SPOOKS, Series 3
13. September 2009
Ich hätte eigentlich wichtigere Uni-Dinge zu tun, aber Spooks-Gucken macht ziemlich süchtig, deswegen geht es gleich weiter mit der dritten Staffel – in der sich nun einiges ändert. Da man der Information nun fünf Jahre nach der Ausstrahlung sowieso nicht aus dem Weg gehen kann (außer man hat kein Internet und schaut DVDs ohne einen Blick auf die Cover zu werfen), werte ich es nicht als Spoiler zu sagen, dass sich die Besetzung ziemlich ändert – wann und wie wird von mir aber selbstverständlich nicht verraten, es kann also jeder ohne Bedenken diese Review lesen.
Regisseur: Jonny Campbell, Cilla Ware, Justin Chadwick, Bill Anderson, Alrick Riley
Drehbuch: Howard Brenton, Rupert Walters, Ben Richards, David Wolstencroft, Raymond Khoury
Musik: Jennie Muskett
Darsteller: Rupert Penry-Jones, Keeley Hawes, David Oyelowo, Peter Firth, Olga Sosnovska, Matthew Macfadyen, Nicola Walker, Tim McInnerny, Shauna Macdonald, Hugh Simon, Rory MacGregor
Erscheinungsdatum: 2004
REVIEW
Nach zwei Staffeln, die sich sehr ähnlich waren, tut sich jetzt bei der dritten Staffel Spooks eine ganze Menge: So manche der bisherigen Protagonisten treten ab, einige neue Teammitglieder stoßen dazu – und leider schwankt diesmal auch die Qualität der Episoden. Neben einigen gewohnt hervorragenden Folgen gibt es auch Episoden, die durch schwächere Elemente heruntergezogen werden und sogar
Episoden, die eigentlich ziemlicher Quatsch sind.
Die vielen Wechsel der Charaktere helfen da natürlich nicht gerade, weil sie etwas die eigentliche Handlung überschatten, doch auch darüber hinaus straucheln die Autoren desöfteren mit ihren Storys.
Beispielsweise bei den Privatleben-Handlungssträngen: Da bringt man die ganze zweite Staffel damit zu, langsam eine Beziehung zwischen Danny und Sam aufzubauen, nur um diese dann ohne weiteren Kommentar fallen zu lassen und auf einmal eine unpassende, unnötige Liebe von Danny für Zoe aus der Luft zu zaubern. Was soll das? Und auch Ruth hats nicht leicht: ich bin zwar eigentlich sehr dafür, diesen Charakter mehr auszuleuchten, aber ihre “arme, einsame Ruth”-Geschichten gehen doch eher auf die Nerven. Bspw wird eine eigentlich sehr ernste und intensive Episode über die schwere Bürde des Tötens im Auftrag von MI5 dadurch untergraben, dass wir nebenbei Ruth beim zögerlichen Flirten zusehen müssen.
Und auch sonst hängen die einzelnen Episoden nicht so elegant aneinander wie in den bisherigen Staffeln sondern sorgen für Reibungen. Beispiel: Man verbringt eine ganze Episode damit klar
zu stellen, wie hart es ist, einen Menschen töten zu müssen. Dann hat man eine ganze Episode, die darstellt, mit welchen bitteren Konsequenzen zu rechnen ist, wenn MI5 einen Tod verursacht. Und was macht die nächste Folge? Sie zeigt ohne weitere Diskussion wie das Team mal wieder jemanden kaltblütig umbringt. Ja, das ist hier an anderer Fall als in den beiden vorausgegangenen Episoden, trotzdem wirkt das in diesem Kontext ziemlich unglücklich.
Irritierend auch die seltsamen Anspielungen auf echte Persönlichkeiten in dieser Staffel. Schriftsteller Zuli in der dritten Episode ist eine müde Kopie von Salman Rushdie, und wie man den von Andy Serkis gespielten Riff in der 8. Episode als britischen Kurt Cobain mit Elementen aus Eric Claptons Leben darstellt, ist einfach nur noch albern. Überhaupt ist diese Episode ein ziemlicher Tiefpunkt – ich würd ja jeden dazu auffordern, die ganz auszulassen, wenn darin nicht eine wichtige Figur ordentlich eingeführt werden würde.
Das war jetzt viel gemeckert, dabei soll hier jetzt aber kein falscher Eindruck entstehen: Über negative Dinge lässt sich halt einfacher schreiben, die Staffel hat aber trotzdem viel Gutes vorzuweisen. Die Abschiede von liebgewonnenen H
elden sorgen für einige großartige bewegende, tragische und schockierende Momente, das Kennenlernen der neuen Helden macht Spaß und ist dank der gut geschriebenen Charaktere auch sehr interessant.
Die erste Folge sieht den Auftritt von Rupert Penry-Jones als Adam Carter, die Ablösung für Tom Quinn als leading man der Serie. Als ich das erste Mal Spooks geschaut hab, hab ich wegen Matthew Macfadyen geschaut und war deswegen Adam Carter gegenüber aus Prinzip negativ eingestellt – das ist aber ziemlich unfair. Adams erste Szene ist herrlich, und auch wenn sein erster ‘richter’ Auftritt dann etwas versnobbt wirkt, macht Adam dass dann wieder in im Finale wett. Überhaupt funktioniert die Lenkung der Zuschauersympathien ziemlich gut: Natürlich ist man als Zuschauer Anfangs etwas skeptisch gegenüber diesem Neuling, und diese Skeptik findet auch in den alten Teammitgliedern Ausdruck – aber zusammen mit Tom Quinn fängt man langsam an, Adam zu respektieren und findet heraus, dass sich die beiden eigentlich ziemlich ähnlich sind. Zumindest in ihrer Arbeitstechnik – ihre
Persönlichkeiten unterscheiden sich doch deutlich. Was auch gut so ist, man will seinen Helden ja nicht einfach durch eine Kopie ausgetauscht, sondern durch ein neues, anderes Original abgelöst sehen.
Während Tom eher introvertiert und verschlossen war, wirkt Adam viel offener und (vordergründig) fröhlicher, hat dafür aber auch dank düsterer Vergangenheit recht dunkle Seiten zu verbergen und tut Dinge, die Tom nicht getan hätte.
Adams Frau Fiona, gespielt von Olga Sosnovska, wird angenehm behutsam eingeführt – ein Miniauftrag für MI5 hier, ein kurzer Auftritt da – bevor sie ordentlich zum Team stößt. Anfangs war ich mir nicht so sicher, ob ich sie mag, aber in den letzen beiden Episoden ist sie sehr überzeugend – sowohl als eigenständiger Charakter als auch die Beziehung zu Adam. Nicht Teil des Section-D-Teams, aber auch ein sehr interessanter neuer Charakter ist JIC-Vorsitzender Oliver Mace, wunderbar dargestellt von Tim McInnerny. Die alten Darsteller sind natürlich gewohnt gut, besonders Keeley Hawes und David Oyelowo dürfen diese Staffel zeigen was sie drauf haben.
Gaststars hat diese Staffel auch wieder eine ganze Reihe: Ian McDiarmid, Anupam Kher (!) und der schon angesprochene Andy Serkis. Während die ersten beiden natürlich eine Freude sind, hat Serkis eben leider eine sehr dämliche Rolle – ich mag ihn ja sehr, aber da tut es fast ein bisschen weh ihm zuzusehen.
Trotz diversen Schwächen ist die dritte Staffel Spooks immer noch ziemlich unterhaltsam und hat einige ganz große Momente. Die dritte Staffel, soviel darf man schonmal vorwegnehmen, macht dann wieder einen gewaltigen Qualitätssprung nach oben – die Review dazu kommt in nächster Zeit natürlich ebenfalls.
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Tags: BBC, British TV, David Oyelowo, Keeley Hawes, Matthew Macfadyen, Olga Sosnovska, Peter Firth, Rupert Penry-Jones, Spooks

13. September 2009 um 18:42
eine güte, bist du schnell!
13. September 2009 um 19:46
Tja, ich hatte die letzte Woche dank Schlaflosigkeit durch Jetlag jede Menge Zeit um Spooks zu gucken – und nachdem ich eigentlich eine Hausarbeit für die Uni schreiben sollte, war das Review-Schreiben immer eine gute Alternativbeschäftigung um nicht da dran denken zu müssen
Mit der vierten Staffel wirds jetzt etwas länger dauern, weil ich mich wirklich zusammenreißen muss um meine Hausarbeit zu schreiben. Was ja eigentlich auch Spaß macht – die schreib ich nämlich über Twin Peaks *g*
14. September 2009 um 14:40
Hallo Maria,
da hast Du Dir ja eine Arbeit gemacht! Und so eine schöne … Ich bin total begeistert und hoffe noch auf mehr (viel mehr!) Reviews mit MM. Hast Du schon Little Dorrit gesehen? Das ist auch eine ganz beachtliche BBC Verfilmung, die Dir bestimmt gefällt. Du hast mich auf Great Expectations neugierig gemacht … Ich lese gerade das Buch (und der eine ist doch aus Warriors, oder nicht?!)
Liebe Grüße
14. September 2009 um 16:18
Little Dorrit steht sicher noch irgendwann auf dem Programm – ich hab ein bisschen was davon schon gesehen, und das hat mir sehr gefallen.
Great Expectations mit Ioan Gruffudd (ja, das ist der aus Warriors) kann ich wirklich nur empfehlen – allerdings bin ich da vorbelastet, ich find ja eigentlich alles mit Ioan sehenswert.
Diese BBC-Verfilmung ist aber wirklich toll – und die DVD-Ausgabe, die als Beilage mal bei der Daily Mail dabei war, bekommt man bei Ebay auch ganz billig.
14. September 2009 um 18:53
Danke, Maria. Ich werde mir die DVD bestellen. Bin wirklich ganz gespannt. Die BBC Verfilmung von Little Dorrit finde ich herausragend. Die haben sich wirklich sehr genau an die Dickensvorlage gehalten und sogar kleinste Details filmisch umgesetzt. Hatte zuerst den Film gesehen und dann das Buch gelesen. War kein Fehler – Ich liebe das Buch um so mehr …
14. September 2009 um 20:23
Eine so genaue Umsetzung der Vorlage bietet die Great-Expectations-Verfilmung nicht – hier steht ja auch deutlich weniger Zeit zur Verfügung, da muss natürlich etwas gestaucht und vereinfacht werden. Schick ist sie trotzdem.