Klassikerbildung: Gene Kelly

27. February 2009

kelly-cover“The Musical is back!” hat Hugh Jackman bei der Oscarverleihung am Sonntag euphorisch verkündigt – da trifft es sich doch gut, dass ich in den letzten Tagen eh schon dabei war, mein Wissen über klassische Hollywoodmusicals etwas aufzubessern. Irgendwann kommt man schließlich an einen Punkt an dem man feststellt, dass man noch nie etwas mit Gene Kelly gesehen hat, und dass das kein tragbarer Zustand ist. Also hab ich etwas dagegen unternommen und “Singin´ in the Rain” und “An American in Paris” angeschaut.

Singin´ in the Rain (1952)

Einer dieser Filme, bei denen einfach alles stimmt. Die Geschichte wird mit viel Schwung und noch viel mehr Witz erzählt, die Einblicke in die Filmindustrie und die Seitenhiebe auf Stars und Hollywoodgepflogenheiten sind herrlich und die Charaktere wachsen einem wirklich ans Herz. kelly-singinintherainDer Film hat schließlich nicht nur wunderbare Hauptdarsteller mit Gene Kelly, Debbie Reynolds und Donald O´Connor, sondern auch unvergessliche Nebenrollen wie Jean Hagen als herrlich biestige Lina Lamont.

Und natürlich sind die Song- und Tanzsequenzen ganz große klasse. Die “Singin´ in the Rain”-Nummer ist sowieso schon ein absoluter Klassiker, da gibt es dem vielen Jubel nichts hinzuzufügen, aber viele der anderen Musicalnummern im Film stehen dem eigentlich in nichts nach, so wie “Good Morning”, “Moses Supposes” oder “Make `em laugh”. Ich hab den Film vor einer Woche gesehen, und immer noch hab ich ständig diese Songs abwechselnd als Ohrwürmer. Nicht das schlimmste, was einem passieren kann. *g*

Wer also auch nur ein kleines bisschen was für Musicals übrig hat und diesen Film noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen – ich garantiere jede Menge Spaß. Das American Film Institute hat Singin´ in the Rain auf Platz 5 ihrer “Beste amerikanische Filme aller Zeiten”-Liste gewählt – sicher nicht ganz unverdient.

An American in Paris (1951)

An American in Paris hatte auch schon viel von dem, was Singin´ in the Rain ein Jahr später so genial machen sollte, aber hier schleichen sich doch einige Probleme ein. Am meisten schwächelt wohl die Liebesgeschichte – zum einen wird die Romanze einfach nicht glaubwürdig aufgebaut, sondern ist dann halt einfach da, und zum anderen bleibt Debütantin Leslie Caron einfach ziemlich blass. Das Setting in Paris ist zwar nicht übel und auch hübsch gestaltet, es kann der schicken Hollywood-Umgebung von Singin´ in the Rain aber einfach nicht das Wasser reichen. Die Musicaleinlagen gehören in diesem Film natürlich ebenfalls zu den Highlights, ich mag kelly-straussvor allem das knuffige “I Got Rhythm”, “S Wonderful” und “By Strauss”. Allerdings tragen dann gerade wieder die Musicaleinlagen zu den Schwächen des Films bei – die Orchesternummer mit Oscar Levant ist etwas lahm, und die große Shownummer zum Finale ist zwar eigentlich ziemlich schick, aber einfach zu lang. Da hat man eine 15-Minütige Tanzeinlage ohne Gesang – wenn ich so was sehen will, guck ich Ballet und kein Hollywood-Musical.

An American in Paris ist also durchaus sehr unterhaltsam und ein guter Film – aber warum dieser Film 6 Oscars bekommen hat, während Singin´ in the Rain leer ausging, ist mir schleierhaft. (Okay, nicht wirklich – die Academy kann halt nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ausgiebig Gene-Kelly-Musicals auszeichnen. Singin´ in the Rain hätte es aber trotzdem tausendmal mehr verdient)

Und weils so schön ist, gibts gleich noch zwei Videos aus Singin’ in the Rain dazu, um euch auch mit meinen Ohrwürjmern anzustecken – zum einen den Titelsong, und zum anderen Moses Supposes, bei dem man Gene Kellys Tanzkünste anschmachten kann:

Ich will jetzt Steptanz lernen. :D

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10 Antworten zu “Klassikerbildung: Gene Kelly”

  1. phryne sagt:

    ich liebe Gene Kelly , ich mag auch Fred Astaire sehr aber Gene Kelly hat einfach mehr Charisma und sein Tanzstil hat was von genialer Improvisation, die Perfektion sticht nicht so ins Auge wie bei Fred Astaire , obwohl auch Gene Kelly ein Perfektionist war. Unbedingt sehen sollte man von Gene Kelly noch Invitation to the Dance( besonders der animierte Teil ist Klasse zu Musik von Rimsky Korsakovs Sheherazade.)

  2. Anonymous sagt:

    Wegen des langen Finaltanzes zu Ende von “An American in Paris” – das entsprach total dem Zeitgeist und dem Publikumsgeschmack damals. Da hockte man nämlich mit heruntergeklappter Kinnlade vor der Leinwand und war baff vor Staunen. Vielen konnte es gar nicht exzessiv und lang genug sein.
    Genauso wie es einmal vor ca. 150 Jahren en vogue war, in jeder Oper eine Ballettnummer haben zu müssen.
    Man muss bedenken, dass man damals keinen PC, kein Youtube und – aha! – nicht einmal Fernsehen hatte, sondern zur Unterhaltung in ein Kino gegangen ist.

  3. Maria sagt:

    @phryne: Fred Astaire steht auch auf der “muss ich jetzt wirklich mal kennen lernen”-Liste, allerdings ist da meine Stadtbücherei mager ausgestattet…
    Was ich so von Filmclips kenne, kann ich dir aber Recht geben: Astaires Tanzen sieht fantastisch aus, aber auch so, als ob es Anerkennung und Bewunderung erwarten würde. Kellys Tanzen ist wohl nicht weniger anspruchsvoll, sieht aber mehr nach Spaß aus und macht einfach gute Laune.

    @Finaltanz: Aber der Exzess wäre doch noch besser, wenn zwischendurch auch wieder gesungen wird, oder? Ich mag ja die Idee hinter dieser Schlusssequenz, und es ist ja auch wirklich alles schick umgesetzt – aber mir fehlt der Gesang. Singin in the Rain hat ja was ähnliches mit dieser langen Broadway-Nummer, die funktioniert für mich aber viel besser durch die “Gotta dance”-Einsätze zwischendurch…

  4. ezri sagt:

    Einer meiner Lieblingsfilme mit Gene Kelly ist Brigadoon. Ich hab den als Kind geliebt und Umpf-Mal am angesehen.

    Have Fun
    ezri

  5. Maria sagt:

    Ui, Brigadoon hat meine Bücherei glaub ich auch – dann muss ich den wohl das nächste Mal mitnehmen!

    Ich glaub, ich kann es meiner Statdbücherei gar nicht genug danken, dass sie sich langsam in eine kostenlose Videothek verwandelt… wobei ich ja doch immer ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich da mit einem Stapel DVDs und ohne Bücher rausmarschiere…

  6. White Rose sagt:

    Das wurde aber Zeit! Gene Kelly und Fred Astaire sind ein Muss für den Liebhaber von Filmen mit Tanz und Musik! Kelly ist ja eher der athletische Typ, während Astaire den eleganten Typ verkörpert! Das die beiden Herren sowohl Tanzen als auch singen konnten ist auch definitiv hervorzuheben, wo doch oft die Tänzer eine andere Stimme verpasst bekommen – ja auch in den frühen Hollywood Musicals!

  7. Maini sagt:

    Ich liebe Gene Kelly und mag Fred Astaire gar nicht. Unbedingt The Pirate schauen (mit der gøttlichen Judy Garland). Seiner Zeit voraus zeigt hier Gene, dass er noch mehr als steppen kann.

  8. Maini sagt:

    vergessen: Ein sehr witztiges Detail finde ich die Synchronisation bei Singin in the rain. Ich kopier einfach mal aus dem Wiki:

    Der Film hat im Original eine weitere Synchronbesonderheit: Im Film spielt Debbie Reynolds Kathy Selden, die die Umwandlung des Stummfilms in ein Musical dadurch rettet, dass sie die piepsige Stimme von Lina Lamont (Jean Hagen) synchronisiert. In Wirklichkeit fanden die Produzenten die jugendliche Stimme von Debbie Reynolds nicht damenhaft genug und ließen in der entscheidenden Synchronisationsszene Debbie Reynolds wiederum durch Jean Hagen synchronisieren, die in Wahrheit eine sehr angenehme Stimme hatte. Bei der entscheidenden Gesangsszene mit dem Lied „Would You“ traute man allerdings beiden nicht den Gesangspart zu, sondern überließ diesen, wie auch bei „You are my lucky Star“, der Sängerin Betty Noyes. Debbie Reynolds hatte also in diesem Film drei Stimmen. Ihre Originalgesangsstimme ist bei „Good morning“, sowie dem herausgeschnitteten Solo „You are my lucky Star“ (Auf der DVD Special Edition) zu hören

  9. Maria sagt:

    Tanzender Gene Kelly + Piratenfilm – das dürfte wirklich ein Film für mich sein *g*

    Die Synchrogeschichte ist herrlich, da passen Produktion und Story ja mal wieder schön zusammen *g*

  10. DVD Ein Amerikaner in Paris SE (2 DVDs) - Musikfilm - Gimahhot sagt:

    [...] Maria sagt: 11. März 2009 um 19:12. Tanzender Gene Kelly + Piratenfilm – das dürfte … http://www.mariakaefer.de if (document.getElementById('trackback_container').offsetHeight > 300) { [...]

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