. Mumtaz balanciert gekonnt zwischen unschuldig niedlich-süß und sexy (sie hat auch den ganzen Film über nie was an, was ihre Beine bedecken würde und sie scheint kein Problem damit zu haben, dass wir ihr unter den Rock schaun können…)

Die Bösewichte sind eigentlich ziemlich untypisch für den Anfang der 70er – korrupte Politiker, die nach außen den Schein der Großherzigkeit tragen aber tatsächlich die Armen ausbeuten sind eigentlich Standardrepertoire der 80er (Die Einführungsszene von Om Prakash nimmt sogar jene von Amrish Puri in Hum Paanch vorweg: beide werden gezeigt wie sie anscheinend gütig Tauben füttern, nur um im nächsten Moment eine der Tauben zu erschlagen). Zwar gibt es durchaus Parallelen zu dem Bösewicht in Shree 420, doch damals hat das eher als Kapitalismuskritik funktioniert, was auf Apna Desh wirklich nicht zutrifft. Tatsache ist jedenfalls, dass die Fieslinge in Apna Desh durchaus effektiv sind – sie sind zwar zu lächerlich um wirklich furchteinflößend zu sein, aber das passt schon so.

Für Fans des 70er-Kinos kann ich Apna Desh also durchaus empfehlen – die erste Hälfte bietet zwar wirklich nichts Besonderes, aber der herrliche Irrsinn der zweiten Hälfte macht das alles wieder gut und zieht den Film noch knapp auf die 7 Punkte. Wenn man noch eine ganze Weile nach Filmende ein breites Grinsen auf dem Gesicht hat, hat der Film das verdient.

MUSIK
R.D. Burman veredelt mit seinem tollen Soundtrack diesen Film, seine Songs sind immer willkommene Highlights hier. Dazu sind vor allem die in der zweiten Hälfte einfach extrem schick inszeniert, genau so will man seine Songs haben.

Le Lo Re Le Lo – ein schwacher Auftakt für die tollen Songs hier, dieser Einführungssong von Mumtaz ist zwar auch ganz hübsch, kann aber mit den anderen Liedern nicht mithalten.

Rona Kabhi Nahin – niedlicher Tröst-Song von Rajesh, der tatsächlich zu Herzen geht und auch in einer noch traurigeren Version später auftaucht

Sun Champa Sun Tara – toller, schmissiger Festsong, mit schöner Melodie die schnell ins Ohr geht und da auch eine Weile bleibt. Mumtaz darf tanzen und niedlich sein, wirklich ein Highlight des Films

Kajra Laga Ke – der obligatorische Regensong, ein sehr nettes Duett mit niedlicher Melodie, aber für seinen Status als Regensong eigentlich ziemlich zahm.

Duniya Mein – wir sind in der zweite Hälfte angelangt: Asha Bhosle übernimmt jetzt von Lata und R.D. Burman singt selbst in diesem Juwel von Song. Das Lied ist ein absoluter Ohrwurm und macht einfach Spaß, noch viel besser ist eigentlich die Umsetzung, die herrlich durchgedreht ist. Muss man gesehen haben, das lässt sich nämlich leider kaum als Screenshot einfangen

Aaja O Mere Raja – und jetzt darf Mumtaz nochmal auftrumpfen und Om Prakash verführen. An den Song muss man sich etwas gewöhnen, aber dann macht auch der riesig Spaß. Wirklich erinnerungswürdig ist der Song aber nicht wegen der schicken Mumtaz, sondern wegen dem vielleicht einzigen Männer-Kuss den ich aus Bollywood kenn (zwischen Om Prakash und Jagdeep). Man siehts auf dem Screenshot nicht so genau, aber ja, doch, ich glaub es ist voll auf die Lippen. Wahnsinn. Ich hab Tage gebraucht, um mich von dem Schock zu erholen. ;-)

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6 Antworten zu “Filmkritik: APNA DESH (7/10)”

  1. Kash sagt:

    Sorry! Ich finde dein Gästebuch nicht.
    Ihr kennt den Artikel über Euch bestimmt schon.
    http://www.pnp.de/lokales/news.php?id=44159
    Ich habe ihn erst heute gefunden.
    Wie schade, dass niemand diesen Blog finden kann.
    Ärgerlich,oder?

  2. Maria sagt:

    Ich kenn den Artikel auch noch nicht – der ist heute in unserer Lokalausgabe und ich bin ja nicht daheim. Schön, dass der auch im Internet ist, dann kann ich den mal durchlesen…
    Dass die Blog-Adresse falsch ist, ist tatsächlich etwas blöd, man würd meinen, die würden das überprüfen bevor sie es schreiben :roll:

  3. mike sagt:

    Das ist ja ein sehr lesenswerter Artikel! :-D Ich finde es ja wunderbar, dass sie deine Zitate nicht zu irgendwelchen Schnack fabriziert haben – ich erinnere mich mit Graus an ein Interview mit mir, wo mir die Worte im Mund umgedreht wurden… ;)

  4. Maria sagt:

    Wenn man mal selbst Zeitungsartikel geschrieben hat, hat man mehr Verständnis für fantasievolle Zitate – manchmal braucht man die halt einfach anders *g* Aber der Artikel ist schon gut geworden, doch. Ich hab inzwischen auf die Printausgabe mit den Fotos gesehen, die sind auch schick – meine fotographierte Bollywoodsammlung sieht gar nicht so übel nach Kitsch aus *g*

  5. eva-e sagt:

    “Zitate sind Stilmittel” hat man mir an meinem ersten Tag bei der Zeitung gesagt. Aber der Artikel ist doch (bis auf die Blogadresse) ziemlich nett geworden. Ist aber schon ne Wahnsinnsleistung, “fast alle Bollywoodfilme” zu beurteilen. ;)

  6. Maria sagt:

    Es ist aber auch wirklich nervig, wenn man wirklich korrekte Zitate bringen will und dann ständig darauf warten muss, bis derjenige einen zitierfähigen Satz von sich gibt… was halt selten passiert. Da muss man eben etwas umdichten. Hier sowieso, hier spricht ja jeder Bairisch und so kann man das natürlich nicht in der Zeitung schreiben – und auf Hochdeutsch klingt schon vieles ganz anders.

    Tja, das “fast alle Bollywoodfilme” stellt mich quasi auf eine Stufe mit Marco *g* Gemeint ist da, dass ich fast alle Bollywoodfilme die ich ansehe auch beurteile…

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