Hörspiel: The Thirty-Nine Steps
26. October 2009
Ich weiß, dass es nicht gesund ist, jetzt schon mit dem Orson-Welles-Hibbeln loszulegen, wenn ich Me and Orson Welles in einem Monat eh nicht sehen kann. Aber das wird mich trotzdem nicht davon abhalten. Also mal wieder ein Welles-Hörspiel zwischendurch: als viertes Programm im Rahmen des Mercury Theatres on the Air hat sich Orson Welles 1938 John Buchans Roman The Thirty-Nine Steps heraugesucht, der ja auch kurz davor eine erfolgreiche Verfilmung von Alfred Hitchcock bekommen hat.
STORY
Eher zufällig gelang Richard Hannay (Orson Welles) an Details eines Mordkomplotts und einer Verschwörung. Als am nächsten Tag ein Mann tot in seiner Wohnung gefunden wird, steht Hannay selbst unter Mordverdacht und muss fliehen – und gleichzeitig die Verschwörung verhindern…
Wenn man The 39 Steps als Radio-Hörspiel umsetzt, muss man erstmal das Problem umschiffen, dass sich hier die Hauptfigur sehr lange alleine auf der Flucht befindet. Man kann sich also nicht auf Dialoge verlassen um die Handlung zu verdeutlichen sondern muss irgendwie auf einen Erzähler zurückgreifen – eigentlich keine sonderlich elegante Lösung in einem Hörspiel. Selbst die diversen Verfilmungen des Romans, für die ein einsamer Held kein so großes Problem darstellt, stellen Richard Hannay lieber eine (im Roman nicht vorkommende) Heldin zur Seite, damit er jemandem zum Reden hat – ein Weg, den Orson Welles nicht einschlägt und damit wahrscheinlich die getreueste Adaption des Romans überhaupt produziert.
Orson Welles entschließt sich, irgendwo mitten in der Handlung einzusteigen und erstmal etwas Atmosphäre zu erzeugen, macht dann einen Zeitsprung und lässt Hannay dann seine Story einer anderen Figur erzählen. Prinzipiell eine gute Idee, die ein natürlich wirkende Erzählen ermöglicht, weil Hannay ja in der Story tatsächlich erzählt und nicht einfach nur so als Erzählstimme fungieren muss. Und Orson Welles so seeehr viel erzählen darf, was immer eine Freude ist.
Allerdings stellen die ersten 10 Minuten Atmosphäre etwas problematisch: Wir beginnen mit einem Betrunkenen, der unverständliches Zeugs brabbelt, und springen dann in einen Zug, in dem plötzlich ein Mörder gesucht wird, der sich im Abteil befinden und dann flieht. Wenn man die Story kennt, und weiß, wo man das einordnen muss, ist das ein ziemlich toller Anfang – innovativ, temporeich, atmosphärisch. Aber wenn man die Handlung nicht kennt, wovon man als Produzent des Programms ja ausgehen sollte, auch wenn gerade eine erfolgreiche Hitchcock-Verfilmung im Kino war, dann sind die ersten 10 Minuten wohl völlig verwirrend.
Abgesehen von den Anfangsproblemen und einem etwas wirrem Schluss (der vermutlich aber eher Schuld von John Buchan ist) ist das Hörspiel aber sehr gelungen und glänzt mit sehr guten Nebendarstellern (fällt natürlich besonders auf, wenn man sich davor mit der schwachen Cast von Hamlet herumschlagen musste) und einer gelungenen Soundkulisse, die Welles’ Erzählung von der Flucht durch Schottland sehr gut ergänzen. Hier mal ein kleiner Ausschnitt, in der Hannay von seiner Flucht erzählt:
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Besonders interessant bei diesem Hörspiel auch, dass man im Internet auch eine Aufnahme von den Proben findet, in der die Cast das ganze Hörspiel mal durchgeht. Größtenteils hört sich das fast genauso an wie das tatsächlich gesendete Hörspiel, aber es ist interessant zu hören, welche Passagen es nicht in die fertige Fassung geschafft haben. Und die kleinen “out of character”-Momente sind herrlich. Gerade bei einem Schauspieler wie Orson Welles ist es schön, solche Einblicke zu bekommen, weil man bei Interviews etc meist das Gefühl hat, dass er selbst oder andere Leute lieber ein bestimmtes Image pflegen. Da ist es dann auf einmal interessant zu hören, auf welche Art er “Oh, I’m sorry, I read it wrong” sagt. Und weil’s so schön ist, noch der Schluss von der Probe:
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Ja, solche Minischnipsel machen mich glücklich.
In der tatsächlichen Ausstrahlung hat Welles natürlisch schon etwas zu sagen und nimmt die Gelegenheit wahr, um ein bisschen auf Alfred Hitchcock herumzuhacken. Naja, eigentlich erklärt er nur, dass das hier die tatsächliche Romanhandlung war, Hitchcock bei seinem Film Einiges dazuerfunden hat und wenn man beim Hörspiel etwas vermisst hat, dann ist das Hitchcocks Schuld. Aber es klingt ein wenig wie ein frecher Seitenhieb.
Also: Auch wenn der Anfang etwas verwirrend ist, ist es doch ein sehr gelungenes Hörspiel, und gerade durch lange Hannay-Erzählpassagen für Welles-Stimmen-Fans sehr lohnenswert. Wie immer ist die Aufnahme inzwischen in der Public Domain und zum Beispiel hier bekommt man die Rehearsal-Aufnahme und die tatsächliche Ausstrahlungsfassung.
STORY
Eher zufällig gelang Richard Hannay (Orson Welles) an Details eines Mordkomplotts und einer Verschwörung. Als am nächsten Tag ein Mann tot in seiner Wohnung gefunden wird, steht Hannay selbst unter Mordverdacht und muss fliehen – und gleichzeitig die Verschwörung verhindern…
Wenn man The 39 Steps als Radio-Hörspiel umsetzt, muss man erstmal das Problem umschiffen, dass sich hier die Hauptfigur sehr lange alleine auf der Flucht befindet. Man kann sich also nicht auf Dialoge verlassen um die Handlung zu verdeutlichen sondern muss irgendwie auf einen Erzähler zurückgreifen – eigentlich keine sonderlich elegante Lösung in einem Hörspiel. Selbst die diversen Verfilmungen des Romans, für die ein einsamer Held kein so großes Problem darstellt, stellen Richard Hannay lieber eine (im Roman nicht vorkommende) Heldin zur Seite, damit er jemandem zum Reden hat – ein Weg, den Orson Welles nicht einschlägt und damit wahrscheinlich die getreueste Adaption des Romans überhaupt produziert.
Orson Welles entschließt sich, irgendwo mitten in der Handlung einzusteigen und erstmal etwas Atmosphäre zu erzeugen, macht dann einen Zeitsprung und lässt Hannay dann seine Story einer anderen Figur erzählen. Prinzipiell eine gute Idee, die ein natürlich wirkende Erzählen ermöglicht, weil Hannay ja in der Story tatsächlich erzählt und nicht einfach nur so als Erzählstimme fungieren muss. Und Orson Welles so seeehr viel erzählen darf, was immer eine Freude ist.
Allerdings stellen die ersten 10 Minuten Atmosphäre etwas problematisch: Wir beginnen mit einem Betrunkenen, der unverständliches Zeugs brabbelt, und springen dann in einen Zug, in dem plötzlich ein Mörder gesucht wird, der sich im Abteil befinden und dann flieht. Wenn man die Story kennt, und weiß, wo man das einordnen muss, ist das ein ziemlich toller Anfang – innovativ, temporeich, atmosphärisch. Aber wenn man die Handlung nicht kennt, wovon man als Produzent des Programms ja ausgehen sollte, auch wenn gerade eine erfolgreiche Hitchcock-Verfilmung im Kino war, dann sind die ersten 10 Minuten wohl völlig verwirrend.
Abgesehen von den Anfangsproblemen und einem etwas wirrem Schluss (der vermutlich aber eher Schuld von John Buchan ist) ist das Hörspiel aber sehr gelungen und glänzt mit sehr guten Nebendarstellern (fällt natürlich besonders auf, wenn man sich davor mit der schwachen Cast von Hamlet herumschlagen musste) und einer gelungenen Soundkulisse, die Welles’ Erzählung von der Flucht durch Schottland sehr gut ergänzen.
Besonders interessant bei diesem Hörspiel auch, dass man im Internet auch eine Aufnahme von den Proben findet, in der die Cast das ganze Hörspiel mal durchgeht. Größtenteils hört sich das fast genauso an wie das tatsächlich gesendete Hörspiel, aber es ist interessant zu hören, welche Passagen es nicht in die fertige Fassung geschafft haben. Und die kleinen “out of character”-Momente sind herrlich. Gerade bei einem Schauspieler wie Orson Welles ist es schön, solche Einblicke zu bekommen, weil man bei Interviews etc meist das Gefühl hat, dass er selbst oder andere Leute lieber ein bestimmtes Image pflegen. Da ist es dann auf einmal interessant zu hören, auf welche Art er “Oh I’m sorry I read it wrong” sagt. Und weil’s so schön ist, noch der Schluss von der Probe:
Ja, solche Minischnipsel machen mich glücklich. In der tatsächlichen Ausstrahlung hat Welles natürlisch schon etwas zu sagen und nimmt die Gelegenheit wahr, um ein bisschen auf Alfred Hitchcock herumzuhacken. Naja, eigentlich erklärt er nur, dass das hier die tatsächliche Romanhandlung war, Hitchcock bei seinem Film Einiges dazuerfunden hat und wenn man beim Hörspiel etwas vermisst hat, dann ist das Hitchcocks Schuld. Aber es klingt ein wenig wie ein frecher Seitenhieb.
Andere Artikel zum Thema:
Tags: Old Time Radio, Orson Welles, The 39 Steps

