Hörspiel: The War of the Worlds
17. March 2009
Das erste, das die meisten Leute mit Orson Welles und Radio verbinden, ist sicher die “War of the Worlds”-Adaption von 1938. Dieser Klassiker unter den Radioshows ist also ein guter Ausgangspunkt um hier im Blog mit der Besprechung von Hörspielen anzusetzen.
H.G. Wells Roman “The War of the Worlds” (1898) wurde hier von Orson Welles und seinem Mercury Theatre Team bearbeitet und am 30. Oktober 1938 ausgestrahlt. Es ist ja allgemein bekannt, dass tausende von Amerikanern die dem Programm lauschten tatsächlich glaubten, dass eine Alieninvasion stattfindet – das reichte bis zur Massenpanik. Über sowas schmunzelt man heute gern und macht sich über diese naiven und paranoiden Leute lustig, die doch tatsächlich auf einen Halloween-Radioscherz hereingefallen sind. Wer das tut, hat aber offensichtlich nie selbst The War of the Worlds angehört.
Das geniale an diesem von Robert Koch geschriebenen und von Orson Welles inszenierten Hörspiel ist, dass es als authentische Berichterstattung von einer Alieninvasion aufgezogen ist. Im ersten Teil werden verschiedenste Radiotechniken verwendet, um ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen: Vom Wetterbericht gehts zu “we interrupt this program”-Radionachrichten, Spezialinterviews mit Astronomen, Live-Berichterstattung vom UFO-Landungsort, Impressionen der Panik und des Chaos und immer wieder Einsätze von seichter Konzertmusik, dem eigentlichen Programm des Radiosenders. Es folgen Mitschnitte des Militärfunks, eine Ansprache des Innenministers an die Bevölkerung (der sich zufällig genauso anhört wie der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt), zwischendurch kurze Amateurfunkeinsätze. Immer wieder bricht die Berichterstattung ab, weil der Funk aussetzt, oder die Sprecher sterben – bis zu dem bitteren Finale des ersten Teils. “Isn’t there – anyone?”
Das ist so geschickt zusammengeschnitten, dass es tatsächlich äußerst realistisch wirkt. 40 Minuten so realistisches Radiodrama (und nach dem Beginn keine Hinweise mehr darauf, dass es nur ein Hörspiel ist) – es wundert wirklich nicht, dass das viele Leute ernst genommen haben und in der damaligen Vorkriegsstimmung ohne Fernsehen und Internet in Panik ausgebrochen sind. Heute wäre das zwar nicht mehr möglich – doch auch so bleib The War of the Worlds ein bemerkenswertes Hörspiel, dass einen sofort in seinen Bann zieht und eine großartig-beklemmende Stimmung aufbaut. Zur Verdeutlichung mal ein paar Impressionen aus dem Hörspiel:
Gute drei Minuten aus dem ersten Teil, die schön die Technik dieses Hörspiels verdeutlichen: Die Marsianer attackieren zum ersten Mal die Menschen in Grover’s Mill, New Jersey:
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Das Ende des ersten Teils – sollte man sich vielleicht nicht im Voraus anhören, sondern im Kontext genießen, aber nachdem das so berühmt ist, muss das hier auch mit rein:
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Danach ändert sich die Technik des Hörspiels nach einer Intermission (in der Zuschauer auf die Fiktivität des gerade gehörten erinnert werden) – ab nun gibt es eine monologartige Erzählung des Überlebenden Professor Pierson (Orson Welles), der durch die verlassene Landschaft und das zerstörte, menschenleere New York zieht. Der Monolog wird nur durch eine Begegnung mit einem anderen Überlebenden unterbrochen. Das ist alles nicht mehr so faszinierend und atemberaubend wie der erste Teil, aber durch die post-apokalyptischen Beschreibungen immer noch sehr stimmungsvoll. Außerdem bekommen wir hier 20 Minuten fast durchgehend Orson Welles zu hören, und das ist natürlich immer eine sehr gute Idee.
Zum Schlussgibt’s dann noch mal eine Versicherung von Orson Welles, dass das alles nicht wahr, sondern ein Halloween-Scherz war – für alle Leute, die immer noch am paniken sind:
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The War of the Worlds ist ein Meilenstein des Hörspiels und so innovativ und beeindruckend, dass sich das jeder mal angehört haben sollte, auch wenn man mit Hörspielen sonst gar nichts anfangen kann. The War of the Worlds ist wie die meisten Orson-Welles-Hörspiele inzwischen in der Public Domain, kann also frei heruntergeladen und angehört werden. Eine Liste von Welles-Hörspielen zum runterladen, die natürlich auch The War of the Worlds enthält, gibt es auf dieser Website.
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Tags: Old Time Radio, Orson Welles

18. March 2009 um 09:57
Danke für die tolle Kritik.
Da du gerne verschiedene Version miteinander vergleichst, interessiert dich nach dem Klassiker mit Orson Welles vielleicht auch die musikalische Version von Jeff Wayne mit Richard Burton als Erzähler? Es gibt die Originalfassung aus den 70gern, und später um 2004 einen Live-Mitschnitt der Welttournee – auch hier wurde Richard Burtons Stimme verwendet.
18. March 2009 um 15:37
Ahja, vielen Dank für den Tipp, ich werd mir die mal notieren.
Ich glaub, Oliver hat vor einiger Zeit auch mal den Live-Mitschnitt sehr lobend besprochen…
Das Vergleichen von verschiedenen Versionen find ich wirklich immer sehr interessant, bei Orson Welles’ Hörspielen geht das grad auch wieder sehr schön, weil der einige Hörspiele von Vorlagen gemacht hat, von denen ich auch gerade Verfilmungen gesehen habe – Rebecca und Jane Eyre zum Beispiel. Allerdings komme ich ja doch meistens bei meinen Vergleichen zu dem Schluss, dass ich alle Versionen irgendwie mag
22. March 2009 um 14:33
[...] Mehr Informationen über dieses Hörspiel erhaltet ihr hier. [...]