Doctor Who: THE ENEMY WITHIN

7. May 2008

Ich starte meine Doctor-Who-Classic- Series-Reihe mal mit dem letzten, was man von Doctor Who vor der Neuauflage 2005 im Fernsehen zu sehen bekam: dem amerikanischen TV-Film von 1996. Der eigentlich nicht The Enemy Within heißt, sondern einfach nur “Doctor Who”, aber weil das ein ziemlich unpraktischer Titel ist, wird der heute meistens Enemy Within oder schlicht “The Movie” genannt.
Jedenfalls wollte damals, acht Jahre nach der Absetzung der Serie, ein amerikanisches Produktionshaus mal testen, ob man die Serie vielleicht wiederbeleben könnte und so drehten sie diesen Pilotfilm. Aus dem nie eine Serie wurde, weil der nicht beim Publikum ankam – er ist nämlich nicht wirklich gut.

Doctor: 7 (Sylvester McCoy), 8 (Paul McGann)
Companion: Grace (Daphne Ashbrook)
Autor: Matthew Jacobs
Regisseur: Geoffrey Sax
Jahr: 1996

STORY
Nachdem der Master auf Skaro von den Daleks zu Tode verurteilt und exekutiert wurde (fragt nicht…), bringt der Doctor (hier noch Sylvester McCoy) dessen Überreste nach Gallifrey. So einfach ist der Master aber nicht kaputt zu kriegen – er entweicht als Glibber, lässt die Tardis in San Francisco 1999 notlanden und schnappt sich den Körper eines Krankenwagenfahrers (Eric Roberts). Der Doctor wird derweil von einer Straßenbande erschossen und im Krankenhaus so falsch behandelt, dass er stirbt – aber das ist ja nicht so tragisch, er regeneriert also (und ist jetzt also als Paul McGann unterwegs). Dummerweise war das dieses Mal aber so traumatisch, dass er völlig vergessen hat wer er eigentlich ist. Während er als mit Hilfe der à„rztin Grace versucht sein Gedächtnis wieder zu erlangen, plant der Master dem Doctor seinen Körper und seine verbleibenden Regenerationen zu klauen…

REVIEW
The Enemy Within ist vielleicht die am meisten von Fans verabscheute Einzelepisode des ganzen Doctor Who Universums. Und man kann die Fans auch schon irgendwo verstehen: da wartet man 8 Jahre darauf, dass sich Doctor Who wieder aus der Asche erhebt, und endlich ist es soweit – und dann bekommt man das hier vorgesetzt. Natürlich ist man da übelst enttäuscht und frustriert. Wenn man den Fernsehfilm aber heute mit Abstand ansieht, merkt man, dass nicht alles schlecht ist daran. Aber gut ist er halt auch nicht.

Im Grunde verurteilt schon die Ausgangs- situation das ganze zum Scheitern: ein amerika- nisches Produktionshaus will Doctor Who fortsetzen. Natürlich kann so was funktionieren, aber man muss da halt sehr viel Sorgfalt walten lassen. Doctor Who ist so britisch, wie Sci-Fi nur sein kann, und wenn man versucht das in ein typisch amerikanisches Serienformat überzuleiten, muss man halt aufpassen. Sonst funktioniert der Witz nicht mehr, und das, was sonst als Charme durchgeht kommt als Trash und Camp wieder heraus.
Selbst wenn sie diese Übertragung gemeistert hat, ist da immer noch der Anschluss an die Originalserie. Wenn man die alten Fans für sich gewinnen will, sollte man viele Aspekte des Originals getreu übernehmen. Wenn man es nur auf neue Fans abgesehen hat, braucht man sich nicht um die alten Grundsätze zu scheren, sondern kann ganz neu von vorne anfangen. Dumm ist es, wenn man einen ganzen Haufen Sachen aus dem Original falsch übernimmt – damit verärgert man die alten Fans und verwirrt die neuen. Dreimal dürft ihr raten, was The Enemy Within macht. *g*

Das alles führt dazu, dass man nach den ersten fünf Minuten den Film erstmal ausmachen muss, einen Lachkrampf bekommt, am eigenen Verstand zweifelt, das ganze noch mal ansieht um tatsächlich zu glauben, was die da gemacht haben und dann ungläubig resigniert und seine Erwartungen an den Film gewaltig herunterschraubt. Die Zusammenstellung von völlig abstrusen Doctor-Who-Versatzstücken und grausamer Holzhammerdarstellung (Doctor liest von Uhren umgeben “The Time Machine”, ein Zoom auf ein “900 Years Diary”, während die Schallplatte die er hört bei dem Wort “Time” hängen bleibt…) tut einfach weh.

Es läuft auch sonst wirklich ziemlich viel ziemlich falsch in diesem Film. Da wären der wirklich frustrierend sinnlose Tod von Sylvester McCoys Doctor. Die mit Szenen aus einem Frankensteinfilm zusammen geschnittene Regenerationsszene. Die nicht wirklich überzeugenden Nebendarsteller. Letztlich die ganze Story, die weder spannend ist, noch wirklich Sinn ergibt. Am allerschlimmsten an dem ganzen Film ist aber die Darstellung des Masters – ein fester Bestandteil der Serie seit 1971, der hier zur absoluten Karikatur verkommt.

Der Master funktioniert hier so absolut überhaupt nicht, wirkt schrecklich lächerlich und entspricht wirklich nicht dem, was man von der restlichen Serie her erwarten könnte. Selbst wenn man den Schleim-Blödsinn und den Schlangen-Blödsinn und den Grüne-Augen-Blödsinn ignoriert, ist der Master immer noch ziemlich furchtbar. Mit Sonnenbrille und Lederjacke sieht er wie ein schlechter Terminator-Abklatsch aus, später im Gallifrey-Morgenmantel ist er einfach nur noch albern. Ich will jetzt nicht zu sehr auf Eric Roberts herumhacken, der ist solange er im Film noch nicht vom Master besessen ist eigentlich ganz ok – aber seine Masterinterpretation, bzw wohl eher die der Produzenten, ist einfach grauenhaft. Ich werde mir für den Rest meines Who-Fandaseins einreden, dass das nie passiert ist. Und der arme Doctor nur irgendwie einen bösen Traum hatte. Oder so.

Doch trotz diesen vielen Schwächen hat der Film doch ein Ass im à„rmel, dass das alles ausgleicht: Paul McGanns Doctor. Der ist einfach ganz wunderbar und großartig – wenn man den ganzen Film lang nur ihm zusehen dürfte, wäre der perfekt – aber da ist eben auch noch diese seltsame Handlung. Es ist zwar jede Regeneration des Doctors wahnsinnig sympathisch und liebenswert – Paul McGann muss man aber schon zugute halten, dass er es in besonders schneller Zeit und in den besonders undankbaren Umständen des restlichen Films schafft, einem auf Anhieb ans Herz zu wachsen.
Natürlich, seine ersten Szenen, in denen er völlig verwirrt im Krankenhaus herumsteuert und theatralisch “Who Am I??” schreit, sind ziemlich lächerlich. Aber ich werte die nicht zu negativ, schließlich versteh ich, dass die Macher die Gelegenheit, Paul McGann nur mit dünnem Leichentuch bekleidet filmen zu können, so weit wie möglich ausdehnen wollten. Und eben: danach ist der achte Doctor wirklich unglaublich schnuffig und herzig und wunderbar gespielt.

Während von vielen alteingesessenen Who-Fans die Knutscherei im Fernsehfilm ziemlich niedergemacht wird, fand ich das wirklich herzig. Es besteht zwar absolut Null romantische Chemie zwischen dem Doctor und Grace, aber ich denke, man sollte da wirklich keine Liebesbeziehung reininterpretieren (also, vielleicht wollten die Macher das schon so sehen, aber sie haben da so gründlich versagt, dass wir darüber gar nicht nachdenken wollen). Der Doctor küsst Grace erst einmal aus reiner Lebensfreude – und scheint dann einen Gedankengang dieser Richtung zu haben: “Oh. Ein Kuss. Da war ja mal was… oh, hab ich das schon lang nicht mehr gemacht. Aber hey, das macht Spaß! Und ich bin grad sooo happy! Ich weiß wieder wer ich bin! Ich bin der Doctor und ich bin wunderbar und Feuer und Eis und überhaupt… Squee! Warum knutsch ich nicht einfach gleich noch mal das Mädl da vor mir?”
Und das funktioniert tatsächlich, weil es wirklich zu Paul McGanns Doctor passt. Der ist ja sowieso knuffig ohne Ende, der darf alles.

Oha, die Review ist inzwischen definitiv länger als ich geplant hatte, und wohl auch länger als es dieser Film eigentlich verdient… Fassen wir also zusammen: Eigentlich läuft furchtbar viel in dem Film schief, und eigentlich ist das ganze ziemlicher Schmarrn, aber Paul McGann macht den Film trotzdem im Alleingang absolut sehenswert. Sicher nicht direkt als Einstieg in die Classic Series gedacht, aber später dann eigentlich Pflichtprogramm – sei es zum gepflegt Lästern oder verzaubert den achten Doctor anschmachten.

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3 Antworten zu “Doctor Who: THE ENEMY WITHIN”

  1. TZB sagt:

    Das klingt ja wirklich arg übel.
    Konnte mir schon denken, daß eine US-Produktion nicht annähernd etwas Whoiges produzieren kann, aber SO dermaßen verrissen :o

    Ok, damit fällt dieser Kauf auf jedenfall flach. Vielleicht gibt es dieses (Mach)Werk irgendwann in einer Videothek meines Vertrauens – damit ich wenigstens mitreden kann beim Zerreißen dieses Films :D

  2. Kolja sagt:

    So richtig Ahnung hattest Du nicht, als Du dieses “Review” geschrieben hast, oder? Der Text strotzt nur so von Halbwahrheiten, wobei Dein zentrales Argument einer rein amerikanischen Produktion so nicht stimmt.

  3. Maria sagt:

    Ach, Kolja. Diese „Review“ ist ja auch nicht für Leute wie dich geschrieben, die ihre Lieblingsserie lieber detailliert analysieren anstatt sich einfach darüber zu freuen. Aber wenn es dich glücklich macht, darfst du ruhig die ganzen Halbwahrheiten im Text auflisten. ;-)

    Was mein „zentrales Argument“ angeht: Wenn du das noch mal genau liest, siehst du, dass ich nirgends „rein amerikanische Produktion“ geschrieben hab. Mir ist sehr wohl bewusst, dass da auch britische Gelder reingeflossen sind, und von der Seite wohl auch kreativer Input kam. Das ändert aber nichts daran, dass der Film primär darauf abzielt ein amerikanisches Publikum anzusprechen und sich an amerikanische Seriengepflogenheiten anlehnt. Und genau deswegen geht da eben einiges schief.

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