THE FORSYTE SAGA (Series One)
15. October 2008
Nach einigen Kostümdramen die eher zur Mitte des 19. Jahrhunderts gespielt haben, rücken wir nun zeitlich näher an die Jahrhundertwende. ITV hat hier in einer siebenstündigen Miniserie die ersten drei Forsyte-Saga-Romane von John Galsworthy verfilmt, die zwischen 1906 bis 1920 erschienen sind und ungefähr die Zeit von 1874 bis 1903 umspannen. Wie der Titel schon sagt, wird die Geschichte dreier Generationen der Forsyte-Familie erzählt – nach dem Erfolg der Miniserie wurde noch eine zweite Staffel gedreht, die auch bald hier besprochen wird.
Regisseur: Christopher Menaul (1-3), David Moore (4-6)
Drehbuch: Stephen Mallatratt (Vorlage: John Galsworthy)
Musik: Geoffrey Burgon
Darsteller: Damian Lewis, Gina McKee, Rupert Graves, Gillian Kearney, Ioan Gruffudd, Amanda Root, Ben Miles, Corin Redgrave, Christian Coulson, Amanda Ryan
Erscheinungsdatum: 2002
STORY
Die Forsytes sind eine reiche Londoner Familie, doch privat stapeln sich die Probleme:. Soames Forsyte (Damian Lewis) heiratet die schöne Irene (Gina McKee), die ihn jedoch nicht liebt und seine Gesellschaft immer mehr hassen lernt. Irene blüht auf, als sie sich in den Architekten Phillip Bosinney (Ioan Gruffudd) verliebt, der sich ebenfalls zu ihr hingezogen fühlt, aber mit Irenes Freundin June Forsyte (Gillian Kearney) verlobt ist. Deren Vater Jolyon (Rupert Graves), ein Cousin von Soames, hat vor Jahren seine Frau und June verlassen, um mit der Gouvernante Helene zusammen zu leben.
REVIEW
Über drei Generationen der Forsyte-Familie wird hier die Gesellschaft der spätviktorianischen Zeit dargestellt. Das DVD-Cover meint zum Forsyte-Clan: “Superior, arrogant and confident on the surface, beneath the imposing veneer lies a festering core of unhappy and brutal relationships, riddled with jealousy and tensions.†Ein Haufen wahnsinnig
liebenswerter und lebensfroher Leute also. Ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht – der Forsyte-Clan besteht nämlich aus zwei Armen, und während auf den einen die obige Beschreibung tatsächlich zutrifft, ist die andere Seite größtenteils von tatsächlich sympa- thischen Menschen geprägt, denen man von Herzen alles Glück der Welt wünscht.
The Forsyte Saga beschreibt eine Gesellschaft, in der es praktisch unmöglich ist gesellschaftlichen Erfolg mit persönlichem Glück zu vereinen. Entweder man wählt Status und Geld und akzeptiert dafür ein kaltes Privatleben, oder man folgt seinen Gefühlen und wird dafür von der Gesellschaft geächtet. Was natürlich in einer modernen Miniserie für eine interessante Dynamik sorgt, denn während in der viktorianischen Zeit die erste Gruppe als Norm gesehen wurde, schließlich war es damals üblich Geld und Klasse zu heiraten, ist man heute natürlich automatisch auf der Seite der zweiten Gruppe. Problematisch wird das Ganze, wenn immer wieder Figuren versuchen dieses System zu durchbrechen –
und meist kläglich scheitern.
Viele Geschichten halten die Aufmerk- samkeit der Leser/ Zuschauer damit, dass sie viele sympathische Figuren erschaffen, mit denen man mitfühlt und mitbangt. The Forsyte Saga hat zwar auch liebenswerte Figuren, eine besondere Faszination geht hier aber gerade auch von den ungemütlichen Charakteren aus. Denen wünscht man zwar keinen großen Erfolg, aber man folgt doch sehr interessiert ihrem Weg.
Damian Lewis ist großartig als Soames, er bringt das Kunststück fertig diese eigentlich abscheuliche Figur überraschend sympathisch darzustellen, so dass man stellenweise wirklich Mitleid mit ihm empfindet. Gleichzeitig ist er aber auch an anderen Stellen absolut hassenswert und ekelhaft, es besteht also nie die Gefahr, dass Soames zu nett wird. Gina McKee spielt souverän – allerdings fand ich es anfangs nicht unbedingt nachvollziehbar, warum sich alle möglichen Leute in Irene verlieben. Sie wirkt die meiste Zeit doch sehr kalt, und so umwerfen schön find ich sie jetzt auch nicht. Mit der Zeit akzeptiert man es zwar, dass offensichtlich
die ganze Männerwelt nach ihr verrückt ist, und sie ist vor allem später auch so sympathisch, dass man es ihr gerne gönnt, doch etwas irritierend ist es zu Beginn schon. Rupert Graves als Jolyon spielt ebenfalls sehr gut, seine Figur ist einer der “ich folge meinem Herzen und kümmer mich nicht um Konsequenzen”-Forsytes und damit sowieso gleich ziemlich toll. Jolyons Tochter June schlägt in die gleiche Richtung und dürfte mein Lieblingscharakter in der Story sein – zudem wird sie von Gillian Kearney auch wirklich toll gespielt. Ioan Gruffudd hat keine besonders große, aber dafür eine bedeutende Rolle, die er auch souverän ausfüllt. Überhaupt wissen die meisten Darsteller in dem großen Ensemble zu überzeugen, es finden sich ja auch einige bekannte Gesichter, die einzige die mir etwas zu gekünstelt agierte ist Amanda Ooms als Helene.
ITV braucht sich in Sachen Kulissen, Ausstattung und Kostümen auch nicht hinter der großen BBC verstecken – wie schon mit ihrer Hornblower-Serie beweisen sie auch hier ein sicheres Händchen bei der Auswahl, so dass alles stimmig, authentisch und voller schöner kleiner Details ist. Und sobald wir zeitlich im 20. Jahrhundert angelangt sind, kommt da auch desöfteren ein gewisses “Ich brauch das sofort”-Gefühl bei den Kostümen auf.
Es gibt übrigens eine Verfilmung der Story von 1949, “That Forsyte Woman”, mit Errol Flynn als Soames Forsyte. Ich würd die zu gerne sehen, Flynn als Soames hört sich klasse an, aber gemeiner weise gibt es den Film wohl nicht auf DVD.
Mein bedeutendster Kaufgrund war hier zwar Ioan Gruffudd, The Forsyte Saga lohnt sich aber auch darüber hinaus: Eine faszinierende Geschichte voller interessanter und ungewöhnlicher Charaktere, schick gefilmt und mit vielen tollen Schauspielern. Wie schön, dass es da noch eine zweite Staffel gibt. Und wie schön, dass ich sowieso noch von Damian Lewis und Rupert Graves Nachschub da hab (ja, und von Ioan natürlich auch….).
Picspam
Hier mal kurz die Herren des Forsyte-Clans vorgestellt – ich hab die älteste Generation aber mal rausgelassen, die sind zwar auch schick, aber nicht so wirklich anschmachtenswert. Ioan gehört zwar nicht wirklich zur Familie, und Ben Miles ist nur angeheiratet, aber wir wollen mal nicht so sein und nehmen die auch mit.
Damian Lewis als Soames – der elegant zwischen kalt-ekelhaft und faszinierend-anziehend pendelt.

Rupert Graves als Jolyon – hier in der zweiten Bart-Stufe, wir bekommen ihn auch noch ohne Bart und mit Schnauzer.

Ioan Gruffudd als Phil Bosinney – unter dem Hut sieht man auch nicht, was für eine böse Frisur sie ihm hier verpasst haben.

Ben Miles als Monty Dartie – er spielt klasse, aber ich muss doch immer an seinen Patrick aus Coupling denken, wenn ich ihn sehe..

Christian Coulson als Jolly – zuletzt als Midshipman in Hornblower: Loyalty über meinen Bildschirm gehüpft, besser bekannt als Tom “Voldemort” Riddle im zweiten Harry Potter Film

Julian Ovenden als Val Dartie – weil selbst Melonen auf den richtigen Köpfen schick aussehen können.

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Tags: British TV, Costume Drama, Damian Lewis, Forsyte, Ioan Gruffudd, ITV, Literaturverfilmung, Rupert Graves


18. January 2009 um 00:31
Es gibt auch eine 26teilige Fernsehserie aus dem Jahr 1967. Sie ist zwar schwarz-weiß und hauptsächlich indoors gedreht, aber sie fängt den Charakter des Buches und der Figuren sehr gut ein.
Die Box mit den 7 DVDs ist momentan für unter 20 € bei Amazon zu haben.
18. January 2009 um 13:52
Ah, sag mir doch sowas nicht, mein DVD-Regal platzt doch eh! *g* Hm, das wär auf jeden Fall ein Schnäppchen, aber 26 Folgen sind schon ziemlich viel… Ich muss ja erstmal die zweite Staffel der neuen Verfilmung ansehen, dann schaun wir weiter..