CAMBRIDGE SPIES (inkl. Picspam)
23. September 2008
Diese vierstündige BBC-Miniserie beruht auf wahren Tatsachen – genauer gesagt den Leben der für Russland arbeitenden Spione Kim Philby, Guy Burgess, Anthony Blunt und Donald Maclean. Sehr sinnvolle Geschichts- lehrstunde also – das exzessive DVD-Kaufen lässt sich ja auch viel besser mit dem Gewissen vereinbaren, wenn man sich ständig dabei denken kann, dass man das alles fürs Studium brauchen kann *g* Die Besetzung mit Toby Stephens, Tom Hollander, Samuel West und Rupert Penry-Jones sorgt dafür, dass man auch genügend zu Schmachten hat.
Regisseur: Tim Fywell
Drehbuch: Peter Moffat
Musik: John Lunn
Darsteller: Toby Stephens, Tom Hollander, Samuel West, Rupert Penry-Jones, Anna-Louise Plowman, Stuart Laing, Patrick Kennedy, Imelda Staunton
Erscheinungsdatum: 2003
STORY
Cambridge 1934: Die vier Studenten Kim Philby (Toby Stephens), Guy Burgess (Tom Hollander), Anthony Blunt (Samuel West) und Donald Maclean (Rupert Penry-Jones) verbindet eine Leidenschaft für den Kommunismus und Hass für Hitler und Faschismus. Also lassen sie sich vom KGB anwerben, um Russland mit Informationen zu versorgen. Dank ihrer Cambridge-Ausbildung die sie über jeden Zweifel erhebt steigen Kim und Guy in MI5 und Donald im Außenministerium auf, während Anthony das Vertrauen der Königsfamilie gewinnt. Bei allem Ehrgeiz und Idealismus stehen aber doch für sie immer ihre Freunde an erster Stelle.
REVIEW
Cambridge Spies erzählt die Geschichte der Cambridge Five, einem Spionagering der zur Zeit des zweiten Weltkrieges und des kalten Krieges jede Menge Informationen des MI5 an Russland weitergab, und zu dem Kim Philby, Guy Burgess, Anthony Blunt, Donald Maclean und wahrscheinlich auch John Cairncross gehörten, wobei letzterer in dieser Miniserie
praktisch komplett ignoriert wird. Autor Peter Moffat nimmt sich dabei ein paar Freiheiten mit den tatsächlichen Ereignissen, im Großen und Ganzen hält sich die Story aber schon an die Wahrheit. Den vier Spionen wird dabei gleich viel Aufmerksamkeit geschenkt, in jeder Episode steht ein anderer etwas weiter im Vordergrund, und sonst ist alles gut verteilt – was sehr schön ist, denn alle vier sind sehr interessante Charaktere.
Man könnte Cambridge Spies zu Beginn vielleicht Glorifizierung von Spionage vorwerfen, anfangs wirkt das, was unsere Protagonisten so machen doch noch oft wie ein aufregendes Spiel, und sie stehen als strahlende Helden und Kämpfer gegen den Faschismus da. Ein Vorwurf, den man in den letzten Episoden aber sicher nicht mehr halten kann – hier häufen sich die Probleme, die Stimmung wird düsterer, und so langsam geht alles abwärts.
Es ist schon irgendwie eine Leistung, wie die Serie Sympathie für die vier Spione aufbaut. Obwohl sie gegen ihr Land und für Stalin arbeiteten, und für so einige sicherlich nicht erfreuliche
Dinge verantwortlich waren (bspw dürfte von Maclean weitergegeb- ene Information stark zum Entschluss der Sowjetunion zur Berlin-Blockade 1948 beigetragen haben), nimmt man sie in der Serie doch immer als die “Guten” wahr. Noch mehr sogar: trotz ihren Verrat wirken sie unglaublich britisch, und es wird deutlich gemacht, dass sie ihr Land auch wirklich lieben. Doch die Gesellschaft die darin das Sagen hat, hat halt so ihre Fehler – eines der schönsten Dinge an Cambridge Spies ist da wirklich der wunderbar bissige Blick auf die Gesellschaft und das auf Status und Klasse aufgebaute Establishment (unter anderem mit einer herrlichen kleinen Szene in der die BBC ihr Fett abkriegt und so Selbstironie beweist). Egal ob man jetzt ihre politischen Ansichten teilt, versteht oder ablehnt, es fällt einem sehr leicht diese vier Spione als sympathische Helden zu akzeptieren.
Da hilft es natürlich auch, dass die vier Hauptdarsteller ihre Figuren überaus charismatisch spielen. Besonders Tom Hollander ist großartig und stiehlt jede Szene in der er auftaucht – sein zynischer, lauter Guy der sich permanent daneben benimmt ist aber auch einfach ein großartiger Charakter. Die anderen sind aber natürlich auch sehr
toll: Toby Stephens (Mangal Pandey) als wohl erfolgreichster Spion der vier, Sam West (Hornblower) ist einfach wunderbar britisch und Rupert Penry-Jones (in Spooks wieder als MI5-Agent zu sehen, da dann mit etwas ausgefeilteren Methoden) steht zwar oft im Schatten der restlichen drei, brilliert dann aber immer wieder mit seinen Szenen. Selbst wenn die Serie sonst uninteressant wäre, würde man immer noch bestens davon unterhalten werden diesen vier einfach beim spielen zuzusehen. In einer Nebenrolle taucht Anna-Louise Plowman auf (“Dalek”, Doctor Who), die hier die Ehefrau von Maclean spielt, und im wahren Leben mit Toby Stephens verheiratet ist.
Ich kauf DVDs nach unterschiedlichen Kriterien, meist Schauspieler oder Themen, Aspekte die hier sicher auch mitgewirkt haben. Das entscheidende Kaufargument für Cambridge Spies war aber doch eher ungewöhnlich, nämlich ein Dialog. Ich hab folgenden Clip gesehen und hab mich spontan in den Dialog verliebt: I’m in bed with Virginia Woolf’s socks. (links Anthony Blunt, rechts Julian Bell, Neffe von Virginia Woolf). Natürlich wurde ich vom Rest des Drehbuchs auch nicht enttäuscht, dieser Ausschnitt ist keineswegs der einzige, der sich lohnt, und sicher auch nicht der beste – Cambridge
Spies ist von vorn bis hinten voll mit herrlich witzig ge- schriebenen Dialogen, die von den Schauspielern auch wunderbar rübe- rgebracht werden. Besonders erwähnenswert wäre dabei alles, was Tom Hollanders Guy Burgess so von sich geben darf, dessen Dialoge sind allesamt absolut zitierwürdig und großartig geschauspielert, und die Szenen zwischen Anthony Blunt und der von Imelda Staunton herrlich gespielten Queen (ich bekomm jedes Mal wieder einen Lachanfall, wenn sie mit “that ridiculous man with a nostril warmer” kommt).
Fassen wir zusammen: Cambridge Spies ist eine wirklich schicke Miniserie über ein äußerst interessantes Kapitel britische Geheimdienstgeschichte – mit sehr viel Witz, aber natürlich auch dem nötigen Ernst und Dramatik, einem großartigen Schauspielerensemble und sehr schick gefilmt. Kann ich also nur wärmstens weiterempfehlen.
Picspam: Philby, Burgess, Blunt, Maclean
Philby hat jede Menge Liebschaften, was uns nicht nur einen Haufen Bettszenen liefert, sondern auch wunderbare “Ich verkleid mein Mädl als mich selbst und schleus’ sie so über den Campus”-Szenen

Burgess und Blunt waren schwul, von Maclean wird vermutet, dass er bisexuell gewesen sein könnte – und doch bleibt es Philby überlassen die Rosa-Hemd-Quote der Serie zu erfüllen

Alles, was man für einen gelungenen Abend braucht: Gemütliches Plätzchen auf einer öffentlichen Toilette, Zigaretten, Alkohol und eine Ausgabe Middlemarch.

“Sir is a very happy communist!”

Warum sollten russische Spione auch auf James-Bond-Coolness verzichten müssen?

Als Spion muss man natürlich auch souveräner Hutträger sein

Die Unschuld in Person. Tennis-Outfits sind ja auch fast so schick wie Cricket-Outfits

Maclean kommt am Anfang immer etwas zu kurz, dafür hat er später einige richtig schicke Momente

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Tags: BBC, British TV, Cambridge Spies, Peter Moffat, Picspam, Rupert Penry-Jones, Samuel West, Toby Stephens, Tom Hollander


24. December 2009 um 20:46
Du hast Toby Stephens in deiner Beschreibung eine Doppelrolle verschafft
25. December 2009 um 01:19
Oha, und dafür Tom Hollander unterschlagen. So sehr ich Toby mag, das kann ich Tom natürlich nicht antun – ich habs ausgebessert, Danke für den Hinweis!