Filmkritik: EINSTEIN AND EDDINGTON

18. April 2009

einstein-coverDavid Tennant wird heute 38 Jahre alt, und zu diesem Anlass ist wirklich etwas Tennant hier im Blog angebracht. Dafür, dass er jetzt schon so lange zu meinen Lieblings- schauspielern gehört, ist er hier ja ziemlich unterrepräsentiert. Einige Sachen, die ich mit ihm gesehen hab, hab ich hier nämlich noch nicht besprochen, und andere heb ich mir für die kommende Durststrecke bis zum nächsten Doctor-Who-Special auf. Hier also mal eine Besprechung seines letzten TV-Projekts abseits von DW, einem BBC-Film über Arthur Eddington und Albert Einstein – natürlich mit Tennant-Picspam dazu.

Regisseur: Philip Martin
Drehbuch: Peter Moffat
Darsteller: David Tennant, Andy Serkis, Rebecca Hall, Jodhi May, Jim Broadbent, Patrick Kennedy, Richard McCabe, Donald Sumpter
Crew: Mark Pybus (producer), Julian Court (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2008

STORY
1914: Arthur Eddington (David Tennant) wurde gerade zum Hauptastronomen von Cambridge ernannt, und bekommt von seinem Vorgesetzten Sir Oliver Lodge (Jim Broadbent) den Auftrag, die Arbeit von einem eher unbekannten Physiker namens Albern Einstein (Andy Serkis) zu untersuchen. Einstein wurde gerade von Max Planck (Donald Sumpter) aus der Schweiz nach Berlin gebracht, damit er dort eine neue Theorie zur Gravitation fertig stellen kann – mit der Newtons Theorie als falsch bewiesen werden könnte, was der deutschen Kriegspropaganda sehr zugute käme. Eddington ist fasziniert von Einsteins Arbeit, muss sich aber gegen seine Kollegen durchsetzen, die alle Verbindungen zu deutschen Wissenschaftlern kappen wollen.

REVIEW
Einstein and Eddington ist eine Geschichte über die Relativitätstheorie und ihren Beweis, den Eddington 1919 erbrachte – aber vor allem ist es eine Geschichte über die beiden Männer dahinter und die Hürden, die sie auf ihrem Weg zu überwinden hatten. Der Film einsteineddington-bueronimmt sich dabei natürlich so seine Freiheiten, aber wer von so einer Produktion eine strikt tatsachengetreue Präsentation erwartet, ist ja sowieso selber Schuld. Soweit ich das beurteilen kann, wird der historischen Wahrheit recht getreu gefolgt, und es gibt es keine himmelsschreienden Unwahrheiten, womit ich da schon zufrieden bin.
Einstein and Eddington will ja auch nicht nur unterrichten, sondern vor allem unterhalten und ist einfach eine gelungene Geschichte über zwei Physiker: Eigentlich grundverschieden, doch mit dem selben Ziel, beide gegen eine Verkettung von Wissenschaft und  Politik kämpfend und beide damit strauchelnd, persönliche Probleme mit ihrer Arbeit zu vereinen – sei es Familie bei Einstein oder Religion bei Eddington. Wie der Film diese Parallelen darstellt mag etwas konstruiert erscheinen, ist aber doch äußerst effektiv.

Die Art, auf die der Film physikalische Theorien vermittelt, ist natürlich sehr vereinfachend, man will ja Zuschauer die wenig mit Physik am Hut haben nicht auf der Strecke lassen, aber gerade deswegen fand ich es eigentlich sehr schön gelöst. Arthur Eddington war ja gerade dafür bekannt, dass er die Relativitätstheorie einsteineddington-matheauch anschaulich für Laien erklären konnte. Und die Szene, in der Eddington einem Kollegen und seiner Schwester beim Essen Einsteins Theorie erklärt, ist nicht nur wunderbar in der Darstellung von Eddingtons Begeisterung, sondern besticht gerade mit einer so simplen wie effektiven Veranschaulichung.
Natürlich ist auch die Darstellung des historischen Umfelds sehr gelungen; die Austattung ist wie von der BBC gewohnt ganz wunderbar authentisch – mal abgesehen von kleinen Fehlern wie den falschen Flaggen vor der Preußischen Akademie. Dafür eben lauter liebevolle Details – ich glaub, ich hab tatsächlich die Tintenflecken auf Max Plancks Hemd angesqueet. Generell ist die Inszenierung recht gelungen, nur der für so eine Geschichte etwas zu hohe Anteilan Wackelkamera nervt ein wenig.

Seit Cambridge Spies bin ich ein ziemlicher Peter Moffat Fan, und auch hier gefällt mir seine Arbeit sehr – wie er die Handlung strickt, und vor allem seine Dialoge. Manchmal sind die Dialoge zwar schon etwas gar vereinfachend und manchmal etwas gar einsteineddington-einsteinoffensichtlich dazu da, nur noch schnell Grundinformationen zu vermitteln ohne so richtig elegant zu wirken. Doch Moffat bietet ansonsten gewohnt intelligente, witzige und einfach gut geschriebene Dialoge.
Im Zusammenhang mit Cambridge Spies ist auch Patrick Kennedys Rolle in beiden Projekten interessant: er füllt nämlich beides Mal so ziemlich die exakt gleiche Rolle aus.

David Tennant spielt dabei gewohnt gut als Eddington, er liefert eine sehr ehrliche und nuancierte Darstellung, und gerade in den emotionalen Momenten, den kleinen wie den großen, geht einem der Film sehr zu Herzen. Tennant geht da auch ganz in seiner Rolle auf, man hat hier bspw nie das Gefühl, dem Doctor zuzusehen. Andy Serkis als Einstein ist ebenfalls sehr gut – Serkis neigt immer ein klein wenig zum Overacting, macht sich aber trotzdem sehr gut in dieser Rolle.
Wie man es von der BBC gewohnt ist, gibt es auch in den Nebenrollen eine ganze Reihe großartige Schauspieler die man schon aus anderen Produktionen kennt. Bei den Damen haben wir da Rebecca Hall und Jodhi May, besonders Rebecca Hall find ich hier ganz wunderbar, bei den Herren noch den großen Jim Broadbent, den immer gern gesehen Patrick Kennedy und den sympathisch spielenden Richard McCabe.

einsteineddington-tischdeckGerade für Tennant- Fans kam Einstein and Eddington zu einem sehr guten Zeitpunkt: Der Ausstieg von Tennant aus Doctor Who wurde gerade bekannt gegeben, und als Fan war man da erstmal ziemlich am Boden zerstört – als dann eben dieser Film kam. Und man daran erinnert wurde, was für wunderbare Arbeit Tennant auch abseits von Doctor Who liefert. Und mehr Filme und Serien vom Kaliber von Einstein and Eddington kann nur gut sein.

Einstein and Eddington ist ein sehr gelungener Film – er hat so seine Schwächen, doch die Stärken überwiegen ganz klar, und man bekommt ein sehr schönes Portrait zweier sehr unterschiedlicher Wissenschaftler – kurzweilig, unterhaltsam, bewegend und aufschlussreich.

Picspam

Darf ich vorstellen: Arthur Stanley Eddington, Geek. Aber als Astrophysiker 1914 darf man auch so aussehen. So glücklich sehen wir Eddington aber selten…
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… normalerweise überwiegt das Drama.
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Eddington ist Quäker und damit strenger Pazifist – wofür man sich schonmal eine blutige Nase holt.
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Schicke Close-ups, dafür gibt’s Pluspunkte:
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Eddington schleicht sich in die Bibliothek um verbotene Bücher zu lesen.
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Im Gegensatz zu manch anderen Schauspielern traut sich Tennant, auch mal nicht hübsch-kameratauglich, sondern richtig realistisch zu heulen. Was immer noch mehr wehtut.
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Standfester Eddington, entschlossen, es gegen die ganze britische Wissenschaftswelt aufzunehmen – und gleichzeitig erfüllt von innerem Schmerz den er nicht zeigen darf:
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Hab ich gesagt, dass man nie den Doctor durscheinen sieht? Ok, ich hab gelogen – es ist eine klitzekleine Doctor-Szene drin. Die hier:
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Tennant-Handporn, immer eine gute Idee.
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Und noch ein Happy!Eddington zum Abschluss. Da muss man doch einfach mitgrinsen! :D
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