Hörspiel: Jane Eyre / Rebecca
15. June 2009
Der Blog wird immer noch nicht zuletzt wegen des schönen Wetters vernachlässigt, eine gute Gelegenheit also, mich einer Kategorie zu widmen, die ebenfalls ziemlich vernachlässigt wurde: den Hörspielen. Was nicht bedeutet, dass ich keine Hörspiele gehört hab, das hab ich schon, ich hab nur nicht drüber berichtet. Dann holen wir das doch mal nach mit zwei zusammenhängenden Hörspielen:Â Orson Welles Adaption von Charlotte Brontes Roman Jane Eyre und seiner Adaption von Daphne Du Mauriers Roman Rebecca, der wiederum an Jane Eyre angelegt ist. Beides recht frühe Hörspiele, 1938 entstanden – Jane Eyre ist noch aus der Mercury Theatre Zeit, und Rebecca die erste Produktion im Rahmen des Campbell Playhouse. Und weil man nicht genug Vergleiche haben kann, kann man das gleich noch mit der Verfilmung von Jane Eyre mit Orson Welles und der zeitgleich zum Hörspiel entstandenen Rebecca-Verfilmung mit Laurence Olivier vergleichen.
Von einer etwa 45 Minuten langen Adaption von Jane Eyre kann man natürlich nicht erwarten, dass der ganze Roman zufriedenstellend präsentiert wird. Um die gesamte Handlung unterzubringen, wird prinzipiell von Schlüsselszene zu Schlüsselszene gesprungen und der Rest fällt unter den Tisch bzw wird von Jane Eyre kurz erzählt – wobei Janes Kindheit und die ganze St.-John-Sache praktisch völlig gekürzt wurden. Das lässt das ganze natürlich sehr gerafft wirken, doch als akustische Ausgestaltung der wichtigsten Szenen funktioniert es ganz gut.
Mein Hauptproblem mit dieser Adaption ist wohl, dass Madeleine Carroll (kennt man aus The 39 Steps) Jane Eyre mit einer meiner Meinung nach für diesen Charakter völlig unpassenden Tonlage spricht. Carrolls Jane klingt wie eine schmachtende Diva – wenig überraschend, dass dies das gleiche Problem ist, das auch der Hollywood Jane Eyre Verfilmung von 1944 zu schaffen macht. Akzeptieren wir vielleicht einfach, dass die Showbusinessgepflogenheiten zu dieser Zeit einfach nicht zu Jane Eyre passen.
Einen erfreulicheren Vergleich der beiden Adaptionen finden wir bei Orson Welles, der beides mal mit seiner Rochester-Darbietung ein Highlight darstellt. Gut, ich als Orson-Fangirl hätte da wohl eh nicht anders urteilen können. Das Vergleichen seiner beiden Leistungen ist ganz interessant: der Radio-Welles ist noch deutlich jugendlicher, spricht klarer, ist nicht ganz so grummelig – aber schon genauso kraftvoll wie 6 Jahre später. Hier mal zum Vergleich Soundclips von einer meiner Lieblingsstellen aus Jane Eyre: Zuerst Orson Welles im Hörspiel und danach Orson Welles in der Verfilmung:
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Rebecca kann ich nun nicht mit dem Roman vergleichen, den ich noch nicht gelesen habe, doch auch hier fällt sicher viel weg, um das ganze in den zur Verfügung stehenden Zeitraum zu bringen (plus obligatorische Selbstbeweihräucherung und jede Menge Werbung für Cambell’s Chicken Soup). Doch das Hörspiel gestaltet in etwa die gleichen Szenen aus wie der Film von 1940, und es ist somit kein Problem, der Handlung zu folgen.
Hitchcock hatte düster-dramatische Bilder zur Hilfe, um die beklemmende Stimmung zu erzeugen – Welles’ Hörspiel hab ich nun aber an einem sonnigen Frühlingstag auf der Terasse gehört, und das ist ja nun nicht gerade das ideale Setting für Rebecca. Es gelingt dem Hörspiel aber trotzdem sehr gut, da eine düstere Atmosphäre zu erzeugen: Mrs Danvers ist auch hier toll und die Handlung fesselnd.
Problematisch wirds dann zum Schluss: der muss sich bei der großen Enthüllung zwar nicht wie die Filmversion dem Hollywoodmoralkodex beugen, sondern darf die Romantreue Version bieten. Danach wird dann aber aus Zeitgründen die ganze Gerichtssache extrem gekürzt, so dass man wieder nicht erfährt, was eigentlich vorgefallen ist – was ein schlechtes Licht auf unseren Helden wirft. Das war jetzt etwas gar kryptisch, also hier mal genau erklärt, aber mit großen SPOILERN: show
Die Sprecher sind gewohnt gut – Margaret Sullavan als unsere (namenlose) Heldin klingt ähnlich wie Carrolls Jane Eyre, doch nachdem ich Rebecca sowieso nur als Film aus dieser Zeit kenne, stört mich das divenhafte Geschmachte hier nicht. Orson Welles ist als Maxim de Winter auch eine Freude, wie immer. Zur Veranschaulichung hier noch ein Soundclip mit beiden Hauptdarstellern:
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Ein Highlight ist wie bei vielen Campbell Playhouse Produktionen der Plausch nach dem Hörspiel – diesmal besonders nett, weil Orson Welles Margaret Sullavan spontan für sein Theater einspannt, weil er sie näher kennen lernen will, und weil Welles und Sullavan danach noch mit der Autorin Daphne Du Maurier telephonieren! Du Maurier liest ihren vorgeschriebenen Text etwas gar offensichtlich ab, charmant sind solche Sachen aber trotzdem.
Beide Hörspiele sind in der Public Domain und damit kostenlos und legal hier im Internet Archive zu bekommen.
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