Filmkritik: LUCK BY CHANCE (7/10)
5. May 2009
Damit 2009 bollywoodtechnisch nicht ganz so vernachlässigt wird wie 2008 fangen wir lieber gleich mal an mit Luck by Chance, dem Regiedebüt von Zoya Akhtar, das an den Kinokassen nicht sonderlich gut abschnitt, obwohl es ein ganz wunderbarer Film über das Filmbusiness ist. Der gleich selbst ein im Film problematisiertes Prinzip auslebt: Schließlich ist es nur durch die guten Kontakte des Akhtar-Clans möglich, dass eine Debütregisseurin so ein gigantisches Starensemble für einen Film zusammen bekommt.
Regisseur: Zoya Akhtar
Drehbuch: Zoya Akhtar
Musik: Shankar-Ehsaan-Loy
Darsteller: Farhan Akhtar, Konkona Sen Sharma, Isha Sharvani, Rishi Kapoor, Hrithik Roshan, Dimple Kapadia, Sanjay Kapoor, Juhi Chawla, und die halbe Filmwelt in Gastrollen
Crew: Farhan Akhtar, Ritesh Sidhwani (producer), Carlo Català¡n (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2009
STORY
Vikram (Farhan Akhtar) will Bollywoodstar werden und versucht dazu, in der Filmwelt Kontakte zu knüpfen. Talent zählt in Bollywood nämlich nicht allzuviel: Sona (Konkona Sen Sharma), die mit Vikram anbändelt, wartet seit drei Jahren auf ihre versprochene Durchbruchsrolle, während für die mäßig begabte Nikki (Isha Sharvani), Tocher der Schauspielerin Nina Walia (Dimple Kapadia), das Filmdebüt neben Superstar Zaffar Khan (Hrithik Roshan) unter Starproduzent Romy Rolly (Rishi Kapoor) selbstverständlich ist. Als Zaffar Khan jedoch zugunsten eines Karan-Johar-Films aus dem Projekt aussteigt, ergibt sich eine Chance für Vikram…
REVIEW
Nachdem uns Om Shanti Om den ultimativen Masala-Blick auf die Bollywood-Filmwelt geboten hat, liefert Zoya Akhtar mit Luck By Chance nun die realistische, lebensnahe Variante. Zoya kennt sich da auch aus: als Schwester von Farhan Akhtar und damit Tochter von Drehbuchgott und Songtexter Javed Akhtar und Drehbuchautorin Honey Irani und Stieftochter von Shabana Azmi ist ihre Sichtweise auf die Filmwelt durchaus eine, die auf viel Erfahrung basiert, und der wir trauen können. So wird das Filmbusiness in
Luck By Chance auch angenehm facettenreich präsentiert: Die weniger schönen Seiten werden nicht ausgespart, viele Personen, Institutionen und Mechanismen kriegen ihr Fett weg – und doch wird hier kein bitter-zynisches Bild gezeichnet, sondern es ist vielmehr eine ganze Menge Liebe für diese Welt zu spüren.
Zoya Akhtar hat unzweifelhaft viel Talent, und sehr viel Ahnung von ihrem Thema. Trotzdem haben die Story und die Inszenierung noch so ihre Schwächen – oder vielleicht gerade deswegen: Beim Versuch ein möglichst lebensnahes, realistisches Bild der Filmwelt zu zeichnen, verliert sie ein bisschen das Filmische aus dem Blickfeld. Und so plätschert die Handlung etwas ziellos dahin und reißt die Zuschauer nicht mit, der Film wird so viel zu lang. Es hilft da auch nicht, dass man langsam die Sympathie mit dem Helden verliert. Ich würd das nicht negativ anrechnen, Vikram ist nun mal so charakterisiert, und prinzipiell ist diese Mischung aus
Charme und Berechnung sehr faszinierend. Ein Antiheldentypus, der bestens in diese Handlung passt, und den man nicht allzuoft in Filmen antrifft. Vielleicht mit gutem Grund: man bleibt so immer auf Distanz zu Vikram, fühlt nicht mit ihm mit und es besteht die Gefahr, dass man ein wenig das Interesse an seinem Schicksal verliert.
Dass der Film hier strauchelt ist gerade deswegen so schade, weil ich viele Aspekte von Luck By Chance absolut liebe. In erster Linie eben die Darstellung der Filmwelt, die bestens geglückt ist, und natürlich umso mehr Spaß macht, je mehr Bollywoodwissen man hat.
Das vielleicht schönste am ganzen Film ist der Vorspann, bei dem kleine Momentaufnahmen aus dem Filmgeschäft gezeigt werden. Aber nicht der gewohnte Glitzer und Glamour, sondern hier bekommen wir eine Würdigung der kleinen Rädchen im Getriebe: die einfachen Arbeiter am Set, vom Tontechniker, übers Catering, zu den Backuptänzerinnen. Diese Würdigung der ganz normalen Beschäftigten im Filmbusiness, die sonst immer vergessen werden, ist schon schön genug, die wunderschönen Aufnahmen und Bilder von Carlos Català¡n machen diesen Vorspann dann aber zu einem ganz besonderem Highlight. Ich glaub, ich muss dazu noch einen Picspam machen.
Die Gastauftritte vieler Stars sind natürlich immer eine Freude, gerade auch, weil das nicht nur protziges Schaulaufen der Stars zum Selbstzweck ist, sondern ganz ordentlich in die Handlung integriert wurden und tatsächlich dazu dienen, die Atmosphäre lebhafter zu gestalten. Von Lieblings-Handlanger Mac Mohan bis zum majestätisch inszenierten Auftritt von Shahrukh Khan als personifizierter Bollywood-Gottheit gibt es hier sehr, sehr viel Anlass für seeliges Grinsen.
Neben den Stars die sich selbst spielen, sind natürlich auch die vielen Stars in richtigen Rollen sehr toll: Hrithik Roshan spielt den großen Star, der doch auch ganz menschliche Seiten hat (die Szene im Auto mit den Kindern ist Gold wert), Rishi Kapoor macht viel Spaß als Produzent, Juhi Chawla ist wunderbar als seine Glamourfrau und Sanjay Kapoor als ihr Filmsohn schrammt nahe an der Karikatur vorbei, passt aber doch als etwas unfähiger Regisseur. Eine große Freude ist Dimple Kapadia als alternde Filmdiva und strenge Mutter, die sowohl sehr witzige, als auch sehr bewegende Szenen bekommt. Besondere Erwähnung bekommt noch Anurag Kashyap, wenn schon sein Dev.D auf sich warten lässt, bekomm ich wenigstens den Regisseur zu sehen – und der hat wirklich sehr nette Szenen. Darf ruhig öfters schauspielern.
Und auch die eigentlichen Hauptdarsteller überzeugen: Farhan Akhtar sehe ich hier zum ersten Mal als Schauspieler, ich hoffe zwar, dass er den Regiestuhl nicht völlig verlässt, doch allzu tragisch wäre es auch nicht, weil er tatsächlich sehr gut spielt und Charme zeigt. Gerade auch bei einer Figur wie seinem Vikram ist da einiges dahinter. Konkona Sen Sharma spielt gewohnt souverän und Isha Sharvani macht sich ebenfalls ganz gut.
Luck By Chance ist ein wunderbarer Blick auf die Filmindustrie, mit sehr vielen äußerst unterhaltsamen Gaststars, guten Schauspielern und auch sehr ansprechend gefilmt und inszeniert. Die Probleme der Handlung und des Fluss des Films sind bedauerlich, doch sie sollten trotzdem niemanden davon abhalten, diesem Film eine Chance zu geben.
MUSIK
Herrje, hab ich schon lang keinen Film mehr mit Musik von Shankar-Ehsaan-Loy gesehen. Die drei garantieren aber immer noch Qualität – Luck by Chance hat zwar auch etwas schwächere Songs, aber daneben ein paar ganz großartige Lieder
Yeh Zindagi Bhi – In den Vorspann bin ich sowieso verliebt, das dazu laufende Lied unterstreicht die Magie der Bilder wunderbar: eine sanfter, aber schön melodiöser Song, der mit jedem Hören besser wird.
Baawre – Das Highlight des Films: Zoya Akhtar zeigt einen “typischen” Bollywoodsong und liefert das volle Programm: so eine wunderbar überladen-bunte und doch stimmige Songinszenierung bekommt man nicht oft (die Kostüme!!), Hrithik nimmt sich selbst aufs Korn, und der Song ist herrlich schmissig und eingängig.
Yeh Aaj Kya Ho Gaya – hübsches, eher kurzes Liedchen, unspektakulär umgesetzt
Sapnon Se Bhare Naina – nicht unbedingt mein Ding, aber im Film passt der Song ganz gut
Pyaar Ki Dastaan – nettes, wenn auch bald wieder vergessenes Stück, das als typischer Natur-Liebessong umgesetzt wurde – bei dem vor allem die hässlichen Fetzen beeindrucken, in die man Isha Sharvani gesteckt hat
Oh Rahi He – und noch ein hübscher Song zum Abspann – vor allem der Refrain ist ganz gefällig
Andere Artikel zum Thema:
Tags: Farhan Akhtar, Hrithik Roshan, Konkona Sen Sharma, Rishi Kapoor, Shankar-Ehsaan-Loy, Zoya Akhtar


15. September 2009 um 10:23
Mir hat Luck by Chance auch gut gefallen und 7/10 Punkte klingt passend, die Drehbuchstolperei v.a. im ersten Teil verhindert mehr. Bemerkenswert finde ich die Riege starker Nebendarsteller – Rishi Kapoor, Juhi Chawla, Dimple Kapadia et. al. – und wie harmonisch die Sekundenauftritte der A-Stars ins Großeganze eingegliedert wurden. Ich finde weiterhin nicht, dass Hrithik Roshan gut schauspielern kann (auch nicht, wenn der Superstar einen Superstar mimt), aber er sieht gut aus, tanzt hinreißend und stört nicht weiter. Wie er aus dem abgeriegelten Auto auf die Straßenkinder guckt, ist mir fast einen Tick zu symbolisch und überhöht (wenn auch noch noch nicht so bemüht “vielsagend” wie manche Szene in “Delhi-6″).
Ich habe das als OmdeutU an einem verregneten Spätnachmittag in einem deutschen Kino gesehen. Der Film war leicht streifig, der Sound ganz gut, die Untertitelung wirkte stimmig. Genau vier Leute saßen drin.
24. October 2009 um 18:22
[...] (…) Nachdem uns Om Shanti Om den ultimativen Masala-Blick auf die Bollywood-Filmwelt geboten hat, liefert Zoya Akhtar mit Luck By Chance nun die realistische, lebensnahe Variante. Zoya kennt sich da auch aus: als Schwester von Farhan Akhtar und damit Tochter von Drehbuchgott und Songtexter Javed Akhtar und Drehbuchautorin Honey Irani und Stieftochter von Shabana Azmi ist ihre Sichtweise auf die Filmwelt durchaus eine, die auf viel Erfahrung basiert, und der wir trauen können. So wird das Filmbusiness inluckbychance-paar Luck By Chance auch angenehm facettenreich präsentiert: (…) [...]