Brontë-Klassiker für Kinder?

29. July 2009

whkinderTrotz aller Buchliebe frage ich mich bei manchen Büchern doch, was das eigentlich soll: Die Real Reads Reihe bietet Nacherzählungen von Klassikern der Literatur für Kinder, und morgen erscheinen davon zwei neue Bücher: Jane Eyre und Wuthering Heights, nacherzählt von Gill Tavner, mit Illustrationen von Vanessa Lubach.
Nun – ich bin ja völlig dafür, dass Kinder viel lesen, und es ist immer eine gute Idee, Klassiker der Weltliteratur zu lesen. Aber muss man das denn kombinieren? Muss man Kinder an Klassiker heranführen, indem man ihnen vereinfachte Versionen schreibt? Besonders bei Wuthering Heights erscheint mir so ein Unternehmen höchst fragwürdig: der Stoff ist einfach nicht kindgerecht, ich denke die allerwenigsten Kinder sind interessiert an einer Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe, durch die die Charaktere sich selbst und alle in ihrer Umgebung kaputt machen. Warum sollten Kinder dazu einen Bezug haben? Und vor allem: Der Roman wird durch so eine Nacherzählung ja doch ziemlich auf seine Handlung reduziert – und es ist doch nicht die reine Handlung, die solche Klassiker so lesenswert machen. Schreibstil, Erzähltechnik etc sind dabei doch genauso wichtig. Eine Nacherzählung kann das nie richtig einfangen – und macht damit wohl jeden noch so faszinierenden Roman langweilig. Die Handlung an sich ist es nicht, was an Jane Eyre so begeistert…
Es ist ja ein schöner Ansatz, Klassiker für möglichst jeden zugänglich zu machen. Aber es gibt halt doch Romane, die man einfach erst dann lesen sollte, wenn man alt genug ist, die Originale zu verstehen.

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4 Antworten zu “Brontë-Klassiker für Kinder?”

  1. Chandeli sagt:

    Ich glaub, ich kann Dir sagen, warum man sich gerade Wuthering Heights ausgesucht hat für die Kinderversion. Das Buch kommt ziemlich prominent in der Twilight-Saga vor ;o)

  2. Maria sagt:

    Ah, ja, ich hab gelesen, dass da die Beziehung zwischen Edward und Bella mit der von Heathcliff und Catherine verglichen wird. Einer der vielen Punkte, wegen denen ich Twilight nicht mag ;-) Aber es passt schon auch zur höchst fragwürdigen Liebeskonzeption in Twilight, dass der Held mit einem grausamen Charakter wie Heathcliff verglichen wird :?

    (Mit einiger Wahrscheinlichkeit komm ich bei meinem Urlaub übrigens auch am Twilight-Schauplatz Forks vorbei – vielleicht sollte ich noch einen Pfahl ins Handgepäck werfen, falls mir glitzernde Vampire über den Weg laufen…)

  3. Chandeli sagt:

    Na ja, so ganz verglichen werden die Beziehungen nicht. Wenn ich nächste Woche mal Zeit hab, guck ich nochmal nach, wie das genau war. Ich bring es nicht mehr ganz zusammen, aber wenn Edward wirklich mit Heathcliff verglichen wird, dann macht er das selbst und er hat ja eine recht vernichtende Selbsteinschätzung. Insofern….
    Auf alle Fälle liest Bella dieses Buch bis es fast auseinander fällt.

    Und für Forks solltest Du Dir lieber eine Regenkombi einpacken – wird von größerem Nutzen sein. ;) Vor allem weil man glitzernde Vampire in Stücke reißen und verbrennen muß. Da kommste mit Deinem Pfahl nicht weit.

  4. Maria sagt:

    Sehen wir es also optimistisch: Wenn auch nur ein Twilight-Leser deswegen Wuthering Heights liest (also die Originalversion und keine Kindernacherzählung), dann wars das fast schon wert. :D

    Ah, ich hätts mir denken können, dass die Twilight-Vampire nicht mal die traditionellen Todesmethoden richtig hinbekommen ;-) Der Wetterbericht sagt eigentlich strahlenden Sonnenschein für den Tag an dem wir in Forks-Nähe sein werden – da sollten dann eh keine Vampire unterwegs sein.

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