Filmkritik: BLACK FRIDAY (8/10)
28. March 2009
Weder ein Abhay-, noch ein Devdas-Film, aber trotzdem ist Black Friday unerlässliche Vorbereitung für Dev.D und darf deshalb meinen kleinen Themenkomplex starten. Dieses Dokudrama über die Bombenanschläge im März 1993 in Bombay war schließlich der Film, mit dem Dev.D-Regisseur Anurag Kashyap wirklich ins Auge der à–ffentlichkeit rückte. Eigentlich 2004 fertig gestellt, kam Black Friday nach einigen Rechtsstrittigkeiten erst 2007 in die Kinos – und ist zwischen den Mumbaier Zuganschlägen 2006 und den Anschlägen im November 2008 von trauriger Aktualität.
Regisseur: Anurag Kashyap
Drehbuch: Anurag Kashyap (Vorlage: Hussai Zaidi)
Musik: Indian Ocean
Darsteller: Kay Kay Menon, Pavan Malhotra, Aditya Shrivastava, Dibyendu Bhattacharya, Gajraj Rao, Zakir Hussein, Imtiaz Ali
Crew: Nataraja Subramanian (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2004 / 2007
STORY
Nach den Religionsunruhen im Dezember 1992 und Januar 1993 in Bombay, bei denen viele Muslime starben, plant Tiger Memon (Pavan Malhotra) einen terroristischen Vergeltungsschlag und lässt 13 Bomben in der Stadt hochgehen, die 257 Menschen ihr Leben kosten und über 700 verwunden. Polizeiinspektor Rakesh Maria (Kay Kay Menon) leitet die Ermittlungen gegen die Attentäter und kommt langsam den Drahtziehern hinter dem Anschlag auf die Spur.
REVIEW
“An eye for an eye makes the whole world blind” – mit diesem berühmten Zitat von Mahatma Gandhi gibt Black Friday gleich zu Beginn seine Zielrichtung vor. Danach geht Anurag Kashyap in seinem Dokudrama ganz nüchtern an die Ereignisse heran – wir bekommen
kein großes Drama um die Bombenattentate herum geliefert, und auch keine wirklich nervenkitzelnden Krimi-Polizeiermittlungen. Es ist viel eher ein sachliches Aufrollen der Planungen der Anschläge und der folgenden Ermittlungen – wirklich spannend und immer interessant aufgezogen. Anfangs verläuft der Film noch etwas ziellos, aber durch die Rückblenden und verschiedenen Zeitebenen entwickelt Black Friday doch bald einen fesselnden Sog – aber er bleibt auch immer etwas distanziert.
Manchmal übertreibt es Anurag Kashyap ein bisschen mit den Regieeinfällen, gerade am Anfang wirken die Farbfilter sehr irritierend – doch das bessert sich mit der Zeit. Das mag daran liegen, dass er sie sicherer einsetzt, oder daran, dass man sich einfach daran gewöhnt. Die meiste Zeit über ist seine Inszenierung aber wirklich sehr gekonnt – die Kameraarbeit, die erschütternde, aber nie effekthaschende Umsetzung der Bombenanschläge
und der Religionsunruhen, das gekonnte Einbinden von tatsächlichen Aufnahmen aus der Zeit und vor allem auch die Art, auf die ganz nebenbei ein Bild von Mumbai und ganz Indien gezeichnet und die Atmosphäre lebhaft eingefangen wird.
Black Friday bleibt recht neutral in seiner Darstellung der beteiligten Personen. Auf der einen Seite werden die Polizisten keinesfalls zu Helden stilisiert, vielmehr stellt der Film die grausamen Foltern der indischen Polizei in den Vordergrund, so dass manche der schockierendsten Szenen in diesem Film über schockierende Ereignisse auf das Konto der “Guten” gehen. Rakesh Maria darf die inhuman Methoden seiner Truppe zwar gegenüber der Presse verteidigen, doch seine Worte klingen wenig überzeugend – und während seine Männer Gefangene foltern sitzt er leicht angewidert, aber vor allem abgestumpft-unbeteiligt daneben.
Auf der anderen Seite werden auch die Attentäter nicht als dämonische Mörder dargestellt, ja noch nicht einmal wirklich als verblendete Religionsfanatiker, sondern als eigentlich ganz normale Männer, die viel verloren haben und aus Hass den falschen Weg einschlagen. Das ist zwar sicher besser als diese Männer einfach als Monster darzustellen, aber ganz ideal ist es auch nicht – so bleibt es nämlich nicht ganz nachvollziehbar, wie denn aus so harmlosen Leuten kalkulierende Mörder werden konnten. Das gilt besonders für die Männer, die der Film näher untersucht: Bhadshah Khan wirkt so naiv und gutmütig, dass man nie ganz versteht, warum sich nicht irgendwann sein Gewissen einschaltet oder ihn zumindest der Mut verlässt, und Tiger Memon scheint eigentlich so gelassen und nur an Geld interessiert, dass es seltsam wirkt, wenn er nur durch ein zerstörtes Büro zum Terroristen wird. Differenzierte Darstellungen sind ja gut, aber schlüssige Charakterentwicklung sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben.
Kleines Detail am Rande: Die etwas langgezogene, aber fantastisch gefilmte Verfolgungsjagd durch die Slums ist die direkte Vorlage für eine ähnliche Verfolgungsjagd am Anfang von Danny Boyles Slumdog Millionaire, die ebenfalls im Vorbeigehen wunderbar die Atmosphäre im Dharavi-Slum einfängt. Boyle hat sich für diese Inspirationsquelle bei Kashyap auch bedankt – wie, sehen wir dann bei Dev.D.
Black Friday ist ein bemerkenswerter Film – interessant inszeniert, mitreißend und erschütternd, aber dabei verliert er nie den Vorsatz der sachlichen Berichterstattung. Und als erste Begegnung mit Anurag Kashyap sehr beruhigend – Dev.D kann kommen, ich bin sehr, sehr zuversichtlich.
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Tags: Anurag Kashyap, Kay Kay Menon, Terrorismus

