Filmkritik: HAPPY NOW (inkl. Picspam)
18. September 2008
Ein weiterer Beweis dafür, dass es sehr wohl sinnvoll ist wegen Schauspielern Filme zu kaufen, weil man damit auf wunderbare Dinge stößt, die man sonst nie entdeckt hätte. Wie dieser kleine walisische Film mit Ioan Gruffudd. Happy Now ist außerdem einer der wenigen Ausnahmefälle in denen man in Deutschland DVD-technisch im Vorteil ist: im UK wurde dieser Film noch nicht auf DVD herausgebracht, es scheint nur eine spanische DVD zu geben – und eben die deutsche DVD mit dem fragwürdigen Nebentitel “Hand in Hand mit dem Tod”.
Regisseur: Philippa Collie-Cousins
Drehbuch: Belinda Bauer
Musik: Dario Marianelli
Darsteller: Emmy Rossum, Ioan Gruffudd, Richard Coyle, Paddy Considine, Om Puri, Susan Lynch, Jonathan Rhys Meyers, Robert Pugh, John Henshaw
Erscheinungsdatum: 2001
STORY
In der verschlafenen walisischen Kleinstadt Pen-y-Wig treffen eines Nachts die Freunde Joe (Richard Coyle) und Glen (Paddy Considine) auf einer verlassenen Straße auf die junge Jenny (Emmy Rossum) – und durch unglückliche Umstände töten sie Jenny. Statt das der Polizei zu erklären verscharren sie die Leiche und der Landstreicher Michael Kirov, genannt Tin Man (Om Puri), wird für den Mord verurteilt. 14 Jahre später wird Tin Man aus dem Gefängnis entlassen – und gleichzeitig taucht Tina (Susan Lynch) mit ihrer Tochter Nicky Emmy Rossum) in Pen-y-Wig auf, die Jenny zum verwechseln ähnlich sieht. Vorgänge, die Joe und Glen, der inzwischen aufstrebender Politiker ist, etwas aus dem Konzept bringen – wie auch die Tatsache, dass der neue Sergeant Max Bracchi (Ioan Gruffudd) anfängt, den Fall wieder aufzurollen…
REVIEW
Happy Now? Oh ja, very happy. Ich hatte eigentlich gar nicht besonders viel von diesem Film erwartet, und dann einen rundum sympathischen kleinen Film bekommen, wirklich ein kleines Juwel. Happy Now funktioniert vor allem über seine atmosphärische Darstellung der walisischen Kleinstadt, die herrliche Mischung aus düsterer Handlung und skurrilem Humor und das sehr tolle Darstellerensemble.
Happy Now baut sehr schnell eine wunderbare Klein- stadt-Atmosphäre auf, gemütlich und hübsch und gleich- zeitig verschroben, eigenartig und mysteriös. Mit traumhaften Küstenaufnahmen und schöner Musik von Dario Marianelli (der sich kürzlich einen Oscar für seinen Atonement-Score abgeholt hat). Der Film ist dazu auch voll von absurden Situationen und schrulligen Figuren – und doch läuft er nie wirklich Gefahr ins Alberne abzudriften. Die ganzen skurrilen Elemente fühlen sich nämlich gleichzeitig auch total lebensnah an, es sind eben diese typischen Dinge die sich völlig abstrus anhören, und die doch ständig passieren.
Diese Dinge sorgen dann auch für eine ganze Menge Komik – eigentlich ist Happy Now ja ein Thriller, mit eher düsterer Story und ein bisschen Mystery drübergestreut und stellenweise nicht grad zimperlich mit ekligen Szenen. Trotzdem ist man eigentlich die ganze Zeit über am Lachen – über herrlich komische Situationen oder großartige Dialoge. Happy Now präsentiert diese Mischung wirklich sehr angenehm ausgeglichen und stimmig.
Ioan Gruffudd spielt Max Bracchi, einen aus Cardiff in dieses Kaff zwangsversetzten Sergeant, dessen wichtigste Eigenschaft wohl ist, dass er Bonanza-Fan ist. Das wirkt
sich sehr positiv aus: er darf deshalb Lederwes- ten, Cowboystiefel und lange braune Mäntel tragen, mit einem Zahnstocher im Mundwinkel herumlaufen und herzallerliebste Liebeserklärungen per Bonanzafolgen machen. Nur den kurzen Einsatz einer Cowboy-Krawatte sollte noch mal überdacht werden. Jedenfalls ist er auch sonst ein ganz wunderbarer Charakter, der seine Großstadtherkunft jetzt nicht mit “meine Güte ist das hier alles schrecklich ländlich”-Getue betonen muss, der ganz tolle Eieruhr-Ermittlungsmethoden hat und dessen kleine Romanze mit Tina schön in den Film passt. Etwas irritierend bloß, dass ihm ein Münzwurf-Psychoproblem an die Seite gestellt wird, das weder viel Sinn ergibt noch irgendwas zur Handlung beitragen würde.
Aber in diesem Film ist ja nicht nur Ioan interessant, sondern auch das restliche Schauspieler- ensemble. Emmy Rossum als Hauptfigur die selbst eigentlich gar nicht besonders viel tut ist ganz großartig und unglaublich knuffig und niedlich. Und natürlich auch der Rest: da haben wir Richard Coyle (bekannt aus Coupling), der seinen Verlierertyp trotz allen Fehlern sehr sympathisch spielt, und Paddy Considine (bekannt aus Hot Fuzz), der wunderbar psycho und schmierig ist, und Jonathan Rhys Myers
in einer kleinen Rolle als höchst seltsamer Satanist und Susan Lynch, deren Figur ich es zwar nicht verzeihen kann, dass sie am Anfang eine Katze tötet, die aber sonst ganz toll ist. Ich war ja auf die meisten hier mitspielenden Schauspieler gefasst, der Film kann dann aber doch noch überraschen: zum Beispiel wenn kurz nach Filmbeginn auf einmal Om Puri im Bild steht. Mit Wikingerhelm. Om Puri hat auch eine sehr schöne und tragische Rolle im Film, und es ist wirklich eine Freude, dass er dabei ist.
Kurz erwähnt sein sollte auch die Tatsache, dass der Film zum Teil von Arts Council of Wales produziert wurde. Das kann den meisten zwar herzlich egal sein, aber wenn man Anglistik studiert, wird man ständig mit dem Arts Council konfrontiert. Und wenn man sich ständig damit auseinandersetzen soll, warum jetzt wer wann die Gelder fürs Arts Council gestrichen hat, fragt man sich doch irgendwann, was dieses Arts Council eigentlich überhaupt macht. So Filme wie Happy Now also. Na dann kann ich das ja als bestätigt sehen, dass das Arts Council eine sehr, sehr sinnvolle Einrichtung ist ;- )
Happy Now ist sicher nicht perfekt. Eigentlich verläuft die Story auf ausgetretenen Pfaden und bietet wenig
Überraschungen, und manche Nebenhandlungen sind auch ziemlich unnötig (so wie die von Jonathan Rhys Meyers). Außerdem hat der Film stellenweise einige Probleme mit der Logik und damit, eine anständige Motivation und Begründung für das Handeln mancher Figuren zu liefern – gerade bei Glen fragt man sich schon des à–fteren, warum der jetzt so handelt wie er handelt.
Aber abgesehen von solchen kleineren Problemchen ist Happy Now wirklich rundum gelungen – ein schön atmosphärisches Filmchen voller wunderbarer kleiner Schrulligkeiten, mit einem ganzen Schwung toller Schauspieler. Wirklich empfehlenswert für alle, die auf solche kleinen typisch britischen Filme stehen. Die deutsche DVD ist da wirklich ein Segen, wobei die lästigerweise feste deutsche Untertitel zur englischen Tonspur hat. Aber ich hab… äh… gehört, dass es Methoden gibt, solche Sachen zu umgehen
Picspam: Max “Hoss” Bracchi
Ihr kennt das ja inzwischen, keine Ioan-Filmbesprechung ohne den obligatorischen Sabberpicspam dazu. Zur Feier der Tatsache, dass Max Bracchi zwar möglicherweise eine Wiedergeburt von Hoss aus Bonanza ist, aber mit Sicherheit deutlich besser aussieht. Einziger Wermutstropfen ist, dass Max keinen Cowboyhut bekommen hat – aber das wär dann vielleicht doch zu übertrieben…
So haben Einführungsshots auszusehen. Weil Max ja eigentlich zum Westernheld berufen, und nur zufällig in Wales gelandet ist.

Grad mal ein paar Minuten im Film, und schon völlig verplant.

98% aller Männer würden in dieser Klamottenkombi schrecklich aussehen, Ioan dagegen macht sogar diese Weste sexy.

Wie gesagt, er ist ja eigentlich ein Westernheld. Inklusive Zahnstocher

Der Film versorgt uns auch brav mit Fangirl-Szenen – zuvor einmal Ioan oben one, in dieser Szene nur in Hemd und Boxershorts. Thi.

Ein herrlich verplanter “Was macht da eine Frau auf meinem Bett?”-Blick

Gah. Der Blick…. …. … *swoon*

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Tags: BBC, Bonanza, Emmy Rossum, Ioan Gruffudd, Om Puri, Paddy Considine, Picspam, Richard Coyle, Wales

