GIRL NUMBER 9
7. November 2009
Gestern wurde die letzte der sechs 5-Minuten-Episoden von James Morans und Dan Turners fürs Internet produzierten Horror-Serie Girl Number 9 online gestellt. Die vollständige Serie kann man sich nun kostenlos und überall einen Monat lang auf der Website ansehen, nach dieser Zeit wird dann eine DVD mit Zusatzmaterial veröffentlicht.
Einen ersten Eindruck hatte ich ja schon nach der ersten Episode gepostet, jetzt gibt es also die Besprechung der gesamten Webserie.
Regisseur: Dan Turner, James Moran
Drehbuch: James Moran
Musik: Ben Foster
Darsteller: Gareth David-Lloyd, Joe Absolom, Tracy-Ann Oberman
Erscheinungsdatum: 2009
STORY
Nach wochenlangen Ermittlungen haben Detective Matheson (Gareth David-Lloyd) und Lyndon (Tracy-Ann Oberman) endlich Vincent Boylan (Joe Absolom) geschnappt, den mutmaßlichen Mörder von sieben Mädchen. Nun brauchen sie ein Geständnis. Doch Boylan hat noch einige Überraschungen für sie bereit.
REVIEW
Spätestens seit dem großen Erfolg von Joss Whedons “Dr Horrible’s Sing-Along Blog” sind Webserien ein durchaus ernst zu nehmendes Medium, das trotz billiger Produktion mit guter Qualität und gewitzten Drehbüchern glänzen kann. James Moran und Dan Turner hatten nun wohl nicht gerade die Möglichkeiten von Joss Whedon bei “Dr Horrible”, doch auch ihr Girl Number 9 schlägt sich tapfer.
Sechs Episoden von jeweils 4-5 Minuten, voll mit Wendungen und Cliffhangern. Die Handlung ist jetzt nicht gerade der Gipfel der Innovation, doch bei dem Format und dem Tempo kommt ganz sicher nie Langeweile auf, und die allermeisten Storyelemente funktionieren deswegen ziemlich gut. Wer James Moran kennt, weiß, dass man sich auf ziemlich böse Wendungen einstellen darf – der Gute hat schließlich bei Children of Earth mitgeschrieben, und ich bin bis heute nicht über seine Spooks-Episode hinweg. (Sein “Severance” kenn ich noch nicht, aber ich vermute, dass das in eine ähnliche Richtung geht)
Die Regie ist ganz ordentlich und stützt zusammen mit Ben Fosters Soundtrack schön die Spannung und düstere Stimmung. Mit Episode 3 haben wir schließlich James Morans Regiedebüt, und da kann man ihm nur gratulieren: Wenn wir es nicht wüssten, würde man nicht ahnen, dass der Regisseur gewechselt hat, und erst recht nicht, dass Moran hier zum ersten Mal hinter der Kamera steht. Es ist auch völlig in Ordnung, dass die Serie ihre billige Produktion nicht immer ganz verbergen kann: Girl Number 9 ist ein kleiner, düsterer, dreckiger Horrorstreifen, also sieht er auch düster und dreckig und eben nicht auf Hochglanz poliert aus – alles andere würde nicht passen.
Das gute Schauspieltrio hiflt natürlich auch immens dabei, dass die Serie nach
etwas aussieht: Joe Absoloms Psychopath ist alles andere als subtil, aber wunderbar effektiv, und Gareth David-Lloyd kann besonders gegen Ende schön aufspielen.
Natürlich hat Girl Number 9 schon so seine Probleme: Wir haben ziemliche Logikprobleme, die Charaktere sind nicht unbedingt die allerschlausten (ich bin vor allem herzlich wenig überzeugt von Mathesons Verhörmethoden), und ich frag mich immer noch, warum die Polizei offensichtlich in einer alten Lagerhalle mit Lampenmangel ermittelt. Aber das fällt alles nicht allzu schwer ins Gewicht – die Spannung lässt sich davon nicht hindern, die Schockmomente funktionieren und der Rest ist eher Nebensache.
Einen Kommentar muss ich noch loswerden, der aber ganz, ganz üble SPOILER für Girl Number 9 und auch für Torchwood: Children of Earth birgt – also auf gar keinen Fall lesen, wenn man eine der beiden Serien noch nicht gesehen hat!! Ihr wurdet gewarnt.
show
Girl Number 9 ist wahrlich nicht perfekt, aber spannende, kurzweilige Horror-Unterhaltung und produktionstechnisch ein gelungenes Experiment für James Moran. Wer also auch nur irgendwie was für Horror oder für einen der Beteiligten übrig hat, sollte der Webserie unbedingt eine Chance geben – wie schon oben erklärt, stehen alle Episoden noch bis Anfang Dezember kostenlos auf www.canyousaveher.com zur Verfügung.


09. November 2009 um 16:27
Ich fand Girl Number 9 auch ziemlich klasse. Bin schon gespannt was Moran weiter so macht. Da können wir uns noch auf einiges gefasst machen!
09. November 2009 um 21:52
Einer seiner letzten Tweets klang ja schon ziemlich nach “gerne nochmal”:
http://twitter.com/jamesmoran/status/5504244527
Aber ich denke, das hängt auch davon ab, inwiefern sich sowas finanziell lohnt. Girl Number 9 hatte ja soweit ich weiß keine Werbesponsoren, also ist eigentlich letztlich alles, was Moran und Turner einnehmen, das, was beim DVD-Verkauf rausspringt, oder? Irgendwie kann ich mir momentan nicht vorstellen, dass das so richtig profitabel ist…