Filmkritik: HELP! (mit Picspam)
11. July 2009
Nach A Hard Day’s Night also hier noch der ein Jahr später, 1965, erschienene Beatles-Film Help!. Erneut mit eher kurzer Besprechung, und eher längerem Picspam – um zu zelebrieren, wie schick die vier damals ausgesehen haben.
Mal schaun, ob das dann reicht, oder ob mich meine wiederbelebte Beatles-Liebe noch zu mehr Besprechungen bringt. Ich würd ja sehr gern nochmal Paul Is Dead sehen, der vor Jahren im Fernsehen lief – aber ich fürchte, der wird wohl nie auf DVD erscheinen. Across the Universe hat bessere Chancen.
Regisseur: Richard Lester
Drehbuch: Charles Wood, Marc Behm
Musik: The Beatles
Darsteller: John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr, George Harrison, Leo McKern, Eleanor Bron, John Bluthal, Patrick Cargill, Victor Spinetti
Crew: David Watkin (cinematography)
Erscheinungsjahr: 1964
A Hard Day’s Night ein auf wahren Grundlagen aufgebautes spaßiges und überzogenes Denkmal der Beatlemania. Help! wirft nun alle Verankerungen in der Realität über Bord und lässt die Beatles in eine völlig abstruse Story stolpern. Nicht ganz unähnlich dem, was die Monkees etwas später mit Head veranstaltet haben, aber immerhin noch etwas weniger abgedreht. Wir haben also die Beatles auf der Flucht vor hartnäckigen Anhängern des Kaili-Kults (natürlich eine Anspielung auf Kali und den Thuggee-Kult) und vor irren Wissenschaftlern, die es auf Ringo’s Ring (und später Leben) abgesehen haben. Die Handlung an sich ist jedenfalls zum vergessen, führt aber zu jeder Menge witziger Szenen und Situationen, in denen die Beatles noch mehr als in A Hard Day’s Night ihr großes komödiantisches Talent ausspielen können.
Und auch mehr noch als in A Hard Day’s Night ist der Humor wohl auch nichts für jeden. Britischer Humor halt, der teilweise schon die Monty Pythons
vorausdeutet. Ich war jedenfalls durchgehend am Kichern und Lachen – vom albernen Kaili-Ritual über die surreale Intermission bis zum abschließenden Widmung des Films an den Erfinder der Nähmaschine. Dazwischen gibt es Gags am laufenden Band. Ringo, der ja auch schon in A Hard Day’s Night eine besondere Rolle gespielt hat, steht auch hier wieder im Mittelpunkt der Story – und das ist sehr gut so, weil Ringo herrlich komisch ist.
Als Ausrede für Songeinlagen wird zwar noch ein müdes “Wir müssen ein neues Album aufnehmen” angebracht, letztlich haben aber die Songs nichts mit der Handlung zu tun. Stört aber gar nicht. Die Songs sind selbstverständlich genial (ich mag das Help!-Album auch noch etwas lieber als A Hard Day’s Night), und da wir uns eh nicht mehr um Realismus kümmern gibt es einige sehr hübsche Umsetzungen – in den Alpen, auf den Bahamas, oder einfach in England umringt von Panzern.
Hübsch auch, dass wir nicht nur Help!-Songs bekommen, sondern auch so herzige Sachen wie eine James Bond Version und eine Indische Version von “A Hard Day’s Night”
Von Help hab ich immerhin zum Glück nur die britische DVD gesehen und kann nicht über die Synchronisation berichten – aber ich befürchte etwas ähnlich schlimmes wie bei A Hard Day’s Night. Immerhin würden einem in der Synchro die doch eher albernen falschen Akzente der Inder erspart bleiben – doch die machen ja irgendwie auch den Reiz dieser Charaktere aus.
Help! ist abgedrehter und alberner als A Hard Day’s Night – aber genauso empfehlenswert, weil herrlich witzig und unterhaltsam. Und jeder Menge Beatles-Songs, die allein sowieso jeden Film sehenswert machen würden.
Picspam
Help! hat Beatles in Farbe!! Whee! Anfangen tun wir aber doch nochmal in Schwarz-Weiß mit einem Gruppenbild:

Ich liebe auch die Sets des Films, besonders die Wohnung der Beatles. Hier George Harrisons Teil des Raums – ganz in grün, inklusive echtem Rasen als Boden (komplett mit “Keep of the Grass”-Schild), der von einem Angestellten mit zwei klappernden Gebissen gekürzt wird.

John Lennon schläft in einem im Boden versenkten Bett. Sieht klasse au – so ein Loch im Boden ist aber wohl doch gefährlich. Und unpraktisch. Egal.

Noch mehr Impressionen aus der Wohnung der Beatles: Das Blaue im Hintergrund gehört Ringo (und ist klasse), und Ringo sitzt in Johns Bett. Ringos “Jetzt bin ich schon zum Tamburin-Spielen degradiert worden”-Ausdruck ist goldig.

Weg von der Einrichtung zu den wichtigeren Sachen. Zum Beispiel Songs. Hier “You’re gonna lose that girl”, der einzige Song, der noch halbwegs zur “wir nehmen ein Album auf”-Songeinlagenausrede passt. Schick ist auch der.

Oder “Another Girl” auf den Bahamas – wunderbar spaßige Umsetzung. Und Johns Verhalten in dieser Szene erinnert mich an dieses Macro.

Noch mehr hübsche Aufnahmen von den Bahamas. Niemand anderes könnte in lila Hemd und so einer Mütze noch so gut aussehen wie John Lennon. Fakt.

Wunderbare Aufnahmen vom in den Alpen gefilmten “Ticket to Ride”. Weil mans nicht ganz gut erkennt, das sind von links Ringo, Paul, John und George.

Für solche Einfälle muss man den Film doch einfach lieben: Stromleitungen als Notenzeilen.

Die Texteinblendungen des Films sind auch klasse. Wie hier, wo George und John ausgelassen über eine Feststellung von Ringo lachen. George demonstriert die britische Redewendung “to laugh up one’s sleeve”, entspricht in etwa unserm “sich ins Fäustchen lachen”.

John Lennon hat ja in A Hard Day’s Night seine Badeszene bekommen, Paul McCartney darf nun dran: Mit Extra-Surrealismus. Geschrumpfter Paul nimmt Kaffee-Bad in Aschenbecher. Nackt, eingehüllt in ein Kaugummipapier. Tehe.

“Tüdelü… ich hab nichts gesehen…”

“Talk to the hand”

Deswegen ist Ringo einfach klasse: Selbst wenn er gerade die Nachricht erhält, dass er der nächste Kandidat für ein Kaili-Opfer-Ritual ist, sieht er dabei unglaublich witzig aus.

George rockt das Shammi-Kapoor-Frisurstyling, während John selbst in Shirts mit albernen Hippie-Kragen einfach hinreissend aussieht.

Ringo is not amused: Die Kaili-Anhänger ruinieren ständig seine Klamotten, weil er zum Opfer rot angemalt sein muss.

Paul McCartneys Haare haben sich eindeutig am besten gehalten – die der anderen drei tendieren schon ganz leicht zu den etwas fragwürdigen Mops zu denen sie bald mutieren werden…

John beim Singen. Hach. Ich darf gar nicht sagen, wie oft ich die “You’ve got to hide your love away”-Szene geschaut hab, obwohl die Umsetzung gar nichts so besonderes ist…

Und nochmal alle vier zum Abschluss. Ich liebe Johns genervt-abschätziges “Get out” in der Szene. Aber wenn man Bösewichte mit einem Lampenschirm bedroht, dann darf man auch abschätzig sein.

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Tags: Picspam, The Beatles

