Big Country, Moby Dick, Guns of Navarone
23. March 2009
Die nächste Orson-Welles-Filmkritik ist schon geschrieben, aber damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich würd momentan nur Orson-Welles-Sachen gucken und hören, gibt es hier einen kleinen Einschub: Kurzkritiken zu drei Filmen mit Gregory Peck. Drei Filme, die ich wohl nie geschaut hätte, wenn Gregory Peck nicht mitspielen würde, aber deswegen such ich ja auch Filme gern nach Schauspielern aus, weil man Sachen sieht, die man sonst nicht anrühren würde. Da hätten wir einen Western mit The Big Country, eine Literaturverfilmung mit Moby Dick und einen Kriegsfilm mit The Guns of Navarone.
The Big Country (1958, Weites Land)
STORY
James McKay (Gregory Peck) kommt in den wilden Westen um seine Verlobte Patricia (Carroll Baker) zu heiraten. Dabei gerät er in den Streit, den deren Vater Major Terrill (Charles Bickford) und sein Verwalter Steve Leech (Charlton Heston) mit dem Clan von Rufus Hannassay (Burl Ives) führen – beide Parteien wollen Zugang für ihr Vieh zu dem Fluss auf dem Land von Patricias Freundin Julia Maragon (Jean Simmons).
REVIEW
William Wyler (Regisseur von Wuthering Heights) arbeitete hier nach Roman Holiday (der wird hier auch irgendwann noch mal besprochen…) zum zweiten Mal mit Gregory Peck, und drehte einen großen, langen, epischen Western. Der Film bietet eine ziemlich klassische Story mit Neuling, der gerade erst in den Westen gekommen ist und sich an die Gepflogenheiten gewöhnen muss, einer Romanze, der obligatorischen Feindschaft von zwei Parteien und natürlich ein episches Finale mit Shootout. Nichts überraschendes,
aber wirkungsvoll und unterhaltsam. Dass der Film daneben auch eine Allegorie auf den Kalten Krieg ist, ist ziemlich offensichtlich – aber zum Glück nicht besonders aufdringlich, so dass man den Film auch einfach als Western genießen kann. Um seinem Titel gerecht zu werden, bietet der Film jede Menge lange, weite Aufnahmen des amerikanischen Westens – und nachdem diese Bilder wirklich sehr schön sind, vergibt man gern, dass sich das manchmal ein wenig zieht.
Gregory Pecks Charakter ist eigentlich zu edel, moralisch und perfekt um wahr zu sein, aber Peck spielt ihn mit so viel Charme und Charisma, dass er trotzdem nicht langweilig wird sondern wirklich als toller Held funktioniert. Außerdem ist er sowieso die ideale Identifikationsfigur für mich, da er eigentlich Seefahrer ist, und den wilden Westen eben aus dieser Sicht betrachtet – und Westernhelden, die sich mit einem Kompass durch das Land navigieren, haben bei mir ja sowieso gewonnen.
Der Rest der Cast ist aber auch ziemlich klasse – da wäre Charlton Heston in einer eher kleinen, aber doch ziemlich schicken Rolle, Jean Simmons (gerade erst in Hamlet gesehen) ist sehr niedlich und charmant und Burl Ives wurde für seine kraftvolle Darstellung des Hannassay-Oberhaupts mit dem Oscar ausgezeichnet.
Zum Schmunzeln brachte mich eine Szene, in der Gregory Peck seinem Schwiegervater in spe Duellierpistolen überreicht. Ich hatte gerade für die Hausarbeit die ich momentan schreibe etwas über Chekov’s Gun geschrieben, also das Prinzip, das besagt, dass früh eingeführte Gegenstände in Storys später verwendet werden müssen, also wenn man ein Gewehr aufhängt, muss das später auch abgefeuert werden. Schön, dieses Prinzip dann gleich darauf in einem Film veranschaulicht zu bekommen, und noch dazu mit Pistolen
Moby Dick (1956)
STORY
Ishmael (Richard Basehart) drängt es zum Abenteuer auf See und so heuert er auf dem Walfänger von Captain Ahab (Gregory Peck) an. Der hat aber eigentlich ein anderes Ziel als einfach nur Wale zu fangen – er will Moby Dick erlegen, ein gefürchteter weißer Wal, der ihm einst ein Bein abriss…
REVIEW
Ich hab Moby Dick nicht gelesen, und eigentlich hab ich das auch nicht vor – über Änderungen zum Roman kann ich also nicht berichten. Viele der Probleme, die ich mit dem Film hatte, sind aber wohl Probleme, die ich genauso mit dem Buch hätte – es fällt mir schwer, mit Walfängern zu sympathisieren, es fällt mir schwer einen Wal als dämonisches Monster und Antagonisten zu sehen, und die „wir dürfen das nicht, weil Gott das nicht will“-Argumentation nervt, weil doch eine „wir dürfen das nicht, weil’s dämlich ist und Menschenleben gefährdet“-Argumentation viel
einleuchtender wäre. Ich hatte also so meine Schwierigkeiten mit dem Film – zumal diese drei Punkte auch ziemlich ausgewälzt werden, bspw die endlos langen Walschlachtsequenzen. Ansonsten ist der Film aber gut gemacht – die Actionszenen sind rasant, die Atmosphäre auf dem Schiff kommt schön rüber, das Schiff-Set ist hinreißend und der Film scheut sich auch nicht, die Handlung mit vielen ruhigen Szenen zu unterbrechen.
Gregory Peck schlägt sich tapfer als Captain Ahab, auch wenn er eigentlich deutlich zu jung für den Part ist. Er spielt etwas gar überdreht-wahnsinnig, aber irgendwie passt das ja zur Rolle und zu diesem generell recht überdreht-wahnsinnigen Film. Leo Genn spielt ganz gut als Starbuck, Richard Basehart ist etwas blass als Ishmael.
Eins der tollsten Dinge am Film ist vielleicht der Orson-Welles-Bonus: Welles tritt in einer Szene als Father Mapple auf und darf eine Predigt über (Überraschung!) Jona darbieten. Die Szene ist nicht nur wegen Orson Welles toll, sondern der herrlichen Set-Gestaltung: Welles predigt von einer Kanzel in Schiffsform herab. Das gibt dem Begriff „Kirchenschiff“ doch gleich ganz neue Bedeutungen *g*. Wenn meine Kirche so aussehen würde, würde man mich da auch öfters finden.
The Guns of Navarone
(1961, Die Kanonen von Navarone)
STORY
Zur Zeit des 2. Weltkrieges, in Griechenland: 2000 britische Soldaten sitzen auf einer Insel fest, können jedoch nicht gerettet werden, weil der einzige Seeweg von zwei mächtigen deutschen Kanonen auf Navarone geblockt wird. Eine kleine Truppe Soldaten wird losgeschickt, um diese Kanonen zu sprengen – unter ihnen Kletterexperte Capt. Keith Mallory (Gregory Peck), Sprengstoffexperte Miller (David Niven) und der Grieche Andrea Stavros (Anthony Quinn).
REVIEW
Ich hab so meine Probleme mit Kriegsfilmen, und in den Momenten in denen in The Guns of Navarone über die Pflichten von Soldaten und die schweren Bürden von Offizieren schwadroniert wird, kann ich auch herzlich wenig mit dem Film anfangen. Allerdings hält sich das in Grenzen, denn über weite Strecken ist dieser Film ein klassischer „Mutige Männer auf unmöglicher Mission“-Abenteuerfilm, und ein recht unterhaltsamer noch dazu.
Die Story besticht jetzt nicht gerade mit Innovation, doch der Film punktet auf anderen Gebieten: Der Film war einer der teuersten seiner Zeit, und das sieht man ihm auch an. Von ziemlich schicken Schiffs-Actionszenen im Sturm, über schöne Aufnahmen der griechischen Landschaften und Städtchen zu aufwändigen Sets mit jeder Menge Statisten – Guns of Navarone macht schon viel her. Vor allem aber überzeugen die Schauspieler,
ihre Charaktere und die Dynamik der Truppe. Da ist auch nichts besonders neu, das sind alles Stereotype und klassische Beziehungen zueinander, doch es ist trotzdem sehr effektiv und macht Spaß. Besonders Gregory Peck und David Niven und ihre Chemie ist großartig, aber auch Anthony Quinn macht als dritter Hauptcharakter eine gute Figur.
Laut imdb war Peck enttäuscht davon, dass so viele Zuschauer nicht erkannt haben, dass das doch eigentlich ein Antikriegsfilm ist. Äh ja. Guns of Navarone ist jetzt zwar nicht gerade ein kriegsbefürwortender Film, aber es gibt halt auch sehr wenige Szenen, die sich wirklich gegen Krieg aussprechen. Das ist halt einfach das Setting des Films, das nicht weiter bewertet, sondern einfach hingenommen wird. Aber es ehrt Gregory Peck, dass er zumindest davon überzeugt war, einen Antikriegsfilm zu drehen.
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Tags: David Niven, Gregory Peck, Klassisches Hollywood, William Wyler


26. March 2009 um 16:00
Weites Land gehört zu den Filmen, die ich mir immer wieder ansehen kann, wenn ich beim zappen mal darauf stoße, , ( ähnlich gehts mir bei “Katze auf dem heißen Blechdach” oder “die 12 Geschworenen” mit Henry Fonda, beide Must-see filme übrigens
und auch beim x-mal beste Unterhaltung)
, aber Klasse Leistung).
Gregory Peck ist als Schauspieler perfekt als Idendifikationsfigur stimmt , und ich mag die Typen die er spielt( Ahab mal ausgeschlossen
Übrigend gehörte er wohl zu den seltenen Exemplarer unter den erfolgreichen HW-Darstellern , die wohl ein glückliches Leben ohne Skandale bis ins Hohe Alter führen . Die Dokumentation über sein Leben , dass mal im Fernsehen lief, zeigte ein sehr erfülltes Leben was seine Arbeit und Familie anging.
26. March 2009 um 18:32
Ja, Gregory Peck ist wirklich bemerkenswert darin, dass er größtenteils echte Helden spielt und auch im persönlichen Leben ohne Skandale auskam – quasi ein richtiger Strahlemann mit weißer Weste. Könnte man ihm fast als langweilig auslegen, wenn er nicht so charismatisch wäre *g* Aber ich will doch demnächst mal The Boys from Brazil ansehen, in dem er Josef Mengele spielt – das kann ich mir so gar nicht vorstellen, das muss ich sehen (und natürlich spielt Laurence Olivier mit, noch ein Kaufgrund!).
26. March 2009 um 19:48
The Boys from Brazil? hmm hab ich auch noch nicht gesehen, wobei ich zugeben muss , dass ich generell wenige HW-Filme aus den 70ern gesehen habe,(und G. Peck auch eher seine früheren kenne als die späteren Filme) davor und danach die jahrzehnte viele aber die 70er sind bei mir noch eine sogenannte filmische Bildungslücke…
26. March 2009 um 20:10
Ach, meine filmischen Bildungslücken sind so weitläufig, dass ich die nichtmal in Jahrzehnte fassen könnte – ich bin eine wandelnde Bildungslücke *g* Was ja auch seine guten Seiten hat, da hat man noch so viele Klassiker vor sich und kann sich darauf freuen! Beispielsweise hab ich noch nie To Kill a Mockinbird gesehen, wobei ich mir natürlich sicher bin, dass ich den Film lieben werde, da kann ich jetzt richtig schön drauf hinhibbeln. Bzw, darauf warten, dass endlich der Roman eintrifft, den ich schon davor lesen will…
Andererseits denk ich mir beim Blick auf meine filmischen Bildungslücken auch, dass ich trotz denen ja viel mehr alte Filme sehe als die meisten anderen Leute in meinem Alter…