Filmkritik: PRINCE OF FOXES (inkl Picspam)

25. March 2009

princeoffoxes-coverWeiter geht´s mit Orson Welles, diesmal in einem ziemlich unbekannten Filmchen mit dem herrlichen deutschen Titel “In den Klauen der Borgia”. Es liegen Welten zwischen The Third Man und Prince of Foxes, und doch gibt es Gemeinsamkeiten: die Filme sind  etwa zeitgleich entstanden, Orson Welles hat in beiden Filmen nur drei Auftritte und stiehlt damit trotzdem allen anderen die Schau. Außerdem erklärt Welles´ Rolle hier als Cesare Borgia, warum er in The Third Man gerade seine berühmte Rede über die Borgia improvisiert.

Regisseur: Henry King
Drehbuch: Milton Krims (Vorlage: Samuel Shellabarger)
Musik: Alfred Newman
Darsteller: Tyrone Power, Wanda Hendrix, Everett Sloane, Orson Welles, Felix Aylmer
Erscheinungsdatum: 1949

STORY
1500: Cesare Borgia (Orson Welles) will ganz Italien erobern. Weil er weiß, dass es bessere Wege gibt als einfach mit der Armee anzugreifen, schickt er seinen Attentäter Andrea Orsini (Tyrone Power) los, um eine Stadt für ihn durch Hinterlist zu erobern. Doch Orsini verliebt sich in die Herrin der Stadt, Madonna Camilla (Wanda Hendrix), und beginnt an seinem Auftrag zu zweifeln…

REVIEW
Vielleicht ist zuerst einmal eine Erklärung angebracht, warum ich mir zum Orson-Welles-Schmachten gerade diesen weder berühmten noch hochgelobten Film ausgesucht hab, der dazu noch nichtmal leicht zu bekommen ist. Zwei Gründe: Ich hab in einem Livejournal eine vielversprechende Review gelesen (die natürlich nicht die Qualität des Films anpreist,princeoffoxes-treffen sondern den Schmachtfaktor) und dann vor allem ein Promo-Bild gesehen – Orson Welles mit dem Bart und dem Blick, wie konnte ich widerstehen?

Der Film an sich ist nett und ordentlich gemacht, aber nicht bemerkenswert. Die Handlung ist nicht nur vorhersehbar, sondern auch nicht sonderlich interessant, die Charaktere alle ziemlich typisch gezeichnet, und die zentrale Romanze lässt einen eher kalt. Dafür ist alles aber recht flott und unterhaltsam inszeniert, die Schauspieler geben sich Mühe und die Kamera filmt das ganze zwar nicht besonders innovativ, aber doch sehr ansprechend.

Ganz stolz verkündet der Film zu Beginn, dass wann immer möglich alle seine Innen- und Außenaufnahmen an den Originalschauplätzen gedreht wurden. Und das ist auch wirklich einer der erfreulichsten Aspekte des Films, gerade wenn man kürzlich so einige Historienfilme gesehen hat, die in Sets oder in Kalifornien gedreht wurden (Jane Eyre, Wuthering Heights, Hamlet) – hier dann richtige italienische Bauten und Landschaften zu sehen, ist schon eine Freude. Neben den Sets sorgen auch die Kostüme und princeoffoxes-belagerungdie Ausstattung für eine tolle Atmosphäre. Aus mangelnden Modekenntnissen der Renaissance kann ich nicht urteilen, ob die authentisch sind, doch sie wirken selten lächerlich und bieten dafür viele schöne Details zum staunen.
Auch sehr gelungen sind die Schlacht- und Kampfszenen, die offensichtlich mit viel Aufwand und Liebe zum Detail inszeniert wurden. Die Kämpfe sind energievoll gefilmt, die Belagerung ist stimmungsvoll-beklemmend gestaltet und auch wenn es interessantere Zweikämpfe gibt, sind die in Prince of Foxes auch gelungen.

Die Schauspieler sind auch ganz nett – Tyrone Power schlägt sich tapfer als Held, ist mir persönlich aber etwas zu langweilig, Wanda Hendrix hat nicht viel mehr zu tun als hübsch auszusehen und Everett Sloane als Freund unseres Helden spielt zwar etwas übertrieben, aber sehr unterhaltsam und sympathisch.

Das beste an Prince of Foxes bleibt aber Orson Welles als Cesare Borgia. Der hat offensichtlich gleich erkannt, dass so ein Film keine oscarreifen Schauspielleistungen braucht, sondern viel eher unterhaltsamen Trash-Faktor princeoffoxes-paarum die lahme Handlung auszugleichen. Und so reißt Welles bei jedem seiner Auftritte den Film an sich, schreitet genüsslich durch seine Szenen und spielt den machtgierigen Tyrann augenzwinkernd und wunderbar over-the-top. Wahrscheinlich kann man seine Szenen sogar ohne Doppeldeutigkeiten sehen, aber sobald man mal darauf aufmerksam gemacht wurde, wie viel Slash-Subtext da in seiner Beziehung zu Andrea Orsini mitschwingt, kann man das nicht mehr ausschalten – und es macht alles noch viel mehr Spaß. Welles spielt das ja auch wirklich bis zum Anschlag aus: vom suggestiven Spielen mit Orsinis Dolch in ihrer ersten gemeinsamen Szene bis zum ständigen Einhaken des Arms beim Herumspazieren im Schlosspark.
Die erste Szene der beiden gibt es auch auf Youtube, allerdings wirkt die da irgendwie nicht halb so großartig wie sie eigentlich ist, weil einem in dem kleinen Format so viele von Welles´ herrlichen Gesten und Mimiken verloren gehen.

Prince of Foxes ist ein nettes, harmloses Filmchen, auf das man gut verzichten kann – außer man steht auf Abenteuer-Kostümschinken aus der Zeit der italienischen Renaissance, oder ist so wie ich mit drei kleinen, aber herrlichen Orson-Welles-Szenen zufriedengestellt.

Cesare/Orsini Picspam

“You may go now, all of you, except… Andrea Orsini.”
*DrEvil-Finger* *verträumter-Blick*
borgia-finger

Das sieht nicht nur so aus, er knabbert hier wirklich etwas gedankenverloren an seiner Feder herum. Das Feder-Acting in dieser Szene ist überhaupt genial…
borgia-feder

“Have you the stomach for greatness?”
Das Herumspielen am Dolch könnte nicht noch zweideutiger sein…
borgia-dolch

“I congratulate myself!” – Wohl nicht nur zum eigenen Genie, sondern auch zu dem hübschen Burschen an dessen Arm er durch den Garten spaziert.
borgia-arm

“Oi! Jetzt flirtet mein Orsini auf einmal mit dieser Tussi da neben mir! Was soll das? Was hat die, was ich nicht habe?  Ah, ich habs:…”
borgia-eifersucht

“… einen tiefen Ausschnitt!! Ist’s so besser?”
borgia-ausschnitt
Ich hab vorhin erwähnt, dass die Kostüme meist stimmig sind – das hier ist die Ausnahme, ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass irgendwer so rumgelaufen ist…

Und noch ein kleiner Audioclip, weil man nicht Welles-Schmachten kann ohne auf seine Stimme zu kommen:

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