JANE EYRE (1983)
11. August 2009
Bevor es vor der hier im Blog schon beprochenen Jane Eyre Miniserie von 2006 eine etwas längere Pause gab, brachte die BBC immer schön im Abstand von 10 Jahren neue Adaptionen heraus: 1963, 1973 und 1983 eben diese Miniserie mit Zelah Clarke als Jane Eyre und dem späteren Bond Timothy Dalton als Rochester.
Mit einem für Kostümdramen eher ungewöhnlichem Format von 11 knapp halbstündigen Episoden dürfte diese Miniserie die längste BBC-Adaption sein.
Regisseur: Julian Amyes
Drehbuch: Alexander Baron (Vorlage: Charlotte Brontë)
Musik: Paul Reade
Darsteller: Zelah Clarke, Timothy Dalton, Sian Pattenden, Mary Tamm, Andrew Bicknell
Erscheinungsdatum: 1983
STORY
Die kleine Waise Jane Eyre (Sian Pattenden) wird von ihrer Tante, bei der sie aufwächst, verachtet, und so ist es auch eine Erleichterung für sie, als sie in eine strenge Schule abgeschoben wird. Als erwachsene Frau (Zelah Clarke) will sie nichts mehr mit ihrer Verwandtschaft zu tun haben und sucht sich eine Stelle als Gouvernante. Diese findet sie auf Thornfield Hall bei dem verschlossenen Edward Rochester (Timothy Dalton), dessen Adoptivtochter Adele sie unterrichten soll. Jane und Rochester entwickeln bald eine tiefe Freundschaft, doch Rochester plant nicht nur die schöne Blanche Ingram (Mary Tamm) zu heiraten, sondern verbirgt auch noch eine Geheimnis aus seiner Vergangenheit. Zudem tun sich auf Thornfield Hall ungewöhnliche Dinge…
REVIEW
Es ist schon eine Umstellung, wenn man BBC-Kostümdramen der letzten 15 Jahre gewöhnt ist. Inszenatorische Raffinesse sucht man in dieser Adaption vergebens: Das beschränkt sich hier alles auf Licht anknipsen, Kamera draufhalten und losfilmen.
Flache Ausleuchtung, uninspirierte Bildkompositionen und statische Kameraführung – beim Erzeugen von Emotionen oder Spannung sind die Schauspieler da ziemlich auf sich allein gestellt. So ganz will ich das auch nicht mit einem “in den 80ern war Fernsehen halt noch nicht so spektakulär” abwinken – schließlich hat die BBC zur selben Zeit in Doctor Who den Willen zu deutlich interessantere Inszenierungen bewiesen, und das ist eine Kinderserie mit magerem Budget! Also lags wohl eher daran, dass man dachte, dass eine Romanklassikeradaption sowas einfach nicht nötig hat – wenn wir optimistisch sind, können wir ja glauben, dass da einfach auf die Stärke der Vorlage vertraut wurde. Immerhin sind Kostüme und Ausstattung ganz ordentlich, auch wenn sie nur selten in Szene gesetzt werden, und in den wenigen Szenen in denen sich die Miniserie aus den Sets heraus in die Natur wagt, macht sie das auch recht schick.
Unter dieser unkreativen Inszenierung muss vor allem das Schauerelement der Story leiden: eine gruselige Atmosphäre wird hier nie erreicht, weil Thornfield stets wie ein gemütliches altes Haus wirkt, das unheimliche Lachen sich meist wie das freundliche Lachen über einen netten Witz anhört, und nächtliche Episoden mit herumspukenden Gestalten genauso desinteressiert gefilmt werden wie alltägliche Dialogszenen bei Tags.
Etwas irritierend ist die auch stellenweise eingesetzte Erzählerstimme von Jane. Das kann man bei Jane Eyre schon machen, aber hier wird das ziemlich unkonsequent eingesetzt, so dass es ziemlich wie ein faules “wir wussten halt nicht, wie wir diese Information sonst vermitteln können”-Hilfsmittel wirkt und einen aus der Handlung wirft.
Damit liegt also der ganze Augenmerk auf den Schauspielern – und hier kann diese Miniserie punkten, das Casting ist wirklich sehr gelungen (etwas, worauf man sich
bei der BBC halt doch immer verlassen kann). Zelah Clarke gibt eine sehr sympathische Jane ab, in manchen Szenen finde ich sie zwar einen Tick zu leidenschaftslos, aber sonst passt sie gut in die Rolle. Timothy Dalton ist auch ein toller Rochester, auch wenn er wie wohl die allermeisten Rochester-Darsteller eigentlich zu hübsch ist, und bringt sowohl dessen Witz als auch seine Forschheit gut heraus. Und seine Stimme! Hach. Einen längeren Eindruck kann man sich davon in diesem Clip verschaffen, zum Zwecke des Vergleichs mit Orson Welles Rochester gibt´s hier noch einen Audioclip von der gleichen Stelle:
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
(Noch eine kleine Casting-Notiz nebenbei: Timothy Dalton werden wir ja zu Weihnachten in Doctor Who sehen, diese Miniserie hat aber noch mehr DW-Personal dabei: Mary Tamm, die erste Darstellerin von Romana, spielt die Blanche Ingram)
Wer auf Vorlagentreue Wert legt, dürfte hier sehr zufrieden sein: diese Miniserie folgt dem Roman sehr getreu. Es ist nicht immer unbedingt der beste Weg, sich bei einer Verfilmung sklavisch an die Vorlage zu halten, häufig tun Abweichungen ganz gut, weil in Filmen einfach andere Dinge wirken als in Romanen. Hier funktioniert die Vorlagentreue meist ganz gut – es hätte zwar alles etwas schwungvoller umgesetzt werden können, aber die Einteilung in knappe, halbstündige Episoden hilft ja auch die Entstehung von Längen zu vermeiden. Vor allem sieht
man so Teile des Romans in aller Ausführlichkeit, die bei Verfilmungen gern unter den Teppich gekehrt werden: Janes Kindheit und die St.-John-Episode
Diese Vorlagentreue bedeutet vor allem auch, dass sich die Dialoge sehr eng an Brontës Roman halten – immer ein Grund zur Freue, und etwas, was ich bei der neueren BBC-Miniserie schon vermisse.
Die fade Inszenierung kann einem schon etwas den Sehspaß vermiesen, dabei ist diese Miniserie eigentlich eine ganz gelungene Adaption mit großen Pluspunkten. Timothy Dalton zum Beispiel. Und Brontë-Originaldialoge in Daltons Stimme vorgetragen. Und vermutlich auch Dinge, die ich übersehen habe, weil ich mit Dalton-Anhimmeln beschäftigt war.
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Tags: BBC, British TV, Bronte, Costume Drama, Jane Eyre, Literaturverfilmung, Timothy Dalton

12. August 2009 um 17:08
Auf die Verfilmung freue ich mich schon, zum einen wegen der von Dir schon erwähnten Ausführlichkeit und zum anderen, weil ich Timothy Dalton sehr schätze und den mir auch gut als Mr. Rochester vorstellen kann. Bis ich da bin, werden aber wohl noch ein paar Wochen und Verfilmungen ins Land gehen.
Wegen der inszenatorischen Schlichtheit hoffe ich ja immer noch, dass man sich an diese statischen Schwummerbilder und das Flackerlicht irgendwie gewöhnen kann. Puh. Gerade gestern habe ich mal probeweise die BBC-Verfilmung von “Wuthering Heights” (1978) reingeschmissen, die ich mir als nächstes vornehmen will und auch da…. *Augen verdrehe*
13. August 2009 um 20:08
Solange mich eine Produktion mit anderen Faktoren begeistern kann, kann ich über eine langweilige Inszenierung meist recht gut hinwegsehen – und ich glaube, man gewöhnt sich mit der Zeit schon etwas daran. Ärgerlich ist es aber trotzdem immer, weil ja eigentlich viel Potential in diesen alten Verfilmungen steckt, und man das mit nur wenig Aufwand ausschöpfen können hätte.
Bei Wuthering Heights stelle ich mir das noch schwerwiegender vor, da braucht man ja doch einfach eine ordentliche Inszenierung um Atmosphäre zu erzeugen, oder? Das hat mich schon bei der ja noch relativ neuen TV-Verfilmung von 1998 gestört, ich will gar nicht wissen, wie das 20 Jahre früher ausgesehen hat
07. September 2009 um 18:34
Trotz der etwas einfallslosen Inszenierung ist mir diese JE-Verfilmung doch mit am liebsten. Gut – TD punktet da halt ganz enorm bei mir…
30. May 2010 um 07:58
“Jane Eyre” zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und somit habe ich schon ziemlich viele Verfilmungen gesehen und muss sagen, dass mir die Version von 1983 am besten gefällt.
Timothy Dalton ist der perfekte Rochester und ich finde auch, dass Zelah Clarke die Rolle der Jane gut dargestellt hat.
Ich meine, dass die schauspielerischen Leistungen die, von manchen als vielleicht schlecht empfundene Inszenierung, wettmachen.
An die zweite Stelle würde ich dann die Version von 2006 mit Toby Stephens reihen, die ebenfalls sehenswert ist. Jede Verfilmung hat eben ihren eigenen Reiz und Charme.
Einfach einmal vergleichen….