Filmkritik: CAPTAIN HORATIO HORNBLOWER
7. October 2008
Noch ein kleiner Hornblower-Nachtrag: Ich hab hier ja bereits ausführlich die Hornblower TV-Serie besprochen, die in acht Filmen von 1998 bis 2003 mit Ioan Gruffudd ein paar der beliebten Romane von C.S. Forester verarbeitet hat. Das ist aber nicht die erste Hornblower-Umsetzung – schon 1951 durfte nämlich Gregory Peck in diesem Film in die Hornblower-Rolle schlüpfen. Die Storys der beiden Versionen überschneidet sich übrigens nicht, der Film spielt erst nach den Ereignissen der TV-Serie – eben zu der Zeit in der Hornblower schon Captain ist.
Regisseur: Raoul Walsh
Drehbuch: C.S. Forester, Ivan Goeff, Ben Roberts, Aenas McKenzie
Musik: Robert Farnon
Darsteller: Gregory Peck, Virginia Mayo, Robert Beatty, James Robertson Justice
Erscheinungsdatum: 1951
STORY
Captain Horatio Hornblower (Gregory Peck) befindet sich auf einer geheimen Mission zu einem größenwahnsinnigen südamerikanischen Don, der England im Krieg gegen Spanien unterstützen soll. Auf dem Weg zurück meldet sich Lady Barbara Wellesley(Virginia Mayo) auf Hornblower Schiff, die vor einer Gelbfieberepidemie in Südamerika flieht. Lady Barbara und Hornblower fühlen sich bald zueinander hingezogen – doch auf Hornblower wartet zuhause seine Frau Maria, und Lady Barbara soll Admiral Leighton heiraten.
REVIEW
In den 30ern bis 50ern waren Schiffabenteuerfilme noch fest im Repertoire der großen Hollywood-Studios verankert, ich hab hier im Blog ja schon ein paar davon besprochen (Captain Blood, The Sea Hawk, The Crimson Pirate). Was lag also näher, die erfolgreichste Seefahrtsromanserie dieser Zeit zu verfilmen? Warner Brothers kaufte also die Rechte an den ersten
drei Hornblower-Romanen (die allerdings nicht chronologisch die ersten waren, die sind dagegen die Grundlage der TV-Serie) und drehte diesen sympathischen Klassiker.
Ganz in der Tradition der damaligen Abenteuerfilme legt Captain Horatio Hornblower ein gehöriges Tempo vor und packt wahnsinnig viel Stoff in seine doch nicht besonders lange Laufzeit. Für meinen Geschmack wirklich zu viel Stoff, hier wird sich eigentlich für nichts wirklich Zeit genommen, und man hetzt von einem Ereignis zum nächsten, ohne den wichtigen Dingen die Bedeutung zukommen zu lassen die sie verdienen. Zum Vergleich: Die Hornblower-TV-Serie, die ganz sicher kein langsames Tempo vorweist, hat drei Bücher in etwa 12 Stunden verfilmt. Der Film hier schafft es, ebenfalls drei Bücher zu nehmen und den Inhalt auf 110 Minuten zu komprimieren – kein Wunder also, dass da manches gehetzt und überstürzt wirkt. Als großen Bonus hat das Drehbuch aber natürlich vorzuweisen, dass C.S. Forester selbst bei der Adaption geholfen hat, und somit die Story zwar stark gekürzt, aber zumindest nicht völlig abweichend ist.
Ursprünglich hätten die Hornblower-Romane mit Errol Flynn in der Hauptrolle verfilmt werden sollen, was sicher schick geworden wäre. Aus diversen Gründen wurde dann aber doch auf Flynn verzichtet und die Rolle ging an Gregory Peck – was ja mindestens genauso toll ist. Einen Gregory-Peck-Schmachttrieb hab ich schließlich schon von meiner Mutter vererbt bekommen, schon in meiner Kindheit wurde ich da mit “Ein Herz und eine Krone” nachhaltig vorgeprägt. Aber auch ohne mütterlichen Einfluss hätte ich Peck als Hornblower toll gefunden – er sieht ja nicht nur absolut anschmachtenswert aus, sondern spielt auch gut. Mit gekonntem Einsatz seiner Augenbraue, siehe erstes Bild.
Virginia Mayo als Lady Barbara ist solide, auch wenn ich irgendwie alle Heldinnen dieser klassischen Abenteuerfilme recht austauschbar finde. Robert Beatty als Lt Bush ist sympathisch und spielt gut, allerdings find ich die Freundschaft zwischen Hornblower und Bush in diesem Film nicht besonders gut dargestellt – wohl auch, weil halt die Beziehung zu Lady Barbara im Vordergrund steht. Die restlichen Darsteller sind durchgehend ordentlich, als Sahnehäubchen gibt es dazu Christopher Lee in einer winzigen Rolle als spanischer Captain – wer Lee also mal in weißen Leggins beim Fechten sehen will, hat hier die Gelegenheit.
Die Schiffskulisse ist sehr schön und detailverliebt gestaltet, und die Gefechte sind wirklich schick umgesetzt, vor allem wenn die damals zur Verfügung stehenden Mittel bedenkt. Ein paar unstimmige Kleinigkeiten stören nicht weiter
und sind schlicht dem Produktionsjahr des Films zuzuschreiben – wie die wenig authentischen Frisuren, die durch die Pastellfärbung unecht wirkenden Kostüme oder angemalte Schauspieler, die mit Schuhcreme im Gesicht als Südamerikaner durchgehen müssen. Die Herzschmerz-Kitsch-Romanze mit Geigenuntermalung mag auch so rein gar nicht in den Film und zu Hornblower passen, aber natürlich gehört das zu einem ordentlichen Abenteuerfilm aus dieser Zeit einfach dazu.
Eins meiner größten Probleme damit, richtig in den Film hineinzufinden, waren die amerikanischen Akzente. Eigentlich sollte man über so was hinwegsehen können, aber Hornblower ist für mich einfach so typisch britisch, das es mich richtig irritiert wenn Horatio und seine Lady Barbara in breitem American English flirten. Und bei jedem von Hornblower gesprochenen “Lieutenant” bin ich zusammengezuckt – selbst in den USA hat man das zu der Zeit in der die Geschichte spielt nicht luutenant, sondern levtenant ausgesprochen…
Der Film geht auch ins Rennen für die Unverständlichste Titelübersetzung – auf Deutsch heißt der Film nämlich “Des Königs Admiral”. Also, liebe Übersetzer, mal von vorne: ein
Captain ist nicht das gleiche wie ein Admiral. Ja, Horatio Hornblower ist am Ende seiner Karriere Admiral, sogar Admiral of the Fleet, aber noch nicht in diesem Film. Es würd vielleicht nicht schaden, sich den Film mal anzusehen, für den man einen deutschen Titel sucht – Hornblower ist hier noch weit davon entfernt ein Admiral zu werden…
Captain Horatio Hornblower hat natürlich einige Schwächen, doch auch so bleibt es ein sympathischer und sehr unterhaltsamer Abenteuerfilm. Wer generell auf diese Art Film steht, darf sich diesen hier auf keinen Fall entgehen lassen. Und natürlich werden auch Hornblower-Fans ihren Spaß daran haben – für mich bleibt zwar die TV-Serie unbestritten die bessere Umsetzung, doch trotz Handlungs-Schnelldurchlauf sollte man Gregory Pecks Hornblower schon eine Chance geben.
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Tags: Age of Sail, Gregory Peck, Hornblower, Klassisches Hollywood, Literaturverfilmung

08. October 2008 um 09:18
“Des Königs Kapitän” klingt aber albern! *G*
08. October 2008 um 17:02
Stimmt natürlich – und selbst das naheliegende “Kapitän Horatio Hornblower” klingt nicht so richtig gut, weil “Kapitän” immer ein bisserl holprig klingt. Aber ein einfaches “Horatio Hornblower” hätte doch gereicht (der dürfte zu der Zeit auch in Deutschland bekannt gewesen sein), oder halt irgendwas anderes kreatives – aber nicht den armen Horatio gleich vier Stufen befördern, nur damit der Titel schön ist! *g*