Filmkritik: REBECCA
5. March 2009
Dafür, dass ich Hitchcock-Filme so gut wie immer großartig finde, kenne ich eigentlich viel zu wenige davon. Schön also, wenn meine übliche “Filme nach Schauspielern aussuchen”-Methode mich auch mal wieder zu Hitchcock führt. Hier also dessen erster Film in Hollywood, eine Verfilmung des zwei Jahre davor erschienenen Romans Rebecca von Daphne Du Maurier, mit Joan Fontaine und Laurence Olivier in den Hauptrollen. 2 Oscars gewonnen, für 9 weitere nominiert, und das absolut verdient.
Regisseur: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Robert E. Sherwood, Joan Harrison (Vorlage: Daphne Du Maurier)
Musik: Franz Waxman
Darsteller: Joan Fontaine, Laurence Olivier, Judith Anderson, George Sanders, Nigel Bruce
Erscheinungsdatum: 1940
STORY
Eine junge Frau (Joan Fontaine) aus einfachen Verhältnissen lernt in Monte Carlo den reichen Witwer Maxim de Winter (Laurence Olivier) kennen. Die beiden verlieben sich und heiraten, und ziehen in Maxims opulentes Anwesen Manderley in England. Seine junge Gattin hat jedoch Probleme, mit ihrem neuen Lebensstil klar zu kommen – und sie leidet unter der ständigen Präsenz von Maxims toter Frau Rebecca in dessen Leben, die vor einem Jahr in einem Bootsunfall umgekommen war. Besonders die Haushälterin von Manderley, Mrs Danvers (Judith Anderson), will keinen Ersatz für Rebecca an Maxims Seite sehen…
REVIEW
Ich habe Daphne Du Mauriers Roman noch nicht gelesen, also war das hier meine erste Begegnung mit der Geschichte. Es werden
ja immer wieder die Parallelen zu Jane Eyre erwähnt, allerdings finde ich, dass sich die doch ziemlich in Grenzen halten. Ein paar Ideen teilen sich die Romane, und Maxim de Winter gibt einen wunderbaren Rochester ab, das wars aber auch schon. Nicht zuletzt wegen dem Einsatz von Produzent David O. Selznick wurde der Roman hier auch recht getreu verfilmt – auch wenn den damals noch geltenden Moralrichtlinien Hollywoods ein wichtiges Detail geändert werden musste.
Die wohl größte Stärke des Films ist die Darstellung des Hauses, Manderley. Das von Rebeccas Präsenz erfüllte Haus strahlt eine unheimlich bedrückende Atmosphäre aus und entwickelt so fast ein Eigenleben. So ganz subtil ist Hitchcock dabei nicht immer, beispielsweise prangt an allen Ecken und Enden ein “R” – aber es funktioniert hervorragend. Dazu gehört natürlich auch Mrs Danvers, die man erst mal nur als etwas seltsame Haushälterin kennen lernt, die sich aber schnell zu einer fast schon
dämonischen Kraft entwickelt. Auch wiederum wenig subtil, aber extrem wirkungsvoll. Manderley und Mrs Danvers bauen zusammen eine äußerst beklemmende Stimmung auf, die sehr stark zur sich steigernden Spannung beiträgt.
Hitchcocks Inszenierung ist ja sowieso großartig – eines der besten Beispiele ist vielleicht die Szene, in der Maxim ein Geheimnis offenbart: Das ist eine 13-Minuten-Szene, in einem Raum, in der die meiste Zeit Laurence Olivier was erzählt. Das hätte so schnell langweilig werden können – unter Hitchcock wurde es zu einer der faszinierendsten Szenen im Film; ich musste mich wirklich zurückhalten beim Anschauen nicht den Film zu stoppen um die Szene gleich noch mal zu sehen.
Die Schauspieler sind auch ganz famos – die drei zentralen Darsteller wurden nicht zu unrecht für den Oscar nominiert. Joan Fontaine spielt das junge, unerfahrene und verunsicherte Mädchen mit viel Charme. Anfangs
kommt sie erfrischen natürlich rüber, später wirkt auch die zunehmende Beklemmung und Verzweiflung nicht aufgesetzt. In Jane Eyre hatte mich Fontaine nicht besonders überzeugt, in diesem Film kann sie dagegen wirklich glänzen (ich denke, es ist auch wirklich einfacher, gegenüber Olivier statt Welles zu spielen…).
Laurence Olivier darf auch strahlen, er hat ja auch eine wunderbare Rolle bekommen, in der er sich ganz ausleben kann: zum Teil verzaubernd romantisch-charmant, dann wieder mürrisch und verschlossen, zwischendurch mit Wutausbrüchen und dann wieder verzweifelt resignierend. (Und in der 17. Minute macht er so eine niedliche Geste, dass ich dafür wohl lernen muss wie man gif-Videos erstellt um sie euch zeigen zu können…)
Judith Anderson, für die Rebecca erst ihr zweiter Film war, gibt dazu eine tolle Darstellung als Mrs Danvers ab, sie ist äußerst unheimlich und bedrohlich. Dabei gelingt es ihr aber, ihre
Figur nicht ins karikative abdriften zu lassen, obwohl diese Gefahr bei so einem Charakter doch immer besteht. Hitchcock ist anscheinend bei der Darstellung der Mrs Danvers recht stark vom Buch abgewichen, aber nachdem ich das noch nicht kenne, braucht mich das ja nicht zu stören.
Rebecca ist ein großartiger Film – unheimlich, spannend, mit einer angemessenen Dosis Witz und Romantik, sehr schön gefilmt, genial inszeniert und mit tollen Darstellern. Sollte man wirklich sehen – als Olivier-Fan, als Fontaine-Fan, als Hitchcock-Fan oder einfach als Fan guter Filme.
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Tags: Alfred Hitchcock, Joan Fontaine, Klassisches Hollywood, Laurence Olivier, Literaturverfilmung

