Doctor Who Hörspiel: INVADERS FROM MARS
4. November 2009
Obwohl ich die jetzt schon seit einiger Zeit sehr gerne höre, bin ich noch nie dazu gekommen, hier über die Doctor Who Hörspiele von Big Finish zu schreiben. Ich weiß auch noch nicht, ob ich das in Zukunft öfters machen werde – aber es bietet sich einfach an, heute mal Invaders from Mars zu besprechen, weil ich ja grad im Welles-Fieber bin, und das nächste Doctor-Who-Special am 15.11. auf dem Mars spielt (mit dem Invaders eigentlich nichts zu tun hat, aber egal).
Invaders from Mars ist 2002 erschienen und das fünfte Big Finish Hörspiel mit dem achten Doctor, also schon ein Stückchen alt, und wird generell von den Fans nicht allzu sehr geschätzt. Dabei ist das Hörspiel ganz offensichtlich nach dem Motto „Wie viele Maria-Lieblingsdinge können wir in ein Hörspiel packen?“ enstanden: Paul McGann als der achte Doctor, die wunderbare Charley als Companion, Simon Pegg und Jessica Hynes (Spaced) als Gaststars und mitten drin Orson Welles und sein „War of the Worlds“-Hörspiel.
STORY
Der Doctor (Paul McGann) und Charley (India Fisher) sind eigentlich auf dem Weg nach Singapur, landen aber in New York Ende Oktober 1938. Dort sucht Glory Bee (Jessica Hynes) nach ihrem Onkel, einem Physiker, und der Doctor gibt sich kurzerhand als Privatdetektiv aus und versucht ihr zu helfen. Außerdem wären da noch die Gangster um Don Chaney (Simon Pegg) und Ellis (Mark Benton), die an Alientechnologie gekommen sind und dafür Abnehmer suchen. Und während all dessen planen Orson Welles (David Benson) und John Houseman (Jonathan Rigby) ihre Adaption von „The War of the Worlds“ für CBS…
REVIEW
Ich kann die Probleme, die so einige Fans mit diesem Hörspiel haben, durchaus verstehen – Invaders from Mars ist sicher nicht perfekt. Der Anfang (eigentlich die ganze erste Episode) ist ziemlich verwirrend mit einer großen Anzahl von Figuren, die alle mit ähnlich klingenden falschen amerikanischen Akzenten sprechen und deren Absichten erstmal ziemlich unklar sind. Es wird nie wirklich spannend, und es gibt außer dem Doctor und Charley eigentlich keine Figuren, deren Schicksal einen groß interessieren würde. Charley selbst bekommt eigentlich nicht viel Interessantes zu tun. Und die Idee, eine Doctor Who Geschichte um Welles’ „War of the Worlds“-Hörspiel aufzubauen ist zwar richtig toll, aber letztlich schwächelt die Einbindung der Sendung in die Story, da hätte man mehr machen können.
Natürlich gibt es wohl auch einige, die mit dem ganzen Stil des Hörspiels ein Problem haben – allerdings gehört dieser viel eher zu den unterhaltsamen Stärken von Invaders from Mars. Hier wird mit allen Mitteln eine Atmosphäre irgendwo zwischen trashigen B-Movies und Film noir heraufbeschworen, und eine ganze Reihe von Stereotypen dieser Filme eingesetzt: Nicht-ganz-so-komptente Gauner mit Handlangern, schmierige Societystars, Bedrohung durch Nazis und Russen, dubiose Privatdetektive (alles Dinge übrigens, die man auch zuhauf in der Hörspielreihe ‘The Shadow’ mit Orson Welles findet, auf die in Invaders from Mars natürlich auch verwiesen wird – sowohl direkt als auch mit Don Chaneys Titel „The Phantom“)
Das darf man natürlich alles nicht Ernst nehmen (ein Fehler, den scheinbar einige Fans begangen haben), und einfach für den Fun-Faktor genießen. Und mitten drin Simon Pegg und Jessica Hynes, die hörbar Spaß mit ihren überzeichneten Figuren und falschen Akzenten hatten – was will man mehr?
Einen ganz guten Eindruck vom Stil des Hörspiels verschafft der Trailer, den man bei Big Finish anhören kann – einfach unter dem Cover auf “play trailer” klicken
Der ganze Orson-Welles-Nebenplot nimmt jetzt nicht allzuviel Raum ein, hat mir aber natürlich besonders Spaß gemacht. David Benson als Welles klingt zwar nicht so richtig nach Welles, macht sich aber ganz gut, und vor allem baut Mark Gatiss wunderbar viele kleine Details und Anspielungen in seine Dialoge ein.
Zm Beispiel allein Orsons erster Satz: Nachdem Houseman einen Teil des „War of the World“-Skripts vorgelesen hat, stöhnt Orson: „Who wrote this crap? I certainly didn’t write this crap.“ und Houseman meint „You will, Orson, you will.“ Das ist natürlich zum einen eine kleine Anspielung auf einen Dialog zwischen Oscar Wilde und James McNeill Whistler („I wish I had said that.“ – „You will, Oscar, you will.“). Diese kleine Bemerkung greift aber auch die tatsächlichen Hintergründe zum War of the Worlds Hörspiel auf: Orson Welles war tatsächlich eher wenig begeistert vom ersten Entwurf des Skripts von Howard Koch und hat noch einige Änderungen vorgenommen, selbst in der letzten Probe war Welles noch unzufrieden mit allem und sagte ein Scheitern des Hörspiels voraus wenn das nicht besser wird – und nach dem Erfolg der Sendung beanspruchte Welles den Verdienst des Drehbuchs für sich und meinte, dass von Kochs Entwurf eigentlich nichts mehr übrig war.
Natürlich gibt’s auch einige Fehler. Houseman meint einmal auf Orsons Frage „Why do we bother?“, „Because Campbell Soup pay us to.“ – allerdings war Campbell Soup zum Zeitpunkt von War of the Worlds noch gar nicht der Sponsor von Orson Welles Radioshows, das kam erst danach. Das schöne ist aber, dass für diesen und diverse andere (teils auch absichtliche) Fehler in einem späteren Big-Finish-Hörspiel eine Erklärung geliefert wird.
Trotz den Schwächen kann man mit Invaders from Mars richtig viel Spaß haben – einfach drauf einlassen und all die trashigen Elemente, die anspielungsreichen Dialoge, den Witz und die wunderbare Ansammlung von klasse Sprechern genießen.
Andere Artikel zum Thema:
Tags: Big Finish, Doctor Who, Jessica Stevenson, Orson Welles, Paul McGann, Simon Pegg


18. November 2009 um 11:15
Yeah, 8! Und Charley! Doppeltes YEAH!
(Das musste ich mal sagen …)
Ich fand Invaders from Mars auch nicht so toll. Aber gerade das Trashige und die albernen Akzente haben mir gefallen. (Ich glaube, das sind eher die amerikanischen Fans, die sich immer wegen der Akzente auf den Schlips getreten fühlen – das ist mir schon mal bei einer Diskussion aufgefallen über Minuet in Hell, der Geschichte direkt vor Invaders from Mars.)
Im Gegensatz zu Dir bin ich allerdings gar kein Orson Welles Fan. Und die War of the Worlds Geschichte fand ich auch nicht so toll eigebettet. Das hatte was von einem Potpourri: von allem etwas und nichts richtig … Aber andererseits: Wenn der 8. Doctor und Charley drin rumlaufen, kann die Geschichte ja nicht schlecht sein!
Yeah, 8! Und Charley! Doppeltes YEAH!
(Ich glaube, ich wiederhole mich …)
18. November 2009 um 16:30
Och, “Yeah, 8! Und Charley! Doppeltes YEAH!” kann man doch gar nicht oft genug sagen
Ich versteh durchaus, dass du Invaders nicht so toll fandest – die Handlung ist ziemlich zusammengestückelt, und wenn man dann die ganze Orson-Welles-Sache nicht schick findet, fällt das noch mehr auseinander.
Die Akzente wären bei mir auch immer das letzte, an dem ich mich stören würde, gerade in so Fällen wie Invaders, dass sich eh nicht ernst nimmt, find ich die eher irgendwie knuffig. Da sollen sich die Amis mal nicht so aufregen (zumal es bei Minuet in Hell genügend andere Dinge zum Aufregen gibt, das mochte ich gar nicht). Wir Deutschen regen uns ja auch nicht über die vielen falschen deutschen Akzente oder Wortfetzen auf – gerade wurde ja wieder in Waters of Mars schön demonstriert, dass die BBC offensichtlich niemanden in ganz England auftreiben konnte, der eine ordentliche deutsche Übersetzung liefern kann. Aber über sowas schmunzel ich ein wenig und denk nicht weiter drüber nach…