Filmkritik: MEHBOOBA (7/10)
11. April 2009
Wie angekündigt hier also die Besprechung von einem Shakti Samanta Film, als Tribut an den kürzlich Verstorbenen. Zugegeben, Mehbooba ist nicht gerade eins seiner großen Meisterwerke, aber man nimmt halt, was man hat – und weil die 70er in meiner Abhay/Devdas-Reihe sowieso kaum vertreten sind, schadet etwas psychedelische Mode zwischendurch nicht (und ja, die gibt´s hier!). Gekauft hab ich Mehbooba ursprünglich, weil Farah Khan in ihrem Om Shanti Om einige Modezitate aus diesem Film gebracht hat.
Regisseur: Shakti Samanta
Drehbuch: Gulshan Nanda
Musik: R.D. Burman
Darsteller: Rajesh Khanna, Hema Malini, Prem Chopra, Asrani, Asha Sachdev, Madan Puri, Nasir Hussain
Crew: Aloke Das Gupta (cinematography)
Erscheinungsjahr: 1976
STORY
Das Leben des erfolgreichen Sängers Suraj (Rajesh Khanna) wird kräftig durcheinander geworfen, als er wegen schlechtem Wetters in einem Dorf strandet und dort einem Geist begegnet – und sich erinnert: In einem früheren Leben war er der Palastsänger Prakash, der die Tänzerin Ratna (Hema Malini) liebte, doch wegen einer Kindheitsheirat bleibt ihnen das Glück verwehrt, doch sie versprachen einander, sich in ihrem nächsten Leben zu lieben. Prompt trifft er auf Jhumri, die genauso aussieht wie Ratna – doch Jhumri ist schon dem ungestümen Appa (Prem Chopra) versprochen…
REVIEW
Selbst wenn man jetzt nicht groß im Reinkarnationskino bewandert ist, ist die Handlung sehr vorhersehbar – man kann immer sagen, wie die nächste Szene verlaufen wird. Das stört aber nicht groß. Die Story macht trotzdem Spaß, hat ein ordentliches Tempo und wurde solide inszeniert.Was wie in so einigen Bollywoodfilmen vernachlässigt wird, ist mal wieder das ineinander Verlieben. So haben wir halt Protagonisten, die innerhalb eine Tages
von “grad kennen gelernt” zu “unsterbliche Seelenverwandtschafts-Liebe” wechseln. Das führt auch dazu, dass der Film die Kraft, die in der Geschichte eigentlich stecken würde, nicht voll ausschöpfen kann – natürlich fiebert man mit den Helden mit, aber da hätte mehr Emotion dabei sein können.
Rajesh Khannas Zeit war 1976 längst vorbei, und das zeigt sich auch: er hat sichtlich zugenommen und läuft mit einer erschreckend unvorteilhaften Frisur herum. Schauspielerisch hat er jetzt auch nichts großes zu leisten, aber trotzdem schlägt er sich wacker und passt immer noch gut in die Heldenrolle, man folgt ihm einfach gern durch den Film. Und auch optisch ist nicht alles verloren: In einer Szene hat er ein wenig Dreitagebart, und damit steigt Rajesh immer automatisch einige Stufen in der Attraktivitätsskala.
Hema Malini dürfte damit der größere Zugfaktor beim Release des Films gewesen sein, und sie spielt auch sehr ordentlich: in der ersten Hälfte ist sie etwas gar verhuscht, tanzt dafür aber ganz fantastisch (der Tanz auf der Schüssel!! Wah!), einmal reinkarniert darf sie dann ganz die klassische Hema-Rolle
des selbstsicheren Dorfmädels spielen, was ja immer Spaß macht.
Komiker Asrani hält sich sehr stark zurück und nervt eigentlich gar nicht, während Prem Chopra die ziemlich langweilig-eindimensionale Schurkenrolle
Die Kostüme sind unglaublich – im wahrsten Sinne des Wortes, man glaubt meist wirklich nicht, dass die Kostümdesigner das ernst meinen, und dass der Regisseur das durchgehen ließ. Man ist aus den 70ern ja viel gewohnt, aber das bereitet einen irgendwie nicht darauf vor, was passiert, wenn 70er-Masala die Vergangenheit darstellen will. Da hat man dann eben Kostüme, die in Richtung historisch gehen, aber nicht auf 70er-Style verzichten wollen. Uaah. Die echten 70er-Klamotten sind dann aber auch nicht gerade besser, vor allem Rajesh Khanna wird in so einige unmögliche Sachen gesteckt. Und über die lachhaften Kostüme der “Eingeborenen” brauchen wir gar nicht zu reden…
Wie gesagt hab ich Mehbooba eigentlich wegen der OSO-Vorbildfunktion gekauft, weil ich wusste, dass ein paar Kostüme aus dem Film entlehnt wurden – der blaue Anzug mit Ringelshirt, die schwarze Jacke mit weißen Nähten und ein paar ähnliche Karo-Jackets gibt´s auch (Bilder hier). Die Parallelen gehen aber noch viel weiter, bei der Handlung gibt es ja deutliche Gemeinsamkeiten, und Elemente wie das Erinnern ans frühere Leben durch Besuchen des Ortes, oder das Sehen des Geistes
weisen beide Filme auf. Und ich könnte mir sogar vorstellen, dass Farah die Idee mit dem Kronleuchter von Mehbooba hat – da gibt es nämlich recht früh im Film ein paar so ganz bedeutungsschwere, dramatische Aufnahmen von einem Kronleuchter, und man ist sich sicher, dass der noch wichtig wird. Nur um dann enttäuscht zu werden, weil das Ding nie wieder vorkommt. Farah hat das halt richtig gestellt.
Auch an Chandramukhi erinnert der Film stellenweise – was jetzt nicht unbedingt heißen soll, dass der Film von Mehbooba abgeschaut hat, sondern nur verdeutlicht, dass Reinkarnations-Geister-Geschichten in Indien einfach alle ähnliche Strukturen vorweisen.
Mehbooba ist ein unterhaltsames Reinkarnationsdrama – kein großes Kino, aber ein kurzweiler Film, der tragisches Historiendrama mit 70er-Schick und sympathischen Stars koppelt. Muss man nicht sehen, man wird es aber auch sicher nicht bereuen. Und danach vielleicht einfach nochmal Roop Tera Mastana anschauen um das geistige Bild vom hinreißenden jungen Rajesh Khanna wieder herzustellen
MUSIK
Dafür, dass die Musik von R.D Burman stammt, und sie auch eine sehr wichtige Rolle im Film einnimmt, ist sie eigentlich eher enttäuschend. Erfreulich dagegen ist, dass praktisch für jeden Song ein guter Grund gegeben ist, warum da jetzt gesungen wird
Mehbooba – eher schwaches Lied zu den Credits, das allerdings mit Riesengitarrenset punkten kann
Mere Naina (1-4) – das Leitmotiv für die beiden Liebenden ist anfangs gewöhnungsbedürfitg, aber nachdem man es eh ständig zu hören bekommt, mag man es doch irgendwann. Vor allem die von Kishore Kumar gesungene Version gefällt mir gut
Gori Tohri Painjaniya – klassisches Lied, das mir musikalisch nicht besonders liegt, aber man hört eh nicht auf die Musik wenn man dabei Hema Malini tanzen sieht
Main Tawayaf Hoon – ein Highlight des Soundtracks, ein äußerst kraftvolles, gekonnt platziertes Lied
Chalo Ri – unspektakuläres, aber nettes Dorfmädel-Lied mit dem Hema ein zweites Mal eingeführt wird
Parbat Ke Peechhe – hübsches Duett, das aber auch schnell vergessen ist.
Andere Artikel zum Thema:
Tags: Hema Malini, R.D. Burman, Rajesh Khanna, Reinkarnation, Shakti Samanta

