Filmkritik: OYE LUCKY! LUCKY OYE! (8/10)

15. April 2009

oyelucky-coverWeiter geht´s mit meiner Abhay/Devdas-Reihe, diesmal mit einem Abhay-Film aus dem von mir sträflich vernachlässigten Jahr 2008 – wie von Abhay gewohnt ein eher ungewöhnlicher, aber sehr lohnender Film, dazu auch einer der eher wenigen Abhay-Filme, die nicht im Kino gefloppt sind. Picspam gibt’s natürlich auch.
Ich hab die DVD von Moserbaer gesehen (die mit einer DVD von Ek Chali Ki Last Local kommt), aber weil ich deren Cover mit dem gelben Balken so hässlich finde, hab ich einfach mal das UTV-Cover hier reingestellt.

Regisseur: Dibaker Banerjee
Drehbuch: Dibakar Banerjee, Urmi Juvekar
Musik: Sneha Khanwalkar
Darsteller: Abhay Deol, Paresh Rawal, Neetu Chandra, Manu Rishi, Archana Puran Singh, Richa Chadda, Manjot Singh
Crew: Ronnie Screwvala (producer), Kartik Vijay (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2008

STORY
Dieb Lucky (Abhay Deol) ist nicht nur der größte Fang der Polizei seit langem, sondern auch ein Medienspektakel. Dabei fing alles ganz unspektakulär an: als Jugendlicher (Manjot Singh) wuchs er in Delhi unter seinem strengen Vater (Paresh Rawal) auf und wird dabei zum Gelegenheitsdieb. Als Erwachsener beginnt er, mit seinem Freund Bangali (Manu Rishi) für den Gangster Gogi Bhai (Paresh Rawal) zu arbeiten. Während er Delhis Häuser leerräumt und sich ihm die Polizei an die Fersen heftet, verliebt er sich in die Studentin Sonal (Neetu Chandra).

REVIEW
Die Werbekampagne hat Oye Lucky! Lucky Oye! nicht gerade einen großen Dienst erwiesen: die Plakate und der Trailer ließ den Film wie eine typische, laute, grelle Bollywoodkomödie aussehen. Davon ist OLLO aber meilenweit entfernt. Es ist eine Komödie, aber eine leise und hintersinnige, eine, die nicht auf Schenkelklopfer oder gar bollywoodtypische Hysterie setzt, sondern lieber auf feinen Humor.oyelucky-manjot Oye Lucky! Lucky Oye! ist überhaupt ein ungewöhnlicher Film- ein wenig vor sich hin plätschernd, aber nie uninteressant, nie so richtig spannend, aber doch immer absolut fesselnd, nicht besonders cool, aber entpannt und lässig, ohne so richtig sympathische Charaktere, doch mit Figuren, denen man gerne folgt, kein “So ist Delhi”-zur-Schau-stellen, aber doch mit reicher Delhi-Atmosphäre, die uns den Schauplatz näher bringt. Sicher also ein Film, der nicht jeden anspricht, der aber ungemein fasziniert, wenn man auf seiner Wellenlänge ist.

In erster Linie ist OLLO in Charakterprotrait seines Titelhelden. Lucky ist eigentlich kein Held; er verhält sich dumm und egoistisch, ist eigentlich nur auf der Suche nach Anerkennung und dabei meist auf dem falschen Weg, ohne je aus seinen Fehlern zu lernen. Ein Song des Films nennt ihn “Superdieb”, dabei ist Lucky nicht besonders gerissen und intelligent bei seinen Diebeszügen, er heckt keine unglaublichen Strategien aus, er klaut nichtmal besonders wertvolle Dinge. Seine Diebstähle bleiben immer bei schnell geklauten Autos, Fernsehern, Schmuck ect., und er macht immer weiter und weiter. oyelucky-rawalLucky klaut sicher auch, weil er Geld will und diesen Lifestyle genießt, doch für ihn ist das dazu auch eine Sucht, er kann gar nicht aufhören.

Was ich auch schön fand, war die Kaltschnäuzigkeit von Lucky. Bunty aur Babli oder Bluffmaster zum Beispiel gaben sich große Mühe um die Opfer unserer Helden als Unsympathen, Idioten oder selbst Betrüger darzustellen, die es eh nicht besser verdient haben, damit unsere Helden besser dastehen. Das gibt es bei OLLO nicht, Lucky ist ein Dieb dem seine Opfer nicht egaler sein könnten, er bestieht alles und jeden – von alten kranken Omas zu sympathischen jungen Mädchen an deren Geburtstag. Eine Szene ist da besonders bezeichnend: Lucky lehrt gerade ein Haus aus und hält plötzlich vor einem Foto inne, das die glückliche Familie im Urlaub im Schnee zeigt. Gerade als man denkt, dass Lucky auf einmal von seinem Gewissen eingeholt worden ist, zeigt die nächste Szene, dass er sogar das Familienfoto mitgenommen hat.
Kurzum: Lucky ist nicht unbedingt ein sympathischer Held, aber ein äußert faszinierender – eine Figur, wie man sie in Bollywood viel zu selten trifft. Und natürlich wird er auch von Abhay ganz klasse gepielt, er geht wie immer ganz in seiner Rolle auf.

oyelucky-neetuDann wäre da Paresh Rawal mit seiner Dreifachrolle als Luckys Vater, Gogi Bhai und Dr Handa – drei Personen, die sehr ähnliche Funktionen in Luckys Lebensabschnitten einnehmen, weshalb es durchaus Sinn macht, sie vom selben Schauspieler spielen zu lassen. Rawal ist zwar momentan eher in den bollywoodschen Brachialkomödien zuhause, passt sich aber auch sehr gut an den Ton dieses Films an. Manu Rishi gibt eine sympathische Darstellung von Luckys Freund Bangali, und dann haben wir noch drei vielversprechende Newcomer: Manjot Singh und Richa Chadda spielen souverän und erfrischend, und Neetu Chandra gibt sich als Luckys Freundin angenehm natürlich. Man wünscht sich fast, dass ihre Rolle irgendwie wichtiger wäre – doch es passt sehr gut zu diesem Film, so eine unspektakuläre, aber liebenswerte Romanze einzubauen, die keine besondere Bedeutung für die Handlung hat, aber viele kleine schöne Momente bietet und ein Gegengewicht zu Luckys Diebesleben bietet.

oyelucky-richaWie schon gesagt, kann ich bei dieser Art Film nicht garantieren, dass sie euch gefällt – Marco und das molo-Forum generell waren weniger beeindruckt, Passion for Cinema hat den Film dafür gerade zum besten Film 2008 gewählt. Für mich ist es ein wunderbares kleines Filmjuwel, ein cleveres Charakterportrait nahe am echten Leben mit viel Witz und für das Abhay-Fangirl in mir sowieso die reinste Freude.

MUSIK
Komponistin Sneha Khanwalkar ist bisher nicht unbedingt mit tollen Soundtracks aufgefallen, die Songs von OLLO sind aber ziemlich klasse – und dazu kommen noch ein paar nett eingebundene alte Filmsongs bzw traditionelle Lieder. Die Lieder laufen im Film nur im Hintergrund, bzw zu Montagen, und sind nicht groß als Songsequenzen inszeniert. Am liebsten mag ich beim Soundtrack Superchor und Oye Lucky Lucky Oye, aber die anderen hör ich auch sehr gern.

Picspam

Ich liebe Luckys Einführungsszene
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Da sieht man die Deol-Verwandtschaft: Wenn er so schaut, sieht er aus wie eine Mischung aus Dharmendra und jungem Sunny. Was nicht negativ zu verstehen ist, der junge Sunny hatte nämlich durchaus was.
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Lucky im Auto (was der Film sehr, sehr häufig bietet), plus halb verschlafener, halb staunender Aww-Blick:
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Psychedelische-Hemden-Contest zwischen Abhay und Paresh Rawal:
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Stirnrunzeln-Augenbrauen-Dackelblick – kein Wunder, dass Sonal doch nachgibt.
abhay-lucky5Superchor auf Diebeszug – am hellichten Tag und nur mit Selbstsicherheit und Charme ausgerüstet.
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Unromantischster Heiratsantrag überhaupt – aber wer will das übel nehmen, wenn er danach so knuffig mit Grübchen lächelt?
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Ich mag diese Aufnahme – sie sagt so viel über die Beziehung zwischen Lucky und Bangali:
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So eine schöne kleine Szene. Im Zusammenspiel mit Sonal ist Lucky immer direkt liebenswert.
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Wie Beth schon geschrieben hat – dieses Bild beschreibt den ganzen Film wunderbar. Lucky gelangweilt inmitten seines ganzen geklauten Zeugs, skeptisch ob er der Person an der Tür trauen kann.
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Unvorteilhafter Screenshot, Sorry, aber gut um zu illustrieren, wie unterschiedlich Abhay seine Rollen spielt: Das Grinsen das er als Lucky hat, und das man in dieser Szene sieht, hab ich von ihm noch nie zuvor gesehen, alle seine anderen Figuren grinsen anders.
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