Filmkritik: CONTROL
31. July 2009
Nach Across the Universe ein weiterer Film über Musik von 2007 mit Joe Anderson, der doch in eine völlig andere Richtung geht: Control ist ein Biopic über Ian Curtis, den Sänger von Joy Division (aus denen später New Order wurde), der sich 1980 das Leben nahm. Der Film basiert auf dem Buch “Touching from a Distance” von Curtis’ Witwe Deborah – es ist also kein “Sex, Drugs and Rock’n'Roll” Band-Film, sondern vielmehr ein sehr persönlicher Blick auf einen Mann dem sein Leben über den Kopf wächst.
Regisseur: Anton Corbijn
Drehbuch: Matt Greenhalgh, nach Vorlage von Deborah Curtis
Musik: Joy Division, New Order
Darsteller: Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara, Joe Anderson, James Anthony Pearson, Harry Treadaway, Craig Parkinson, Toby Kebbell
Crew: Martin Ruhe (cinematography)
Erscheinungsjahr: 2007
STORY
Ian Curtis (Sam Riley) lebt ein tristes, ereignisloses Leben in Macclesfield. Sehr jung heiratet er seine Freundin Deborah (Samantha Morton), und gründet mit Bernard Sumner (James Anthony Pearson), Peter Hook (Joe Anderson) und Stephen Morris (Harry Treadaway) die Band Joy Division. Doch die Dinge gleiten Ian aus der Hand: er erkrankt an Epilepsie und versucht seiner freudlosen Ehe mit einer Affaire mit Annik Honorà© (Alexandra Maria Lara) zu entkommen, während ihm der Druck durch den Erfolg der Band zuviel wird…
REVIEW
Obligatorische Notiz vor so einem Film, der ja auch irgendwo mit Fan-Sein zusammenhängt: Ich bin kein großer Joy-Division-Fan – ich mag die Musik, ich kenn die meisten Songs, aber abgesehen von Ian Curtis’ Selbstmord weiß ich praktisch nichts über deren Geschichte.
Gut, ich hab mal eine Doku über Factory Records geguckt, weil John Simm die erzählt hat. Jedenfalls kann ich nicht beurteilen, inwiefern die dargestellten Ereignisse der Wahrheit entsprechen.
Wichtiger aber: Ich kann bestätigen, dass Control nicht nur ein Film für Fans ist, sondern auch normale, Joy-Division-zugeneigte Leuten begeistert. Und ich würd sogar so weit gehen, zu sagen, dass einem Control auch gefallen kann, wenn man Joy Division eigentlich gar nicht wirklich kennt. Control funktioniert genauso gut als
Regisseur Anton Corbijn drehte mit Control seinen ersten Spielfilm, aber auch wenn er auf dem Gebiet wenig Erfahrung hatte, konnte er auf andere wichtige Ressourcen zurückgreifen: er begann seine Karriere als Fotograf, hat viele Musikvideos gedreht, weiß also, wie man Musik richtig umsetzt – und
vor allem hat er selbst mit Joy Division gearbeitet und liebt ihre Musik. Und all diese Dinge merkt man dem Film auch an.
Control ist ein sehr ruhiger, stiller Film, der es vermeidet Dinge ausführlich zu bereden oder plakativ darzustellen, und lieber mit leisen Szenen vieles vermittelt. Abgesehen von den Joy Division Songs und diversen anderen eingespielten Liedern von David Bowie bis Iggy Pop gibt es kaum Hintergrundmusik. Dagegen setzt Corbijn ganz auf seine Bilder und fängt die Geschichte in so eleganten wie präzisen Schwarz-Weiß-Aufnahmen ein. Diese ja doch eher ungewöhnliche Inszenierung läuft aber nie Gefahr, sperrig und verkünstlet zu wirken – es passt einfach gut zu Joy Division, und trotz dem ruhigen Erzählen entwickelt der Film einen starken Sog, der einen in die Handlung hineinzieht.
Dass Control so mitreißt, liegt auch an den hervorragenden Schauspielern: Sam Riley und Samatha Morton stellen ihre Charaktere so lebensnah und verletzlich dar, dass man als Zuschauer ganz nah an ihrem Leid dran ist. Die restliche Cast gibt guten Support und sorgt für ein paar fröhlichere Momente, aber letztlich werden sie von den beiden Hauptdarsteller immer in den Schatten gestellt.
Natürlich ist die Musik wichtig, aber weniger um ihrer selbst Willen, als als Ausdrucksmittel für Curtis. Musikalische Arrangements werden da nie diskutiert, dafür aber die Lyrics in den Vordergrund gestellt, oft auch nicht gesungen sondern als Voice over vorgetragen. Und natürlich Curtis’ Performance auf der Bühne. Die Auftritte sind sowieso bemerkenswert: Die Schauspieler spielen und singen hier selbst.
Das verleiht dem Ganzen eine authentische Atmosphäre – und vor allem klingen die Vier absolut wie Joy Division. Respekt.
Die beiden wohl bekanntesten Songs von Joy Division, “Love Will Tear Us Apart” und “Atmosphere” werden dann in der Originalversion verwendet – beides Mal mit einem sehr wirkungsvollen Ergebnis.
Egal, ob man jetzt Joy-Divison-Fan ist oder nicht: Control ist ein höchst faszinierender und sehenswerter Film, und ein schönes Denkmal für Ian Curtis. Wer sich da von den Schwarz-Weiß-Bildern abschrecken lässt, ist selbst schuld. Und ich überlege jetzt, ob ich 24 Hour Party People sehen will, der die Geschichte von Factory Records erzählt, und eine sehr verführerische Cast vorzuweisen hat…
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Tags: Biopic, Joe Anderson, Joy Division, Sam Riley, Samantha Morton

