Filmkritik: GOLMAAL (7/10)
7. February 2008
Bei Golmaal herrscht mal wieder Uneinigkeit über den Titel, die einen schreiben das zusammen, die anderen schreiben Gol Maal, und die Version auf Jaman die ich gesehen habe enthält nicht die Zensurtafel am Anfang des Films, die das Problem entscheiden könnte. Ich bleib also mal bei Golmaal, weil das hübscher aussieht.
Es handelt sich hier übrigens nicht um den Ajay-Devgan-Film von 2006, um den mach ich lieber erstmal einen Bogen, sondern um eine 70er-Komödie von Hrishikesh Mukherjee.
Regisseur: Hrishikesh Mukherjee
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Amol Palekar, Utpal Dutt, Bindiya Goswami, Deven Verma, Dina Pathak
Crew: N.C. Sippy (producer)
Erscheinungsjahr: 1979
STORY
Ram Prasad Sharma (Amol Palekar) ist ein intelligenter, aufgeweckter, Musik und Sport liebender Student, der nach bestandenen Prüfungen einen Job sucht. Den findet er auch bei Bhavani Shankar (Utpal Dutt), doch um dessen Anforderungen zu erfüllen gibt er sich als traditionsbewusster Mann aus, der sich nur für seine Arbeit interessiert – und Schnurrbart trägt. Als Bhavani aber Ram bei einem Sportmatch erwischt, erfindet Ram als Ausrede einen Zwillingsbruder Lakshman, ein Taugenichts ohne Schnurrbart. Dummerweise hat Bhavani aber so einen Narren an Ram gefressen, dass er ihm helfen will, indem er seinem Bruder Laksham einen Job als Musiklehrer bei seiner Tochter Urmila (Bindiya Goswami) gibt. Ram beginnt also sein Doppelleben…
REVIEW
Ich hab bereits zwei Hrishikesh-Mukherjee-Dramen gesehen, jetzt ist mal eine seiner Komödien dran, damit hier kein falsches Bild entsteht.
Mit Verwechslungskomödien hab ich ja manchmal so meine Probl
eme, mit indischen Verwechslungskomödien erst recht, die schwanken doch gefährlich oft ins chaotisch-nervige. Golmaal hält sich aber zum Glück die meiste Zeit auf der sicheren Seite. So richtige Lacher bietet der Film eigentlich nicht, dafür muss man aber durchgehend schmunzeln. Der Film setzt nicht auf eine Aneinanderreihung von Gags und wahllosen Comedy-Einlagen (die es natürlich auch gibt, aber in Grenzen), sondern eher auf eine charmante, witzige Geschichte, die durch Tempo und einige nette Einfälle unterhält.
Erst gegen Ende fällt Golmaal dann etwas ab – da werden die Verwirrungen dann etwas zu konstruiert, weil man einiges ganz einfach lösen könnte, und die letzten 10 Minuten sind dann besonders ärgerlich: Da will man eigentlich zum Ende kommen und dann wird noch ein nerviger, unlustiger Gastauftritt von Komiker Keshto Mukherjee und Om Prakash eingeschoben. Wo doch davor so sinnlose Comedy-Routine recht gut vermieden wurde. Aber wir wissen ja, dass indischer Humor manchmal andere Dinge verlangt als wir gern hätten, und so richtig stören kann dieses Ende dann auch nicht mehr.
Grund zur Freude geben dagegen die vielen Gastauftritte von Stars und Anspielungen auf
die Filmwelt – denn auch wenn die Story eigentlich nichts mit Filmen zu tun hat, hat Ram halt einen Schauspieler-Freund, gespielt von Deven Verma, und über den lässt sich einiges einbauen. Beispielsweise sehr charmante Gastauftritte von Amitabh Bachchan, Rekha und Aruna Irani, jeweils sich selbst spielend, oder Filmschnipsel von Zeenat und Hema, oder die Ausführungen von Deven Vermas Charakter, der Rams Geschichte mit “sex, emotion, tragedy, comedy, drama, cabaret, qawwali, sportsmanship…” verfilmen will – der das Vorhaben dann aber doch lieber einem Mainstream-Regisseur überlassen will, weil so wenig Logik in der Handlung ist. Nett in der Hinsicht auch, dass Golmaal nicht nur Filme zitiert, sondern auch selbst zitiert wird: Die Namen “Ram Prasad Sharma” und sein Bruder Lakshman, genannt Lucky, dürften eine Glocke läuten lassen.
Von den Schauspielern hat vor allem Amol Palekar eine ganze Menge zu tun, und das tut er auch sehr gut. Er gehörte zwar nie zu den großen Stars, doch e
r hatte durchaus eine brauchbare Karriere in kleineren Filmen und hat vor allem noch weitere Talente: seit den 80ern ist er auch als Regisseur tätig, und inzwischen schreibt er auch Drehbücher – am bekanntesten dürfte er wohl für sein Skript und seine Regie für Paheli sein. Aber auch als Schauspieler macht Palekar was her, er spielt seine Doppelrolle (eigentlich Dreifachrolle: der echte Ram, der arbeitswütige Ram und der erfundene Lakshman) in Golmaal sehr sympathisch und überzeugend.
Utpal Dutt beweist ebenfalls klasse komödiantisches Timing und hat einige herrliche Momente als Bhavani, bloß Bindiya Goswami bleibt ziemlich blass, allerdings hat sie auch eine recht undankbare, kaum ausgearbeitete Rolle.
Golmaal ist eine sympathische, kleine Komödie mit ein paar schicken Anspielungen auf die Filmwelt – sicherlich kein Must See, aber doch empfehlenswerter Zeitvertreib.
MUSIK
Wie schon in einigen Filmen davor und danach arbeitete Mukherjee in Golmaal auch R.D. Burman. Das garantiert natürlich sowieso ein gewisses Niveau der Songs – allerdings sind die Golmaal-Songs hier nicht so überragend wie gewohnt. Dadurch, dass der Hauptcharakter Sänger ist, werden
sie aber angenehm natürlich in die Story integriert.
Golmaal Hai Bhai – beschwingter Titelsong, der zu den Credits läuft und der dadurch leider keine ganz würdige Umsetzung bekommt – wir sehen zwar zwischendurch immer wieder Ram beim singen, aber der Ohrwurmfaktor dieses Songs verdient eigentlich mehr
Sapna Mein Dekha Sapna – spaßiges Liedchen zu einem Picknick im Park mit schicken Einbindungen der Filmwelt, musikalisch aber nicht so bemerkenswert
Aanewala Pal – hübsches, wenn auch recht langsames Liebeslied von Kishore Kumar
Ek Baat Kahoon – und jetzt darf Lata nochmal ein Liebeslied anstimmen, das aber eher durchschnittlich ist
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Tags: Hrishikesh Mukherjee, R.D. Burman


08. February 2008 um 00:13
Danke für die Kritik – bei mir ist die DVD über die Jahre auf dem Stapel immer weiter nach hinten gerutscht *schäm*. Ich sollte sie mir aber echt mal vornehmen, ich hab sie damals auf Empfehlung einer Buchautorin gekauft – und ich weiss nicht mal mehr welcher *g*