Filmkritik: WITCHFINDER GENERAL
6. May 2008
Witchfinder General, der “Sexy Beasts”-Film diese Woche, hat mir deutlich weniger gefallen als Peeping Tom, also gibt diesmal auch nur ein ganz kurze Review – ein paar Sachen wollt ich aber schon anmerken.
Witchfinder General ist anscheinend ein Kultfilm und ein Klassiker des britischen Horrors – doch obwohl der Film in einigen Dingen wirklich sehr gut ist, versteh ich diesen Status nicht so recht. Mein Seminarleiter sieht das wohl ähnlich, er hat uns vor dem Film wenig überzeugt “sort of have fun” gewünscht…
Regisseur: Michael Reeves
Musik: Paul Ferris
Darsteller: Vincent Price, Ian Ogilvy, Hilary Dwyer, Robert Russell
Crew: John Coquillon (cinematography)
Erscheinungsjahr: 1968
STORY
Matthew Hopkins (Vincent Price) zieht im 17. Jahrhundert durch das vom Bürgerkrieg zerrüttete England und foltert, hängt und verbrennt alles und jeden, der von irgendwem als Hexe beschuldigt wurde. Als er den Onkel von Sara (Hilary Dwyer) als Hexe verurteilt und sich an ihr vergeht, hat er sich aber einen Gegner eingehandelt: Der Soldat Richard (Ian Ogilvy) nimmt Sara zur Frau und setzt alles daran, Rache zu üben.
REVIEW
Kurz vorweg: Wir haben den Film im Seminar auf VHS geschaut. Zum einen bedeutet das, dass vielleicht tatsächlich die schlechte Qualität daran Schuld ist, dass ich den Film weniger genießen konnte als bspw Peeping Tom. Zum anderen war ich wirklich mal wieder überrascht, was für ein gewaltiger Qualitätsunterschied zwischen Video und DVD besteht – eigentlich sollte jeder von Zeit zu Zeit mal wieder irgendwas auf Videokassette ansehen um danach umso glücklicher mit den Standards auf DVD sein zu können…
Aber jetzt zum Film, erstmal die postiven Aspekte: Witchfinder General ist wirklich gut darin, das Grauen der Hexenverbrennungszeit darzustellen. Mindestens 20% des Films besteht aus mit allen Kräften schreienden und kreischenden Menschen, d
ie Folterszenen werden in aller Blutigkeit und Grausamkeit gezeigt, und die völlige Hilf- losigkeit gegenüber dem Hexenverfolg- ungsapparat wird wirklich greifbar. Das ist hier nicht einmal die große kirchliche Inquisition, sondern einfach nur zwei sadistische Männer, die durch Land ziehen und Gewalt verbreiten.
Was der Film auch ziemlich gut hinbekommt ist das Gefühl des Hasses gegenüber Hopkins und seinem Handlanger. Man lernt diese Figuren im Laufe des Films als Zuschauer wirklich sehr hassen, weil sie wirklich einfach nur abgrundtief böse sind. Doch obwohl man wirklich selbst keinerlei Mitleid mit den beiden haben könnte, ist man doch gleichzeitig entsetzt über den blinden Hass von Richard. Der wird uns anfangs als junger, energischer, aufgeweckter Sympathieträger vorgestellt, Ian Ogilvy ist dazu auch durchaus nett anzusehen, und wenn er dann ausreitet um seine Frau zu rächen steht er immer noch als unser strahlender Ritter da. Aber spätestens am Ende wird klar, wie sehr ihn dieser Rachetrieb innerlich zerfressen hat, und das trifft schon.
Erwähnt werden sollte unbedingt auch die Musik. Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht allzu sehr auf die Musik geachtet hab, nach einer Weile werden einem bei dem Film sowieso vom konstanten Kreischen und Schreien die Ohren taub – aber es gibt da ein wunderschönes Them
a im Soundtrack, müsste das Love Theme für Richard und Sara sein. Und das ist wirklich zum träumen – netterweise wurde uns da extra eine lange Sequenz eingebaut in der Richard eine ganze Weile zu diesem Song durch die englische Landschaft reitet. Hach.
In diesen Gebieten ist der Film wirklich gut – das reicht aber nicht so recht, um einen wirklich guten Film zu machen. Obwohl Witchfinder General nur 87 Minuten lang ist, zieht sich der Film ziemlich. Dafür, dass die Handlung eigentlich wirklich simpel und klar ist, braucht der Film lang das ganze zum Laufen zu bringen, ein richtiger Sog entwickelt sich trotz der ergreifenden Thematik kein bisschen.
Witchfinder General ist sicher keine Zeitverschwendung, der Film gilt wie gesagt auch als Klassiker und wird von vielen geschätzt (Total Film wählte ihn bspw in ihrer Liste der besten Horrorfilme auf den 15. Platz). Wer sich für die Hexenverbrennungszeit interessiert und einen starken Magen hat, kann sich den Film durchaus mal ansehen.
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Tags: Monsterfilme


17. May 2008 um 22:30
ja, und dann am besten noch HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT (1968) aus deutschen Landen mit drauf – mit Herbert Lom und Udo Kier (!!!!) und einem nicht minder lieblichen Liebesthema aus der Feder von Schlagerbarden Michael Holm. Da knackst es in den Daumenschrauben, dass es eine Art hat! Nur die etwas unbeholfen mit schwarzem Stoff überhangenen Straßenschilder und Postschlitze an den Türen sollte man (wohlwollend) übersehen (muss man aber nicht)!
Grüße aus Wien!