Devdas’ Einfluss in Bollywood
2. April 2009
Bevor wir uns im Rahmen meiner Abhay/Devdas-Reihe auf die echten Devdas-Verfilmungen stürzen, schadet es nicht, wenn wir uns mal kurz ein paar nicht ganz so offensichtliche Devdas-Adaptionen aus Bollywood ins Gedächtnis rufen, und einen kurzen Blick auf den generellen Einfluss der Devdas-Geschichte auf Bollywood werfen. Also, nicht vernünftig analysierend-wissenschaftlich, sondern nur mal ganz oberflächlich und nicht immer ernst gemeint. Es gibt da nämlich ein paar Filme, deren Handlung deutliche Parallelen zu Devdas aufweist, die aber doch keine richtigen Verfilmungen sind. Und es gibt da Elemente aus Devdas, die man doch recht oft in Bollywoodfilmen trifft. Es folgen Spoiler zum generellen Verlauf der Devdas-Geschichte, aber der Schluss wird nicht verraten.
Im, Vorfeld möchte ich anmerken, dass die folgenden Gedanken ganz sicher nicht Anspruch auf Vollständigkeit erheben, und noch nichtmal den auf absolute Nachvollziehbarkeit – das ist nur das, was rausgekommen ist, nachdem ich einen Blick auf meine DVD-Sammlung geworfen hab und überlegt hab, was denn davon etwas mit Devdas zu tun hat. Da fehlt also jede Menge – und ihr seid herzlich dazu eingeladen alles, was euch noch einfällt, in den Kommentaren hinzuzufügen.
Also, fangen wir mal mit den Filmen an, die ganz deutliche klare Parallelen zu Devdas haben.
Da wäre einmal Guru Dutts Pyaasa.Ich hab es damals schon in meiner Filmkritik erwähnt: Pyaasa ist so nahe an Devdas, dass angeblich sogar Dilip Kumar die Hauptrolle abgelehnt hat, weil es ihm zu nahe an seinem gerade gespielten Devdas war. Also, was haben wir da: Guru Dutts Charakter Vijay liebt die schöne Meena seit der Schulzeit, die heiratet aber einen anderen reichen Mann. Vijay trauert seiner Liebe nach, verliert jeglichen Glauben an die Welt und versucht seinen Kummer im Alkohol zu ertrinken. Die Hure Mit Goldenem HerzTM Gulabo verliebt sich in Vijay trotz dessen abweisender Haltung und sorgt sich aufopferungsvoll um ihn. So weit, so Devdas. Irgendwie vereint Pyaasa all die tollen Sachen an Devdas und ersetzt potentiell nervige Aspekte wie das Selbstmitleid mit unverstandenem Küntlertum, sozialem Gewissen und ähnlichen tollen Sachen. Pyaasa ist natürlich noch sehr viel mehr als nur eine Devdas-Variation, doch gewisse à„hnlichkeiten sind unbestreitbar.

Guru Dutt ist sowieso ein bisschen besessen von der ganzen Devdas-Sache: in seinem nächsten Film Kaagaz Ke Phool spielt er einen Regisseur, der eine Devdas-Verfilmung inszeniert. Nicht nur das, auch die Handlung bietet ein paar à„hnlichkeiten – die Liebenden müssen sich wegen Einflüssen von außen trennen, der Held versinkt im Suff, die Heldin führt ein erfolgreiches, aber liebloses Leben und versucht ohne Erfolg ihren Helden wieder vom Alkohol loszubringen… Natürlich sind das ganz geläufige Handlungsstrukturen, aber schon allein weil eben am Anfang des Films Devdas inszeniert wird, wird man auf die Parallelen dazu besonders aufmerksam gemacht.
(Ich sollte öfters schon lang nicht mehr gesehene DVDs herauskramen – Gott, ist die Liebesgeschichte in Kaagaz Ke Phool schön. Und zum heulen. Und Waqt Ne Kiya bleibt einer der allerbesten Songs, die ganz Bollywood zu bieten hat. Ich muss wohl mal demnächst einen Beitrag über Guru Dutts geniale Songs schreiben…)

Machen wir einen Sprung nach vorn in die 70er: Muqaddar Ka Sikandar ist Devdas gekoppelt mit Masala-Drama. Die Devdas-Grundkonstellation ist wie gehabt: Tiefe Kindheitsliebe, die beiden werden aufgrund der Eltern auseinandergerissen. Sikandar trauert den Rest seines Lebens dieser Liebe hinterher, ertrinkt seinen Frust in Alkohol und sucht Zuflucht in den Armen einer Kurtisane. Weil wir eben in Masala-Terrain sind, gibt’s natürlich noch zusätzliche Verkomplizierungen, wie bspw dass sich Sikandars große Liebe in seinen besten Freund verliebt, und natürlich ist Sikandar etwas mehr Angry Young Man als Devdas – trotzdem bleibt Muqaddar Ka Sikandar prinzipiell eine 70er-Devdas-Variante.

Kommen wir zu Filmen, die nur in ein paar Aspekten an Devdas erinnern. Amitabh hat auch in anderen Filmen mit leichten Devdas-Parallelen zu tun gehabt, wenn auch in leichtfüßigeren Kontexten. Bspw in Sholay, in dem sein Freund Veeru aus Liebeskummer zu Flasche greift und in Selbstmitleid zergeht – aber daraus nicht ein Devdas-Drama macht, sondern eine der klassischen Komikszenen des Bollywoodkinos. Oder in Suhaag, in dem er nicht unbedingt Liebeskummer hat, aber doch die Kombination Kurtisane + Alkoholsucht an Devdas denken lässt.

Überhaupt ist das Hindi-Kino ja voll von Männern, die beim ersten Anflug von Liebeskummer gleich zur Flasche greifen. Gut, das ist keine Eigenheit des indischen Kinos, das machen Männer auf der ganzen Welt – aber in Bollywoodfilmen blinkt bei mir da doch immer sofort das Devdas-Warnsystem an, das jetzt einen Alkohol-Selbstmitleids-Tatenlosigkeits-Teufelskreis erwartet. Hier zum Beispiel Guide und Aap Ki Kasam.

Shahrukh hat auch schon vor seiner Devdas-Rolle mit dem Liebeskummer-Alkohol-Selbstmitleids-Thema geübt – wobei das bei ihm ja meist einfach nur in albernen Szenen endet. Wir hätten da bspw Ram Jaane oder Hum Tumhare Hain Sanam:

Und dann ist da natürlich die unendliche Weisheit von Bluffmaster: Devdas ek idiot tha. Also: Devdas war ein Depp. Belehrung über das dumme Verhalten von Devdas zum Anlass von Roy, der auch denkt, dass man seiner Freundin auf ewig hinterhertrauern muss und das am besten mit Alkohol tut. Und so sehr ich die Devdasgeschichte auch mag, hat Dittu natürlich Recht.


02. April 2009 um 20:35
[...] Bollywood, Bhangra, Skits, etc. going well!Neuer Blogeintrag: Devdas’ Einfluss in Bollywood http://www.mariakaefer.de/?p=4900Published a new post: Police complaint filed against Akshay Kumar ( [...]
02. April 2009 um 22:09
Ich geniesse es sehr, dass Du Dich neuerdings grad wieder etwas vertieft Bollywood zuwendest… Thanx, Maria! Ist ja auch wirklich immer interessant, eigene Gedanken (wie bei diesem Post hier) zu lesen, und nicht einfach: “War super” oder “Lohnt sich nicht”. Solange Du es so interessant hältst, ist es mir auch einerlei, wenn die Bollywood-Posts nur ab und zu erscheinen…
03. April 2009 um 10:28
Ja, bei mir kommt sowas immer in Schüben – nach meiner längeren Bollywoodpause bin ich jetzt wieder ganz im Bollyfieber
Ich weiß, dass das nicht gerade das beste für meine Leser ist, da wäre etwas ausgeglichenere Abwechslung wohl besser, aber ich kann halt auch nur immer da drüber schreiben, was ich gerade gesehen hab…
So wie’s aussieht, wird meine Abhay/Devdas-Reihe sowieso auch noch mit anderen Bollywoodsachen erweitert werden, es kommen ja demnächst die aktuellen Shahrukh-Filme auf DVD heraus, und Luck By Chance will ich eigentlich auch sehen – es kommt also auch noch was für die, die mit Abhay nichts anfangen können und Devdas schon immer doof fanden
03. April 2009 um 15:40
Also ich muss schon sagen, dass ich Deinen Blog sehr abwechslungsreich finde. Bolly ist toll, muss aber nicht nur sein. Ich finde auch Deine Exkursion in Richtung Nähen recht interessant, zumal ich diesbezüglich einfach 2 linke Hände habe.
Mein Film-Interesse wechselt auch in Schüben… mal Bolly, dann wieder amerikanische Action, oder auch einfach mal Drama, Serien, was auch immer.
Bleib so mit Deinem Blog, dann ist’s auch immer interessant.
03. April 2009 um 20:05
Ich mach mir nur dann immer wieder mal Sorgen, wenn irgendwas von mir länger vernachlässigt wird, wenn also so wie 2008 ein Jahr lang nur ganz wenig Bollywood vorkommt… Da wär etwas mehr Abwechslung wohl schon gut, zumindest für euch Leser.
04. April 2009 um 22:55
Bin auch ganz der Auffassung, dass Du mit Deinem Blog so bleiben sollst. Wenn ich schreibe, dass einseitig ablehnende bzw. zustimmende Kritik doch eher langweilig ist, dann meine ich eh’ nicht Deinen Blog, Maria
.
Bei “interessant” müsste man halt hinzufügen: “für wen” – da ich persönlich ja eben vor allem mit den Bollywood-Sachen etwas anfangen kann… Aber es ist doch eigentlich schon sehr richtig, wenn man über dasjenige schreibt, womit man sich gerade beschäftigt hat und was einen halt grad selber interessiert – und ‘reinzieht. Ist doch irgendwie die gute Blog-Philosophie…
04. April 2009 um 23:21
Freut mich sehr, wenn es euch gefällt, wie ich meinen Blog führe – vor allem, weil ich auch kaum was dagegen unternehmen könnte, wenn es euch nicht passen würde. Ich kann nämlich gar nicht anders.
Mein Blog ist ja kein Dienstleistungunternehmen, sondern ist ein Hobby von mir, ich mach das, weil ich gerne schreibe und weil ich vor allem Gedanken zu Filmen ect. loswerden will, mit denen ich sonst niemand nerven kann, weil kaum jemand den ich kenne da meine Interessen teilt. Das erklärt auch zum Beispiel, warum ich eher selten über Filme schreibe, die ich im Kino gesehen hab – da bin ich nämlich nicht allein, und hab danach jemanden mit dem ich über den Film reden kann, und damit weniger das Bedürfnis später noch Gedanken loswerden zu müssen.
Und deswegen könnt ich auch nie über Sachen schreiben, die mich grad gar nicht so interessieren, aber die ihr lesen wollt. Bzw, ich kann schon, ich mach ja nichts anderes in meinem Job bei der Lokalzeitung, aber das würd halt nicht mehr so viel Spaß machen. Und auf den kommt es mir ja an.